Organspende ist keine Pflicht
16. Dezember 2011 von DER SONNTAG
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Eigentlich könnten die Befürworter der Organspende frohlocken: Zwei Drittel der Deutschen wären bereit, einem schwer Erkrankten ein Organ zu überlassen, wie die Bertelsmann-Stiftung und die Krankenkasse Barmer GEK in einer Studie ermittelt haben. Rund 12 000 Patienten warten der Deutschen Stiftung Organtransplantation zufolge in der Bundesrepublik auf eine Niere, eine Leber, Herz, Lunge oder Bauchspeicheldrüse. Gemessen daran ist die Zahl jener, die einen Spenderausweis besitzen, zu gering.
Mehr als 1100 Patienten sind im vergangenen Jahr gestorben. Verständlich also, wenn Politiker wie Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) Druck machen. Scheint nun ein Hoffnungsschimmer für die schwer Erkrankten auf?
Nein, noch kann davon keine Rede sein. Denn – auch dies hat die Studie gezeigt: Die Unsicherheit bleibt groß, eine Entscheidung anspruchsvoll. Setzt sie doch voraus, dass man sich mit solch komplizierten Grenzfragen wie der nach dem Hirntod beschäftigen muss – jenem Zeitpunkt also, an dem Organe entnommen werden könnten. Bedenken bleiben: Kann man von einem Menschen, dem dies widerfährt, würdig Abschied nehmen? Und sind die Erfolgsaussichten, mit einem Spenderorgan auf Dauer zu überleben, nicht zu gering?
Die Position der Evangelischen Kirche in Deutschland ist eindeutig: Sie ermutigt zur Organspende. Sie könne ein Akt der Nächstenliebe über den Tod hinaus sein. Aber sie erklärt das nicht zur Christenpflicht. Sie lehnt daher auch die Widerspruchsregelung ab, bei der jedem, der nicht ausdrücklich ablehnt, Zustimmung unterstellt wird. Angesichts des hohen Bedarfs ist Information nötig – keineswegs moralischer Druck.
Tomas Gärtner
Zur Besinnung für die FDP
18. November 2010 von Redaktion DER SONNTAG
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Nun ist es also der Buß- und Bettag, auf den sich die FDP einschießt. Am vergangenen Dienstag hat deren sächsischer Vorsitzender Holger Zastrow (Foto) in der »Freien Presse« verkündet, dass er diesen Feiertag gern streichen würde. Denn er wird nur noch in Sachsen begangen. In anderen Bundesländern ist er 1995 der Pflegeversicherung zum Opfer gefallen. Wir Sachsen zahlen stattdessen ein halbes Prozent des Bruttogehaltes in die Pflegekassen ein. Für die FDP ist das »unverhältnismäßig teuer« bezahlt.
Vieles ist der FDP in letzter Zeit zu teuer. Und alles hat irgendwie mit Kirche zu tun: die Zahlungen für Schulen in freier Trägerschaft, die Staatsleistungen für die Kirchen und die sächsischen Zuwendungen für den Kirchentag in Dresden. Dazu passen die Vorstöße zur Ausweitung der Ladenöffnungszeiten an Sonntagen. Statt zu beten, so könnte man meinen, sollen die Menschen lieber arbeiten. Dass der Mensch zum Arbeiten auch einen Ausgleich braucht, ist da nicht gewünscht.
Bei den Staatsleistungen und dem Buß- und Bettag gehen die Ansichten der sächsischen Koalitionspartner auseinander. Hier ist die CDU entschieden anderer Meinung. Dass die FDP jedoch die Mitfinanzierung des Kirchentags nicht gern sieht, ist verwunderlich. Denn dieses Geld ist eine indirekte Wirtschaftsförderung.
Und das müsste ihr doch sehr gelegen kommen. Der Freistaat gibt fünf Millionen dazu, die Landeskirche und die Stadt Dresden jeweils zwei Millionen. Was Stadt und Region dann davon haben, hat sich zuletzt in Bremen gezeigt: Die Kirchentagsbesucher haben ein Umsatzplus von 22,3 Millionen Euro beschert.
Vielleicht sollten auch FDP-Vertreter erst nachdenken, ehe sie ihre Angriffe starten. Der Buß- und Bettag eignet sich hervorragend dazu.
Christine Reuther
Steter Tropfen
25. September 2009 von Redaktion DER SONNTAG
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Steter Tropfen höhlt den Stein« möchte man sagen angesichts des Koalitionsvertrages zwischen sächsischer CDU und FDP. Zumindest was die Sonntagsöffnung von Videotheken und Autowaschanlagen betrifft. Das fordert die FDP in Sachsen seit Jahren: Bereits zu Beginn der vorigen Legislaturperiode, im Dezember 2004, hatte sie einen derartigen Antrag ins Landesparlament eingebracht. Damals galt bei der CDU noch das Bekenntnis zum Sonntagsschutz.

Foto: MrK001 (sxc.hu)
Nun gut, könnte man sagen. Wen stören schon offene Autowaschanlagen am Sonntag? Und Videoschauen gehört vielleicht zu manchem Sonntagsvergnügen. Doch was für eine Einstellung steht dahinter? Was ist der Sonntag, den Menschen noch wert? Einkaufen scheint eines der beliebtesten Freizeitvergnügen zu sein. Der Andrang in immer größeren, neueren Einkaufszentren spricht für sich.
Vielleicht sagen dann manche Politiker um der Wählergunst willen eines Tages: Wenn Familien so gern Ausflüge in »Einkaufstempel« machen, warum sollen sie das nicht auch sonntags können? In die eigentlichen Tempel, sprich die Kirchen, geht ja sowieso kaum noch jemand am Sonntag. Und: Die meisten Feiertage sind ja jetzt schon nur noch Anlässe, der Kauflust zu frönen. Wozu brauchen wir sie dann noch? Das sind die Fragen, die eigentlich hinter den Autowaschanlagen und Videotheken stehen. Und wenn sie niemand mehr stellt, heißt es weiter: »Steter Tropfen …«.
Darauf sollten wir Christen immer wieder den Finger legen. Denn zu den Grundlagen unseres Zusammenlebens gehören immer noch die zehn Geboten, deren drittes lautet: Du sollst den Feiertag heiligen.
Christine Reuther
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