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	<title>⇒ DER SONNTAG [Sachsen] &#187; Sachsen</title>
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	<description>Wochenzeitung für die Evangelisch-Lutherische Landeskirche Sachsens</description>
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		<title>Gewissen oder Gewinn?</title>
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		<pubDate>Thu, 02 Feb 2012 10:12:56 +0000</pubDate>
		<dc:creator>DER SONNTAG</dc:creator>
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		<description><![CDATA[
Der Einfluss der Wirtschaft wächst. Manager können viel Schaden anrichten&#xA0;– oder viel Gutes. In Leipzig lernen sie auch von der Bergpredigt.
Die Spannung, in der Dominik Kanbach und Stefanie Priemer stehen, liegt genau in der Entfernung zwischen Kaffeebecher und Tablet-Computer vor ihnen auf dem Mensatisch. Der Kaffee ist fair gehandelt, seine Produzenten haben einen ordentlichen Lohn [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://www.sonntag-sachsen.de/files/2012/02/so6-1_beitrag.jpg" alt="so6-1_beitrag" title="so6-1_beitrag" width="580" height="357" class="alignnone size-full wp-image-5428" /></p>
<p>Der Einfluss der Wirtschaft wächst. Manager können viel Schaden anrichten&#xA0;– oder viel Gutes. In Leipzig lernen sie auch von der Bergpredigt.</p>
<p>Die Spannung, in der Dominik Kanbach und Stefanie Priemer stehen, liegt genau in der Entfernung zwischen Kaffeebecher und Tablet-Computer vor ihnen auf dem Mensatisch. Der Kaffee ist fair gehandelt, seine Produzenten haben einen ordentlichen Lohn bekommen&#xA0;– der flache Apple-Rechner daneben ist schick, <a href="http://www.focus.de/finanzen/news/unternehmen/miese-arbeitsbedingungen-die-schmutzige-seite-von-apples-erfolg_aid_706798.html">doch bei seinem Hersteller in China drohen Mitarbeiter damit, sich wegen gefährlicher Arbeitsbedingungen vom Fabrikdach zu stürzen</a>. </p>
<p>Dominik Kanbach (24) und Stefanie Priemer (25) sind Manager von morgen. Sie studieren an der privaten <a href="http://www.hhl.de/">Handelshochschule Leipzig</a>. Die Studenten hier sind fasziniert von Wirtschaft, einige auch vom Geld. Sie haben am Beginn ihres Studiums oft klare Vorstellungen über Marketing&#xA0;– nicht aber über das Verhältnis von Markt und Moral. Trotz Wirtschafts- und Finanzkrise. </p>
<p>»Man geht nicht in ein Wirtschaftsstudium und sagt: Jetzt handele ich mal unethisch«, erklärt Stefanie Priemer diesen blinden Fleck. »Doch ich will mich auch nicht nur vom Wirtschaftsdenken vereinnahmen lassen und den Blick für das Wesentliche verlieren.« </p>
<p>Was aber ist das Wesentliche? »Hinter jeder wirtschaftlichen Kennzahl stehen Menschen«, sagt Stefanie Priemer. »Das Wesentliche ist, ein ehrbarer Kaufmann und verantwortungsbewusst zu sein«, sagt Dominik Kanbach. </p>
<p>In ihrem Studium an der Handelshochschule diskutieren sie den Ernstfall: Was tun als Manager einer Schokoladenfabrik, für die sklavenähnlich gehaltene Kinder die Kakaobohnen pflücken? »Ich unterstütze definitiv, dass Kinderarbeit wegfällt«, überlegt Stefanie Priemer. »Doch es strikt abzulehnen, ist schwierig. Man müsste dann das Einkommen der Familien anders absichern.« Und da sind dann noch die Kunden, die meist keine höheren Preise zahlen möchten. Und die billigere Konkurrenz, die Arbeitsplätze, der Gewinn. So ist das meist&#xA0;– ob es nun um den Klimaschutz geht oder um Entlassungen. Der Druck ist hoch&#xA0;– und der Manager mittendrin.</p>
<p>Für diese Konflikte will Professor <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Andreas_Suchanek">Andreas Suchanek</a>, der an der Handelshochschule Ethik unterrichtet, den Studierenden den Sinn schärfen. »Ich will keine Rezepte und eindeutigen Haltungen vermitteln&#xA0;– das ist ihre eigene Freiheit und Verantwortung«, sagt Suchanek, der zu den führenden Wirtschaftsethikern Deutschlands zählt. »Doch zu einer guten Führungskraft gehört es, Entscheidungen auch in ethischer Dimension kompetent treffen zu können.« Hier sieht Suchanek noch viele Defizite unter den Bossen. </p>
<p>Einen Kern seiner Ethik hat der Wirtschaftsprofessor ausgerechnet bei den Religionen gefunden: in der »Goldenen Regel«. Jesus sagt in der Bergpredigt über den Willen Gottes: »Was ihr wollt, dass euch die Leute tun sollen, das tut ihnen auch!« Suchanek hat das ökonomisch neu formuliert: »Investiere in die Bedingungen der gesellschaftlichen Zusammenarbeit zum gegenseitigen Vorteil.« Fairness und Nachhaltigkeit seien moralisch besser, ist er überzeugt&#xA0;– und auf Dauer auch besser fürs Geschäft. Doch er weiß auch: »Wir sind Sünder und werden damit leben müssen.« </p>
<p>Stefanie Priemer und Dominik Kanbach versuchen schon im Studium, diese Spannung zu lösen. In einer sozialen Initiative von Leipziger Management-Studenten berieten sie drei Einwanderinnen aus Zentralasien bei der Gründung einer eigenen Firma. Jetzt biegen beide in den Endspurt ihres zweijährigen Studiums ein. Im Sommer werden sie vielleicht schon als Unternehmensberater oder im Management einer großen Firma arbeiten. »Ich denke von keiner Branche: Da würde ich nicht ethisch handeln können«, sagt Dominik Kanbach. »Man kann in jeder Branche ethisch handeln.« </p>
<p>Sein Professor Andreas Suchanek dagegen hörte von einem Absolventen, der sich bei einer Investment-Bank bewarb. Seine gute Note in Ethik aber, die sei ihm zum Nachteil geworden.</p>
<p><em>Andreas Roth</em></p>
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		<title>Homosexuelle Partnerschaften in Pfarrhäusern im Einzelfall möglich</title>
		<link>http://www.sonntag-sachsen.de/2012/01/22/homosexuelle-partnerschaften-in-pfarrhausern-im-einzelfall-moglich/</link>
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		<pubDate>Sun, 22 Jan 2012 12:25:58 +0000</pubDate>
		<dc:creator>DER SONNTAG</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Sächsische Kirchenleitung diskutiert intensiv ihre Haltung zu homosexuellen Partnerschaften und ändert ihre bisherige Position
In ihrer Klausurtagung am 20. und 21. Januar 2012 hat die Kirchenleitung der sächsischen Landeskirche die Pfarrhäuser in Einzelfällen für homosexuelle Partnerschaften geöffnet. Dem mit sehr großer Mehrheit entschiedenen Kurswechsel war eine intensive Debatte vorangegangen. 
