Ein Mann des Ausgleichs
24. Juni 2010 von Redaktion DER SONNTAG
Abgelegt unter Sachsen, Zwischen Leipzig und Leisnig

Friedrich Magirius in seinem Garten in Leipzig-Wahren. Als Superintendent und Stadtpräsident hat er das kirchliche und politische Leben in der Messestadt vor und nach 1989 wesentlich mit geprägt. Foto: Armin Kühne
Am 26. Juni feiert der frühere Leipziger Superintendent Friedrich Magirius 80. Geburtstag
Der Garten ums Haus zeigt sich im Juni von seiner schönsten Seite. Ehe es um die ernsten Dinge seines 80-jährigen Lebens geht, führt Friedrich Magirius durch die von seiner Frau Christel angelegten Blumenbeete. Diese leuchten in prächtigen Farben, passend zum 80. Geburtstag des früheren Leipziger Superintendenten, den er am 26. Juni feiert.
Als er dann auf seine Erinnerungen zu sprechen kommt, hat er für sich einen roten Faden ausgemacht: »Ich bin kein Einzeltyp. Gott hat mir immer eine Gruppe geschenkt, gerade auch für Leitungsaufgaben«, sagt er. Das war so in seiner ersten Gemeinde in Einsiedel bei Chemnitz, wo er einen engen Kontakt mit dem Kirchenvorstand gepflegt hat, das war auch so während seiner Arbeit als Leiter der Aktion Sühnezeichen in der DDR von 1974 bis 1982, das prägte seine Arbeit als Superintendent und nach 1989 als Stadtpräsident von Leipzig.
Gerade in den letzten Jahren der DDR war ihm das wichtig. »Es war mein Anliegen, dass es eine Gruppe gibt, die die Friedensgebete verantwortet«, sagt er rückblickend. Deshalb habe er 1985 vorgeschlagen, dass die Kirchenbezirkssynode einen Ausschuss »Frieden und Gerechtigkeit« wählt mit Mitgliedern der Synode und der Friedensgruppen.
Als »Mann des verantwortlichen Ausgleichs« würdigt Johannes Hempel, damals Landesbischof, den Jubilar. »Er hat sich als Pfarrer und Superintendent von Anfang an der Vermittlung zwischen getrennten Kirchen, Völkern, christlichen Gruppen gewidmet«, so Hempel. Mit der »Aktion Sühnezeichen« habe er Brücken zu Polen gebaut. »Im Jahre 1989 mühte er sich um die Vermittlung zwischen Gruppen der friedlichen Revolution und der Kirchenleitung«, so Hempel.
Friedrich Magirius selbst sieht diese Zeit mit gemischten Gefühlen. 1988 habe der Synodalausschuss vor einem doppelte Problem gestanden: Einerseit seien immer mehr Antragsteller auf Ausreise zu den Friedensgebeten gekommen, um ihrem Wunsch Nachdruck zu verleihen. Andererseits hätten immer mehr Gruppen gefordert, dringend in der Gesellschaft hier etwas zu verändern. »Ich konnte sie nicht zusammenhalten«, sagt er. Und immer habe er in dem Spannungsfeld zwischen Aufbegehrenden und Staatsmacht gestanden. Dabei war sein Credo: »Kirche muss Kirche bleiben, offen für die Probleme der Gruppen, aber immer auch für die Botschaft der Bibel«, sagt er.
Als dann in Ostdeutschland demokratische Verhältnisse Einzug hielten, ging es Friedrich Magirius wieder darum, »in der Stadt die Partner zu finden, mit denen man etwas bewegen kann«. Er ging ehrenamtlich und ohne Parteibuch in den Stadtrat und wurde dort zum Stadtpräsidenten gewählt – ein Amt, das es neben dem Oberbürgermeister nur vier Jahre lang gab. Noch heute engagiert er sich für die Belange der Stadt. »Ich gehe in Jugendzentren, um zu hören, was es dort für Probleme gibt«, sagt er. »Ich kann dadurch helfen, dass ich die kenne, die helfen können.« Und er übernimmt noch gern Gottesdienstvertretungen.
Für Christoph Münchow ist Magirius »auch im Ruhestand seinen Grundanliegen mit beherztem Engagement treu gebleiben«, so der heutige Oberlandeskirchenrat und einstige Lehrvikar des Jubilars aus Chemnitzer Zeiten. »Es geht ihm um das Gespräch zwischen den Generationen, zwischen jüdischen und polnischen Zeitzeugen mit der heranwachsenden Generation«, so Münchow. Er betont: »Friedrich Magirius hält klar im Blick, wo Widerstehen und wo Versöhnen nötig sind.«
Sich einbringen, Verzicht üben, das sieht Magirius unter heutigen Verhältnisse geboten. Zu seinem 80. Geburtstag wünscht er sich keine Reden, »aber ich freue mich, dass Gott mir das Alter geschenkt hat und ich noch mitwirken kann«.
Christine Reuther
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