Ethik beginnt beim Einkauf
8. Februar 2012 von DER SONNTAG
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Wir wollen gesund essen, doch viel kosten soll es möglichst nicht. Wir wollen uns schick kleiden, aber billig muss es sein. Wer etwas günstig ergattert, ist dann glücklich. Und der Händler ist es auch, wenn sein Umsatz stimmt.
Doch das Glück ist einseitig. Mittlerweile müsste es sich herum gesprochen haben, dass unser preiswertes Leben meist auf Kosten anderer geht. Der Bauer, der die Schweine mästet, will damit Erlöse erzielen, von denen er leben kann. Bei niedrigen Preisen geht das dann meist nur mit Senkung des Aufwands. Und schon sind wir bei der Massentierhaltung.
Ähnlich ist es bei der Kleidung. Kosten senken, heißt auch da meist die Devise. Und das auf Kosten der Arbeiterinnen in den Nähereien Asiens oder Afrikas. Sie schuften, damit wir uns über ein neues Kleidungsstück freuen können.
Da beruhigt es das Gewissen nicht, das Gebrauchte in einen der Sammelcontainer zu werfen, die zumeist von karitativen Organisationen aufgestellt werden. Denn diese Kleidung kommt keinem Bedürftigen als Spende zugute. Es ist ein Riesengeschäft, das vor allem in Afrika gemacht wird. Auf Kosten der dortigen Textilindustrie. Denn wer dort ein T-Shirt auf dem Gebrauchtwarenmarkt für umgerechnet einen Euro haben kann, wird keines aus heimischer Produktion kaufen.
Und so ist es höchste Zeit, dass wir Kunden und Verbraucher nicht nur von den Unternehmen verlangen, sie mögen nach ethischen Gesichtspunkten produzieren, und dass Banken nach ethischen Kriterien das Geld anlegen. Da muss schon jeder selbst aufpassen. Gütesiegel über faire Produktion gibt es mittlerweile genug. Und es gibt auch noch genug zu tun, bis diese sich in unseren Köpfen eingenistet haben.
Christine Reuther
Gewissen oder Gewinn?
2. Februar 2012 von DER SONNTAG
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Der Einfluss der Wirtschaft wächst. Manager können viel Schaden anrichten – oder viel Gutes. In Leipzig lernen sie auch von der Bergpredigt.
Die Spannung, in der Dominik Kanbach und Stefanie Priemer stehen, liegt genau in der Entfernung zwischen Kaffeebecher und Tablet-Computer vor ihnen auf dem Mensatisch. Der Kaffee ist fair gehandelt, seine Produzenten haben einen ordentlichen Lohn bekommen – der flache Apple-Rechner daneben ist schick, doch bei seinem Hersteller in China drohen Mitarbeiter damit, sich wegen gefährlicher Arbeitsbedingungen vom Fabrikdach zu stürzen.
Dominik Kanbach (24) und Stefanie Priemer (25) sind Manager von morgen. Sie studieren an der privaten Handelshochschule Leipzig. Die Studenten hier sind fasziniert von Wirtschaft, einige auch vom Geld. Sie haben am Beginn ihres Studiums oft klare Vorstellungen über Marketing – nicht aber über das Verhältnis von Markt und Moral. Trotz Wirtschafts- und Finanzkrise.
»Man geht nicht in ein Wirtschaftsstudium und sagt: Jetzt handele ich mal unethisch«, erklärt Stefanie Priemer diesen blinden Fleck. »Doch ich will mich auch nicht nur vom Wirtschaftsdenken vereinnahmen lassen und den Blick für das Wesentliche verlieren.«
Was aber ist das Wesentliche? »Hinter jeder wirtschaftlichen Kennzahl stehen Menschen«, sagt Stefanie Priemer. »Das Wesentliche ist, ein ehrbarer Kaufmann und verantwortungsbewusst zu sein«, sagt Dominik Kanbach.
