Gehalten im Glauben

30. Dezember 2009 von Redaktion DER SONNTAG  
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Im Laufe ihres Lebens müssen alle Menschen auch Böses durchleben. Die Jahreslosung für 2010 will Gelassenheit vermitteln – trotz aller Gefahren.


Jesus Christus spricht: Euer Herz erschrecke nicht. Glaubt an Gott und glaubt an mich.
Johannes 14, 1 [Jahreslosung 2010]

Jochen Bohl © Steffen Giersch

Landesbischof Jochen Bohl © Steffen Giersch

Ich bin entspannt mit dem Auto unterwegs; die Landstraße macht eine leichte Bie­gung. Da kommt mir plötzlich ein überholendes Fahrzeug entgegen – auf meiner Spur! Instinktiv findet der Fuß die Bremse, nur durch eine Vollbremsung wird der Zusammenstoß vermieden. Der Adrenalin­stoß lässt »das Blut in den Adern ge­frieren«, wie man auch sagt.

Jeder wird ähnliche Schrecken schon einmal erlebt haben – und auch das tiefe Gefühl der Dankbarkeit und der Erleichterung kennen, wenn die Gefahr vorbei und es gerade noch einmal gut gegangen ist.

Dann gibt es die Schrecken, die einem sozusagen in kleineren Dosen verab­reicht werden, die aber umso länger anhalten. Das Unbehagen angesichts der sor­gen­vollen Miene des Geschäftsführers und der Gerüchte im Betrieb, es sähe gar nicht so gut aus mit der Auftrags­lage. Die Furcht nach der Diagnose des Arz­tes, der nach einer Untersuchung erklärt, man habe da etwas gefun­den und es müsse geklärt werden, was das eigentlich sei.

Es kann einem auch unwohl werden an einem sonnigen Mittag Ende November, den man am lieb­sten auf den Dresdner Elbwiesen verbringen würde; jeder sieht ja die Anzei­chen einer Ver­änderung unseres Klimas.

In der gefallenen Schöpfung gibt es Schrecken jeder Art und zahllose Gründe für ge­ängstigte Herzen. Das Wort Jesu, das uns im neuen Jahr als Losung begleitet, steht in den sogenannten Ab­schiedsreden. Jesus kündigt seinen Jüngern an, dass er von ihnen fortgehen wird. Er deutet an, dass ihn sein Weg an einen Ort führen wird, wohin ihm seine Jünger nicht folgen können.

Die Jünger werden ihn nicht unbedingt verstanden haben. Dass sie über solche Worte ihres Freundes und Meisters er­schrecken, ist aber leicht nachzuempfinden. Seit sie mit ihm unterwegs sind, ist er derjenige, der ihrem Leben einen Sinn gegeben hat. Sie haben ihr Herz für ihn geöffnet. Wie soll es ohne ihn weitergehen?

»Euer Herz erschrecke nicht«, sagt Jesus. »Glaubt an Gott und glaubt an mich.« Darin liegt für uns, die wir glauben, ein wunderbarer Trost. Der Glaube an Jesus Christus hilft uns gegen die Gefahren, die das Herz ängstigen. Auch wir werden von den Schreck­nissen der Welt getroffen. Auch Chri­sten werden krank, erleiden Unfälle, schei­tern in Gefahren. Ein Leben in leichtem Wohl­stand und ohne Leid ist uns nicht verheißen und ist auch mit diesem Wort Jesu nicht ge­meint. Der Glau­be ist kein Schirm, der alles Böse von uns fernhält.

Wohl aber können wir den Dingen, die uns erschrecken, mit einem großen Maß an Gelassenheit gegenüber­treten. Denn es ist eine lebendige Erfahrung vieler Christen, dass die Sorgen leichter werden, wenn wir sie Gott anvertrauen. Wir kennen die Erfahrung gut, dass Türen sich öffnen, die längst verschlossen zu sein schienen. Oft genug weiß Gott einen Weg für uns, wo wir keinen Ausweg finden. Es ist eine Erfahrungswahrheit, dass unser Glau­be viel mehr ist als billige Vertröstung, wie manche es heute noch meinen.

Den Jüngern blieben schmerz­liche Erfahrungen nicht erspart, als Jesus sei­nen Weg ans Kreuz ging. Einige Ver­se nach der Jahres­losung lesen wir, dass der Herr ihnen den Tröster verheißt, den Heiligen Geist. Wenn wir an den Schrecknissen des Lebens nicht vorbeigeführt werden, sondern durch sie hin­durch müssen, sind wir nicht allein, denn Gott ist in seinem Hei­ligen Geist mit uns.

Es ist eine Erfahrung, die Christen­menschen immer wieder machen können, dass in einer schwierigen Lage plötzlich eine ungekannte Kraft zuwächst. Mit ihr gelingt es, die Last zu tra­gen, die einem auferlegt wurde. Der Heilige Geist, der Tröster, verleiht sie uns, damit wir in den Herausforderungen bestehen und nicht unter den Lasten des Lebens zusammenbrechen. Er schenkt uns auch die Hoff­nung, dass alle unsere Wege in dem Licht der Liebe Gottes enden werden.
Euer Herz erschrecke nicht, sagt Jesus – glaubt an Gott und glaubt an mich.

Die Kraft des Heiligen Geistes ist ein Geschenk, das wir empfangen, wenn wir uns für die Anrede Jesu öffnen und seine tröstende Zusage hören, wie er sie seinen Jüngern gegeben hat. Ich wün­sche Ihnen, liebe Leser, dass die Jahres­losung Ihnen auf den Wegen des Jahres 2010 zu einem ermu­tigenden und in Gefahren zu einem tröstenden Wort Gottes wird.

Von Landesbischof Jochen Bohl