Annäherung

28. Januar 2010 von Redaktion DER SONNTAG  
Abgelegt unter Kommentar

Tomas Gärtner, Foto: Steffen Giersch

Tomas Gärtner, Foto: Steffen Giersch

Irinej ist neuer Patriarch der serbisch-orthodoxen Kirche. Diese Wahl ist ein Hoffnungszeichen. Vor allem für den Weg Serbens in die Europäische Union.

Die politischen Schritte muss die serbische Regierung gehen. Die orthodoxe Kirche indes könnte die Herzen der Menschen für diese dringend notwendige Integration öffnen. Immerhin bezeichnen sich 90 Prozent der Serben als orthodoxe Christen. Das serbische Fernsehen hat die Amtseinführung erstmals live übertragen.

Irinej gilt als gemäßigt. Mit EU-feindlichen oder nationalistischen Äußerungen wie etwa sein Mitbewerber Metropolit Amfilohije von Montenegro ist er nie in Erscheinung getreten. So könnte er zum Mann des Ausgleichs zwischen diesen und den liberalen Geistlichen werden. EU-Befürworter hätten einen gewichtigen Fürsprecher.

Die Bundesrepublik spielt bei der Annäherung keine geringe Rolle. Mehr als eine Viertelmillion orthodoxer Serben leben hier. Überwiegend im Westen Deutschlands, wohin sie vor allem seit den Sechziger Jahren als Arbeitskräfte kamen. Andere, die nach Serbien zurückkehrten, gelten als europafreundlich.

Ein Hoffnungszeichen ist der neue Patriarch auch für die Beziehungen zwischen den Konfessionen. Beobachter wie der Belgrader Kirchenexperte Zivica Tucic sehen einen Mann des Dialogs in ihm, offen für andere Kirchen. Im Prozess ökumenischer Annäherung mit europäischer Dimension, in Deutschland allzu oft auf den Dialog evangelisch-katholisch reduziert, könnte die Orthodoxie zu einer entscheidenden Mittlerin werden.

Die katholische Kirche jedenfalls demonstriert den Serben gegenüber deutliche Bereitschaft, trennende Hindernisse zu überwinden. Und EKD-Ratsvorsitzende Bischöfin Margot Käßmann bietet eine Begegnung an – trotz der Konflikte, die die russische Orthodoxie mit ihr hat.

Tomas Gärtner