Die Kirchenleitung bekräftigt die bleibende Bedeutung der [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em>Sächsische Kirchenleitung diskutiert intensiv ihre Haltung zu homosexuellen Partnerschaften und ändert ihre bisherige Position</em></p>
<p>In ihrer Klausurtagung am 20. und 21. Januar 2012 hat die Kirchenleitung der sächsischen Landeskirche die <a href="http://www.evlks.de/aktuelles/nachrichten/18227.html">Pfarrhäuser in Einzelfällen für homosexuelle Partnerschaften geöffnet</a>. Dem mit sehr großer Mehrheit entschiedenen Kurswechsel war eine intensive Debatte vorangegangen. </p>
<p>Die Kirchenleitung bekräftigt die bleibende Bedeutung der biblischen Ordnung von Ehe und Familie als Leitbild des Zusammenlebens von Frau und Mann, teilte das Landeskirchenamt mit. Um der Einheit der Landeskirche willen sollen die bisher geltenden Feststellungen der Kirchenleitung vom 29. August 2001 fortgeschrieben werden. </p>
<p>Mit dem <a href="http://www.evlks.de/doc/Beschluss_KL_21._Januar_2012.pdf">neuen Beschluss</a> jedoch behält sich die Landeskirche vor, in Einzelfällen gleichgeschlechtlichen Paaren das gemeinsame Leben im Pfarrhaus zu gestatten. Dies setzt die einmütige Zustimmung des zuständigen Kirchenvorstandes zwingend voraus und ist nur bei eingetragenen Lebenspartnerschaften möglich, so die Kirchenleitung.</p>
<p><a href="http://www.evlks.de/doc/Abschlussbericht_der_AG_Homosexualitaet_in_biblischem_Verstaendnis.pdf">Landesbischof Jochen Bohl wies in seiner Erklärung</a> auf die stark gegensätzlichen Auffassungen in der sächsischen Landeskirche hin, welche nur durch ein gegenseitiges Respektieren und Achten der jeweils anderen Auffassung überwunden werden können. »Ich hoffe, dass die Christinnen und Christen in den Kirchgemeinden unserer Landeskirche diese Entscheidung der Kirchenleitung mittragen werden. Ich bin sicher, dass homosexuell geprägte Menschen, mit denen wir in der Gemeinschaft der Kirche verbunden sind, als Schwestern und Brüder im Glauben akzeptiert werden«, so Bohl.</p>
<p>Eine wichtige Grundlage der Beratung bildete der<a href="http://www.evlks.de/doc/Abschlussbericht_der_AG_Homosexualitaet_in_biblischem_Verstaendnis.pdf"> Abschlussbericht der Arbeitsgruppe »Homosexualität in biblischem Verständnis«</a>. Die Kirchenleitung würdigt den gefundenen Konsens der AG in wichtigen Aspekten. So schließt sie sich ausdrücklich der Einsicht an, dass der status confessionis nicht gegeben ist.</p>
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		<title>Gewissen gegen Gewissen</title>
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		<pubDate>Sat, 21 Jan 2012 11:27:01 +0000</pubDate>
		<dc:creator>DER SONNTAG</dc:creator>
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Dürfen sie oder dürfen sie nicht ins Pfarrhaus, der Pfarrer oder die Pfarrerin, die ihresgleichen lieben? Die Kirchenleitung hat am 21.&#xA0;Januar eine Entscheidung von einiger Tragweite zu fällen. 
Es geht um das neue Pfarrer­dienstgesetz der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) und dessen Paragraf 39. Wer den 2010 verabschiedeten Gesetzestext liest, wird zunächst nichts Spektakuläres entdecken. Um [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://www.sonntag-sachsen.de/files/2012/01/kommentar412.jpg" alt="kommentar412" title="kommentar412" width="580" height="435" class="alignnone size-full wp-image-5327" /></p>
<p><strong>Dürfen sie oder dürfen sie nicht ins Pfarrhaus, der Pfarrer oder die Pfarrerin, die ihresgleichen lieben? Die Kirchenleitung hat am 21.&#xA0;Januar eine Entscheidung von einiger Tragweite zu fällen. </strong></p>
<p>Es geht um das <a href="http://www.ekd.de/download/pfarrdienstgesetz.pdf">neue Pfarrer­dienstgesetz der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD)</a> und dessen Paragraf 39. Wer den 2010 verabschiedeten Gesetzestext liest, wird zunächst nichts Spektakuläres entdecken. Um die Lebensführung der Pfarrerinnen und Pfarrer »im familiären Zusammenleben und in ihrer Ehe« geht es da. </p>
<p>Diese Erweiterung über die Ehe hinaus bezieht sich auf gleichgeschlechtliche Lebensgemeinschaften und ist der Anlass für Unterschriftensammlungen in Sachsen: dafür und dagegen. Warum die EKD diesen Passus ins Gesetz eingefügt hat, wird aus der Begründung deutlich: Er ermögliche es den Gliedkirchen, ihr eigenes Profil im Umgang mit unterschiedlichen Lebensgemeinschaften beizubehalten und weiter zu entwickeln.</p>
<p>Darüber will die Kirchenleitung beraten: <a href="http://www.sonntag-sachsen.de/2011/10/20/pfarrer_homosexualitat_kirche_bibel_liebe-oder-sunde/">Braucht die Evangelisch-Lutherische Landeskirche Sachsens eine neue Regelung</a> oder will sie an der bisherigen festhalten, dass gleichgeschlechtliche Lebensgemeinschaften im Pfarrhaus nicht erlaubt sind? Gegner einer Neuregelung sprechen von Kirchenspaltung. <a href="http://www.kirche-markersbach.de/index_htm_files/ErklaerungKirchgemeinden.pdf">Ernstzunehmende Christen sehen sich in Gewissensnöten</a>. <a href="http://www.sonntag-sachsen.de/2011/12/16/»wir-nehmen-die-not-homosexueller-wahr«/">Andere ernstzunehmende Christen wiederum sehen die Gewissensnöte betroffener Pfarrerinnen und Pfarrer</a>. </p>
<p>Doch warum soll es einer Gemeinde zugemutet werden, die es partout nicht will? Und warum einer Gemeinde verwehrt werden, wenn sie darin kein Problem sieht?<br />
Es wird keine leichte Entscheidung, die die Kirchenleitung zu treffen hat. Im Gebet können wir sie unterstützen, dass es eine weise Entscheidung wird.                 </p>
<p><em>Christine Reuther</em></p>
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		<title>Verschlossene Herzen</title>
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		<pubDate>Fri, 20 Jan 2012 07:31:16 +0000</pubDate>
		<dc:creator>DER SONNTAG</dc:creator>
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Er wollte ein guter Ehemann sein und ein guter Christ. Er litt, weil sein Herz für Männer schlägt. Ein Leiden ist Homosexualität nicht&#xA0;– aber ihre Verdrängung ist es.
