Ein Fenster zum Himmel

10. Juni 2011 von DER SONNTAG  
Abgelegt unter Titelseite

Comments Off

Fröhliche Christen, strahlendes Wetter, wichtige Gespräche und spirituelle Momente: Der Kirchentag in Dresden begeisterte Tausende.

 

Abschlussgottesdienst des Kirchentags an beiden Ufern der Elbe. Dabei wurden an der Augustusbrücke große Transparente mit einzelnen Bitten des Vaterunsers entrollt. (Foto: Tristan Vankann/DEKT)

Abschlussgottesdienst des Kirchentags an beiden Ufern der Elbe. Dabei wurden an der Augustusbrücke große Transparente mit einzelnen Bitten des Vaterunsers entrollt. (Foto: Tristan Vankann/DEKT)

Augen auf für das Reich Gottes und weitergehen«, legte die Frankfurter Pfarrerin Ulrike Trautwein in ihrer Predigt den 120.000 Gottesdienstteilnehmern am Sonntag ans Herz. »Dein Reich komme« war das Thema des Gottesdienstes an beiden Ufern der Elbe.

Das Reich Gottes sei möglich, wenn Menschen aufeinander achteten und hinsehen, wo Unrecht geschieht. »Die Welt geht nicht einfach den Bach runter«, so die Predigerin. Jesu ganzes Leben sei eine Art Schule fürs Hinschauen: »Er hat die Menschen mit dem Herzen angeschaut bei den Gesprächen, die er mit ihnen führte.« Und sie fügte hinzu: »So einen Blick brauchen wir. Weil er gut tut und Menschen aufblühen, wenn sie so angeschaut werden.«

»Nichts bleibt wie es ist«, singen die über hunderttausend Gottesdienstteilnehmer anschließend. Und was bleibt von diesem Kirchentag? »Die Fröhlichkeit und die Freundlichkeit der Menschen«, das sagen Teilnehmer wie Gastgeber immer wieder. Und als zweites nennen fast alle Befragten den Abend der Begegnung, der mit einem eindrucksvollen Lichterfest endete.

»Ein absolut gelungenes Glaubensfest« sei der Kirchentag gewesen, sagt Dietrich Bauer. Der Oberlandeskirchenrat war verantwortlich für die sächsischen Aktivitäten beim Kirchentag. Und er zeigt sich beeindruckt, auf welch positive Resonanz die vielfältigen Begabungen in der Landeskirche gestoßen sind. »Zu wissen, was wir können, wenn wir wollen – das verändert auch«, so Bauer. Für ihn war der Kirchentag »nicht nur eine Inszenierung, da ist auch geistlich etwas passiert.« Es sei ausgeglichen gewesen: »die spirituellen Momente, die vom Geist geschenkt sind und die politischen Zeitansagen«.

Kirchentagspräsidentin Katrin Göring-Eckardt sagte es beim Schlussgottesdienst so: »Der Kirchentag ist immer ein Fenster zum Himmel und eine Tür zur Welt.« Und sie appellierte an mehr Bürgerbeteiligung bei wichtigen Entscheidungen. »Nicht Wutbürger, sondern Mutbürger«, sollten Christen sein. »Wir wollen keine Von-Oben-Politik, sondern sind eine Dafür-Republik«, sagte sie.

Und noch etwas hob sie heraus: Die Freundlichkeit bei allen, denen Christ­innen und Christen etwas suspekt seien. »Danke den Zweiflern für die offenen Arme und lasst euch sagen: Wir zweifeln auch, mitunter.«

Auch Sachsens Ministerpräsident Stanislaw Tillich benannte einiges, was vom Kirchentag in Sachsen zurückbleiben werde: »In der Gesellschaft das Gefühl, dass die Kirche mit den Menschen und die Menschen mit der Kirche ihr Zusammenleben gestalten«, sagte er bei einem Empfang der Landeskirche im Anschluss an den Gottesdienst am Sonntag. Und als zweites fügte der praktizierende Katholik hinzu: »Das gemeinschaftliche Erlebnis, miteinander im Glauben stark zu sein.«

Am Abend der Begegnung waren tausende Lichter die Elbe hinab geschwommen Richtung Hamburg. Am Ende des Schlussgottesdienstes waren es mehrere Ruderboote, die diese Richtung einschlugen, um symbolisch darauf hinzuweisen, wo der nächste Kirchentag stattfindet. »So gehen wir Schlag auf Schlag in die Vorbereitung des nächsten Kirchentags«, sagte der nordelbische Bischof Gerhard Ulrich. »Da es bei uns im Norden immer weht, hoffen wir, dass Gottes Geist auch dann um uns weht.« Der nächste Kirchentag findet 2013 in Hamburg statt.

