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	<title>⇒ DER SONNTAG [Sachsen] &#187; Kirche</title>
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	<description>Wochenzeitung für die Evangelisch-Lutherische Landeskirche Sachsens</description>
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		<title>Verschlossene Herzen</title>
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		<pubDate>Fri, 20 Jan 2012 07:31:16 +0000</pubDate>
		<dc:creator>DER SONNTAG</dc:creator>
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		<description><![CDATA[
Er wollte ein guter Ehemann sein und ein guter Christ. Er litt, weil sein Herz für Männer schlägt. Ein Leiden ist Homosexualität nicht&#xA0;– aber ihre Verdrängung ist es.
Er schenkte ihr immer weiße Rosen. Nie rote. »Weil Du so rein bist«, sagte er dann zu ihr. Nie sagte er: Ich liebe dich. Sie bat ihn: »Schauspielere [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://www.sonntag-sachsen.de/files/2012/01/so4beitrag.jpg" alt="so4beitrag" title="so4beitrag" width="580" height="357" class="alignnone size-full wp-image-5322" /></p>
<p>Er wollte ein guter Ehemann sein und ein guter Christ. Er litt, weil sein Herz für Männer schlägt. Ein Leiden ist Homosexualität nicht&#xA0;– aber ihre Verdrängung ist es.</p>
<p>Er schenkte ihr immer weiße Rosen. Nie rote. »Weil Du so rein bist«, sagte er dann zu ihr. Nie sagte er: Ich liebe dich. Sie bat ihn: »Schauspielere doch mal und sag es wenigstens ein einziges Mal.« Er konnte es nicht. Sie war seine Frau. </p>
<p>Sein Vater, Pfarrer auf dem sächsischen Land, hatte ihm beschieden: »Homo­sexualität kommt in Gottes Schöpfungsordnung nicht vor.« Martin Paul (alle Namen geändert) nahm es als Gesetz. Legte einen eisernen Ring um sein Herz. Es fühlte anders, als es durfte. Als es sollte. Schwul zu sein, das war für ihn schweinisch, das war gegen Gott. Als er 30 wurde, hatte er noch nie einen Menschen geküsst. Und dann kam sie. Sagte: »Martin, du bist schön.« </p>
<p>So etwas hatte er nie zuvor gehört. Martin und Katrin heirateten, bekamen drei Kinder. Eine christliche Ehe. 16 Jahre lang. </p>
<p>»Ich habe immer versucht, meiner Frau ein passender Ehemann zu sein, ich wollte sie auf Händen tragen und in den Himmel führen«, erinnert sich Martin Paul. Aber es wurde und wurde keine Liebe daraus. »Er hat es versucht«, sagt Katrin Paul. »Aber wir sind eigentlich mehr wie Geschwister.« </p>
<p>Doch es ging. Er sagte ihr: »Ich finde Männer so schön.« Sie antwortete: »Ich finde Männer auch so schön.« Vor allem aber waren sie einander treu, das trug. Der eiserne Ring jedoch zog sich immer fester um Martin Pauls Herz. </p>
<p>Sein Leben wurde zu einem Hindernislauf. So viele Ansprüche, denen er genügen musste. So viele Fallen, so viele Verstecke. Er entwickelte Pläne, an deren Ende eine Beerdigung gestanden hätte&#xA0;– wenigstens das sollte ehrenvoll sein. Paul stürzte sich in die Arbeit, um zu entkommen. Er verausgabte sich. Bis zum Zusammenbruch. </p>
<p>Thorsten Kohlmann ist ein Mann mit kräftigem Händedruck. Ein Handwerker mit Sinn fürs Praktische. Nie hätte er gedacht, dass es ihn trifft. Ihn, der behütet in einer evangelischen Handwerkerfamilie aufgewachsen war. Evangelischer Kindergarten, Junge Gemeinde, Kirchvorsteher. Von Schwulen hatte er in seiner Jugend gehört&#xA0;– um keinen Preis wollte er dazugehören. </p>
<p>Kohlmann fand eine Frau, eine sehr gute und liebe Frau, sagt er. Bekam eine Tochter mit ihr. »Es war keine schlechte Ehe«, sagt er. Die Anziehungskraft, die später zwischen ihnen fehlte, glichen sie aus mit Wanderungen, Gipfelbesteigungen, Opern- und Gottesdienstbesuchen. Doch da waren seine Gefühle für Männer, nicht für Frauen. Kohlmann fraß es in sich hinein. </p>
<p>Er betete oft. »Ich bin doch auch gottgewollt«, sagte er sich. »Es kann nicht gottgewollt sein, dass man sich ein Leben lang versteckt. Ich habe um einen Ausweg gebetet&#xA0;– und der kam eines Tages.« Ganz unerwartet. Kohlmanns Frau eröffnete ihm, dass da ein anderer Mann ist. Und Kohlmann? »Ich freue mich sehr für dich«, sagte er ihr. »Ich drücke dir die Daumen, dass du einen erwischst, der dich sehr liebt.« Noch immer kommen ihm die Tränen bei der Erinnerung an diesen Moment.</p>
<p>Thorsten Kohlmann und Martin Paul sind nun geschieden. Sie haben neue Partner&#xA0;– ihre Frauen auch. Alles Männer. Ihre Frauen sind ihre Freunde geblieben. In dem Café, in dem Martin Paul früher mit seiner Frau die Hochzeitstage feierte, sitzen sie sich gegenüber. In Würde haben sie sich getrennt, aber auch in Schmerzen. </p>
<p>»Dass ich dir das zufügen musste, hat mir sehr weh getan«, sagt Martin und sieht lange stumm seine frühere Frau an. »Du bist nicht mein Besitz«, erwidert sie. »Man kann den anderen nicht zwingen, anders zu sein, als er ist.« </p>
<p>Sie schüttelt den Kopf, als schüttele sie ihre Lebensträume ab. Sie denkt an ihre Kinder, ihre Verletzungen&#xA0;– aber auch daran, wie entspannt und glücklich ihr früherer Mann nun sein kann. »Ich mache Dir keinen Vorwurf«, antwortet sie ihm. »Gott schreibt auch auf krummen Linien gerade.« </p>
<p><em>Andreas Roth</em></p>
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		<title>»Die Kirche muss Menschen bewegen«</title>
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		<pubDate>Thu, 22 Dec 2011 11:05:34 +0000</pubDate>
		<dc:creator>DER SONNTAG</dc:creator>
				<category><![CDATA[Sachsen]]></category>
		<category><![CDATA[Zwischen Leipzig und Leisnig]]></category>
		<category><![CDATA[Kirche]]></category>
		<category><![CDATA[MDR Jump]]></category>
		<category><![CDATA[Radio]]></category>
		<category><![CDATA[Ulrich Manitz]]></category>

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		<description><![CDATA[Warum die Kirche ins Radio kommt – und warum nicht. Fragen an den Chef von MDR Jump, Ulrich Manitz.
&#xA0;
Herr Manitz, heute früh konnte ich in Ihrem Programm einen singenden Wichtel hören – aber kaum Politik und schon gar nicht Kirche. Sind die Kirche und ihre Botschaft so uninteressant für MDR-Jump-Hörer?
