Damit die Seele einen Ruhepunkt findet

15. Oktober 2009 von Redaktion DER SONNTAG  
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Heile du mich, Herr, so werde ich heil. Hilf du mir, so ist mir geholfen.
Jeremia 17, Vers 14

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Bettina Dörfel ist Landesleiterin der Kirchlichen Frauenarbeit in Sachsen. Foto: Steffen Giersch

Bettina Dörfel ist Landesleiterin der Kirchlichen Frauenarbeit in Sachsen. Foto: Steffen Giersch

Es geht ihr nicht gut. Nein, sie hatte keinen Unfall, keine schlimme Diagnose und auch entlassen wurde sie nicht. Aber sie ist innerlich zerrissen, sie hat sich so engagiert für saubere Kleidung, für gerechte Löhne in den Entwicklungsländern, für ökologisches Bewusstsein rund um die Welt und vieles mehr. Immer wieder hat sie die Unheilsstrukturen aufgedeckt, darüber gepredigt, die Leute beschworen. So richtig tut sich nichts. Sie wird belächelt und bespöttelt. »Ich kann es nicht mehr hören«, sagen die Leute zu ihr. »Vielleicht muss die Menschheit ja in ihr Unglück rennen«, sagt sie sich.

Ähnliches hat Jeremia erlebt. Er litt darunter, dass die Leute ihn nicht mehr ernst nahmen. Leidenschaftlich hatte er sich dafür eingesetzt, dass die Menschen ihre Lebenseinstellungen grundsätzlich ändern. »Wo bleibt denn das Unglück, das der Herr angedroht hat? Es soll doch kommen!«, so beschreibt er die Reaktion seiner Landsleute in Vers 15.

Verunsichert wirkt Jeremia hier, enttäuscht und zornig. Vielleicht ein erster Schritt, damit die zerrissene Seele wieder heil werden kann: alles herauslassen, was an Wut in einem steckt. Gut ist es, wenn man es Gott sagen kann und nicht anderen an den Kopf knallen muss. Noch besser ist es, wenn man so wie Jeremia »Du« sagen kann zu Gott, wenn in der Enttäuschung dieses Vertrauen bestehen bleibt. Dann hat sich die Situation zwar nicht verändert, aber die Seele hat einen Ruhepunkt gefunden.

Von diesem Punkt aus kann sich Heilendes entwickeln, kann sich Bitterkeit lösen und der Blick klar werden: Was ist mein Auftrag jetzt? Wofür kämpfe ich trotz allem Widerstand? Wer unterstützt mich? Was tue ich Gutes für mich, damit die Seele heil bleibt? Und wenn mir letzteres nicht ganz gelingt, dann weiß
ich ja, an wen ich mich wende.

Bettina Dörfel

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