Er schenkte ihr immer weiße Rosen. Nie rote. »Weil Du so rein bist«, sagte er dann zu ihr. Nie sagte er: Ich liebe dich. Sie bat ihn: »Schauspielere [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://www.sonntag-sachsen.de/files/2012/01/so4beitrag.jpg" alt="so4beitrag" title="so4beitrag" width="580" height="357" class="alignnone size-full wp-image-5322" /></p>
<p>Er wollte ein guter Ehemann sein und ein guter Christ. Er litt, weil sein Herz für Männer schlägt. Ein Leiden ist Homosexualität nicht&#xA0;– aber ihre Verdrängung ist es.</p>
<p>Er schenkte ihr immer weiße Rosen. Nie rote. »Weil Du so rein bist«, sagte er dann zu ihr. Nie sagte er: Ich liebe dich. Sie bat ihn: »Schauspielere doch mal und sag es wenigstens ein einziges Mal.« Er konnte es nicht. Sie war seine Frau. </p>
<p>Sein Vater, Pfarrer auf dem sächsischen Land, hatte ihm beschieden: »Homo­sexualität kommt in Gottes Schöpfungsordnung nicht vor.« Martin Paul (alle Namen geändert) nahm es als Gesetz. Legte einen eisernen Ring um sein Herz. Es fühlte anders, als es durfte. Als es sollte. Schwul zu sein, das war für ihn schweinisch, das war gegen Gott. Als er 30 wurde, hatte er noch nie einen Menschen geküsst. Und dann kam sie. Sagte: »Martin, du bist schön.« </p>
<p>So etwas hatte er nie zuvor gehört. Martin und Katrin heirateten, bekamen drei Kinder. Eine christliche Ehe. 16 Jahre lang. </p>
<p>»Ich habe immer versucht, meiner Frau ein passender Ehemann zu sein, ich wollte sie auf Händen tragen und in den Himmel führen«, erinnert sich Martin Paul. Aber es wurde und wurde keine Liebe daraus. »Er hat es versucht«, sagt Katrin Paul. »Aber wir sind eigentlich mehr wie Geschwister.« </p>
<p>Doch es ging. Er sagte ihr: »Ich finde Männer so schön.« Sie antwortete: »Ich finde Männer auch so schön.« Vor allem aber waren sie einander treu, das trug. Der eiserne Ring jedoch zog sich immer fester um Martin Pauls Herz. </p>
<p>Sein Leben wurde zu einem Hindernislauf. So viele Ansprüche, denen er genügen musste. So viele Fallen, so viele Verstecke. Er entwickelte Pläne, an deren Ende eine Beerdigung gestanden hätte&#xA0;– wenigstens das sollte ehrenvoll sein. Paul stürzte sich in die Arbeit, um zu entkommen. Er verausgabte sich. Bis zum Zusammenbruch. </p>
<p>Thorsten Kohlmann ist ein Mann mit kräftigem Händedruck. Ein Handwerker mit Sinn fürs Praktische. Nie hätte er gedacht, dass es ihn trifft. Ihn, der behütet in einer evangelischen Handwerkerfamilie aufgewachsen war. Evangelischer Kindergarten, Junge Gemeinde, Kirchvorsteher. Von Schwulen hatte er in seiner Jugend gehört&#xA0;– um keinen Preis wollte er dazugehören. </p>
<p>Kohlmann fand eine Frau, eine sehr gute und liebe Frau, sagt er. Bekam eine Tochter mit ihr. »Es war keine schlechte Ehe«, sagt er. Die Anziehungskraft, die später zwischen ihnen fehlte, glichen sie aus mit Wanderungen, Gipfelbesteigungen, Opern- und Gottesdienstbesuchen. Doch da waren seine Gefühle für Männer, nicht für Frauen. Kohlmann fraß es in sich hinein. </p>
<p>Er betete oft. »Ich bin doch auch gottgewollt«, sagte er sich. »Es kann nicht gottgewollt sein, dass man sich ein Leben lang versteckt. Ich habe um einen Ausweg gebetet&#xA0;– und der kam eines Tages.« Ganz unerwartet. Kohlmanns Frau eröffnete ihm, dass da ein anderer Mann ist. Und Kohlmann? »Ich freue mich sehr für dich«, sagte er ihr. »Ich drücke dir die Daumen, dass du einen erwischst, der dich sehr liebt.« Noch immer kommen ihm die Tränen bei der Erinnerung an diesen Moment.</p>
<p>Thorsten Kohlmann und Martin Paul sind nun geschieden. Sie haben neue Partner&#xA0;– ihre Frauen auch. Alles Männer. Ihre Frauen sind ihre Freunde geblieben. In dem Café, in dem Martin Paul früher mit seiner Frau die Hochzeitstage feierte, sitzen sie sich gegenüber. In Würde haben sie sich getrennt, aber auch in Schmerzen. </p>
<p>»Dass ich dir das zufügen musste, hat mir sehr weh getan«, sagt Martin und sieht lange stumm seine frühere Frau an. »Du bist nicht mein Besitz«, erwidert sie. »Man kann den anderen nicht zwingen, anders zu sein, als er ist.« </p>
<p>Sie schüttelt den Kopf, als schüttele sie ihre Lebensträume ab. Sie denkt an ihre Kinder, ihre Verletzungen&#xA0;– aber auch daran, wie entspannt und glücklich ihr früherer Mann nun sein kann. »Ich mache Dir keinen Vorwurf«, antwortet sie ihm. »Gott schreibt auch auf krummen Linien gerade.« </p>
<p><em>Andreas Roth</em></p>
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		<title>In großer Gewissensnot</title>
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		<pubDate>Thu, 19 Jan 2012 08:30:17 +0000</pubDate>
		<dc:creator>DER SONNTAG</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Dürfen homosexuelle Paare gesegnet werden oder ins Pfarrhaus einziehen? Darüber wird die Kirchenleitung am Wochenende beraten. Gegner und Befürworter machen Druck.
Gegen eine Lockerung der Regelung zu homosexuellen Pfarrern und Pfarrerinnen in der sächsischen Landeskirche haben sich Kirchenvorstände von 121 Gemeinden ausgesprochen. Das entspricht einem reichlichen Sechstel der insgesamt 776 Gemeinden und Kirchspiele in der Landeskirche. Bekundet [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_5318" class="wp-caption alignnone" style="width: 590px"><img src="http://www.sonntag-sachsen.de/files/2012/01/DSC_7040.jpg" alt="Der Markersbacher Pfarrer Gaston Nogrady (4. v. l.) übergibt mit acht weiteren Vertretern von Kirchgemeinden Landesbischof Jochen Bohl (3. v. r.)  im Landeskirchenamt die »Markersbacher Erklärung«. In ihr wenden sich Kirchgemeinden gegen homosexuelle Partnerschaften in Pfarrhäusern. Foto: Steffen Giersch" title="DSC_7040" width="580" height="369" class="size-full wp-image-5318" /><p class="wp-caption-text">Der Markersbacher Pfarrer Gaston Nogrady (4. v. l.) übergibt mit acht weiteren Vertretern von Kirchgemeinden Landesbischof Jochen Bohl (3. v. r.)  im Landeskirchenamt die »Markersbacher Erklärung«. In ihr wenden sich Kirchgemeinden gegen homosexuelle Partnerschaften in Pfarrhäusern. Foto: Steffen Giersch</p></div>
<p>Dürfen homosexuelle Paare gesegnet werden oder ins Pfarrhaus einziehen? Darüber wird die Kirchenleitung am Wochenende beraten. Gegner und Befürworter machen Druck.</p>
<p>Gegen eine Lockerung der Regelung zu homosexuellen Pfarrern und Pfarrerinnen in der sächsischen Landeskirche haben sich Kirchenvorstände von 121 Gemeinden ausgesprochen. Das entspricht einem reichlichen Sechstel der insgesamt 776 Gemeinden und Kirchspiele in der Landeskirche. Bekundet haben sie das mit ihrer Unterschrift unter die <a href="http://www.kirche-markersbach.de/index_htm_files/ErklaerungKirchgemeinden.pdf">»Markersbacher Erklärung«</a>. </p>
<p>Unterschrieben haben nach Angaben der Initiatoren außerdem Vertreter von 160 Gemeinschaften sowie mehr als 300 Einzelpersonen. Die Erklärung und Unterschriften hat der Initiativkreis Landesbischof Jochen Bohl am 10.&#xA0;Januar übergeben.</p>
<p>In ihrer Erklärung bitten die Unterzeichner die Kirchenleitung und Landessynode, an der bisherigen Regelung von 2001 festzuhalten. Sie besagt, dass »eine homosexuelle Beziehung nicht im Pfarrhaus gelebt und nicht zum Inhalt der Verkündigung gemacht wird«. Auf ihrer Frühjahrstagung im April muss die Landessynode darüber beschließen, ob das <a href="http://www.ekd.de/download/pfarrdienstgesetz.pdf">neue Pfarrdienstrecht der EKD</a> auch in der sächsischen Landeskirche gelten soll. </p>
<p>Dieses spricht im Paragraph 39 von Lebensführung der Pfarrer »im familiären Zusammenleben und in ihrer Ehe«. Dafür seien »Verbindlichkeit, Verlässlichkeit und gegenseitige Verantwortung« maßgebend. Die »Begründung« zu diesem Passus jedoch lässt auch »gleichgeschlechtliche Lebensgemeinschaften« von Pfarrern zu.</p>
<p>Mit ihrer Unterschrift unter die »Markersbacher Erklärung« hätten dies auch mehrere junge Leute und Theologiestudenten abgelehnt, erklärte der Markersbacher Pfarrer Gaston Nogrady im Namen des Initiativkreises. »Daraus wird deutlich, dass unser Anliegen generationenübergreifend vertreten wird und nicht nur die Sache von ein paar ›Alten‹ ist«, fügte er hinzu.</p>
