Vorsicht: Kitschfalle

25. März 2010 von Redaktion DER SONNTAG  
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Kirchentag DresdenBrisant klingt sie nicht gerade, die Losung für den Kirchentag 2011 in Dresden – auf den ersten Blick jedenfalls. Ein »Herz« leuchtet uns aus einem Halbsatz entgegen. Das weckt widersprüchliche Assoziationen. Der kundige Christ denkt ans Gefühl, ans Pendant zu Vernunft und Geist, ohne das kein Glaube auskommt.
Der Protestant schlägt seine Bibel auf, um sich des ersten Teils des Satzes zu erinnern. Er stößt auf den Schatz, wo sein Herz sein wird – und findet sich mitten in der Bergpredigt wieder.

Viele Kirchenferne aber – und das sind in Dresden nun einmal die meisten Menschen – werden das Wort so nehmen, wie sie es aus ihrem Alltag kennen: als ein Zeichen für Gefühligkeit, die Seligkeit der Schlagerwelt womöglich. Die Kitschfalle öffnet sich. Der assoziative Absturz ins »Herzilein« droht.

Wir Protestanten werden im Juni 2011 in viele fragende Augen schauen und einiges zu erklären haben. Zudem war in den zurückliegenden Jahren zu beobachten, wie gerade junge Kirchentagsbesucher sich mit dem guten Gemeinschaftsgefühl begnügen und die politischen Debatten den Älteren überlassen.

Dabei könnte diese Emotionalität der Jüngeren Diskussionen gerade befeuern: Benutzen wir souverän Produkte, bedenken die Folgen? Oder werden wir als Konsumenten von Werbung und Markt benutzt? Wie viel unserer seelischen Energie binden Gelderwerb, Kaufen, Internet und TV? Wie könnte ein Leben jenseits von Shopping-Malls und Bildschirm aussehen? Und was hat dies mit meinem Glauben zu tun?

Verstehen wir die Kirchentagslosung so, als Aufforderung zu mehr Tiefgang im Meinungsstreit, woran es dem parteipolitischen Hickhack fehlt, dann ist sie das richtige Signal.

Tomas Gärtner

»So eine Art Nomade«

30. Oktober 2009 von Redaktion DER SONNTAG  
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Das Büro für den Deutschen Evangelischen Kirchentag 2011 in Dresden ist eröffnet. Dessen Leiter Volker Knöll ist mal wieder Stadtbürger auf Zeit.

Noch sieht alles sehr provisorisch aus: Volker Kröll in der Dresdner Geschäftsstelle des Deutschen Evangelischen Kirchentages, in der er dieses Großereignis für 2011 mit seinen Mitarbeitern vorbereitet. Foto: Steffen Giersch

Noch sieht alles sehr provisorisch aus: Volker Kröll in der Dresdner Geschäftsstelle des Deutschen Evangelischen Kirchentages, in der er dieses Großereignis für 2011 mit seinen Mitarbeitern vorbereitet. Foto: Steffen Giersch


Volker Knöll ist jetzt ein Dresdner. Vorher war er Bremer. Geboren und aufgewachsen ist der 39-jährige Betriebswirt und Non-Profit-Manager in Südhessen. Viele Menschen knüpfen ihre Identität an ihren Wohnort. Würde Volker Knöll dies tun, müsste er sie alle zwei Jahre wechseln, im Rhythmus des Deutschen Evangelischen Kirchentages.

Als Geschäftsführer gehört er zur mobilen Truppe des Großereignisses, zu dem in Dresden vom 1. bis 5. Juni 2011 um die 100 000 Menschen erwartet werden. »Ich bin so eine Art Nomade«, sagt er. Auch »Handwerker« oder »Wanderzirkus« würden er und die rund 80 Mitarbeiter der Geschäftsstelle genannt, meint er und lacht. Freundlich, agil, offen, humorvoll – so wirkt er bei der Eröffnung der Geschäftsstelle. Die befindet sich nur ein paar Schritte entfernt vom Dresdner Zwinger.

Seine neue Wohnung hat Volker Knöll im Stadtteil Striesen gefunden. Gemeinsam mit seiner Verlobten. Auch sie gehört zu den Organisatorinnen des Kirchentages. Ein Glücksfall – die Belastungsprobe für das Familienleben entfällt. Auch die anderen drei Geschäftsführer, die ihm folgen, müssen die Kirchentagsstadt zu ihrem Hauptwohnsitz machen. Kisten packen und die gesamte Einrichtung im Laster verstauen, sei für ihn schon fast zur Routine geworden, sagt Knöll. »Nach dem dritten Umzug hat man sich daran gewöhnt, dass es IKEA-Möbel gibt.«

Aber sich mit Haut und Haaren auf den neuen Ort einzulassen, gehöre nun einmal dazu. Die schwierige Seite dieses fortwährenden Wechsels für ihn: »Dass man ständig sein soziales Umfeld wechseln muss. Menschen, die man erst intensiv kennen gelernt hat, muss man wieder loslassen.«

Sich gründlich umzusehen – das wird auch in Dresden seine Haupttätigkeit sein. Immer mit dem prüfenden Veranstalter-Blick: Welche Wiese eignet sich für einen Gottesdienst unter freiem Himmel? Wo kann eine Bühne stehen? In welche Halle passen wie viele Menschen? Für diese Touren will er den Dienstwagen stehen lassen und sich aufs Fahrrad schwingen.

In der Geschäftsstelle herrscht reges Kommen und Gehen. Das werde so bleiben, sagt Volker Knöll. »Unsere Arbeit hat eine hohe Dynamik.« Für die Inhalte ist das Büro in Fulda zuständig. Er und seine Mitarbeiter haben das Terrain technisch vorzubereiten. Es wird Abteilungen geben für Möbel, Computer, Telefone, für Transport, Raumplanung, Quartiere.

»Ich habe hier die Funktion eines Dirigenten mit Orchester«, sagt Volker Knöll. Er muss darüber wachen, dass nicht mehr ausgegeben wird als im Haushalt zur Verfügung steht – voraussichtlich werde sich dieser Betrag um die 14 Millionen Euro bewegen.

Tomas Gärtner

Geschäftsstelle 33. Deutscher Evangelischer Kirchentag Dresden 2011 e. V., Ostra-Allee 25, 01067 Dresden, Telefon (03 51) 79 58 50
www.kirchentag.de