In ihrem Studium an der Handelshochschule diskutieren sie den Ernstfall: Was tun als Manager einer Schokoladenfabrik, für die sklavenähnlich gehaltene Kinder die Kakaobohnen pflücken? »Ich unterstütze definitiv, dass Kinderarbeit wegfällt«, überlegt Stefanie Priemer. »Doch es strikt abzulehnen, ist schwierig. Man müsste dann das Einkommen der Familien anders absichern.« Und da sind dann noch die Kunden, die meist keine höheren Preise zahlen möchten. Und die billigere Konkurrenz, die Arbeitsplätze, der Gewinn. So ist das meist – ob es nun um den Klimaschutz geht oder um Entlassungen. Der Druck ist hoch – und der Manager mittendrin.
Für diese Konflikte will Professor Andreas Suchanek, der an der Handelshochschule Ethik unterrichtet, den Studierenden den Sinn schärfen. »Ich will keine Rezepte und eindeutigen Haltungen vermitteln – das ist ihre eigene Freiheit und Verantwortung«, sagt Suchanek, der zu den führenden Wirtschaftsethikern Deutschlands zählt. »Doch zu einer guten Führungskraft gehört es, Entscheidungen auch in ethischer Dimension kompetent treffen zu können.« Hier sieht Suchanek noch viele Defizite unter den Bossen.
Einen Kern seiner Ethik hat der Wirtschaftsprofessor ausgerechnet bei den Religionen gefunden: in der »Goldenen Regel«. Jesus sagt in der Bergpredigt über den Willen Gottes: »Was ihr wollt, dass euch die Leute tun sollen, das tut ihnen auch!« Suchanek hat das ökonomisch neu formuliert: »Investiere in die Bedingungen der gesellschaftlichen Zusammenarbeit zum gegenseitigen Vorteil.« Fairness und Nachhaltigkeit seien moralisch besser, ist er überzeugt – und auf Dauer auch besser fürs Geschäft. Doch er weiß auch: »Wir sind Sünder und werden damit leben müssen.«
Stefanie Priemer und Dominik Kanbach versuchen schon im Studium, diese Spannung zu lösen. In einer sozialen Initiative von Leipziger Management-Studenten berieten sie drei Einwanderinnen aus Zentralasien bei der Gründung einer eigenen Firma. Jetzt biegen beide in den Endspurt ihres zweijährigen Studiums ein. Im Sommer werden sie vielleicht schon als Unternehmensberater oder im Management einer großen Firma arbeiten. »Ich denke von keiner Branche: Da würde ich nicht ethisch handeln können«, sagt Dominik Kanbach. »Man kann in jeder Branche ethisch handeln.«
Sein Professor Andreas Suchanek dagegen hörte von einem Absolventen, der sich bei einer Investment-Bank bewarb. Seine gute Note in Ethik aber, die sei ihm zum Nachteil geworden.
Andreas Roth
Homosexuelle Partnerschaften in Pfarrhäusern im Einzelfall möglich
22. Januar 2012 von DER SONNTAG
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Sächsische Kirchenleitung diskutiert intensiv ihre Haltung zu homosexuellen Partnerschaften und ändert ihre bisherige Position
In ihrer Klausurtagung am 20. und 21. Januar 2012 hat die Kirchenleitung der sächsischen Landeskirche die Pfarrhäuser in Einzelfällen für homosexuelle Partnerschaften geöffnet. Dem mit sehr großer Mehrheit entschiedenen Kurswechsel war eine intensive Debatte vorangegangen.
Die Kirchenleitung bekräftigt die bleibende Bedeutung der biblischen Ordnung von Ehe und Familie als Leitbild des Zusammenlebens von Frau und Mann, teilte das Landeskirchenamt mit. Um der Einheit der Landeskirche willen sollen die bisher geltenden Feststellungen der Kirchenleitung vom 29. August 2001 fortgeschrieben werden.
Mit dem neuen Beschluss jedoch behält sich die Landeskirche vor, in Einzelfällen gleichgeschlechtlichen Paaren das gemeinsame Leben im Pfarrhaus zu gestatten. Dies setzt die einmütige Zustimmung des zuständigen Kirchenvorstandes zwingend voraus und ist nur bei eingetragenen Lebenspartnerschaften möglich, so die Kirchenleitung.
Landesbischof Jochen Bohl wies in seiner Erklärung auf die stark gegensätzlichen Auffassungen in der sächsischen Landeskirche hin, welche nur durch ein gegenseitiges Respektieren und Achten der jeweils anderen Auffassung überwunden werden können. »Ich hoffe, dass die Christinnen und Christen in den Kirchgemeinden unserer Landeskirche diese Entscheidung der Kirchenleitung mittragen werden. Ich bin sicher, dass homosexuell geprägte Menschen, mit denen wir in der Gemeinschaft der Kirche verbunden sind, als Schwestern und Brüder im Glauben akzeptiert werden«, so Bohl.
