Nur Herz reicht nicht
10. Juni 2011 von DER SONNTAG
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Nicht Wutbürger, Mutbürger – diesen Titel nahm Kirchentagspräsidentin Katrin Göring-Eckardt für die Kirchentagsmassen in Anspruch. Mut? Mut braucht es, wenn der Gegenwind hart weht, wenn die Gefahr, schuldig zu werden, ganz nah kommt, wenn das Dilemma offenkundig ist.
Wenig davon war auf dem Kirchentag zu spüren.
Man war einträchtig beeinander. Gegen Atomkraft – die Sache ist längst gegessen. Für Frieden – das Problem mit Libyen klären wir später. Gegen die Übermacht des Kapitals – was immer das konkret heißt und mit meinem Konto zu tun hat. Man sang, war fröhlich, es war berührend.
Dass Gott der irritierend Fremde ist, der Mose unnahbar im brennenden Dornbusch begegnete, dessen Wille nicht so handzahm zu befolgen ist – man konnte es leicht vergessen.
Das Nein zum zerstörerischen Wirtschaftswachstum, das Nein zu einer mörderischen Flüchtlingsabwehr, das Ja zu einer gewaltfreien Konfliktlösung muss sich jetzt bewähren. Es muss Politikern und Wirtschaftsbossen in aller Entschlossenheit und Schärfe gesagt werden. Zu oft nicken diese im gemütlichen Stuhlkreis der Kirchentagspodien freundlich – und handeln dann anders.
Zugleich aber müssen sich die Forderungen des Christentreffens an der Wirklichkeit messen lassen, die oft genug widersprüchlich ist. Was bedeutet ein Verzicht auf Wirtschaftswachstum für die Armen der Welt, was bedeutet ein Gewaltverzicht für die nach Freiheit Dürstenden in Libyen?
Die Antworten darauf können nicht leicht und schwebend sein wie ein Kirchentag. Wenn es ernst wird, braucht es wirklichen Mut. Und die Hoffnung: Mitten im Konflikt und im schmerzhaften Dilemma wird auch dein Gott sein.
Nur Herz reicht nicht.
Andreas Roth
Schätze sammeln
20. August 2010 von Redaktion DER SONNTAG
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Die sächsischen Kirchgemeinden sollen Schatzkisten füllen und sich damit beim Kirchentag 2011 vorstellen.

Tabea Köbsch zwischen Stapeln von ungefalteten Pappkartons in der Geschäftsstelle des Kirchentags in Dresden. In diesen Tagen werden die künftigen »Schatzkisten« an die Gemeinden verteilt. (Foto: Steffen Giersch)
»Es ist Tradition bei Kirchentagen, dass die gastgebenden Gemeinden etwas zusammentragen«, sagt Tabea Köbsch von der Geschäftsstelle des Kirchentags in Dresden. »In Köln waren es Fässer, die jede Gemeinde mit heimatlichem Wasser gefüllt hat, in Bremen waren es Schiffe, die als Symbole dienten.«
Was aber könnte für Dresden, für Sachsen als Symbol stehen? »Dresden ist die Stadt der Schatzkammern, im Erzgebirge wurden die Schätze gefördert«, sagt Tabea Köbsch. Deshalb sollen es Schatzkisten sein. Doch sie sollen nicht mit Schätzen solcherart gefüllt werden. Hintergrund ist die Kirchentagslosung aus der Bergpredigt: »… da soll auch dein Herz sein.« Dieser Vers bezieht sich auf die himmlischen Schätze. Und deshalb heißt die Aktion auch »Die andere Schatzkammer«. Die Kirchgemeinden sollen sammeln, was ihnen am Herzen liegt.
Sie selbst würde in ihrer Gemeinde Dresden-Laubegast etwas hineintun, das für die Gemeinschaft steht, sagt Tabea Köbsch. Oder für die Arbeit mit Kindern: »Denn die sind unser Reichtum.« Wie die Schatzkiste gefüllt wird, ist jeder Gemeinde selbst überlassen: Fotos, etwas Gebasteltes, schriftliche Wünsche oder gar Handwerkskunst aus dem Erzgebirge. Bis Ende März ist Zeit dafür. Die leeren Kartons werden in den nächsten Tagen an die Gemeinden geschickt. Ein frankierter Paketaufkleber für die Rücksendung liegt bei.