»Wir sind der Spur gefolgt, dahin, wo unser Herz ist«, bekannte der Freiburger Erzbischof Robert Zollitsch vor den Kirchentagsgästen beim Abschlussgottesdienst. »Kommen Sie 2012 dahin, wo der Neckar in den Rhein mündet.« Mit diesen Worten lud er zum nächsten Katholikentag vom 16. bis 20. Mai 2012 nach Mannheim ein.

Christine Reuther

Für die meisten Kirchentagsgäste war es das beeindruckendste Erlebnis des Kirchentags: Das nächtliche Dresden am Abend der Begegnung und die tausenden Lichter auf der Elbe, die Richtung Hamburg schwammen. © DEKT

Für die meisten Kirchentagsgäste war es das beeindruckendste Erlebnis des Kirchentags: Das nächtliche Dresden am Abend der Begegnung und die tausenden Lichter auf der Elbe, die Richtung Hamburg schwammen. © DEKT


 
Auf dem Roten Sofa der Kirchenpresse: Sachsens Ministerpräsident Stanislaw Tillich im Gespräch mit Sonntag-Chefredakteurin Christine Reuther über christliches Handeln in der Politik. © Bernd Heinze

Auf dem Roten Sofa der Kirchenpresse: Sachsens Ministerpräsident Stanislaw Tillich im Gespräch mit Sonntag-Chefredakteurin Christine Reuther über christliches Handeln in der Politik. © Bernd Heinze


 
Über 200 sächsische Kirchgemeinden hatten eingepackt, was ihnen am Herzen liegt. Besucher konnten im Einkaufszentrum »Altmarktgalerie« in den »Schatzkisten« stöbern. © Steffen Giersch

Über 200 sächsische Kirchgemeinden hatten eingepackt, was ihnen am Herzen liegt. Besucher konnten im Einkaufszentrum »Altmarktgalerie« in den »Schatzkisten« stöbern. © Steffen Giersch


 
Auf dem Theaterplatz zwischen Semperoper und Hofkirche breitete sich das Diakonische Dorf aus.  Die Angebote hier waren so bunt wie das Tuch, das diese Kirchentagsteilnehmerinnen in die Höhe wehen lassen wollen. © Bernd Heinze

Auf dem Theaterplatz zwischen Semperoper und Hofkirche breitete sich das Diakonische Dorf aus. Die Angebote hier waren so bunt wie das Tuch, das diese Kirchentagsteilnehmerinnen in die Höhe wehen lassen wollen. © Bernd Heinze


 
Die Fotoinszenierung »Das Abendmahl« im Zentrum Barrierefrei. Menschen mit Down-Syndrom stellen Leonardo da Vincis gleichnamiges Gemälde nach.  © Steffen Giersch

Die Fotoinszenierung »Das Abendmahl« im Zentrum Barrierefrei. Menschen mit Down-Syndrom stellen Leonardo da Vincis gleichnamiges Gemälde nach. © Steffen Giersch


 
Jeden Tag ein Sonntag. Freiwillige Helfer teilten die Sonderausgaben zum Kirchentag an den Veranstaltungsorten und in der Stadt an die Besucher aus. © Steffen Giersch

Jeden Tag ein Sonntag. Freiwillige Helfer teilten die Sonderausgaben zum Kirchentag an den Veranstaltungsorten und in der Stadt an die Besucher aus. © Steffen Giersch


 
* * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * *
Weiter Fotos vom Kirchentag finden Sie in unserer Bildergalerie.