Eine wichtige Grundlage der Beratung bildete der Abschlussbericht der Arbeitsgruppe »Homosexualität in biblischem Verständnis«. Die Kirchenleitung würdigt den gefundenen Konsens der AG in wichtigen Aspekten. So schließt sie sich ausdrücklich der Einsicht an, dass der status confessionis nicht gegeben ist.
Gewissen gegen Gewissen
21. Januar 2012 von DER SONNTAG
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Dürfen sie oder dürfen sie nicht ins Pfarrhaus, der Pfarrer oder die Pfarrerin, die ihresgleichen lieben? Die Kirchenleitung hat am 21. Januar eine Entscheidung von einiger Tragweite zu fällen.
Es geht um das neue Pfarrerdienstgesetz der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) und dessen Paragraf 39. Wer den 2010 verabschiedeten Gesetzestext liest, wird zunächst nichts Spektakuläres entdecken. Um die Lebensführung der Pfarrerinnen und Pfarrer »im familiären Zusammenleben und in ihrer Ehe« geht es da.
Diese Erweiterung über die Ehe hinaus bezieht sich auf gleichgeschlechtliche Lebensgemeinschaften und ist der Anlass für Unterschriftensammlungen in Sachsen: dafür und dagegen. Warum die EKD diesen Passus ins Gesetz eingefügt hat, wird aus der Begründung deutlich: Er ermögliche es den Gliedkirchen, ihr eigenes Profil im Umgang mit unterschiedlichen Lebensgemeinschaften beizubehalten und weiter zu entwickeln.
Darüber will die Kirchenleitung beraten: Braucht die Evangelisch-Lutherische Landeskirche Sachsens eine neue Regelung oder will sie an der bisherigen festhalten, dass gleichgeschlechtliche Lebensgemeinschaften im Pfarrhaus nicht erlaubt sind? Gegner einer Neuregelung sprechen von Kirchenspaltung. Ernstzunehmende Christen sehen sich in Gewissensnöten. Andere ernstzunehmende Christen wiederum sehen die Gewissensnöte betroffener Pfarrerinnen und Pfarrer.
Doch warum soll es einer Gemeinde zugemutet werden, die es partout nicht will? Und warum einer Gemeinde verwehrt werden, wenn sie darin kein Problem sieht?
Es wird keine leichte Entscheidung, die die Kirchenleitung zu treffen hat. Im Gebet können wir sie unterstützen, dass es eine weise Entscheidung wird.
Christine Reuther
Verschlossene Herzen
20. Januar 2012 von DER SONNTAG
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Er wollte ein guter Ehemann sein und ein guter Christ. Er litt, weil sein Herz für Männer schlägt. Ein Leiden ist Homosexualität nicht – aber ihre Verdrängung ist es.
Er schenkte ihr immer weiße Rosen. Nie rote. »Weil Du so rein bist«, sagte er dann zu ihr. Nie sagte er: Ich liebe dich. Sie bat ihn: »Schauspielere doch mal und sag es wenigstens ein einziges Mal.« Er konnte es nicht. Sie war seine Frau.
Sein Vater, Pfarrer auf dem sächsischen Land, hatte ihm beschieden: »Homosexualität kommt in Gottes Schöpfungsordnung nicht vor.« Martin Paul (alle Namen geändert) nahm es als Gesetz. Legte einen eisernen Ring um sein Herz. Es fühlte anders, als es durfte. Als es sollte. Schwul zu sein, das war für ihn schweinisch, das war gegen Gott. Als er 30 wurde, hatte er noch nie einen Menschen geküsst. Und dann kam sie. Sagte: »Martin, du bist schön.«
So etwas hatte er nie zuvor gehört. Martin und Katrin heirateten, bekamen drei Kinder. Eine christliche Ehe. 16 Jahre lang.