<p>Nach einem halbstündigen vertraulichen Gespräch mit Landesbischof Bohl erklärte die neunköpfige Initiativgruppe in einem Papier, »dass zahlreiche Gemeindeglieder durch die geplante Öffnung in große Gewissensnot geraten und ihre geistliche Heimat in der sächsischen Landeskirche verlieren«. Mit dem Landesbischof seien sie sich einig gewesen, dass die Einheit der Landeskirche gewahrt bleiben möge. </p>
<p>Zugleich aber sei in dem Gespräch deutlich geworden, »dass eine Veränderung der bisherigen Rechtslage kirchenspaltendes Potential besitzt«. Die Initiative mahne die Landeskirche, bei den biblischen Grundlagen und Bekenntnissen zu bleiben. »Die Kirche muss ihrer gesellschaftlichen Orientierungsaufgabe nachkommen und darf sich nicht gesellschaftlichen Entwicklungen unterwerfen, die im Gegensatz zum Wort Gottes stehen.«</p>
<p>Landesbischof Jochen Bohl sagte nach dem Gespräch, er habe den Initiatoren für ihr Engagement gedankt. »Ich habe außerdem darauf hingewiesen, dass die Kirchenleitung diese Sorgen ernst nimmt und die Initiatoren in die Entscheidungsfindung einbezieht.«</p>
<p>Eine <a href="http://www.sonntag-sachsen.de/2011/12/16/»wir-nehmen-die-not-homosexueller-wahr«/">andere Erklärung mit dem Namen »Auch unter Christen&#xA0;– Liebe zum gleichen Geschlecht«,</a> die aus dem Kirchenbezirk Leipziger Land kommt und eine Zulassung homosexueller Partnerschaften in Pfarrhäusern und die Segnung homosexueller Paare fordert, haben inzwischen 214 Frauen und Männer unterschrieben&#xA0;– die meisten davon Pfarrer und kirchliche Mitarbeiter.</p>
<p>Die Zahl eingetragener Partnerschaften von Gleichgeschlechtlichen soll in Sachsen bei etwa 940 liegen.</p>
<p><em>Tomas Gärtner</em></p>
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		<title>Fröhlichen Herzens</title>
		<link>http://www.sonntag-sachsen.de/2012/01/13/frohlichen-herzens/</link>
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		<pubDate>Fri, 13 Jan 2012 13:00:10 +0000</pubDate>
		<dc:creator>DER SONNTAG</dc:creator>
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		<description><![CDATA[&#xA0;
Für Luther gehörte Musik ebenso zum Gottesdienst wie das Wort. Deshalb begeht die evangelische Kirche 2012 das Themenjahr »Reformation und Musik«. 
Sie beginnt mit A wie Augsburg und endet mit Z wie Zittau: die Musikreihe »366 plus 1«, die sich dieses Jahr wie ein Band durch Deutschland zieht. An jedem Tag erklingt in einer deutschen Kirche ein [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><div id="attachment_5276" class="wp-caption alignnone" style="width: 590px"><img src="http://www.sonntag-sachsen.de/files/2012/01/so-3-beitrag.jpg" alt="Der Leipziger Thomanerchor – hier eine Szene aus dem aktuellen Kinofilm »Die Thomaner« – feiert 800. Geburtstag und ganz Deutschland feiert mit beim Themenjahr »Reformation und Musik«. Foto: © NFP" title="so-3-beitrag" width="580" height="357" class="size-full wp-image-5276" /><p class="wp-caption-text">Der Leipziger Thomanerchor – hier eine Szene aus dem aktuellen Kinofilm »Die Thomaner« – feiert 800. Geburtstag und ganz Deutschland feiert mit beim Themenjahr »Reformation und Musik«. Foto: © NFP</p></div><br />
&#xA0;<br />
Für Luther gehörte Musik ebenso zum Gottesdienst wie das Wort. Deshalb begeht die evangelische Kirche 2012 das Themenjahr »Reformation und Musik«. </p>
<p>Sie beginnt mit A wie Augsburg und endet mit Z wie Zittau: die Musikreihe »366 plus 1«, die sich dieses Jahr wie ein Band durch Deutschland zieht. An jedem Tag erklingt in einer deutschen Kirche ein Konzert. Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) hat die Aktion ins Leben gerufen. Anlass ist das Themenjahr »Reformation und Musik«. </p>
<p>Und Sachsen hat nicht unwesentlich Anteil daran, dass die Musik gerade 2012 im Mittelpunkt der Reformationsdekade bis 2017 steht: In Leipzig feiern Thomaskirche, Thomanerchor und Thomasschule ihr 800-jähriges Bestehen. Weil Bildung untrennbar mit dem Wirken von Martin Luther verbunden ist und Johann Sebastian Bach diese drei Einrichtungen maßgeblich geprägt hat. In Sachsen endet auch die Musikreihe: mit einem Silvesterkonzert in der Zittauer Weberkirche. </p>
<p>Doch bis Dezember wartet Christian Kühne nicht. Der Löbauer Kantor ist Leiter einer Arbeitsgruppe Kirchenmusik in der Oberlausitz. Diese hat ein Konzept zum Themenjahr entwickelt. Und alle Konfessionen machen mit. »Schließlich gibt es in der Oberlausitz eine ganze Reihe reformatorischer Traditionen«, sagt er. Da sind die evangelisch-lutherischen Gemeinden, die hussitischen Wurzeln der Herrnhuter Brüdergemeine, die calvinistischen Gemeinden auf dem Gebiet der Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz und nicht zuletzt die katholischen Sorben. </p>
<p>So gibt es im April unter der Überschrift »Römisch-katholische und reformatorische Frömmigkeit im Dialog« mehrere Aufführungen von Dvoraks »Stabat mater«. Es gibt ein Chortreffen des Sechsstädtebundes und die Aufführung von Haydns »Schöpfung« auf der 6. Sächsischen Landesgartenschau in Löbau. </p>
<p>Auch für Landeskirchenmusikdirektor Markus Leidenberger ist dieses Musikprogramm in der Oberlausitz ein Schwerpunkt im Themenjahr. Und so wie er sich für sein Kirchspiel Dresden-Neustadt das Jahresthema »Viele Stimmen – ein Gesang« gesetzt hat, hofft er, dass sich viele Gemeinden mit der Bedeutung der Musik für die Reformation befassen. </p>
<p>Immerhin ist trotz sinkender Gemeindegliederzahlen die Anzahl der Kirchenchöre und die der Sängerinnen und Sänger angestiegen. 2010 waren es rund 26 000 Sänger in 771 Chören. Das sind 3,34 Prozent der Gemeindeglieder – gegenüber 2,77 Prozent in nur 754 Chören im Jahr 2004. »Ich denke, dass diese Breite deutschlandweit einmalig ist«, sagt Kantor Jens Staude, Vorsitzender des sächsischen Kirchenchorwerks. Vor allem durch die Kurrenden werde immer wieder für Nachwuchs gesorgt. </p>
<p>Bei den Posaunen ist es ähnlich. Entstanden aus der Erweckungsbewegung des 19. Jahrhunderts, sind die 454 sächsischen Bläserchöre mit ihren 6150 Mitgliedern heute eine typisch evangelische Art der Verkündigung. Für Hartmut Rau, den Vorsitzenden der Posaunenmission, ist Bläserarbeit »ein missionarischer Faktor ohnegleichen«. Das stellen die Bläserinnen und Bläser unter Beweis, wenn sich etwa 2000 von ihnen Anfang Juli in Zwickau zum Landesposaunenfest treffen. </p>
<p>Und was hat das alles mit der Reformation zu tun? Weil Musik »ein ruhiges und fröhliches Herz schenkt«, zitiert der Kirchenhistoriker Markus Hein von der Theologischen Fakultät Leipzig aus einem Brief Martin Luthers an den bayerischen Hofkapellmeister Ludwig Senf (1530). Für den Reformator gab es keine Kunst nach der Theologie, die der Musik gleichkommt. Und so hat er nicht nur das Wort in den Mittelpunkt des Gottesdienstes gerückt, sondern auch den Gemeindegesang, der damals seit 900 Jahren aus den Kirchen verschwunden war. </p>
<p>»Musik muss laut Luther mit dem übereinstimmen, was im Gottesdienst gesagt wird«, so Hein. »Das beste Beispiel ist Johann Sebastian Bach, dessen Musik gefüllt ist mit Evangelium.«   </p>
<p><em>Christine Reuther</em></p>
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		<title>Langer Weg zum eigenen Geld</title>
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		<pubDate>Fri, 15 Jul 2011 11:00:22 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Redaktion DER SONNTAG</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Behinderung]]></category>
		<category><![CDATA[Diakonie Sachsen]]></category>
		<category><![CDATA[persönliches Budget]]></category>
		<category><![CDATA[Sachsen]]></category>

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Seit 2008 haben Behinderte in Sachsen das Recht auf ein »Persönliches Budget«. Aber zu wenige machen Gebrauch davon. 
