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	<title>⇒ DER SONNTAG [Sachsen] &#187; häusliche Gewalt in Sachsen</title>
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	<description>Wochenzeitung für die Evangelisch-Lutherische Landeskirche Sachsens</description>
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		<title>Angst vor Zuhause</title>
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		<pubDate>Thu, 28 Jan 2010 15:31:23 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Redaktion DER SONNTAG</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Frauenhaus Sachsen]]></category>
		<category><![CDATA[Gewalte in der Familie]]></category>
		<category><![CDATA[häusliche Gewalt in Sachsen]]></category>
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		<category><![CDATA[Tilo Mahn]]></category>

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		<description><![CDATA[Darüber spricht man nicht: Gewalt in der Familie. Sie ist alltäglich. Doch es gibt Hilfsangebote – und die Hoffnung, dass Gott auf Seiten der Opfer steht.
Wir hätten so eine schöne Familie sein können. Manchmal denkt sie das. »Ich habe meinen Mann geliebt, wollte mit ihm alt werden.« Die gemeinsame Tochter hielt sie im Arm, als [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Darüber spricht man nicht: Gewalt in der Familie. Sie ist alltäglich. Doch es gibt Hilfsangebote – und die Hoffnung, dass Gott auf Seiten der Opfer steht.</strong></p>
<div id="attachment_1392" class="wp-caption alignnone" style="width: 541px"><img class="size-full wp-image-1392  " style="margin: 2px" title="titel_s0_05" src="http://www.sonntag-sachsen.de/files/2010/01/titel_s0_05.jpg" alt="Foto: Laurent Hamels (Fotolia.com)" width="531" height="327" /><p class="wp-caption-text">Foto: Laurent Hamels (Fotolia.com)</p></div>
<p>Wir hätten so eine schöne Familie sein können. Manchmal denkt sie das. »Ich habe meinen Mann geliebt, wollte mit ihm alt werden.« Die gemeinsame Tochter hielt sie im Arm, als er ihr das erste Mal an den Hals ging. Sie erkannte ihn nicht wieder. Dann rannte sie hin­aus auf die Straße. In Hausschuhen, ohne Jacke. Es war Winter.</p>
<p>Da glaubte Anja Steiner (Name geändert): Das wird nie wieder geschehen. Doch sie irrte sich. »Nach außen haben wir die glückliche Familie gespielt«, sagt die kleine Frau mit den ernsten Augen. In ihnen spiegelt sich noch die Angst vor den Schlägen: Wie ein Hase in einer Ecke, sagt sie, so ein Gefühl war das. Die junge Frau versuchte sich zu töten. Als sie aus dem Krankenhaus kam, ging sie zurück zu ihrem Mann. Weil sie so gern eine Familie haben wollte, die sie nie hatte – ihr Stiefvater schlug ihre Mutter. Weil sie diese Angst schon als Kind verinnerlicht hatte. Weil ihr Mann sagte: Du bist nichts, Du kannst nichts. Und weil sie das glaubte.</p>
<p>Nachdem Anja Steiner ein zweites Mal versuchte hatte, ihrem Leben ein Ende zu setzen, packte sie vor acht Jahren ihre Sachen. Mit ihren zwei Töchtern fuhr sie in eine neue Wohnung. Ihr Mann aber nahm ihr noch am selben Abend alles: Die Kinder zog er mit sich und überzeugte Jugendamt und Gericht, dass sie bei ihm in ihrer alten Umgebung besser aufgehoben seien. Und die Freiheit nahm er seiner Frau auch. Er lauerte vor der Tür ihrer Wohnung, drohte ihr, wollte sie zurück. »Ich war wie besessen vor Angst«, sagt Anja Steiner.</p>
<p>Sie sah nur noch eine Zuflucht, von der sie lange nicht wusste, dass es sie gibt: Das <a href="http://www.sos-kinderdorf.de/sos_muetterzentrum_zwickau/de/startseite.html">SOS Mütterzentrum in Zwickau</a>. Dort fand sie Menschen, die ihr glaubten, sie schätzten. Und vor allem: eine sichere Wohnung. »Ich fühlte mich aufgehoben, geborgen.« Das erste Mal nach sehr langer Zeit.</p>
<p>677 Frauen haben im Jahr 2008 in den <a href="http://www.gewaltfreies-zuhause.de">19 sächsischen Frauenschutzhäusern</a> Zuflucht gesucht – und 639 Kinder, die von der körperlichen und seelischen Gewalt in ihren Familien ebenfalls betroffen sind. Jede vierte Frau in Deutschland hat nach einer Studie des Bundesfamilienministeriums minde­stens einmal körperliche oder sexuelle Gewalt in ihren Beziehungen erlitten. Über die Zahl der betroffenen Männer gibt es nur Mutmaßungen.</p>
<p>Doch ob Kinder, Frauen oder Männer – die Opfer bleiben oft allein. Auch in Kirchgemeinden. »Die Erfahrung von Gewalt trifft einen Menschen in seinem Kern und macht ihn einsam«, sagt Tilo Mahn, der Leiter des Leipziger Instituts für Seelsorge und Gemeindepraxis. Erfahren kirchliche Mitarbeiter davon, sind sie nicht selten erschrocken und hilflos.<br />
»Es gibt eine Scham, darüber zu reden«, so Mahn, der Pfarrer ausbildet und berät. »Doch in den Kirchgemeinden wächst die Sensibilität für dieses Thema.«</p>
<p>Um dies zu befördern, bietet die Gleichstellungsbeauftragte der sächsischen <a href="http://www.evlks.de/kontakt/beauftragte/11914.html">Landeskirche Kathrin Wallrabe den Gemeinden Informationsveranstaltungen</a> und <a href="http://www.evlks.de/doc/Beratungsstellenverzeichnis_Stand29-05-2008.pdf">Beratung</a> an.<br />
Das ist auch dringend nötig. Denn die Traditionen von Bibel und Kirche haben zu oft das Gegenteil gepredigt: Ein machtvoller Vater-Gott wird zum Abbild des gewalttätigen Mannes. »Christen nehmen Leid oft an und wollen eine Familie nicht zerstören«, sagt Kathrin Wallrabe.</p>
<p>Dabei ist der Gott der Bibel, wie er sich in Jesus zeigt, ganz parteilich – auf der Seite der Machtlosen und Erniedrigten.</p>
<p>Auf der Seite von Frauen wie Anja Steiner. Im Z<a href="http://www.sos-kinderdorf.de/sos_muetterzentrum_zwickau/de/startseite.html">wickauer SOS Mütterzentrum</a> hat sie viel gewonnen: Selbstvertrauen, Sicherheit. Sie schließt keine Türen mehr ab, sie fühlt sich stark – auch stark genug, um wieder glücklich zu sein. Doch der Verlust ihrer beiden Kinder schmerzt. »Hat Papa Dich geschlagen?«, fragte neulich ihre elfjährige Tochter. Anja Steiner schwieg, sie will dem Kind das Bild des Vaters nicht zerstören. Doch es kommt der Tag, an dem wird sie es erzählen.</p>
<p><em>Andreas Roth</em></p>
<p>Alle Hilfs- und Beratungsangebote bei häuslicher Gewalt in Sachsen: <a href="http://www.gewaltfreies-zuhause.de">www.gewaltfreies-zuhause.de</a></p>
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