»Ich habe immer versucht, meiner Frau ein passender Ehemann zu sein, ich wollte sie auf Händen tragen und in den Himmel führen«, erinnert sich Martin Paul. Aber es wurde und wurde keine Liebe daraus. »Er hat es versucht«, sagt Katrin Paul. »Aber wir sind eigentlich mehr wie Geschwister.«
Doch es ging. Er sagte ihr: »Ich finde Männer so schön.« Sie antwortete: »Ich finde Männer auch so schön.« Vor allem aber waren sie einander treu, das trug. Der eiserne Ring jedoch zog sich immer fester um Martin Pauls Herz.
Sein Leben wurde zu einem Hindernislauf. So viele Ansprüche, denen er genügen musste. So viele Fallen, so viele Verstecke. Er entwickelte Pläne, an deren Ende eine Beerdigung gestanden hätte – wenigstens das sollte ehrenvoll sein. Paul stürzte sich in die Arbeit, um zu entkommen. Er verausgabte sich. Bis zum Zusammenbruch.
Thorsten Kohlmann ist ein Mann mit kräftigem Händedruck. Ein Handwerker mit Sinn fürs Praktische. Nie hätte er gedacht, dass es ihn trifft. Ihn, der behütet in einer evangelischen Handwerkerfamilie aufgewachsen war. Evangelischer Kindergarten, Junge Gemeinde, Kirchvorsteher. Von Schwulen hatte er in seiner Jugend gehört – um keinen Preis wollte er dazugehören.
Kohlmann fand eine Frau, eine sehr gute und liebe Frau, sagt er. Bekam eine Tochter mit ihr. »Es war keine schlechte Ehe«, sagt er. Die Anziehungskraft, die später zwischen ihnen fehlte, glichen sie aus mit Wanderungen, Gipfelbesteigungen, Opern- und Gottesdienstbesuchen. Doch da waren seine Gefühle für Männer, nicht für Frauen. Kohlmann fraß es in sich hinein.
Er betete oft. »Ich bin doch auch gottgewollt«, sagte er sich. »Es kann nicht gottgewollt sein, dass man sich ein Leben lang versteckt. Ich habe um einen Ausweg gebetet – und der kam eines Tages.« Ganz unerwartet. Kohlmanns Frau eröffnete ihm, dass da ein anderer Mann ist. Und Kohlmann? »Ich freue mich sehr für dich«, sagte er ihr. »Ich drücke dir die Daumen, dass du einen erwischst, der dich sehr liebt.« Noch immer kommen ihm die Tränen bei der Erinnerung an diesen Moment.
Thorsten Kohlmann und Martin Paul sind nun geschieden. Sie haben neue Partner – ihre Frauen auch. Alles Männer. Ihre Frauen sind ihre Freunde geblieben. In dem Café, in dem Martin Paul früher mit seiner Frau die Hochzeitstage feierte, sitzen sie sich gegenüber. In Würde haben sie sich getrennt, aber auch in Schmerzen.
»Dass ich dir das zufügen musste, hat mir sehr weh getan«, sagt Martin und sieht lange stumm seine frühere Frau an. »Du bist nicht mein Besitz«, erwidert sie. »Man kann den anderen nicht zwingen, anders zu sein, als er ist.«
Sie schüttelt den Kopf, als schüttele sie ihre Lebensträume ab. Sie denkt an ihre Kinder, ihre Verletzungen – aber auch daran, wie entspannt und glücklich ihr früherer Mann nun sein kann. »Ich mache Dir keinen Vorwurf«, antwortet sie ihm. »Gott schreibt auch auf krummen Linien gerade.«
Andreas Roth
In großer Gewissensnot
19. Januar 2012 von DER SONNTAG
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Der Markersbacher Pfarrer Gaston Nogrady (4. v. l.) übergibt mit acht weiteren Vertretern von Kirchgemeinden Landesbischof Jochen Bohl (3. v. r.) im Landeskirchenamt die »Markersbacher Erklärung«. In ihr wenden sich Kirchgemeinden gegen homosexuelle Partnerschaften in Pfarrhäusern. Foto: Steffen Giersch
Dürfen homosexuelle Paare gesegnet werden oder ins Pfarrhaus einziehen? Darüber wird die Kirchenleitung am Wochenende beraten. Gegner und Befürworter machen Druck.
