Unterwegs sein und die Botschaft verkünden

30. Juli 2010 von Redaktion DER SONNTAG  
Abgelegt unter Wort zur Woche

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Wem viel gegeben ist,
bei dem wird man viel suchen;
und wem viel anvertraut ist, von dem wird man umso mehr fordern.
Lukas 12, Vers 48

Foto: Miguel Saavedra, sxc.hu

Foto: Miguel Saavedra, sxc.hu


Pilgern erlebt heutzutage eine Hochkonjunktur. Es bedarf dazu nicht erst der Lektüre von Hape Kerkelings Erfahrungen, um sich auf den Weg zu machen. Und das Ziel muss nicht Santiago de Compostela heißen. Manchmal reicht schon der neu angelegte Pilgerweg unmittelbar vor der eigenen Haustür, der einen lockt, das Pilgern auszuprobieren.

Menschen machen sich auf den Weg, um ihren Erfahrungen mit und im Glauben nachzuforschen, ihnen im wahrsten Sinn des Wortes nachzugehen und anderen Menschen dabei zu begegnen. Dabei ist das alles keine neue Erfindung: Peregrinatio propter Christum – die Pilgerschaft um Christi willen – so bezeichneten iro-schottische Mönche im 6. Jahrhundert nach Christus ihr Unterwegssein. Aus dem hohen Norden Irlands und Schottlands pilgerten sie bis weit in den Süden des europäischen Festlandes. Wo sie hinkamen, hinterließen sie Spuren. Von dem, was sie hatten, gaben sie ab. An der Zuversicht ihres Glaubens ließen sie andere Menschen teilhaben.

Auch wir sind herausgerufen aus unseren (Kirchen-) Mauern, um Menschen von dem zu erzählen, was uns im Glauben bewegt, bestärkt und zuversichtlich macht. Es gibt Worte, die können nur wir als Christinnen und Christen glaubhaft weitersagen. Ich erlebe oft, dass es gerade diese Worte schaffen, den Lärm unserer Zeit zu durchdringen.

Nicht, weil sie lauter sind und andere übertönen, sondern weil die Botschaft des Evangeliums einzigartig ist und es vermag, auch manche Sprachlosigkeit zu beenden. Weil wir um diese Kraft des Evangeliums wissen, sind wir herausgerufen und hineingestellt in eine Welt, die diese Botschaft braucht.

Christoph Seele

Oberkirchenrat Christoph Seele ist Beauftragter der Landeskirchen beim Freistaat Sachsen.