Manitz: Sie hören uns nicht genau. [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h5><strong>Warum die Kirche ins Radio kommt – und warum nicht. Fragen an den Chef von MDR Jump, Ulrich Manitz.</strong></h5>
<p>&#xA0;<br />
<div id="attachment_5145" class="wp-caption alignright" style="width: 210px"><img class="size-full wp-image-5145 " title="Ulrich-Manitz" src="http://www.sonntag-sachsen.de/files/2011/12/Ulrich-Manitz.jpg" alt="Der gebürtige Dresdner Ulrich Manitz ist seit September Chef der Pop-Welle MDR Jump. Foto: MDR." width="200" height="350" /><p class="wp-caption-text">Der gebürtige Dresdner Ulrich Manitz ist seit September Chef der Pop-Welle MDR Jump. Foto: MDR.</p></div></p>
<p><strong>Herr Manitz, heute früh konnte ich in Ihrem Programm einen singenden Wichtel hören – aber kaum Politik und schon gar nicht Kirche. Sind die Kirche und ihre Botschaft so uninteressant für MDR-Jump-Hörer?<br />
Manitz:</strong> Sie hören uns nicht genau. Seit Ende August haben wir deutlich mehr Informationen im Programm. Und Kirche findet bei MDR Jump auch statt: Im Advent haben wir die Serie <a href="http://www.jumpradio.de/web/information/inhalt/glocken.shtml">»Glocken Mitteldeutschlands«</a> im Programm, in der wir besondere Gotteshäuser und ihre Gemeinden vorstellen. Das sind sehr aufwändige Beiträge, die wir zusammen mit den Senderbeauftragten der Kirchen und mit eigenen Redakteuren produzieren.<br />
&#xA0;<br />
<strong>Liegt es auch an der Kirche selbst, wenn sie nicht so häufig in den Medien vorkommt?<br />
Manitz:</strong> Wir müssen uns nichts vormachen: Wir leben in einem Land, in dem viele Menschen mit Kirche nichts im Sinn haben. Wenn die Kirche mehr in Medien stattfinden will, muss sie auch Themen setzen, die Menschen bewegen. Wir als Sender entscheiden ganz demokratisch, was unsere Hörer interessieren könnte. In unserer Community-Show am Donnerstagabend ist Kirche immer wieder ein Thema, wenn wir mit Hörern über Lebensfragen reden wie kürzlich am Welt-Aids-Tag und demnächst sicher auch in der ARD-Themenwoche »Leben mit dem Tod«. Auch die Hintergründe christlicher Feiertage erklären wir unseren Hörern – das interessiert die Leute draußen.<br />
&#xA0;<br />
<strong>Wie bringt man einer mehrheitlich religiös unmusikalischen Hörerschaft christliche Themen nahe?<br />
Manitz:</strong> Man erreicht Menschen über Themen, die sie berühren. Die Kirche tut ja beispielsweise viel im sozialen Bereich, aber sie hat auch eine theologische Botschaft. Wir müssen allerdings sehr genau darauf achten, ob und wie so etwas in das Programm einer Popwelle passt und suchen da selbst nach einem Weg.<br />
&#xA0;<br />
<strong>Ist es für diese Menschen wichtig, dass keine abschließenden Wahrheiten verkündet werden?<br />
Manitz:</strong> Ich glaube, dass gerade junge Menschen nicht gerne mit vorgefertigten Meinungen konfrontiert werden wollen. Sie wollen kritisch nachfragen. Wir wollen niemanden zu etwas überreden – wir regen zum Weiterdenken an. Wir wollen über Kirche informieren und nicht missionieren.<br />
&#xA0;<br />
<em>Die Fragen stellte Andreas Roth</em></p>
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		<title>Kirche muss kritisch sein</title>
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		<pubDate>Mon, 31 Jan 2011 09:00:34 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Redaktion DER SONNTAG</dc:creator>
				<category><![CDATA[Kommentar]]></category>
		<category><![CDATA[Kirche]]></category>
		<category><![CDATA[sächsischer Landtag]]></category>

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		<description><![CDATA[Das Verhältnis zwischen sächsischer Landeskirche und dem Freistaat kommt nicht zur Ruhe. Das Problem trägt nicht nur den Namen FDP – es ist grundsätzlicher Natur.
Der Streit um die Kirchentagsveranstaltungen im sächsischen Landtag zeigt es beispielhaft: Staat und Kirche haben verschiedene Grundlagen. Der Staat gründet sich auf die Macht der Gesetze und die Kirche auf das [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><div id="attachment_3299" class="wp-caption alignnone" style="width: 590px"><img src="http://www.sonntag-sachsen.de/files/2011/01/SLT_Aussenansicht.jpg" alt="Die Außenansicht des Sächsischen Lantages, Fotograf: Erik Donner, wikipedia.de" title="SLT_Aussenansicht" width="580" height="464" class="size-full wp-image-3299" /><p class="wp-caption-text">Die Außenansicht des Sächsischen Lantages, Fotograf: Erik Donner, wikipedia.de</p></div><br />
Das Verhältnis zwischen sächsischer Landeskirche und dem Freistaat kommt nicht zur Ruhe. Das Problem trägt nicht nur den Namen FDP – es ist grundsätzlicher Natur.</p>
<p>Der Streit um die Kirchentagsveranstaltungen im sächsischen Landtag zeigt es beispielhaft: Staat und Kirche haben verschiedene Grundlagen. Der Staat gründet sich auf die Macht der Gesetze und die Kirche auf das Evangelium.</p>
<p>Da kann es Reibung geben, und das ist gut so.</p>
<p>Der Staat – in diesem Fall der sächsische Landtag – ist an das geltende Recht gebunden. Wenn der Landtag für Veranstaltungen in seinen Mauern hohe Hürden aufgerichtet hat, um die NPD fernzuhalten, müssen die auch für andere Veranstalter gelten. Die Kirche darf da keinen Ausnahmestatus beanspruchen – zumal in einer mehrheitlich unreligiösen Gesellschaft. Das hätten Landtagsverwaltung und Kirchentagsorganisatoren klären sollen, bevor es zum Eklat kam.</p>
<p>Die Kirche indes hat eine Botschaft, die die bestehenden Verhältnisse an Gottes Willen zu messen versucht. Deshalb muss die Kirche kritisch sein – so wie es die geplanten Veranstaltungen des Kirchentages über die »Krise der Demokratie« und den Rechtsextremismus vorhaben.</p>
<p>Niemand sollte sich wundern, dass sie damit bei den Mächtigen nicht nur offene Türen einrennt.</p>
<p>Doch die Landespolitiker sollten bisweilen daran denken, dass auch unser Staat aus den unruhigen Quellen des christlichen Glaubens lebt. Dieser bot der Friedlichen Revolution von 1989 ein Dach – und auch dem ersten sächsischen Landtag. Schon damals jedoch war das Verhältnis von Macht und Kirche vor allem eines: ein Provisorium.<br />
<em></p>
<p>Andreas Roth</em></p>
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		<title>Ein Sparpaket zu Weihnachten</title>
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		<pubDate>Fri, 10 Dec 2010 19:46:27 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Redaktion DER SONNTAG</dc:creator>
				<category><![CDATA[Kommentar]]></category>