Der junge Mann, nennen wir ihn Ralf, ist frustriert. Er wollte, was er an Hilfe braucht, selbst organisieren. Nun aber zieht es sich hin. Nach einem schweren Unfall ist der 24-Jährige querschnittsgelähmt und auf den Rollstuhl angewiesen. [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img class="alignnone size-full wp-image-4103" title="titel_so29" src="http://www.sonntag-sachsen.de/files/2011/07/titel_so29.jpg" alt="titel_so29" width="580" height="356" /><br />
<strong>Seit 2008 haben Behinderte in Sachsen das Recht auf ein »Persönliches Budget«. Aber zu wenige machen Gebrauch davon. </strong></p>
<p>Der junge Mann, nennen wir ihn Ralf, ist frustriert. Er wollte, was er an Hilfe braucht, selbst organisieren. Nun aber zieht es sich hin. Nach einem schweren Unfall ist der 24-Jährige querschnittsgelähmt und auf den Rollstuhl angewiesen. Unterstützung braucht er im Haushalt, Assistenz während der Arbeit und in der Freizeit. 16 Stunden täglich. Finanzieren wollte er das über ein Persönliches Budget. Seit 2008 haben Behinderte ein Recht darauf, auch in Sachsen.</p>
<p>Ralf hat einen Antrag geschrieben, vor mehr als einem Jahr. Hat vor den Zuständigen seine Lage geschildert, den Antrag noch einmal geändert. Das Geld indes bekommt er nicht. Behinderten dieses »persönliche Geld« in die Hand zu geben und sie ihre benötigten Assistenzen selber einkaufen zu lassen – dieses Prinzip finden in Sachsen alle Beteiligten grundsätzlich gut. Allein: Es bewegt sich kaum etwas.</p>
<p>»In den letzten mehr als zweieinhalb Jahren haben wir rund 400 Menschen beraten«, sagt Christian Schönfeld, Direktor der Diakonie Sachsen. 190 von ihnen hätten das Persönliche Budget beantragt, fast hundert es bekommen. »Das sind mehr als vor einem Jahr. Aber immer noch zu wenige.« Hauptursache für ihn: »Die Kostenträger bremsen.« Die Verwaltung entpuppe sich bei den Verfahren als »lange Bank«.</p>
<p>Freilich erfordere dieses Budget auch von den Behinderten einen ausgeprägten Willen, verlange ihnen mehr Arbeit ab, meint Ivonne Fichte-Schnabel, Koordinatorin des Projekts Persönliches Budget bei der sächsischen Diakonie. Auf jeden Fall müssten sie mehr über Anträge und Verfahren wissen.</p>
<p>Stephan Pöhler, Behindertenbeauftragter der sächsischen Regierung, fordert: »Die Behinderteneinrichtungen müssen neue Angebote machen. Das geschieht noch zu zögerlich.« Die Behinderten wiederum ermuntert er zu mehr Mut.</p>
<p>Deren Interesse am Persönlichen Budget zumindest sei groß, sagt Sören Haak. »Zu mir kommen immer mehr Menschen mit Anfragen«, konstatiert der Berater im Ambulanten Behindertenzentrum der Dresdner Stadtmission, der selbst Rollstuhlfahrer ist. »Aber bei den Ämtern dauern die Genehmigungsverfahren dafür lange.« Gleichwohl rät er den Behinderten, diesen Schritt zu wagen. »Die Entscheidungsträger müssen merken, dass der Bedarf wirklich da ist.« Und auch bei den Betreuern müsse ein Umdenken angestoßen werden. »Gerade aus christlichen Motiven heraus in bester Absicht Helfende laufen Gefahr, Behinderten nichts zuzutrauen«, sagt er. So verfestigten sie bei ihnen die Ansicht: Ich kann das ja gar nicht. »Gerade bei Behinderten, die viele Jahre in einem Heim gelebt haben, müssen wir diese alten Muster aufbrechen. Wir brauchen nicht Helfer, die immer gleich wissen, was für einen Behinderten gut ist. Vielmehr müssen die Helfer fragen: Was brauchst du, was willst du?«</p>
<p>Die Kostenträger wiederum sehen auch eine Mitschuld der behinderten Antragsteller. Rolf Ernst vom Kommunalen Sozialverband erlebt immer wieder, dass die Anträge zu ungenau formuliert werden: »Es ist besser, wenn die Behinderten gleich am Anfang ihre Situation und ihren Hilfebedarf lieber etwas ausführlicher schildern.«<br />
Anita Richter, Beraterin bei der Behindertenbeauftragten der Stadt Dresden und selbst körperbehindert, hat die Erfahrung gemacht: »Bei den internen Verwaltungsabläufen hakt es sehr. Die Ämter sind an festgelegte Prozesse gebunden. Die Sachbearbeiter haben ihre Vorschriften. Unter denen gibt es viele Unsicherheiten.«</p>
<p>Einig sind sich alle Beteiligten nur in einem: Dass es noch längere Zeit braucht, bis sich das Persönliche Budget durchsetzt. Ralf, den Rollstuhlfahrer, dürfte das kaum trösten. Er hätte das Geld, mit dem er Helfer für seinen Alltag bezahlen könnte, lieber heute als morgen.<br />
<em><br />
Tomas Gärtner</em></p>
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		<title>»Wir erwarten keinen Ansturm«</title>
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		<pubDate>Mon, 27 Jun 2011 08:27:57 +0000</pubDate>
		<dc:creator>DER SONNTAG</dc:creator>
				<category><![CDATA[Sachsen]]></category>
		<category><![CDATA[Bundesfreiwilligendienst]]></category>

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		<description><![CDATA[Diakonie und Johanniter bereiten sich auf den Start des Bundesfreiwilligendienstes vor.