Inzwischen überlegen sich Architekturstudenten der TU Dresden, wie die vielen Schatzkisten auf dem Kirchentag präsentiert werden könnten. Candy Lenk bereitet dafür ein Seminar vor. Für den TU-Mitarbeiter ist das Thema »Schätzsammeln« spannend. »Einerseits liegen Schätze im Verborgenen und sicher verwahrt in Tresoren, andererseits heißt Ausstellen, das Publikum teilhaben lassen«, beschreibt er den Spannungsbogen, den er mit den Studenten durchdenken will.
Zugleich sollen Möglichkeiten der Präsentation in unterschiedlichen Materialien untersucht werden. »Es ist noch völlig offen, wie und wo die Präsentation stattfindet«, so Lenk. Es könnte auf einer großen Landkarte sein oder in Verbindung mit einer Internetaktion. »Es macht Lust, darüber nachzudenken«, so der Architekt.
Lust an der Mitwirkung will auch Tabea Köbsch wecken. Sie will die Aktion als einen Impuls sehen, als Kirchgemeinde nicht unter sich zu bleiben, sondern mit der Schatzsuche aus der Kirche hinauszugehen: Das Befüllen zu einer gemeinsamen Aktion mit Kommune oder örtlichen Vereinen zu gestalten, kirchliche Feste wie Erntedank oder den Kirchentagssonntag am 6. Februar zum Anlass zu nehmen.
Christine Reuther
Die Aktion endet am 30. März 2011. Die Schatzkisten werden beim Kirchentag 2011 in Dresden präsentiert. DER SONNTAG berichtet, wenn Sie uns ein Foto von den Schätzen oder vom Einpacken der Schatzkiste schicken: E-Mail: redaktion@sonntag-sachsen.de
Der Kirchentag in Dresden im Internet: www.kirchentag.de
Vorsicht: Kitschfalle
25. März 2010 von Redaktion DER SONNTAG
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Brisant klingt sie nicht gerade, die Losung für den Kirchentag 2011 in Dresden – auf den ersten Blick jedenfalls. Ein »Herz« leuchtet uns aus einem Halbsatz entgegen. Das weckt widersprüchliche Assoziationen. Der kundige Christ denkt ans Gefühl, ans Pendant zu Vernunft und Geist, ohne das kein Glaube auskommt.
Der Protestant schlägt seine Bibel auf, um sich des ersten Teils des Satzes zu erinnern. Er stößt auf den Schatz, wo sein Herz sein wird – und findet sich mitten in der Bergpredigt wieder.
Viele Kirchenferne aber – und das sind in Dresden nun einmal die meisten Menschen – werden das Wort so nehmen, wie sie es aus ihrem Alltag kennen: als ein Zeichen für Gefühligkeit, die Seligkeit der Schlagerwelt womöglich. Die Kitschfalle öffnet sich. Der assoziative Absturz ins »Herzilein« droht.
Wir Protestanten werden im Juni 2011 in viele fragende Augen schauen und einiges zu erklären haben. Zudem war in den zurückliegenden Jahren zu beobachten, wie gerade junge Kirchentagsbesucher sich mit dem guten Gemeinschaftsgefühl begnügen und die politischen Debatten den Älteren überlassen.
Dabei könnte diese Emotionalität der Jüngeren Diskussionen gerade befeuern: Benutzen wir souverän Produkte, bedenken die Folgen? Oder werden wir als Konsumenten von Werbung und Markt benutzt? Wie viel unserer seelischen Energie binden Gelderwerb, Kaufen, Internet und TV? Wie könnte ein Leben jenseits von Shopping-Malls und Bildschirm aussehen? Und was hat dies mit meinem Glauben zu tun?
Verstehen wir die Kirchentagslosung so, als Aufforderung zu mehr Tiefgang im Meinungsstreit, woran es dem parteipolitischen Hickhack fehlt, dann ist sie das richtige Signal.