		<category><![CDATA[Kirche]]></category>
		<category><![CDATA[Kürzungspläne]]></category>
		<category><![CDATA[Sachsen]]></category>
		<category><![CDATA[Sozialausgaben]]></category>

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		<description><![CDATA[Man beißt sich jedes Mal auf die Zunge. Zu spät. Schon hat man vom »Sparpaket« der sächsischen Landesregierung gesprochen, wo es doch in Wahrheit um ein Bündel an Kürzungen geht. Dabei ist das Vermeiden von Schulden durchaus klug und richtig. Denn die Einwohnerzahlen und die Millionen des Finanzausgleiches schmelzen in Sachsen. Und dennoch ist dies [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://www.sonntag-sachsen.de/files/2010/12/1211961_97194695.jpg" alt="1211961_97194695" title="1211961_97194695" width="590" height="218" class="alignnone size-full wp-image-3094" /><img class="size-full wp-image-3091 alignright" title="ghhgjhgj" src="http://www.sonntag-sachsen.de/files/2010/12/ghhgjhgj.jpg" alt="ghhgjhgj" width="200" height="527" />Man beißt sich jedes Mal auf die Zunge. Zu spät. Schon hat man vom »Sparpaket« der sächsischen Landesregierung gesprochen, wo es doch in Wahrheit um ein <a href="http://www.diakonie-sachsen.de/startseite/library/data/liga_stellungnahme_endfassung.pdf">Bündel an Kürzungen</a> geht. Dabei ist das Vermeiden von Schulden durchaus klug und richtig. Denn die Einwohnerzahlen und die Millionen des Finanzausgleiches schmelzen in Sachsen. Und dennoch ist dies nur die halbe Wahrheit der tiefen Einschnitte, über die der Landtag in der kommenden Woche entscheiden wird.</p>
<p>Es ist ja nicht so, dass überhaupt kein Geld da wäre. Für das Desaster der sächsischen Landesbank hat der Finanzminister bisher über 800 Millionen Euro auf die Seite gelegt&#xA0;– wenn die Geschäfte des neuen Besitzers schlecht laufen, könnte die Bürgschaft fällig werden. Und auch die Steuern fließen üppiger als erwartet, nur will man die lieber für Investitionen in Schulen, Kindergärten und Straßen ausgeben. Investitionen in Familien und soziale Arbeit scheint der schwarz-gelben Regierung weniger lohnend zu sein.</p>
<p>Immerhin: In den letzten Wochen hat gerade die CDU-Fraktion einige harte Kürzungspläne ihrer Minister teilweise deutlich abgemildert. Der Protest von Kirche, Diakonie, Gewerkschaften und vieler anderer ist nicht vergebens gewesen. Klarheit und die Bereitschaft zum Konflikt lohnen sich. <a href="http://www.sonntag-sachsen.de/2010/12/10/frisch-gestrichen/">Doch der Rotstift wird auch in den kommenden Jahren Sozialausgaben bedrohen.</a></p>
<p>Höchste Zeit für die Kirche, nicht nur über die Anpassung der eigenen Strukturen an den demografischen Wandel zu diskutieren. Was kann und soll sich unsere Gesellschaft leisten? Die Kirche sollte darauf gut durchdachte Antworten haben. Mit derselben Klarheit und demselben Mut zum Konflikt. Das ist das Erste, woran sie nicht sparen sollte.</p>
<p><em>Andreas Roth</em></p>
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		<title>Partei ergreifen</title>
		<link>http://www.sonntag-sachsen.de/2010/10/01/partei-ergreifen/</link>
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		<pubDate>Fri, 01 Oct 2010 13:26:57 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Redaktion DER SONNTAG</dc:creator>
				<category><![CDATA[Ostsachsen]]></category>
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		<category><![CDATA[Heiner Sandig]]></category>
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		<category><![CDATA[Politik]]></category>

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		<description><![CDATA[Heiner Sandig will am Sonntag über die Verantwortung als Christ in der Politik predigen
Er ist noch heute Pfarrer mit Leib und Seele. Dass er es geworden ist, hat mit Politik zu tun. Immer wieder hat sie in sein Leben eingegriffen: Heiner Sandig (65) wurde als Jugendlicher von der Erweiterten Oberschule verwiesen. Das Abitur machte er [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><div id="attachment_2632" class="wp-caption alignnone" style="width: 590px"><a href="http://www.sonntag-sachsen.de/files/2010/09/HeinerSandig.jpg" rel="shadowbox[post-2625];player=img;"><img src="http://www.sonntag-sachsen.de/files/2010/09/HeinerSandig.jpg" alt="Heiner Sandig in seinem Garten in Wülknitz: Als Politiker ist er nun im Ruhestand, aber als Pfarrer noch immer aktiv – allerdings im Ehrenamt. Foto: Alexander Schröter" title="HeinerSandig" width="580" height="387" class="size-full wp-image-2632" /></a><p class="wp-caption-text">Heiner Sandig in seinem Garten in Wülknitz: Als Politiker ist er nun im Ruhestand, aber als Pfarrer noch immer aktiv – allerdings im Ehrenamt. Foto: Alexander Schröter</p></div><br />
<strong>Heiner Sandig will am Sonntag über die Verantwortung als Christ in der Politik predigen</strong></p>
<p>Er ist noch heute Pfarrer mit Leib und Seele. Dass er es geworden ist, hat mit Politik zu tun. Immer wieder hat sie in sein Leben eingegriffen: Heiner Sandig (65) wurde als Jugendlicher von der Erweiterten Oberschule verwiesen. Das Abitur machte er am Kirchlichen Proseminar in Moritzburg, um danach Theologie in Leipzig zu studieren. »In der DDR-Zeit hat sich auch nichts anderes angeboten«, sagt er. Er stand kurz vor dem Examen, da wurde die Leipziger Universitätskirche gesprengt und auch er bekam als Gegner des Frevels Ärger mit den SED-Gewaltigen. </p>
<p>Und als sich im Herbst 1989 Oppo­sition in der DDR spürbar regte, hat auch Heiner Sandig Position bezogen. »Wir haben die Papiere des Neuen Forums in der Gemeinde diskutiert«, erinnert er sich. Schließlich trat er im Dezember 1989 in die CDU ein. »Menschliche Nähe« zu den Protagonisten hätte den Ausschlag für diesen Schritt gegeben. Vier Wochen später war er Kreisvorsitzender der Riesaer CDU und nach der Landtagswahl nicht nur Mitglied des ersten freigewählten sächsischen Parlaments, sondern auch dessen Vizepräsident: »Es gab ja kaum unbelastete Leute.«</p>
<p>Pfarrer wollte er trotz allem bleiben – was schwer zu vermitteln war. Kirche habe überparteilich zu sein, hieß es. »Das ist bis heute ein schwieriges Thema«, so Sandig. Er konnte schießlich Pfarrer bleiben. Die sächsische Synode verabschiedete 1992 ein Kirchengesetz, das besagt: Pfarrer werden zur Wahrnehmung eines politischen Mandats beurlaubt.</p>