Seit Mitte Mai blicken engagiert aussehende Menschen von Plakatwänden herab, um noch einmal darauf hinzuweisen: Am 1.&#xA0;Juli startet der Bundesfreiwilligendienst&#xA0;(BFD), als neue Form des Freiwilligendienstes nach Abschaffung von Wehrpflicht und Zivildienst. Dann können auch Menschen über 27&#xA0;Jahre sechs bis 24&#xA0;Monate lang einen freiwilligen Dienst unter [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Diakonie und Johanniter bereiten sich auf den Start des Bundesfreiwilligendienstes vor.</strong></p>
<p><img src="http://www.sonntag-sachsen.de/files/2011/06/BFD_Flyer-13.jpg" alt="BFD_Flyer-13" title="BFD_Flyer-13" width="150" height="442" class="alignright size-full wp-image-4032" />Seit Mitte Mai blicken engagiert aussehende Menschen von Plakatwänden herab, um noch einmal darauf hinzuweisen: Am 1.&#xA0;Juli startet der Bundesfreiwilligendienst&#xA0;(BFD), als neue Form des Freiwilligendienstes nach Abschaffung von Wehrpflicht und Zivildienst. Dann können auch Menschen über 27&#xA0;Jahre sechs bis 24&#xA0;Monate lang einen freiwilligen Dienst unter anderem in den Bereichen Soziales, Umweltschutz, Integration Kultur oder Sport leisten. </p>
<p>Freiwillige beim BFD werden wie bei Zivildienst und Freiwilligem Sozialen Jahr&#xA0;(FSJ) sozialversichert sein. Ihre Beiträge für Renten-, Unfall-, Kranken-, Pflege- und Arbeitslosenversicherung zahlt die Einsatzstelle. Laut Bundesfamilienministerium werde auch ein Taschengeld von bis zu 330&#xA0;Euro monatlich gezahlt.</p>
<p>Bei zwei großen Trägern in Sachsen, der Diakonie und der Johanniter-Unfall-Hilfe, beginnt im Juli jedoch noch niemand diesen neuen Freiwilligendienst. Agnes Bost vom Referat Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) der Diakonie in Radebeul sagt: »Unser Konzept steht seit Januar, muss aber permanent angepasst werden.« </p>
<p>Julian Rossig von den sächsischen Johannitern nennt als Grund: »Es ist eine Bundesangelegenheit, die leider noch nicht in allen Punkten abschließend geregelt wurde. Deshalb schweben wir als Träger noch ein Stück weit in der Luft.« Etwa in Bezug auf die Frage, ob und in welcher Höhe man mit einer Bundesförderung rechnen könne. »Wir sind auf Anfragen vorbereitet, haben jedoch noch keine festen Zusagen gemacht.«</p>
<p>Bei den Einsatzstellen, die zur Diakonie gehören, sollen die ersten Freiwilligen erst im September gleichzeitig mit den FSJ-lern beginnen. Sachsenweit werden etwa 100&#xA0;Stellen zusätzlich zu den 95 FSJ-Stellen zur Verfügung stehen.</p>
<p>Johanniter und Diakonie sind sich einig: Zwischen FSJ und BFD darf es qualitativ keine Unterschiede geben, sie sollen auch nicht in Konkurrenz zueinander treten. Agnes Bost betont: »Wir haben ein klares christlich-diakonisches Profil, das wir gerne übertragen würden.« </p>
<p>Erste Anfragen von vor allem älteren Interessenten gäbe es bei der Diakonie schon. Einen Ansturm auf den neuen Freiwilligendienst erwarten weder Julian Rossig noch Agnes Bost: »Wahrscheinlich brauchen wir noch ein Jahr, um den BFD bekannt zu machen.« 		           </p>
<p><em>Maxie Thielemann</em></p>
<p><a href="http://www.bundesfreiwilligendienst.de">www.bundesfreiwilligendienst.de</a></p>
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		<title>Das Gewicht der Gläubigen</title>
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		<pubDate>Fri, 13 May 2011 14:42:49 +0000</pubDate>
		<dc:creator>DER SONNTAG</dc:creator>
				<category><![CDATA[Titelseite]]></category>
		<category><![CDATA[Christian Mendt]]></category>
		<category><![CDATA[Kirchenverfassung]]></category>
		<category><![CDATA[Landessynode]]></category>
		<category><![CDATA[Malte Bardt]]></category>
		<category><![CDATA[Mitbestimmung]]></category>
		<category><![CDATA[Otto Guse]]></category>
		<category><![CDATA[Sachsen]]></category>
		<category><![CDATA[Thomas Lieberwirth]]></category>

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		<description><![CDATA[Jeder Getaufte ist ein Bischof, sagte Luther. Doch darf auch jeder Christ in der Kirche mitbestimmen? Eine Bilanz der innerkirchlichen Demokratie zum 140. Geburtstag der sächsischen Landessynode.

Gut möglich, dass Jesus das griechische Wort »demokratia« gekannt hat. Benutzt aber hat er es wohl nicht. Er predigte Gottes Liebe zu den Menschen, kritisierte religiöse Funktionäre. Seinen Jüngern versprach [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h5>Jeder Getaufte ist ein Bischof, sagte Luther. Doch darf auch jeder Christ in der Kirche mitbestimmen? Eine Bilanz der innerkirchlichen Demokratie zum 140. Geburtstag der sächsischen Landessynode.</h5>
<p><img src="http://www.sonntag-sachsen.de/files/2011/05/gewicht-der-glaeubigen.jpg" alt="gewicht-der-glaeubigen" title="gewicht-der-glaeubigen" width="590" height="363" class="alignnone size-full wp-image-3800" /><br />
Gut möglich, dass Jesus das griechische Wort »demokratia« gekannt hat. Benutzt aber hat er es wohl nicht. Er predigte Gottes Liebe zu den Menschen, kritisierte religiöse Funktionäre. Seinen Jüngern versprach er den Heiligen Geist. Sie waren für ihn alle gleich: Sünder, Begnadigte und Verkünder seiner Botschaft. Sind auch die heutigen Jünger Jesu alle gleich? Und dürfen sie gleich mitbestimmen in seiner Kirche?</p>
<p>»Als Vertretung der Kirchgemeinden trägt die <a href="http://www.evlks.de/landeskirche/landessynode/index.html">Landessynode</a> Verantwortung für alle Angelegenheiten der Landeskirche«, sagt Otto Guse, der Präsident der sächsischen Synode. »Sie kann alles an sich ziehen – doch dann müssten sich die ehrenamtlichen Synodalen für alle Fragen die notwendige Sachkompetenz aneignen. Deshalb brauchen wir das Landeskirchenamt.« </p>
<p>In der Praxis ist dieses Zusammenspiel wie alles Irdische nicht immer ohne Reibung. Und es ist kompliziert. Das zeigte sich, als das Kollegium des Landeskirchenamts im Herbst vergangenen Jahres über <a href="http://www.sonntag-sachsen.de/2011/03/17/wo-kann-kirche-sparen/">große finanzielle Einschnitte bei kirchlichen Einrichtungen</a> entschied. Angesichts eines drohenden Mitglieder- und Finanzrückgangs hatte die Synode Pläne für eine Strukturveränderung in Auftrag gegeben. Das eigentlich führende Organ der Landeskirche aber ist die <a href="http://www.evlks.de/landeskirche/kirchenleitung/10963.html">Kirchenleitung</a>. Ihr Vorsitzender ist der Landesbischof, dessen Stellvertreter der Synodenpräsident. Am Tisch sitzen zudem der Präsident des Landeskirchenamts und sechs Oberlandeskirchenräte <a href="http://www.evlks.de/landeskirche/kirchenleitung/11062.html">sowie neun Synodale</a>. Eine knappe Mehrheit für die Basisvertreter.</p>