[Link]
* * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * *

Die Sonderausgaben vom Kirchentag können Sie hier auch als PDF laden:
Ausgabe vom Mittwoch, 1. Juni 2011 [3,2 MB]
Ausgabe vom Donnerstag, 2. Juni 2011 [2,9 MB]
Ausgabe vom Freitag, 3. Juni 2011 [2,7 MB]
Ausgabe vom Sonnabend, 4. Juni 2011 [2,6 MB]

 

Nachlese: DER SONNTAG auf dem Kirchentag in Dresden

Die vier Kirchentags-Ausgaben des Sonntag, die auf dem Kirchentag an die Besucher verteilt wurden, schicken wir auf Wunsch den SONNTAG-Lesern zum Unkosten-Betrag von € 5,- nach Hause. Bitte bestellen Sie beim Abo-Service des SONNTAG: Tel. 0341 71141-16, Fax 0341 71141-50, aboservice@sonntag-sachsen.de. Wenn Sie ohnehin den SONNTAG per Abbuchung vom Konto zahlen, buchen wir auch diese € 5,00 von Ihrem Bankkonto ab. Anderenfalls schicken Sie bitte mit Ihrer Bestellung Briefmarken im Wert von € 5,00 an: Evangelisches Medienhaus GmbH, Abo-Service, Blumenstr. 76, 04155 Leipzig.


 

Jetzt geht es los

26. Mai 2011 von DER SONNTAG  
Abgelegt unter Titelseite

Comments Off

Über ein Jahr lang haben sich die Christen in Sachsen und besonders in Dresden darauf vorbereitet – nun steht der Kirchentag unmittelbar bevor.

Sie freuen sich auf den Kirchentag (v. l.): Kristin Kösters, Sönke Lungfiel, Doris Schmidt und Hannes Göring leisten ihr Freiwilliges Soziales Jahr beim Kirchentag. (Foto: Steffen Giersch)

Sie freuen sich auf den Kirchentag (v. l.): Kristin Kösters, Sönke Lungfiel, Doris Schmidt und Hannes Göring leisten ihr Freiwilliges Soziales Jahr beim Kirchentag. (Foto: Steffen Giersch)



Mittlerweile haben fast alle Gäste ein Bett. »Es hat alles zusammen gepasst: Wir hatten viele prominente Unterstützer und ein großartiges Engagement in den Gemeinden«, sagt Kirchentagsgeschäftsführer Volker Knöll kurz vor Beginn des Christentreffens. Insgesamt rund 12.000 Privatquartiere werden gebraucht. Dazu kommen rund 45.000 Übernachtungsgäste in 270 Quartierschulen.

Sieben davon betreut die Gemeinde Dresden-Blasewitz. »Das sind nur die staatlichen Schulen auf dem Gemeindegebiet«, sagt Pfarrer Christoph Lehmann. Die Kreuzschule und die Freie Evangelische Schule kümmern sich selbst um ihre Gäste«, so der Kirchentagsbeauftragte der Gemeinde. Und eine Schule habe die katholische Nachbargemeinde übernommen.

Rund 300 Gemeindeglieder bringen sich in Blasewitz in die Vorbereitung des Kirchentags ein. Da sind ein Feierabendmahl vorzubereiten und Tagzeitengebete, ein Nachtcafé und ein Imbissstand. Einige wirken auch beim Abschlussgottesdienst mit. »Manches ist stressig, aber vielen macht es auch Spaß«, sagt Christoph Lehmann.

Auch im Stadtteil Johannstadt haben sich zahlreiche Gemeindeglieder für die Frühstücksversorgung der dort erwarteten 1300 Gäste gefunden. Eckart Finsterwalder, der sie alle betreut, ist des Lobes voll über das Engagement – auch aus der katholischen Herz-Jesu-Gemeinde. Doch er hat auch einen Wunsch: »Ich hoffe, dass ein Teil der ehrenamtlichen Mitarbeiter sich auch in der Zukunft weiter für und in der Kirchgemeinde einsetzt.«

Ob evangelisch oder katholisch: die Dresdner haben gerne Gä­ste. So sieht es auch der katholische Pfarrer Chri­stoph Baumgarten. Seine Gemeinde St. Petrus in Dresden-Strehlen ist gleich mehrfach Gastgeber geworden: Sie haben der evangelisch-lutherischen Gemeinde Leubnitz-Neuostra eine zu betreuende Quartier-Schule abgenommen. Darüber hinaus hat die Gemeinde 50 Privatquartiere zur Verfügung gestellt. Und vor allem: Ihre Gemeinderäume werden von Donnerstag bis Sonnabend für das Frauenzentrum des Kirchentags offen stehen.