Gegen eine Lockerung der Regelung zu homosexuellen Pfarrern und Pfarrerinnen in der sächsischen Landeskirche haben sich Kirchenvorstände von 121 Gemeinden ausgesprochen. Das entspricht einem reichlichen Sechstel der insgesamt 776 Gemeinden und Kirchspiele in der Landeskirche. Bekundet haben sie das mit ihrer Unterschrift unter die »Markersbacher Erklärung«.
Unterschrieben haben nach Angaben der Initiatoren außerdem Vertreter von 160 Gemeinschaften sowie mehr als 300 Einzelpersonen. Die Erklärung und Unterschriften hat der Initiativkreis Landesbischof Jochen Bohl am 10. Januar übergeben.
In ihrer Erklärung bitten die Unterzeichner die Kirchenleitung und Landessynode, an der bisherigen Regelung von 2001 festzuhalten. Sie besagt, dass »eine homosexuelle Beziehung nicht im Pfarrhaus gelebt und nicht zum Inhalt der Verkündigung gemacht wird«. Auf ihrer Frühjahrstagung im April muss die Landessynode darüber beschließen, ob das neue Pfarrdienstrecht der EKD auch in der sächsischen Landeskirche gelten soll.
Dieses spricht im Paragraph 39 von Lebensführung der Pfarrer »im familiären Zusammenleben und in ihrer Ehe«. Dafür seien »Verbindlichkeit, Verlässlichkeit und gegenseitige Verantwortung« maßgebend. Die »Begründung« zu diesem Passus jedoch lässt auch »gleichgeschlechtliche Lebensgemeinschaften« von Pfarrern zu.
Mit ihrer Unterschrift unter die »Markersbacher Erklärung« hätten dies auch mehrere junge Leute und Theologiestudenten abgelehnt, erklärte der Markersbacher Pfarrer Gaston Nogrady im Namen des Initiativkreises. »Daraus wird deutlich, dass unser Anliegen generationenübergreifend vertreten wird und nicht nur die Sache von ein paar ›Alten‹ ist«, fügte er hinzu.
Nach einem halbstündigen vertraulichen Gespräch mit Landesbischof Bohl erklärte die neunköpfige Initiativgruppe in einem Papier, »dass zahlreiche Gemeindeglieder durch die geplante Öffnung in große Gewissensnot geraten und ihre geistliche Heimat in der sächsischen Landeskirche verlieren«. Mit dem Landesbischof seien sie sich einig gewesen, dass die Einheit der Landeskirche gewahrt bleiben möge.
Zugleich aber sei in dem Gespräch deutlich geworden, »dass eine Veränderung der bisherigen Rechtslage kirchenspaltendes Potential besitzt«. Die Initiative mahne die Landeskirche, bei den biblischen Grundlagen und Bekenntnissen zu bleiben. »Die Kirche muss ihrer gesellschaftlichen Orientierungsaufgabe nachkommen und darf sich nicht gesellschaftlichen Entwicklungen unterwerfen, die im Gegensatz zum Wort Gottes stehen.«
Landesbischof Jochen Bohl sagte nach dem Gespräch, er habe den Initiatoren für ihr Engagement gedankt. »Ich habe außerdem darauf hingewiesen, dass die Kirchenleitung diese Sorgen ernst nimmt und die Initiatoren in die Entscheidungsfindung einbezieht.«
Eine andere Erklärung mit dem Namen »Auch unter Christen – Liebe zum gleichen Geschlecht«, die aus dem Kirchenbezirk Leipziger Land kommt und eine Zulassung homosexueller Partnerschaften in Pfarrhäusern und die Segnung homosexueller Paare fordert, haben inzwischen 214 Frauen und Männer unterschrieben – die meisten davon Pfarrer und kirchliche Mitarbeiter.
Die Zahl eingetragener Partnerschaften von Gleichgeschlechtlichen soll in Sachsen bei etwa 940 liegen.
Tomas Gärtner
Fröhlichen Herzens
13. Januar 2012 von DER SONNTAG
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Der Leipziger Thomanerchor – hier eine Szene aus dem aktuellen Kinofilm »Die Thomaner« – feiert 800. Geburtstag und ganz Deutschland feiert mit beim Themenjahr »Reformation und Musik«. Foto: © NFP
Für Luther gehörte Musik ebenso zum Gottesdienst wie das Wort. Deshalb begeht die evangelische Kirche 2012 das Themenjahr »Reformation und Musik«.