<p>Die Synode, deren Mitglied Sandig zu dieser Zeit war, hatte noch auf andere Weise Einfluss auf seine politische Arbeit. Mitte September 1991 waren in Hoyerswerda Steine und Brandsätze gegen Afrikaner und Viet­namesen geflogen. Deshalb bat die Synode den Freistaat, einen Ausländerbeauftragten einzusetzen. Heiner Sandig sollte das Anliegen übermitteln. »Dann mach’ Du es«, sagten seine CDU-Kollegen. 1992 wurde Heiner Sandig zum sächsischen Ausländerbeauftragten gewählt. </p>
<p>Über 15 Jahre, mit einer Unterbrechung zwischen 2004 und 2008, war Heiner Sandig Politiker. Für ihn eine glückliche Zeit, »vor allem am Anfang«, als das neue Leben nach dem Ende der Diktatur gestaltet werden konnte. Und auch hier schätzte er die menschliche Nähe über Partei­grenzen hinweg. Doch eine Trennung zwischen dem Pfarrer und dem Politiker gab es nie. »Versöhnung und Vergebung sind auch politische Kategorien«, sagt er. Oft habe er im Landtag aus der Bibel zitiert.</p>
<p>Heute, 20 Jahre nach der deutschen Wiedervereinigung, ist es ihm erneut Anliegen, Politik und Kirche zusammenzubringen. Heiner Sandig wird mit einer Studentin am Sonntag eine Dialogpredigt in der Kirche von Streumen halten. Hier, im Kirchenbezirk Großenhain, ist er als Ruheständler wieder Pfarrer geworden – ehrenamtlich. Sechs Kirchen gehören zum Gemeindegebiet. »Ich baue Kirchen um, taufe, traue und beerdige – alles, was man heute als Pfarrer so macht.« </p>
<p>Und jeden Sonntag predigt er. An diesem Sonntag wird es wohl um Dankbarkeit gehen. »Wir haben großes Glück gehabt, einen Neuanfang gestalten zu können. Deshalb sind wir auch verantwortlich dafür, dass die Gegenwart sich verbessert«, so Sandig. Der Einsatz für Gerechtigkeit und Barmherzigkeit sei auch heute noch wichtig.</p>
<p>Doch darüber soll seine Mit-Predigerin berichten. Lisa Schneider (21) war gerade ein Jahr unter Sinti und Roma in Tschechien. »Die Strukturen der DDR müssen von ihr nicht mehr kaputt gemacht werden, aber sie wird sagen, wo ihr soziales Engagement liegt, was für ihr Leben in Europa wichtig ist«, so Sandig.      </p>
<p><em>Christine Reuther</em></p>
<p>Dialogpredigt: Sonntag, 3. Oktober, 15 Uhr, Dorfkirche Streumen bei Riesa.</p>
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		</item>
		<item>
		<title>Wenn Kirche wächst …</title>
		<link>http://www.sonntag-sachsen.de/2010/09/02/wenn-kirche-wachst-%e2%80%a6/</link>
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		<pubDate>Thu, 02 Sep 2010 14:36:55 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Redaktion DER SONNTAG</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Jochen Bohl]]></category>
		<category><![CDATA[Kirche]]></category>
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		<category><![CDATA[Matthias Bartsch]]></category>
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		<description><![CDATA[Die Kirche wird immer kleiner – sie hat sich daran gewöhnt. Und ist kaum vorbereitet, wenn Mitgliederzahlen steigen.

Die Kirche schrumpft? Nicht in der Dresdner Neustadt. Die Kirchenbänke in einem Seitenschiff der Martin-Luther-Kirche mussten weichen, um Platz für Kinderwagen zu schaffen. Die Konfirmanden passen nicht mehr in einen Raum, allein in diesem Jahr gibt es 60 Neuanmeldungen. [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img class="alignright size-medium wp-image-2490" title="so_36-2010" src="http://www.sonntag-sachsen.de/files/2010/09/so_36-2010-300x184.jpg" alt="so_36-2010" width="300" height="184" /><strong>Die Kirche wird immer kleiner – sie hat sich daran gewöhnt. Und ist kaum vorbereitet, wenn Mitgliederzahlen steigen.<br />
</strong><br />
Die Kirche schrumpft? Nicht in der Dresdner Neustadt. Die Kirchenbänke in einem Seitenschiff der Martin-Luther-Kirche mussten weichen, um Platz für Kinderwagen zu schaffen. Die Konfirmanden passen nicht mehr in einen Raum, allein in diesem Jahr gibt es 60 Neuanmeldungen. Und im gesamten<a href="http://www.kirchspiel-dresden-neustadt.de/" target="_blank"> Kirchspiel Dresden-Neustadt</a> lassen sich Jahr für Jahr gut 100 Menschen taufen, manchmal fünf in einem Gottesdienst. »Doch das ist nicht unser Verdienst  – es liegt an der Stadtentwicklung«, sagt Albrecht Nollau, der Superintendent des Kirchenbezirks Dresden Nord.</p>
<p>Die Bevölkerung von Dresden und Leipzig wächst seit über zehn Jahren stetig – während der Rest Sachsens ebenso stetig immer mehr Einwohner verliert. Und auch in den beiden Halbmillionen-Städten profitieren nur die bei Familien besonders beliebten Stadtviertel von diesem Boom.</p>
<p>»Aber trotz eines Wachstums um fast ein Viertel seit 2003 auf heute 8469 Gemeindeglieder hat das Kirchspiel Dresden-Neustadt nicht eine einzige Mitarbeiterstelle mehr bekommen«, sagt Superintendent Albrecht Nollau. »In dieser Größe ist es sehr schwer, noch persönliche Kontakte zu halten. Taufgespräche, Besuche und Gruppen dauern ihre Zeit – und die lässt sich nicht beliebig vergrößern.«</p>
<p>Landesbischof Jochen Bohl hat sich im Frühling bei seinem Besuch im <a href="http://www.kirche-leipzig.de/" target="_blank">Kirchenbezirk Leipzig</a> die Freuden und Sorgen wachsender Gemeinden angehört. In seinem Visitationsbericht schrieb er danach, »dass die Landeskirche die Kirchgemeinden in den Wachstumsregionen in veränderter Weise in den Blick nehmen will.« Wenn Gemeindegliederzahlen steigen, müsse entsprechend dem geltenden Personalschlüssel auch die Mitarbeiterzahl angepasst werden, so der Bischof.</p>
<p>In der Messestadt vergrößern sich die Kirchgemeinden besonders stark in der Südvorstadt und der Innenstadt, in Gohlis sowie im Leipziger Südwesten. »Als Kirchenbezirk möchten wir künftig die Möglichkeit haben, Pfarrstellen befristet an Schwerpunkte vergeben zu können, wo sie gebraucht werden – so wie wir es mit freien Gemeindepädagogen-Stellen heute schon tun«, sagt der Leipziger Superintendent Martin Henker.<br />
Die Kirchengesetze lassen dies bisher nicht zu, mit Wachstum rechnen sie nicht. Dies wird eine der Herausforderungen sein für die achtköpfige Arbeitsgruppe, die je zur Hälfte aus Mitgliedern der Synode und des Landeskirchenamts besteht und seit Mai Konzepte für die zukünftige Struktur der Landeskirche erarbeitet. Denn ihre Gemeindeglieder werden immer weniger – und auch die Kirchensteuern. Es geht letztlich um die Verteilung knapper Personalstellen.</p>