Tomas Gärtner
»So eine Art Nomade«
30. Oktober 2009 von Redaktion DER SONNTAG
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Das Büro für den Deutschen Evangelischen Kirchentag 2011 in Dresden ist eröffnet. Dessen Leiter Volker Knöll ist mal wieder Stadtbürger auf Zeit.

Noch sieht alles sehr provisorisch aus: Volker Kröll in der Dresdner Geschäftsstelle des Deutschen Evangelischen Kirchentages, in der er dieses Großereignis für 2011 mit seinen Mitarbeitern vorbereitet. Foto: Steffen Giersch
Volker Knöll ist jetzt ein Dresdner. Vorher war er Bremer. Geboren und aufgewachsen ist der 39-jährige Betriebswirt und Non-Profit-Manager in Südhessen. Viele Menschen knüpfen ihre Identität an ihren Wohnort. Würde Volker Knöll dies tun, müsste er sie alle zwei Jahre wechseln, im Rhythmus des Deutschen Evangelischen Kirchentages.
Als Geschäftsführer gehört er zur mobilen Truppe des Großereignisses, zu dem in Dresden vom 1. bis 5. Juni 2011 um die 100 000 Menschen erwartet werden. »Ich bin so eine Art Nomade«, sagt er. Auch »Handwerker« oder »Wanderzirkus« würden er und die rund 80 Mitarbeiter der Geschäftsstelle genannt, meint er und lacht. Freundlich, agil, offen, humorvoll – so wirkt er bei der Eröffnung der Geschäftsstelle. Die befindet sich nur ein paar Schritte entfernt vom Dresdner Zwinger.
Seine neue Wohnung hat Volker Knöll im Stadtteil Striesen gefunden. Gemeinsam mit seiner Verlobten. Auch sie gehört zu den Organisatorinnen des Kirchentages. Ein Glücksfall – die Belastungsprobe für das Familienleben entfällt. Auch die anderen drei Geschäftsführer, die ihm folgen, müssen die Kirchentagsstadt zu ihrem Hauptwohnsitz machen. Kisten packen und die gesamte Einrichtung im Laster verstauen, sei für ihn schon fast zur Routine geworden, sagt Knöll. »Nach dem dritten Umzug hat man sich daran gewöhnt, dass es IKEA-Möbel gibt.«
Aber sich mit Haut und Haaren auf den neuen Ort einzulassen, gehöre nun einmal dazu. Die schwierige Seite dieses fortwährenden Wechsels für ihn: »Dass man ständig sein soziales Umfeld wechseln muss. Menschen, die man erst intensiv kennen gelernt hat, muss man wieder loslassen.«
Sich gründlich umzusehen – das wird auch in Dresden seine Haupttätigkeit sein. Immer mit dem prüfenden Veranstalter-Blick: Welche Wiese eignet sich für einen Gottesdienst unter freiem Himmel? Wo kann eine Bühne stehen? In welche Halle passen wie viele Menschen? Für diese Touren will er den Dienstwagen stehen lassen und sich aufs Fahrrad schwingen.
In der Geschäftsstelle herrscht reges Kommen und Gehen. Das werde so bleiben, sagt Volker Knöll. »Unsere Arbeit hat eine hohe Dynamik.« Für die Inhalte ist das Büro in Fulda zuständig. Er und seine Mitarbeiter haben das Terrain technisch vorzubereiten. Es wird Abteilungen geben für Möbel, Computer, Telefone, für Transport, Raumplanung, Quartiere.
»Ich habe hier die Funktion eines Dirigenten mit Orchester«, sagt Volker Knöll. Er muss darüber wachen, dass nicht mehr ausgegeben wird als im Haushalt zur Verfügung steht – voraussichtlich werde sich dieser Betrag um die 14 Millionen Euro bewegen.
Tomas Gärtner
Geschäftsstelle 33. Deutscher Evangelischer Kirchentag Dresden 2011 e. V., Ostra-Allee 25, 01067 Dresden, Telefon (03 51) 79 58 50
www.kirchentag.de
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