Sie beginnt mit A wie Augsburg und endet mit Z wie Zittau: die Musikreihe »366 plus 1«, die sich dieses Jahr wie ein Band durch Deutschland zieht. An jedem Tag erklingt in einer deutschen Kirche ein Konzert. Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) hat die Aktion ins Leben gerufen. Anlass ist das Themenjahr »Reformation und Musik«.
Und Sachsen hat nicht unwesentlich Anteil daran, dass die Musik gerade 2012 im Mittelpunkt der Reformationsdekade bis 2017 steht: In Leipzig feiern Thomaskirche, Thomanerchor und Thomasschule ihr 800-jähriges Bestehen. Weil Bildung untrennbar mit dem Wirken von Martin Luther verbunden ist und Johann Sebastian Bach diese drei Einrichtungen maßgeblich geprägt hat. In Sachsen endet auch die Musikreihe: mit einem Silvesterkonzert in der Zittauer Weberkirche.
Doch bis Dezember wartet Christian Kühne nicht. Der Löbauer Kantor ist Leiter einer Arbeitsgruppe Kirchenmusik in der Oberlausitz. Diese hat ein Konzept zum Themenjahr entwickelt. Und alle Konfessionen machen mit. »Schließlich gibt es in der Oberlausitz eine ganze Reihe reformatorischer Traditionen«, sagt er. Da sind die evangelisch-lutherischen Gemeinden, die hussitischen Wurzeln der Herrnhuter Brüdergemeine, die calvinistischen Gemeinden auf dem Gebiet der Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz und nicht zuletzt die katholischen Sorben.
So gibt es im April unter der Überschrift »Römisch-katholische und reformatorische Frömmigkeit im Dialog« mehrere Aufführungen von Dvoraks »Stabat mater«. Es gibt ein Chortreffen des Sechsstädtebundes und die Aufführung von Haydns »Schöpfung« auf der 6. Sächsischen Landesgartenschau in Löbau.
Auch für Landeskirchenmusikdirektor Markus Leidenberger ist dieses Musikprogramm in der Oberlausitz ein Schwerpunkt im Themenjahr. Und so wie er sich für sein Kirchspiel Dresden-Neustadt das Jahresthema »Viele Stimmen – ein Gesang« gesetzt hat, hofft er, dass sich viele Gemeinden mit der Bedeutung der Musik für die Reformation befassen.
Immerhin ist trotz sinkender Gemeindegliederzahlen die Anzahl der Kirchenchöre und die der Sängerinnen und Sänger angestiegen. 2010 waren es rund 26 000 Sänger in 771 Chören. Das sind 3,34 Prozent der Gemeindeglieder – gegenüber 2,77 Prozent in nur 754 Chören im Jahr 2004. »Ich denke, dass diese Breite deutschlandweit einmalig ist«, sagt Kantor Jens Staude, Vorsitzender des sächsischen Kirchenchorwerks. Vor allem durch die Kurrenden werde immer wieder für Nachwuchs gesorgt.
Bei den Posaunen ist es ähnlich. Entstanden aus der Erweckungsbewegung des 19. Jahrhunderts, sind die 454 sächsischen Bläserchöre mit ihren 6150 Mitgliedern heute eine typisch evangelische Art der Verkündigung. Für Hartmut Rau, den Vorsitzenden der Posaunenmission, ist Bläserarbeit »ein missionarischer Faktor ohnegleichen«. Das stellen die Bläserinnen und Bläser unter Beweis, wenn sich etwa 2000 von ihnen Anfang Juli in Zwickau zum Landesposaunenfest treffen.
Und was hat das alles mit der Reformation zu tun? Weil Musik »ein ruhiges und fröhliches Herz schenkt«, zitiert der Kirchenhistoriker Markus Hein von der Theologischen Fakultät Leipzig aus einem Brief Martin Luthers an den bayerischen Hofkapellmeister Ludwig Senf (1530). Für den Reformator gab es keine Kunst nach der Theologie, die der Musik gleichkommt. Und so hat er nicht nur das Wort in den Mittelpunkt des Gottesdienstes gerückt, sondern auch den Gemeindegesang, der damals seit 900 Jahren aus den Kirchen verschwunden war.