<p>Dabei sitzen die Großstädte einer Überzahl an Vertretern ländlicher Kirchenbezirke gegenüber – in der Landessynode ebenso wie im Konvent der Superintendenten. »Für Stadtgemeinden mit steigenden Mitgliederzahlen muss eine Lösung her«, sagt der <a href="http://www.kirche-plauen.de/" target="_blank">Plauener</a> Superintendent Matthias Bartsch. »Aber das muss ein fairer Ausgleich sein. Denn in ländlichen Kirchenbezirken, in denen Pfarrer oft für zwei oder drei Kirchgemeinden zuständig sind, darf die Struktur nicht kaputtgehen.« Schon vor sechs Jahren führte die Landeskirche deshalb ein Solidarprinzip ein: In städtischen Kirchgemeinden soll auf 2000 Mitglieder eine Pfarrstelle kommen – auf dem Land genügen dafür 1600 Seelen.</p>
<p>Doch der Rückgang der ländlichen Bevölkerungszahlen und der finanziellen Mittel wird weiter anhalten – das Verteilungsproblem wird sich verschärfen. Die Städte dürften sich jedoch nicht aus der Solidarität mit den ländlichen Kirchenbezirken verabschieden, fordert Peter Meis, der Superintendent des ebenfalls wachsenden <a href="http://www.elydia.de/" target="_blank">Kirchenbezirks Dresden Mitte</a>: »Jetzt muss bei der Planung der landeskirchlichen Struktur darüber geredet werden, was gerecht ist.« Und wo die Chancen liegen für die Kirche, wenn sie zur Abwechslung einmal – wächst.</p>
<p><em>Andreas Roth</em></p>
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		<title>Das Gift der Stasi-Akten</title>
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		<pubDate>Wed, 25 Aug 2010 12:12:31 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Redaktion DER SONNTAG</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Vor 20 Jahren wurde die Öffnung der Stasi-Akten beschlossen. Sie versprühen ihr Gift noch lange nach dem Ende der DDR.

Er könne seinen ganzen Urlaub nehmen, hatte man ihm gesagt. So viel würde er brauchen, um die Akten zu lesen. Gut 2000&#xA0;Seiten in zwölf Ordnern. Als Dieter&#xA0;R. sie aufschlägt in dem nüchternen Lesesaal der Chemnitzer Stasi-Unterlagenbehörde, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://www.sonntag-sachsen.de/files/2010/08/so-35.jpg" alt="so-35" title="so-35" width="294" height="403" class="alignright size-full wp-image-2435" /><strong>Vor 20 Jahren wurde die Öffnung der Stasi-Akten beschlossen. Sie versprühen ihr Gift noch lange nach dem Ende der DDR.<br />
</strong><br />
Er könne seinen ganzen Urlaub nehmen, hatte man ihm gesagt. So viel würde er brauchen, um die Akten zu lesen. Gut 2000&#xA0;Seiten in zwölf Ordnern. Als Dieter&#xA0;R. sie aufschlägt in dem nüchternen Lesesaal der Chemnitzer Stasi-Unterlagenbehörde, ist es sein Körper, der zuerst reagiert: Der Mann mit den weichen Gesichtszügen und ruhigen Augen bekommt Fieber, Kopfschmerzen, fühlt Kälte am ganzen Körper.</p>
<p>30 inoffizielle Mitarbeiter (IM) hatte die DDR-Staatssicherheit auf den Kirchenmitarbeiter angesetzt, las er da, darunter Kollegen, Leute aus seiner Stammsauna, Christen – und sein bester Freund. Ziel des »Operativen Vorgangs Steuer« war es laut Akten, eine »Haftgrundlage zu schaffen« für den als Staatsfeind und BND-Spion verdächtigten&#xA0;R. Dabei hatte sich der heute 73-jährige Betriebswirt aus einem Dorf nahe Zwickau nur nicht mit der Enteignung der Firma seiner Familie abfinden wollen. Seine Mutter war aus Gram über dieses Unrecht 1972 gestorben&#xA0;– der Sohn kämpfte weiter.</p>
<p>»IM ›Fred‹ hat ein gutes persönliches Verhältnis zu R.«, lobt die Kreisdienststelle Zwickau der Staatssicherheit in einem Aktenvermerk. Als Dieter R. all das liest, fährt er zu seinem besten Freund, dessen Namen er auch unter den IMs findet. Er sagt, dass er ihm verzeiht. Der Freund sagt, dass ihm vieles leid tut. Zerbrochen ist die Freundschaft trotzdem.</p>
<p>Es gibt unzählige solcher Geschichten in Ostdeutschland. Dass sie ans Tageslicht kamen, hat auch mit dem 24.&#xA0;August&#xA0;1990 zu tun: Damals, vor genau 20&#xA0;Jahren, <a href="http://webarchiv.bundestag.de/volkskammer/dokumente/drucksachen/100165a.pdf">beschloss die frei gewählte Volkskammer der DDR nahezu einstimmig die Sicherung und Nutzung der Stasi-Akten</a>. Über 18000&#xA0;Sachsen nehmen noch immer Jahr für Jahr Einsicht – und das Interesse wird nicht geringer.</p>
<p>»Die Akteneinsicht kann manchmal ein Auslöser für eine akute Verschlechterung des Gesundheitszustandes sein – bis hin zu Nervenzusammenbrüchen«, weiß Norbert Mai. Er b<a href="http://www.diktatur-folgen-beratung.de/">egleitet seit sieben Jahren in der Lebensberatungsstelle der Diakonie-Stadtmission Zwickau Opfer der SED-Diktatur</a>. Die Stasi-Akten erzählen ihnen von Verrat und unwiederbringlich verbauten Chancen. »Das zu lesen ist immer hart«, sagt <a href="http://www.justiz.sachsen.de/lstu/">Michael Beleites, der sächsische Landesbeauftragte für die Stasi-Unterlagen</a>. »Doch das kann auch befreiend sein – und Klarheit schaffen.«</p>
<p>Petra L. musste sogar lachen. Für einen kurzen Moment zumindest, als sie in dem 30&#xA0;Zentimeter hohen Aktenstapel in der Chemnitzer Stasi-Unterlagenbehörde auf die Witze stieß, die sie Ende der 80er Jahre in ihrer oppositionellen Frauengruppe erzählt hatte. Spitzel hatten sie getreu notiert. »Doch dann war ich geschockt, wie weit die Stasi in unsere Privatsphäre eingedrungen war.« Ein Kollege der Kunstwissenschaftlerin hatte ihr privates Adressbuch kopiert. Und eine der sechs Frauen in der Zwickauer Gruppe schrieb Berichte für die Stasi.</p>
<p>Ein Gespräch darüber hat Petra L. mit ihr nie gesucht. Man grüßt sich noch, mehr ist nicht. Auch kein Zorn, nur eine Enttäuschung. »Sie weiß, dass ich es weiß«, sagt Petra L. »Und wer weiß, wie sie dazu gekommen ist?« 1990 war die Kunstwissenschaftlerin 27&#xA0;Jahre alt: Jung genug, um die Möglichkeiten der neuen Zeit zu ergreifen. Und um dem Schatten der Stasi-Akten zu entkommen.</p>
<p>Der aber birgt für Dieter R. mehr Verrat. »Ich habe in den Akten über mich auch Gottes Handschrift gelesen«, sagt er. »Dort stand, dass ich schon so gut wie in Haft war – und nichts hat Gott zugelassen. Es wäre eine große Undankbarkeit gegenüber Gott, den IMs nicht zu vergeben.« Seine Frau, ihm gegenüber in der niedrigen Stube sitzend, wiegt den Kopf: Was wäre, wenn ihr Mann doch ins Gefängnis gekommen wäre oder wenn er sein Leben hätte lassen müssen? »Vielleicht wäre ich nicht so großzügig gewesen«, überlegt Ruth R. leise. Sie hat ihre Akte nie angefordert. Sie will es nicht wissen.</p>
<p><em>Andreas Roth</em></p>
<p><em><br />
</em></p>