Doch die sächsischen Christen sind nicht nur Gastgeber. Sie haben sich auch in das Programm eingebracht mit den Themen »Kirche und Demokratie« und »Glaubenskommunikation im säkularen Umfeld«, mit dem Frauenzentrum, dem Kinderzentrum, dem Diakonischen Quartier und mit einem Projekt Kirchenmusik. Dazu kommen die zahlreichen Angebote beim Abend der Begegnung am Mittwoch des Kirchentags.

Rund 800 Gruppen mit 12.000 Mitwirkenden aus Sachsens Kirchgemeinden haben sich an der Vorbereitung beteiligt. »Der Kirchentag spiegelt in seiner Buntheit, Diskutierfreude und Spiritualität alle Farben des evangelischen Glaubens wider«, sagte Oberlandeskirchenrat Dietrich Bauer bei der Vorstellung der sächsischen Aktivitäten. Die Landeskirche lade während des Kirchentags ein, sich über Glaubensfragen, Fragen der Wissenschaft und Politik aus christlicher Sicht zu informieren. Und natürlich wird sie sich auch selbst den Kirchentagsgästen vorstellen: Mit einem Pavillon am Altmarkt neben dem Kulturpalast. Dieser wird bereits am 29. Mai eröffnet.

»Die Dresdner werden dadurch auf den Kirchentag eingestimmt«, sagt Oberlandeskirchenrat Klaus Schurig, der den Pavillon mit vorbereitet hat. »Bei uns sollen sich die Menschen erholen und informieren, können Kaffee trinken und Kuchen essen.« Hier wird es aber auch spezielle Postkarten und Briefmarken geben, um einen Gruß nach Hause zu schreiben. Und die Rätselfreunde unter den Kirchentagsbesuchern können an einem Quiz über Sachsen und seine Menschen teilnehmen.

Auch DER SONNTAG wird im Pavillon mit einem Stand vertreten sein.

Christine Reuther

Danke, liebe Nicht-Christen

25. Mai 2011 von DER SONNTAG  
Abgelegt unter Kommentar

852346_10903070

Schließen wir kurz vor dem Kirchentag einmal für einen Moment die Augen und stellen uns vor: In der Stadt, in der wir leben, ist die christliche Welt noch in Ordnung. Die Gläubigen sind fast unter sich – nur jeder Fünfte gehört zu keiner Kirche. Doch just diese Minderheit will einen Atheisten-Tag feiern, mit 100.000 Gästen.

Sie sagen: Das ist ein Gewinn für die Stadt, schließlich sind wir die Bewahrer der kritischen Aufklärung, ja sogar des Fundaments unserer Gesellschaft. Deshalb sei es doch recht und billig, dass die gesamte Gesellschaft auch ihr Treffen unterstützt. Mit Schulen als Quartiere für die vielen tausend Gäste, mit Straßenbahnen und Bussen, mit Millionen Euro – und mit ganz viel Verständnis für das vorhersehbare Verkehrschaos. Unmöglich, dass eine andersgläubige Mehrheit das akzeptiert?

Unzählige Sachsen, die nichts oder zumindest nichts Christliches glauben, geben in diesen Tag eine eindeutige Antwort: Ja, so etwas ist möglich. Eine große Mehrheit von Politikern im Land Sachsen und in der Stadt Dresden unterstützt – ob Kirchenmitglied oder nicht – die großzügige Förderung des Christen­treffens aus staatlichen Kassen. Über die Hälfte des 14-Millionen-Euro-Budgets des Kirchentags wird so bezahlt. Nur aus FDP und Linkspartei kam Kritik.

Städte und Gemeinden öffnen 270 Schulen für die weit gereisten Gäste, Hausmeister, Bus- und Straßenbahnfahrer schieben Sonderschichten, Lehrer planen ihren Unterricht um und Eltern die Betreuung ihrer Kinder.

Dafür sei es an dieser Stelle einmal ausgesprochen: Danke, liebe Nicht-Christen, Atheisten, Agnostiker, Muslime, Juden, liebe Zweifler. Wir als Kirche sollten ihre Offenheit nicht vergessen – und selbst offen sein, wenn sie uns brauchen.

Andreas Roth

Fettbemmen und Alphörner

10. Juni 2010 von Redaktion DER SONNTAG  
Abgelegt unter Ostsachsen

Comments Off

Vor der Martin-Luther-Kirche informieren Mitarbeiter des Kirchentags über das 2011 kommende Ereignis, dessen Vorbereitungsphase mit einem Gottesdienst in der Kirche eingeläutet wurde.