<p>Über die Kürzungsliste gab es über drei Sitzungen hinweg Diskussionen in der Kirchenleitung. Die Synodalen fühlten sich nicht ausreichend informiert. »Der Informationsaustausch ist ein Problem,  mit dem wir immer ringen, wenn Haupt- und Ehrenamtliche zusammenarbeiten«, sagt Synodenpräsident Guse. Am Ende wurde das Kürzungspaket von der Kirchenleitung »zustimmend zur Kenntnis« genommen. Die Synode aber <a href="http://www.evlks.de/landeskirche/landessynode/15839.html">milderte im April die Stellenkürzung der Landesfrauenpfarrerin noch einmal ab</a>. Im Herbst wird sie über den landeskirchlichen Haushalt abstimmen – und damit auch über die Einsparungen.</p>
<p>Das <a href="http://www.evlks.de/landeskirche/landeskirchenamt/index.html">Landeskirchenamt</a> sitzt in einer starken Position, sagen synodale Mitglieder der Kirchenleitung. Das hat die sächsische Kirchenverfassung so gewollt. Das Amt bereitet nicht nur Kirchengesetze für die Abstimmung in der Synode vor, sondern kann selbst Rechtsvorschriften erlassen und strategische Entscheidungen fällen. </p>
<p>Mitunter stemmt sich die Synode dagegen. Als es um ein Konzept für Einsparungen bei den Verkündigungsmitarbeitern ging,<a href="http://www.evlks.de/landeskirche/landessynode/13661.html"> forderte sie im Frühjahr 2010 eine gemeinsame Arbeitsgruppe aus Synodalen und Vertretern des Landeskirchenamts</a>. Denn die Kirchenbezirksreform vor drei Jahren war einigen Basisvertretern zu sehr von der Verwaltung durchgedrückt worden. »Man braucht eine klare kritische Di­stanz zum Landeskirchenamt und Professionalität«, sagt der Synodale und Radebeuler Pfarrer Christian Mendt. Grundsätzlich aber setzt die Synode auf Kooperation mit der Verwaltung – nicht auf Konfrontation. </p>
<p>Das liegt nicht nur daran, dass die Landessynode laut Kirchenverfassung kein Aufsichts- oder Vetorecht gegenüber dem Landeskirchenamt hat. Es liegt auch nicht nur an der lutherischen Tradition, die unbefangener mit der Obrigkeit umgeht – und auch nicht allein am Heiligen Geist. Gut die Hälfte der Synodalen sind Beamte und Angestellte der Landeskirche. »Da gibt es Loyalitäten und eine Schere im Kopf«, sagt Thomas Lieberwirth, der als Synodaler und Geschäftsführer der <a href="http://www.maennerarbeit-sachsen.de">Männer­arbeit</a> selbst von Kürzungen betroffen ist. »Die zu wahrende Höflichkeit unter Schwestern und Brüdern lässt gewisse Kontroversen nicht zu.«</p>
<p>Das beginnt schon bei der Wahl der Synodalen. Denn dazu sind nur Pfarrer und Kirchvorsteher berechtigt. »Das Wahlsystem ist sehr basisfern, die Landeskirche ist stark auf die Pfarrer orientiert. Das sollte man versuchen aufzubrechen«, sagt Malte Bardt, der als ehemaliger Synodaler die 2007 beschlossene Verfassungsreform der Landeskirche angeschoben hatte. Eine neue Reform hält er derzeit jedoch für unnötig. »Aber die Gemeindeglieder müssen mobilisiert werden und sich entflammen für ihre Aufgaben.« </p>
<p><em>Andreas Roth</em></p>
<blockquote>
<h3>Mehr zum Thema</h3>
<p>Vor 140 Jahren tagte die erste Landessynode in Sachsen – ein Rückblick des heutigen Synodenpräsidenten Otto Guse auf die Zeit von 1871: <a href="http://www.sonntag-sachsen.de/2011/05/12/die-laien-sollten-mitreden/">Die Laien sollten mitreden</a> (Link)</p></blockquote>
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		<title>Stadt oder Land?</title>
		<link>http://www.sonntag-sachsen.de/2011/03/26/stadt-oder-land/</link>
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		<pubDate>Sat, 26 Mar 2011 11:00:39 +0000</pubDate>
		<dc:creator>DER SONNTAG</dc:creator>
				<category><![CDATA[Werkstatt Kirche]]></category>
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Zukunft: In Dörfern schrumpfen die Mitgliederzahlen der Kirche, in Sachsens Großstädten wachsen sie
 
Die Kirche muss im Dorf bleiben – und dennoch über die eigene Turmspitze hinaus sehen. Diese Erfahrung hat das Geisinger Pfarrer-Ehepaar Maren und Freimut Lüdeking gemacht.
 
Ihr zitronengelber VW-Bus ist für Maren und Freimut Lüdeking manchmal so etwas wie ein zweites Büro geworden. Zwölf [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img class="alignleft size-full wp-image-3510" src="http://www.sonntag-sachsen.de/files/2011/03/werkstatt_70.jpg" alt="" width="70" height="70" /></p>
<h5><strong>Zukunft: <em>In Dörfern schrumpfen die Mitgliederzahlen der Kirche, in Sachsens Großstädten wachsen sie</em></strong></h5>
<p><em> </em></p>
<h5>Die Kirche muss im Dorf bleiben – und dennoch über die eigene Turmspitze hinaus sehen. Diese Erfahrung hat das Geisinger Pfarrer-Ehepaar Maren und Freimut Lüdeking gemacht.</h5>
<p><em> </em><br />
Ihr zitronengelber VW-Bus ist für Maren und Freimut Lüdeking manchmal so etwas wie ein zweites Büro geworden. Zwölf Kilometer muss das Pfarrer-Ehepaar bis in das entfernteste Dorf ihrer Kirchgemeinden fahren. Die beiden Theologen teilen sich eine Pfarrstelle auf dem Kamm des Osterzgebirges. Sie sind zuständig für die Kirchgemeinden Geising, Fürstenwalde-Fürstenau und Lauenstein-Liebenau. Fünf Kirchen, acht Orte, 1242 Gemeindeglieder. Und eine weit verzweigte Arbeit für die Mitarbeiter.</p>
<div id="attachment_3570" class="wp-caption alignleft" style="width: 310px"><img class="size-full wp-image-3570 " style="margin-top: 2px;margin-bottom: 2px" title="Maren und Freimut Lüdeking" src="http://www.sonntag-sachsen.de/files/2011/03/SOG_3838.jpg" alt="Viel unterwegs: Das Pfarrer-Ehepaar Maren und Freimut Lüdeking predigt in und um Geising abwechselnd in fünf Kirchen." width="300" height="289" /><p class="wp-caption-text">Viel unterwegs: Das Pfarrer-Ehepaar Maren und Freimut Lüdeking predigt in und um Geising abwechselnd in fünf Kirchen.</p></div>
<p>Christenlehre findet ebenso wie der Frauendienst in allen drei Kirchgemeinden statt, am Sonntag gibt es in mindestens zwei Kirchen Gottesdienste – auch wenn die Logistik eine Herausforderung ist. Nur den Unterricht der Konfirmanden haben sie zusammengelegt, denn die einzelnen Gemeinden hatten nur drei oder vier Jugendliche in diesem Alter. »Das ist auf Widerstand gestoßen«, erinnert sich Maren Lüdeking. »Doch wir wollen Gruppen und keinen Einzelunterricht.« Die Skepsis freilich versteht die Pfarrerin gut: Es geht um die Verwurzelung in der Heimatgemeinde – und darum, dass am späten Nachmittag kaum noch Busse fahren. Für die Familien ein großer Aufwand.</p>
<p>Etwa 100 Menschen arbeiten ehrenamtlich in den Gemeinden mit, fünf Lektoren halten regelmäßig Gottesdienste. Für das Pfarrer-Ehepaar ist das ein großer Schatz. Denn die Zukunft ihres Berufes sehen sie auf Augenhöhe mit Kirchvorstehern und Gemeinde. »Doch die Erwartung ist teilweise noch immer, dass der Pfarrer Vorgaben macht und vorangeht«, sagt Maren Lüdeking.</p>