<div id="attachment_2433" class="wp-caption alignnone" style="width: 541px"><a href="http://www.delicatessen.org/mfs.html"><img class="size-full wp-image-2433 " title="stasi" src="http://www.sonntag-sachsen.de/files/2010/08/stasi.jpg" alt="Pressefoto »DAS MINISTERIUM FÜR STAATSSICHERHEIT - ALLTAG EINER BEHÖRDE« –  ein Film von Christian Klemke und Jan N. Lorenzen, Deutschland 2002, 90 Minuten, Farbe (Vertrieb: Salzgeber &amp; Co. Medien GmbH)" width="531" height="327" /></a><p class="wp-caption-text">Pressefoto »DAS MINISTERIUM FÜR STAATSSICHERHEIT - ALLTAG EINER BEHÖRDE« –  ein Film von Christian Klemke und Jan N. Lorenzen, Deutschland 2002, 90 Minuten, Farbe (Vertrieb: Salzgeber &amp; Co. Medien GmbH)</p></div>
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		<title>Gegen Klimasünden</title>
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		<pubDate>Thu, 15 Jul 2010 19:00:01 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Redaktion DER SONNTAG</dc:creator>
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Die sächsische Landeskirche will etwas gegen den Klimawandel tun. Doch es geht nur langsam voran – und die Zeit drängt.
Der Kirchenvorstand war verblüfft. Als eine Energieberaterin im vergangenen September die Bautzener St. Michaels-Kirche, das Pfarrhaus und den Saal der Gemeinde unter die Lupe nahm, präsentierte sie überraschende Ergebnisse: Die Heizung der Kirche verbraucht allein in [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://www.sonntag-sachsen.de/files/2010/07/Fotolia_7853817_XL.jpg" alt="Klima" title="Klima" width="560" height="373" class="alignnone size-full wp-image-2280" /><br />
<strong>Die sächsische Landeskirche will etwas gegen den Klimawandel tun. Doch es geht nur langsam voran – und die Zeit drängt.</strong></p>
<p>Der Kirchenvorstand war verblüfft. Als eine Energieberaterin im vergangenen September die Bautzener St. Michaels-Kirche, das Pfarrhaus und den Saal der Gemeinde unter die Lupe nahm, präsentierte sie überraschende Ergebnisse: Die Heizung der Kirche verbraucht allein in den Winter-Gottesdiensten so viel Energie wie fünf Haushalte im ganzen Jahr. Der Heizkessel im Pfarrhaus ist doppelt so groß wie nötig und der Ofen im Gemeinderaum uneffektiv. »Das Ausmaß der Energievernichtung hat uns beeindruckt«, sagt Kirchvorsteher Siegfried Kühn. Er diskutiert  in seinem Kirchenvorstand nun Konsequenzen aus der Energieberatung. Das Ziel: »Wir wollen 30 Prozent weniger Energie verbrauchen.«</p>
<p>Im Juni trat die Landeskirche einem <a href="http://evangelisch-sachsen.org/aktuelles/nachrichten/14149.html">Klimaschutz-Bündnis aus 23 Kirchen und Entwicklungsdiensten</a> bei. Die EKD-Synode hatte im Herbst 2008 beschlossen: Die <a href="http://www.ekd.de/aktuell_presse/news_2008_11_05_3_kundgebung_klimaschutz.html">Landeskirchen sollten ihre CO2-Emissionen bis 2015 um ein Viertel senken</a>. Doch wie will man das berechnen? Niemand in der sächsischen Landeskirche weiß genau, wie hoch der Kohlendioxid-Ausstoß eigentlich ist. Die Ziele für eine Reduzierung sind dementsprechend schwammig und unkontrollierbar. </p>
<p>Immerhin: Seit dem letzten Jahr bietet die <a href="http://www.saena.de">Sächsische Energieagentur SAENA</a> für die Landeskirche mit staatlicher Förderung <a href="http://www.saena.de/Saena/Kirchgemeinden.html">Energieberatungen</a> an – doch nur 20 von insgesamt 780 Kirchgemeinden hatten wie St. Michael in Bautzen bisher Interesse daran. Der erste kirchliche Praxistag zum Energiesparen im vergangenen Jahr hatte 30 Teilnehmer. Sechs sächsische Kirchgemeinden und kirchliche Einrichtungen arbeiten zudem an der Einführung eines Umweltmanagements nach EU-Regeln, das die Evangelische Akademie Wittenberg unter dem <a href="http://www.gruenerhahn.de">Markennamen »Grüner Hahn«</a> begleitet. </p>
<p>»Diese Angebote sprechen sich nur langsam herum, obwohl wir alle Kirchgemeinden in Sachsen mehrfach angeschrieben haben«, sagt Joachim Krause, der scheidende <a href="http://www.krause-schoenberg.de">Umweltbeauftragte der sächsischen Landeskirche</a>. Wegen knapper Kassen scheuten Kirchgemeinden oft vor Investitionen etwa in neue Heiztechnik zurück, so Krause: »Dass sich manche Maßnahme über eingesparte Energie in überschaubarer Zeit wieder refinanziert, ist nicht leicht zu vermitteln«. Hinzu kommt, dass das Engagement für die Bewahrung der Schöpfung vielerorts nicht als kirchliche Kernaufgabe gesehen wird. </p>
<p>»Es hängt immer am Engagement von wenigen, meist ehrenamtlichen Mitarbeitern«, hat Antje Fritzsche von der SAENA bei der Beratung von Kirchgemeinden erfahren. Um mehr Christen in Sachsen zu motivieren, lädt die SAENA gemeinsam mit der Landeskirche am 25. September zum zweiten Umwelt-Praxistag nach Dresden ein.</p>
<p>Das Dresdner Landeskirchenamt will mit gutem Beispiel vorangehen: Dort lässt man jetzt Energiefresser wie Spülmaschinen am Abend laufen, um den Energieverbrauch besser zu verteilen und einzudämmen. Außerdem bezieht die Behörde seit Jahresbeginn ebenso wie etliche Kirchgemeinden nur noch Öko-Strom und will damit den CO2-Ausstoß um 124 Tonnen verringern. Das Chemnitzer Regionalkirchenamt wird im nächsten Jahr nachziehen. </p>
<p>Auch einige Einrichtungen der Diakonie Sachsen setzen auf Energie aus Sonne, Erde und Holz. Am Radebeuler Stammsitz wurde im März eine Energieoptimierungsanlage in Betrieb genommen, die jährlich 12,5 Tonnen CO2 sparen soll. Doch unter zunehmendem Kostendruck gerät bei diakonischen Einrichtungen der Klimaschutz mitunter ins Hintertreffen.</p>
<p>Die Landessynode hatte das Landeskirchenamt bereits im April 2007 um die <a href="http://www.sachsen-landeskirche.com/landeskirche/landessynode/7323.html">Berücksichtigung des Klimaschutzes bei Bauvorhaben</a> gebeten. Doch in der landeskirchlichen Bauordnung spielt dieses Anliegen bis heute keine Rolle. »Der Klimawandel betrifft uns alle«, hatte die sächsische Kirchenleitung<a href="http://www.evlks.de/aktuelles/nachrichten/12680.html"> im Vorfeld der Weltklimakonferenz 2009 gemahnt</a>: »Die Zeit der Beschwichtigung ist vorbei.« Das gilt auch für die Kirche selbst.</p>
<p><em>Andreas Roth</em></p>
<p>Internetseite der Sächsischen Energieagentur SAENA mit Beratungsangeboten für Kirchgemeinden: <a href="http://www.saena.de">www.saena.de</a></p>
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		<title>Trost tanken</title>
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		<pubDate>Thu, 08 Jul 2010 12:19:57 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Redaktion DER SONNTAG</dc:creator>
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Tankstellen für die Seele sollen Autobahnkirchen sein. Menschen finden hier Gott – andere klagen über seine dunklen Seiten.