»Musik muss laut Luther mit dem übereinstimmen, was im Gottesdienst gesagt wird«, so Hein. »Das beste Beispiel ist Johann Sebastian Bach, dessen Musik gefüllt ist mit Evangelium.«
Christine Reuther
Langer Weg zum eigenen Geld
15. Juli 2011 von Redaktion DER SONNTAG
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Seit 2008 haben Behinderte in Sachsen das Recht auf ein »Persönliches Budget«. Aber zu wenige machen Gebrauch davon.
Der junge Mann, nennen wir ihn Ralf, ist frustriert. Er wollte, was er an Hilfe braucht, selbst organisieren. Nun aber zieht es sich hin. Nach einem schweren Unfall ist der 24-Jährige querschnittsgelähmt und auf den Rollstuhl angewiesen. Unterstützung braucht er im Haushalt, Assistenz während der Arbeit und in der Freizeit. 16 Stunden täglich. Finanzieren wollte er das über ein Persönliches Budget. Seit 2008 haben Behinderte ein Recht darauf, auch in Sachsen.
Ralf hat einen Antrag geschrieben, vor mehr als einem Jahr. Hat vor den Zuständigen seine Lage geschildert, den Antrag noch einmal geändert. Das Geld indes bekommt er nicht. Behinderten dieses »persönliche Geld« in die Hand zu geben und sie ihre benötigten Assistenzen selber einkaufen zu lassen – dieses Prinzip finden in Sachsen alle Beteiligten grundsätzlich gut. Allein: Es bewegt sich kaum etwas.
»In den letzten mehr als zweieinhalb Jahren haben wir rund 400 Menschen beraten«, sagt Christian Schönfeld, Direktor der Diakonie Sachsen. 190 von ihnen hätten das Persönliche Budget beantragt, fast hundert es bekommen. »Das sind mehr als vor einem Jahr. Aber immer noch zu wenige.« Hauptursache für ihn: »Die Kostenträger bremsen.« Die Verwaltung entpuppe sich bei den Verfahren als »lange Bank«.
Freilich erfordere dieses Budget auch von den Behinderten einen ausgeprägten Willen, verlange ihnen mehr Arbeit ab, meint Ivonne Fichte-Schnabel, Koordinatorin des Projekts Persönliches Budget bei der sächsischen Diakonie. Auf jeden Fall müssten sie mehr über Anträge und Verfahren wissen.
Stephan Pöhler, Behindertenbeauftragter der sächsischen Regierung, fordert: »Die Behinderteneinrichtungen müssen neue Angebote machen. Das geschieht noch zu zögerlich.« Die Behinderten wiederum ermuntert er zu mehr Mut.
Deren Interesse am Persönlichen Budget zumindest sei groß, sagt Sören Haak. »Zu mir kommen immer mehr Menschen mit Anfragen«, konstatiert der Berater im Ambulanten Behindertenzentrum der Dresdner Stadtmission, der selbst Rollstuhlfahrer ist. »Aber bei den Ämtern dauern die Genehmigungsverfahren dafür lange.« Gleichwohl rät er den Behinderten, diesen Schritt zu wagen. »Die Entscheidungsträger müssen merken, dass der Bedarf wirklich da ist.« Und auch bei den Betreuern müsse ein Umdenken angestoßen werden. »Gerade aus christlichen Motiven heraus in bester Absicht Helfende laufen Gefahr, Behinderten nichts zuzutrauen«, sagt er. So verfestigten sie bei ihnen die Ansicht: Ich kann das ja gar nicht. »Gerade bei Behinderten, die viele Jahre in einem Heim gelebt haben, müssen wir diese alten Muster aufbrechen. Wir brauchen nicht Helfer, die immer gleich wissen, was für einen Behinderten gut ist. Vielmehr müssen die Helfer fragen: Was brauchst du, was willst du?«
Die Kostenträger wiederum sehen auch eine Mitschuld der behinderten Antragsteller. Rolf Ernst vom Kommunalen Sozialverband erlebt immer wieder, dass die Anträge zu ungenau formuliert werden: »Es ist besser, wenn die Behinderten gleich am Anfang ihre Situation und ihren Hilfebedarf lieber etwas ausführlicher schildern.«
Anita Richter, Beraterin bei der Behindertenbeauftragten der Stadt Dresden und selbst körperbehindert, hat die Erfahrung gemacht: »Bei den internen Verwaltungsabläufen hakt es sehr. Die Ämter sind an festgelegte Prozesse gebunden. Die Sachbearbeiter haben ihre Vorschriften. Unter denen gibt es viele Unsicherheiten.«
Einig sind sich alle Beteiligten nur in einem: Dass es noch längere Zeit braucht, bis sich das Persönliche Budget durchsetzt. Ralf, den Rollstuhlfahrer, dürfte das kaum trösten. Er hätte das Geld, mit dem er Helfer für seinen Alltag bezahlen könnte, lieber heute als morgen.
