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	<title>⇒ DER SONNTAG [Sachsen] &#187; Kirchlicher Segen</title>
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	<description>Wochenzeitung für die Evangelisch-Lutherische Landeskirche Sachsens</description>
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		<title>Segen als Spektakel</title>
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		<pubDate>Thu, 21 Jan 2010 15:18:29 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Redaktion DER SONNTAG</dc:creator>
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Kirchlicher Segen für Feuerwehrhäuser, Autobahnen oder Landepisten – für evangelische Pfarrer bedeutet das eine Gratwanderung.
Ein etwas flattriges Gefühl habe er schon gehabt, erinnert sich Daniel Huth, Gemeindepfarrer im ostsächsischen Obercunnersdorf. Die Freiwillige Feuerwehr in dem 2100-Einwohner-Ort hatte ein neues Depot bauen lassen. Nun, so bat der Bürgermeister, sollte der Kirchenmann den Segen spenden. Für evangelische [...]]]></description>
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<p><strong><em>Kirchlicher Segen für Feuerwehrhäuser, Autobahnen oder Landepisten – für evangelische Pfarrer bedeutet das eine Gratwanderung.</em></strong></p>
<p>Ein etwas flattriges Gefühl habe er schon gehabt, erinnert sich Daniel Huth, Gemeindepfarrer im ostsächsischen Obercunnersdorf. Die <strong>Freiwillige Feuerwehr </strong>in dem 2100-Einwohner-Ort hatte ein neues Depot bauen lassen. Nun, so bat der Bürgermeister, sollte der Kirchenmann den Segen spenden. Für evangelische Pfarrer beginnt hier unsicheres Terrain.</p>
<p>Wo der katholische Amtsbruder frohgemut den Weihwasserwedel schwingen darf, muss der protestantische Würdenträger feine Unterschiede beachten. Denn Dinge werden in der evangelischen Kirche nicht geweiht. Der Segen jedoch ist mehr als fromme Untermalung eines Ereignisses: Er ist eine Bitte um Gottes Zuwendung &#8211; und  Dank an den Schöpfer. Sieht man den Segen so, dann ist er auch Verpflichtung  zu sozialer Verantwortung.</p>
<p><strong>»Wichtig ist für die Leute, dass es gut ist, was wir von Gott sagen«</strong>, meint Pfarrer Huth. Ohne zu wissen, wie das bei seinen mehrheitlich atheistischen Zuhörern ankommen würde, las er aus der Bibel, wählte deutliche Worte vom christlichen Glauben, sprach Vaterunser und Segen. Die Reaktionen darauf seien nur positiv gewesen. Die Versammelten hätten das als sehr würdig empfunden.</p>
<p>Der Leipziger Superintendent Martin Henker hat seinen Auftritt gemeinsam mit dem katholischen Propst bei der Eröffnung des BMW-Werkes in weniger guter Erinnerung. Eine<strong> Event-Agentur</strong> hatte das <strong>Spektakel </strong>minutiös geplant. Aufstehen zu Vaterunser oder Segen ging nicht – aus Sicherheitsgründen. Etwas besser fühlte er sich bei der Freigabe der Südumfahrung der <strong>Autobahn 38</strong>. »Wenn dort Menschen sind, denen der Segen Gottes für das, was sie gebaut haben oder wo sie arbeiten, wichtig ist, dann kann ich damit leben, bloß ein Punkt in einem größeren Event zu sein.«</p>
<p>Wie sehr man als Pfarrer in ein Gesamtszenario eingebaut sein kann, hat Albrecht Nollau, Superintendent von Dresden Nord bei der Einweihung der neuen <strong>Start- und Landebahn</strong> des Dresdner Flughafens erfahren. Mit Bibelwort, Gebet und Segen Eigenes zu gestalten vor Leuten, die mit Sektgläsern in der Hand neben dem kalten Büfett stehen, sei schon schwierig. »Das ist eine Gratwanderung.«</p>
<p>Und mitunter könne einem die Einrichtung, vor der man den Segen erteile, Konflikte bescheren, erzählt Nollau. Ein Kollege in Freiberg zum Beispiel sei bei der Einweihung des neuen Sudhauses der <strong>Brauerei</strong> aufgetreten. Daraufhin habe es Kritik von Blauem Kreuz und Diakonie gehagelt.</p>
<p><strong>Man sollte auch mal Nein sagen, </strong>meint Peter Meis, Superintendent von Dresden Mitte. Das habe er getan, als ihn die Organisatoren baten, den Striezelmarkt zu segnen. »Ich muss nicht als Pfarrer zwischen Pflaumentoffel und Schneemann stehen.« Zumal zur Eröffnung des Marktes bereits ein Gottesdienst in der Kreuzkirche gefeiert worden war.</p>
<p>Es gebe Situationen, da werde die Kirche geholt, damit es schön aussieht, sagt Peter Meis. »Hier muss man vorsichtig sein, um nicht die Würde kirchlicher Aufgaben zu gefährden.« <strong>Auf keinen Fall dürfe sich Kirche für populäre, parteipolitische, kommerzielle oder touristische Zwecke instrumentalisieren lassen.<br />
</strong><br />
Sich zu schnell zu verweigern, hält der Chemnitzer Superintendent Andreas Conzendorf indes nicht für sinnvoll. Bei der Einweihung des Autobahnkreuzes Chemnitz beispielsweise ist er aufgetreten. »Wir sollten jedem anständigen Wunsch entgegenkommen, wenn er der Wahrhaftigkeit keinen Schaden zufügt und die Ehre Gottes nicht beleidigt«, meint er.</p>
<p>Pfarrer Daniel Huth in Obercunnersdorf jedenfalls hat es nicht bereut. »Wir werden doch da von der Bevölkerung als Kirche angenommen.« Der Feuerwehr-Spielmannszug, so erzählt er, habe damals eigens <strong>»Nun danket alle Gott«</strong> einstudiert und intoniert. Zum ersten Mal.</p>
<p><em>Tomas Gärtner</em></p>
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