Wolken hängen über der Autobahn kurz vor Dresden. Der Mann und die Frau fahren der Beerdigung eines guten Freundes entgegen. Doch als sie das blaue Verkehrsschild mit der schwarzen Kirche sehen, biegen sie ab. Sie ziehen die Köpfe [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://www.sonntag-sachsen.de/files/2010/07/titel_so_28.jpg" alt="titel_so_28" title="titel_so_28" width="590" height="363" class="alignnone size-full wp-image-2255" /><br />
<strong>Tankstellen für die Seele sollen Autobahnkirchen sein. Menschen finden hier Gott – andere klagen über seine dunklen Seiten.</strong></p>
<p>Wolken hängen über der Autobahn kurz vor Dresden. Der Mann und die Frau fahren der Beerdigung eines guten Freundes entgegen. Doch als sie das blaue Verkehrsschild mit der schwarzen Kirche sehen, biegen sie ab. Sie ziehen die Köpfe ein unter der niedrigen Tür einer Kirche. St. Jakobus heißt sie – eine Autobahnkirche im Landstädtchen Wilsdruff. </p>
<p>Bereitwillig zeigt das über <a href="http://www.schloenvogt.de/jacobikirche_info/">850 Jahre alte Gotteshaus</a> den Besuchern seine  Verletzungen: Der Putz blättert mit seinen Farben ab und legt die Feldsteine frei. Der Mann und die Frau halten inne. Sie steigen die zwei Stufen unter dem romanischen Bogen zum Altar empor und schreiben in das ausliegende Gebetbuch: »Diese Kirche gibt uns Kraft und Segen für die Weiterfahrt. Gott hilf uns auf unserem weiteren Lebensweg.« </p>
<p>Am selben Tag betritt eine andere Frau das romanische Gotteshaus. Oft hat sie hier schon Station gemacht. In kleiner, eiliger Schrift notiert sie ihre Furcht vor dem nahenden Ende ihrer Ehe: »Lieber Gott«, schreibt sie, »führe mich – aber es tut oft so weh.« Das nicht abreißende Rauschen der Autobahn dringt durch die kleine Tür und die schmalen Fenster in die alte Kirche. Es vermischt sich mit dem stummen Chor aus Gebeten, Gotteslob und Klagen, die in der Autobahnkirche ihre Herberge finden.</p>
<p>Die Wilsdruffer Jakobikirche steht wie die Kirche Peter und Paul in Uhyst und die <a href="http://www.autobahnkirche.info">35 anderen Autobahnkirchen</a> in Deutschland tagsüber offen. Sie lädt zum Ausruhen und Beten ein – ohne Vorbedingungen, auch ohne Kirchenmitgliedschaft, anonym. </p>
<p>»Wir haben den Eindruck, dass die Kirche gerade deshalb sehr angenommen wird«, sagt Werner Reinhuber. Als Bruder Martin gehört er zur evangelischen Christusträger-Bruderschaft. Die von ihm gegründete <a href="http://www.leben-und-arbeit.net">Stiftung »Leben und Arbeit«</a> betreibt die Autobahnkirche seit 2005. Bruder Martin zählt die angezündeten Kerzen neben dem Buch mit den Anliegen. Über 4000 Kerzen werden jedes Jahr in der Wilsdruffer Jakobikirche angezündet, in Uhyst sind es 12 000. Jedes Licht eine Bitte.</p>
<p>Ein Kind kritzelt mit großer Schrift: »Lieber Gott beschütze uns«, ein Mann schreibt: »Herr hab Dank, dass Du uns vor einem schweren Unfall bewahrt hast« – von dieser Art sind viele Gebete in der Jakobikirche. Galt nicht der Jünger Jakobus im Mittelalter als Schutzpatron der Pilger und Reisenden? Die meisten Besucher werden das nicht wissen. </p>
<p>Doch dass sie sich auch als Pilger empfinden auf einer Reise mit Gott, diesen Eindruck gewinnt man in einer Autobahnkirche. Es sind heute oft schnelle Reisen, die unversehens im Stau stecken bleiben können und nur zähflüssig weitergehen. Wenn überhaupt. Mitunter passiert ein Unglück. »Herr, Du hast ihn wieder zu Dir genommen«, heißt es im Gebetbuch über den Tod eines kleinen Jungen. »Bitte gib den traurigen Eltern Kraft, mit dieser Entscheidung zu leben – Dein Frieden ist höher als unsere Vernunft.« Genau zwei Wochen später, wohl auf der Rückfahrt, ist von der selben kleinen Handschrift zu lesen: »Herr, gib uns Kraft für Deine dunklen Seiten!« Es klingt wie Hiob.</p>
<p>Morgens und abends sitzen die beiden Brüder der Christusträger im Chorraum der Wilsdruffer Autobahnkirche bei ihrem Tagzeitengebet. Sie schließen die in das dicke Buch geschriebenen Sorgen der Reisenden in ihre Bitten ein. </p>
<p>Manches Gebet aber ist schon im Moment seines Aussprechens vollendet. Und erfüllt. »Danke, dass Du mich auf Grund meiner Schuld nicht verworfen hast sondern mir entgegen gelaufen bist«, schreibt ein Besucher. Ein anderer: »Danke, dass ich dich hier besuchen durfte.«<br />
Der <a href="http://www.die-bibel.de/online-bibeln/luther-bibel-1984/lesen-im-bibeltext/quelle/bibel/bibelstelle/1.kön%2019/cache/1bc9c333fa258e0c37206dcafd25d5b0/">Prophet Elia fand Gott in einem sanften Windhauch</a>. Offenbar kann man ihn auch im Rauschen der Autobahnen antreffen.</p>
<p><em>Andreas Roth</em></p>
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		<title>Abbiegen verboten</title>
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		<pubDate>Thu, 17 Jun 2010 11:00:00 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Redaktion DER SONNTAG</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Kirche]]></category>
		<category><![CDATA[Linksextremismus]]></category>
		<category><![CDATA[Rechtsextremismus]]></category>

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		<description><![CDATA[Die Gewalt von links wird immer mehr – doch Rechtsextreme verüben viermal so viele Delikte. Wie reagiert die Kirche?