Vor der Martin-Luther-Kirche informieren Mitarbeiter des Kirchentags über das 2011 kommende Ereignis, dessen Vorbereitungsphase mit einem Gottesdienst in der Kirche eingeläutet wurde.


Zur »Nacht der Kirchen« in Dresden luden 63 Gemeinden mit originellen Ideen ein

Kurz nach 18 Uhr. Aus dem modernen, hellgrauen Eckhaus im Dresdner Stadtteil Löbtau tönt Kindergesang. Davor steht ein Aufsteller mit einem Plakat: »Nacht der Kirchen«. Drinnen sitzen sieben Mädchen und ein kleiner Junge auf Stühlen. Unter ihnen ist Dorothea. Sie ist zum ersten Mal hier und wird extra begrüßt. »Was tun wir denn so gerne hier im Kreis?«, singen die Kinder. »Tanzen, tanzen«, und sie drehen sich um die eigene Achse. Ihre Eltern beteiligen sich an dem Bewegungsspiel. Die freikirchliche Adventgemeinde hat zum Kinderprogramm eingeladen. So wie viele der 63 Gemeinden unterschiedlicher Konfessionen beginnt sie damit ihr Programm zur »Nacht der Kirchen«.

Mit dem Singspiel »Die drei Mutmacher« lädt die Kurrende der evangelischen Kirche im Stadtteil Weißer Hirsch Kinder und Eltern ein. Andreas Beuchel, jetzt Rundfunkbeauftragter, gehört zu dem Initiativkreis, der die »Nacht der Kirchen« vorbereitet. Vier Jahre war er hier Gemeindepfarrer. An diesen Abenden habe er immer wieder Menschen getroffen, die er sonst nur auf der Straße, nie aber in der Kirche sehe, erzählt er. Die Aktion biete Gelegenheit, mit den Nachbarn ins Gespräch zu kommen. »Wir gehen nach draußen und nehmen den Menschen ihre Angst, die Kirchenschwelle zu überschreiten.« Ein Imbiss mit »Fettbemmen«, Mineralwasser und Apfelsaft komme gut an. Häufig ergäben sich dabei Gespräche. »Wir haben es mit der Nacht der Kirchen geschafft, dass die Dresdner ihre Kirchen nicht nur als Baudenkmäler, sondern auch als Orte der Begegnung wahrnehmen«, sagt Beuchel.

Manche wiederum trauten sich herein, weil sie gerade nicht angesprochen würden, sagt Klemens Ullmann, Pfarrer an der katholischen Hofkirche. »Sie schätzen diese Freiheit, hereinkommen zu können, ohne vereinnahmt zu werden.« Um die viertausend sind es in der Kathedrale diesmal, die diesen Abend dazu benutzen.

Gerade die kleineren Kirchen in den Stadtteilen sorgen mit ungewöhnlichen Angeboten für Vielfalt. In der evangelischen Philippuskirche im Plattenbaugebiet Gorbitz demonstriert Kantor Gerhard Ullmann 14 staunenden Zuhörern, wie er mit Hilfe moderner Aufnahmetechnik allein ein Trio für Klavier, Akkordeon und Geige spielen kann. Musik prägt auch diesmal die Programme. Oft sind es die Orgeln. Kantor Christian Thiele hat einen ganzen »Orgelspaziergang« zu Instrumenten in vier Kirchen organisiert. Die Markuskirche überrascht mit jazzigen Improvisationen über Lieder aus dem Gesangbuch, die Friedenskirche mit vier selbst gebauten Alphörnern, gespielt von Mitgliedern des Posaunenchors.

In der Martin-Luther-Kirche steht der Kirchentag 2011 im Mittelpunkt. Hier ist Reinhard Höppner zu Gast. Der frühere Ministerpräsident von Sachsen-Anhalt gehört zum Präsidium des Deutschen Evangelischen Kirchentags und will mit seiner Kirchentagsbegeisterung die Zuhörer anstecken, »weil es ein ziemlich einmaliges Ereignis sein wird«. Der Kirchentag sei eine große Bewegung, die nicht kleinzukriegen ist. Viele Teilnehmer des Ökumenischen Kirchentags in München hätten ihm erzählt, dass sie sich auf Dresden freuen. »Und es ist ja eine schöne Stadt«, so Höppner.

Tomas Gärtner/Christine Reuther