<p>Bevor das Pfarrer-Ehepaar vor neun Jahren nach Geising kam, hatten die drei Kirchgemeinden je eine eigene volle Pfarrstelle. Immer mehr Arbeit für immer weniger Pfarrstellen – diese Schraube lässt sich nicht endlos drehen. Manche Besuche bei Gemeindegliedern könnten sie nicht mehr leisten, sagt Maren Lüdeking. »Das schmerzt mich.«</p>
<p>Einen Zusammenschluss zu einem Kirchspiel lehnten die Kirchenvorstände ab. Freimut Lüdeking versteht das mittlerweile – trotz des Verwaltungsaufwands, den die Arbeit mit drei unterschiedlichen Kirchgemeinden mit sich bringt. »Es ist uns wichtig, die Zusammenarbeit zwischen den Gemeinden der Region zu stärken, denn wir sind eine Christenheit weltweit.« Doch ohne die Ortsverbundenheit würde eine Gemeinde nicht funktionieren, sagt der Pfarrer. »Es beeindruckt uns, wie sich für eine Kirche das ganze Dorf engagiert. Das ist ein großes Pfund«</p>
<h5>Das Kirchspiel Dresden-Neustadt wächst – doch nicht die Zahl ihrer Mit­arbeiter und Räume. Gemeindepädagogin Maria Helm erreicht deshalb nur einen Bruchteil der über 700 Kinder der Gemeinde.</h5>
<p>Ein Berg aus Schulranzen erhebt sich halb fünf am Nachmittag hinter der Tür des Christenlehre-Zimmers im Haus der Martin-Luther-Kirchgemeinde in der Dresdner Neustadt. Für die Gemeindepädagogin Maria Helm ist es die dritte Gruppe an diesem Tag: Um zwei kamen die Zweitklässler, um drei die Viertklässler – und jetzt die Fünftklässler.</p>
<p>Elf Christenlehre-Gruppen gibt es im Kirchspiel Dresden-Neustadt mit über 100 Kindern. »Das Traurige ist, dass das nur ein Teil der Kinder unserer Gemeinde ist«, sagt die 27-jährige Pädagogin. 310 lutherisch getaufte Jungen und Mädchen zwischen sechs und elf Jahren gibt es in dem bei Familien beliebten Stadtviertel und insgesamt 718 Kinder zwischen null und zehn Jahren. »Das ist eigentlich toll. Doch wenn alle diese Kinder zu uns kommen würden, könnten wir die Arbeit nicht stemmen.« Es fehlt in dem alten Gemeindehaus schlicht an Räumen. Und es fehlt an Personal.</p>
<div id="attachment_3575" class="wp-caption alignleft" style="width: 310px"><img class="size-full wp-image-3575 " style="margin-top: 2px;margin-bottom: 2px" title="Maria Helm" src="http://www.sonntag-sachsen.de/files/2011/03/SOG_2420.jpg" alt="Dreimal Christenlehre an einem Nachmittag: Maria Helm betreut mit ihren Kollegen in Dresden-Neustadt elf Kindergruppen.  Fotos (2): Steffen Giersch" width="300" height="300" /><p class="wp-caption-text">Dreimal Christenlehre an einem Nachmittag: Maria Helm betreut mit ihren Kollegen in Dresden-Neustadt elf Kindergruppen.  Fotos (2): Steffen Giersch</p></div>
<p>Dreieinhalb Pfarrstellen hat das Kirchspiel derzeit und vier Gemeindepädagogen, verteilt auf zweieinhalb Stellen. Das klingt luxuriös – doch in der Dresdner Neustadt leben derzeit 8765 Gemeindeglieder. Es gibt viele Taufen – die Mitarbeiter kommen mit Gruppen, Gesprächen und Besuchen der wachsenden Nachfrage kaum nach. »Als die Landeskirche 2003 ihre letzte Strukturreform beschloss, ging sie von einem Rückgang der Mitgliederzahlen aus«, sagt Superintendent Albrecht Nollau. »Das stimmte generell – bloß nicht hier.«</p>
<p>Denn während Sachsens Bevölkerung auf dem Land schrumpft, wächst sie in den Großstädten Dresden und Leipzig. Doch die Zahl der Personalstellen wurde von der Landeskirche in den letzten acht Jahren nicht an die stark gestiegene Mitgliederzahl einiger Großstadtgemeinden angepasst.</p>
<p>In der Christenlehre-Gruppe von Maria Helm sitzen die Kinder auf Kissen auf dem Fußboden um eine Kerze. Louis ist heute wieder da, Justus aber wieder nicht – er ist zum Fußballtraining. Die Konkurrenz der Freizeitangebote ist groß in der Stadt.</p>
<p>»Eigentlich ist es ein Auftrag für die Kirche, offen zu sein für Menschen, die sonst nicht in unserem Dunstkreis sind«, sagt die Gemeindepädagogin. Gern würde sie einen offenen Kindertreff aufbauen und Projekte, um Kinder anzusprechen, denen die traditionelle Christenlehre zu fremd ist – oder denen einfach der Termin nicht passt. »Aber die Kapazitäten sind dafür gar nicht da. Wir kämpfen schon mit unseren Standard-Aufgaben.«</p>
<p><em>Andreas Roth</em></p>
<blockquote><h3>So will die Landeskirche Stadt- und Landgemeinden künftig ausstatten</h3>
<p>Es ist eine fast unlösbare Aufgabe: Die sächsische Landeskirche muss in den kommenden Jahren Millionen Euro kürzen – und will gleichzeitig wachsende Stadtgemeinden ebenso unterstützen wie Kirchgemeinden in schrumpfenden Dörfern. <strong><em>Wie soll das funktionieren? </em></strong>Eine Arbeitsgruppe aus vier Synodalen und vier Vertretern des Landeskirchenamts hat sich darüber ein Jahr lang die Köpfe zerbrochen. Das Ergebnis ist ein ausgeklügeltes Modell mit vielen Rechnungen.</p>
<p>Am Anfang stand das Kürzen: <strong>Von derzeit 590 Pfarrstellen sollen ab 2014 nur noch 550 übrig bleiben. </strong> Ein hautamtlicher Theologe wird so mittelfristig auf 1500 Gemeindeglieder kommen. Doch weil die Kirche flächendeckend präsent bleiben will, werden die <strong>Dörfer wie bisher schon bevorzugt:</strong> Eine kleine Kirchgemeinde auf dem Land erhält künftig ab 1000 Mitglieder eine eigene Pfarrstelle. Bei Kirchgemeinden in Städten mit mehr als 40 000 Einwohnern sind 2000 Mitglieder pro Pfarrer nötig.</p>
<p>Die genaue Verteilung auf die Gemeinden müssen die Kirchenbezirke nach regionalen Gesichtspunkten beschließen. Die Zahl der Pfarrstellen wird sich in den Ephorien dadurch ab 2014 um mindestens fünf und höchstens zehn Prozent verringern. Da in den Städten Kirchgemeinden wachsen und die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen immer wichtiger wird, sollen die dortigen <strong>Stadtgemeinden künftig mehr Pädagogen </strong>erhalten.</p>
<p>Während auf eine Pfarrstelle in einer Durchschnittsgemeinde wie bisher eine 45-Prozent-Stelle für Gemeindepädagogik kommt, solle auf eine Stadt-Pfarrstelle künftig eine 68-Prozent-Gemeindepädagogenstelle verteilt werden. In kleinen Landgemeinden mit weniger als 700 Mitgliedern wird es dafür pro Pfarrstelle nur eine 23-Prozent-Anstellung für einen Gemeindepädagogen geben. <strong>Die Zahl der Gemeindepädagogenstellen in den Kirchenbezirken der Landeskirche soll um höchstens zehn Prozent auf insgesamt 248 sinken.</strong></p>
<p><strong>Auch bei der Verteilung der Kirchenmusiker soll die Stadt leicht bevorzugt werden </strong>wegen der Arbeit mit Kindern und großen Chören dort. Auf eine Stadt-Pfarrstelle soll künftig eine 40-Prozent-Stelle für einen Kantor kommen, in einer großen Landgemeinde 30 Prozent und in einer kleinen Dorfgemeinde mit weniger als 700 Mitgliedern 20 Prozent für einen Kirchenmusiker.</p></blockquote>
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