Am Abend des 7. Mai fliegen Flaschen auf Polizisten. Gerade tragen sie aus einem Haus in der Dresdner Liststraße zehn Jugendliche, die das verwahrloste Gebäude besetzen wollten, um einen Raum »frei von kapitalistischer Verwertungslogik, Konsum­fetischismus und staatlicher [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://www.sonntag-sachsen.de/files/2010/06/titel_so_25.jpg" alt="Sonntag 25 Titelbilc" title="Sonntag 25 Titelbilc" width="590" height="363" class="alignnone size-full wp-image-2191" />Die Gewalt von links wird immer mehr – doch Rechtsextreme verüben viermal so viele Delikte. Wie reagiert die Kirche?</p>
<p>Am Abend des 7. Mai fliegen Flaschen auf Polizisten. Gerade tragen sie aus einem Haus in der Dresdner Liststraße zehn Jugendliche, die das verwahrloste Gebäude besetzen wollten, um einen Raum »frei von kapitalistischer Verwertungslogik, Konsum­fetischismus und staatlicher Kontrolle« zu haben. <a href="http://http://utopienentdecken.blogsport.de/">Da kippt die Stimmung unter den 200 jungen Menschen aus der linken Szene</a>. »BRD – Bullenstaat, wir haben dich zum Kotzen satt«, ruft die Menge wütend. <a href="http://www.polizei.sachsen.de/pd_dresden/5528.htm">Sechs Polizisten werden von Glasflaschen verletzt</a>. </p>
<p>Zur selben Zeit verlässt ein junger Mann die Tankstelle auf der Peniger Straße in Geithain. Der 15-Jährige gilt als Linker. Neonazis haben seinen Namen und sein Foto im Internet veröffentlicht. Ein Mann kommt auf ihn zugerannt, springt, schlägt ihm auf den Kopf und ins Gesicht und flüchtet. <a href="http://nachrichten.lvz-online.de/region/geithain/verdaechtiger-nach-neonazi-angriff-auf-einen-15-jaehrigen-in-u-haft/r-geithain-a-31185.html">Der schwer verletzte Jugendliche muss im Krankenhaus operiert werden</a>.</p>
<p>Gegen den Rechtsextremismus hat die sächsische Landeskirche <a href="http://www.evlks.de/leben_und_glauben/kirche_und_welt/10966.html">klar Stellung bezogen</a>. Doch was ist mit linken Demokratiefeinden? Die Kirche dürfe auf dem linken Auge nicht blind sein, fordern einzelne Mitglieder der sächsischen Landessynode. </p>
<p>Das sind die Fakten: Der <a href="http://www.verfassungsschutz.sachsen.de/download/VS_Bericht_2009.pdf">Verfassungsschutz</a> zählte 2009 in Sachsen 740 Linksextremisten – und 2700 Rechtsextremisten. Die Zahl der linken Antifa-Autonomen steigt seit 2004 von Jahr zu Jahr. Und auch die Zahl linksex­tremer Straftaten. 513 Delikte gab es laut Landeskriminalamt im letzten Jahr. Meist sind es Sachbeschädigungen an Treffpunkten, Läden oder Wahlkampfmaterial der Rechtsextremen. Die 89 Gewalttaten, die Linke 2009 verübten, richteten sich bei Neonazi-Demon­strationen meist mit Flaschen- oder Steinwürfen gegen deren Teilnehmer oder gegen Polizisten. </p>
<p>Die Zahl der Straftaten aus dem rechtsextremen Lager ging zwar im letzten Jahr zurück, ist aber ungleich höher: 1972 Delikte von Neonazis erfasste das Landeskriminalamt 2009 – davon 84 Gewalttaten, 121 fremdenfeindliche und 108 antisemitische Straftaten. <a href="http://www.mut-gegen-rechte-gewalt.de/w/files/pdf/149-todesopfer-rechter-gewalt.pdf">149 Ausländer, Obdachlose, Linke und Behinderte sind nach Angaben der Amadeu Antonio Stiftung seit 1990 durch Neonazis zu Tode gekommen</a>. </p>
<p>Während die rechtsextreme Szene in Sachsen gut vernetzt ist und die NPD in allen Kreistagen und im Landtag sitzt, sind die Links-Autonomen eine Ansammlung von Grüppchen ohne einheitliche Struktur oder Ideologie. Linksextreme Parteien wie die KPD haben im Freistaat höchstens 50 Mitglieder und keine Wahlerfolge. </p>
<p>Auch wenn Extremisten von links und rechts mit Gewalt die demokratische Gesellschaftsordnung untergraben wollen: Sie haben ganz verschiedene Werte. Neonazis kämpfen für eine Volksgemeinschaft, in der Ausländer, Behinderte, Homosexuelle und Andersdenkende keinen Platz haben. Linksextreme kämpfen gegen Faschismus, Kapitalismus, gegen eine harte Flüchtlingspolitik, gegen den Staat.</p>
<p>Im April hat sich der sozialethische Ausschuss der Landessynode vom stellvertretenden Präsidenten des sächsischen Verfassungsschutzes all dies erklären lassen. »Gewalt ist kein legitimes politisches Mittel, egal ob von rechts oder links«, sagt danach Ausschussvorsitzender Michael Hanfstängl. »Aber Rechts- und Links­extre­mismus haben in Sachsen ganz verschiedene Dimensionen. Deshalb sehen wir derzeit für ein öffentliches Wort der Synode gegen den Linksextre­mismus keinen Anlass.« </p>
<p>Auch Landesbischof Jochen Bohl sieht die großen Unterschiede zwischen Links und Rechts. Er beobachtet dennoch mit Besorgnis das Wachsen der Linksextremen – auch wenn dies angesichts der Entwicklung des Kapitalismus für ihn »nicht unbedingt überraschend kommt«. Ist die Kirche auf dem linken Auge blind? »Wie sollte eine solche Einseitigkeit nach 40 Jahren DDR möglich sein?«, erwidert der Bischof. </p>
<p><em>Andreas Roth</em></p>
<p>Den sächsischen Verfassungsschutzbericht 2009 finden Sie im Internet <a href="http://www.verfassungsschutz.sachsen.de/download/VS_Bericht_2009.pdf">hier</a>.</p>
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