Tomas Gärtner
»Wir erwarten keinen Ansturm«
27. Juni 2011 von DER SONNTAG
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Diakonie und Johanniter bereiten sich auf den Start des Bundesfreiwilligendienstes vor.
Seit Mitte Mai blicken engagiert aussehende Menschen von Plakatwänden herab, um noch einmal darauf hinzuweisen: Am 1. Juli startet der Bundesfreiwilligendienst (BFD), als neue Form des Freiwilligendienstes nach Abschaffung von Wehrpflicht und Zivildienst. Dann können auch Menschen über 27 Jahre sechs bis 24 Monate lang einen freiwilligen Dienst unter anderem in den Bereichen Soziales, Umweltschutz, Integration Kultur oder Sport leisten.
Freiwillige beim BFD werden wie bei Zivildienst und Freiwilligem Sozialen Jahr (FSJ) sozialversichert sein. Ihre Beiträge für Renten-, Unfall-, Kranken-, Pflege- und Arbeitslosenversicherung zahlt die Einsatzstelle. Laut Bundesfamilienministerium werde auch ein Taschengeld von bis zu 330 Euro monatlich gezahlt.
Bei zwei großen Trägern in Sachsen, der Diakonie und der Johanniter-Unfall-Hilfe, beginnt im Juli jedoch noch niemand diesen neuen Freiwilligendienst. Agnes Bost vom Referat Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) der Diakonie in Radebeul sagt: »Unser Konzept steht seit Januar, muss aber permanent angepasst werden.«
Julian Rossig von den sächsischen Johannitern nennt als Grund: »Es ist eine Bundesangelegenheit, die leider noch nicht in allen Punkten abschließend geregelt wurde. Deshalb schweben wir als Träger noch ein Stück weit in der Luft.« Etwa in Bezug auf die Frage, ob und in welcher Höhe man mit einer Bundesförderung rechnen könne. »Wir sind auf Anfragen vorbereitet, haben jedoch noch keine festen Zusagen gemacht.«
Bei den Einsatzstellen, die zur Diakonie gehören, sollen die ersten Freiwilligen erst im September gleichzeitig mit den FSJ-lern beginnen. Sachsenweit werden etwa 100 Stellen zusätzlich zu den 95 FSJ-Stellen zur Verfügung stehen.
Johanniter und Diakonie sind sich einig: Zwischen FSJ und BFD darf es qualitativ keine Unterschiede geben, sie sollen auch nicht in Konkurrenz zueinander treten. Agnes Bost betont: »Wir haben ein klares christlich-diakonisches Profil, das wir gerne übertragen würden.«
Erste Anfragen von vor allem älteren Interessenten gäbe es bei der Diakonie schon. Einen Ansturm auf den neuen Freiwilligendienst erwarten weder Julian Rossig noch Agnes Bost: »Wahrscheinlich brauchen wir noch ein Jahr, um den BFD bekannt zu machen.«
Maxie Thielemann
www.bundesfreiwilligendienst.de
Das Gewicht der Gläubigen
13. Mai 2011 von DER SONNTAG
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Jeder Getaufte ist ein Bischof, sagte Luther. Doch darf auch jeder Christ in der Kirche mitbestimmen? Eine Bilanz der innerkirchlichen Demokratie zum 140. Geburtstag der sächsischen Landessynode.

Gut möglich, dass Jesus das griechische Wort »demokratia« gekannt hat. Benutzt aber hat er es wohl nicht. Er predigte Gottes Liebe zu den Menschen, kritisierte religiöse Funktionäre. Seinen Jüngern versprach er den Heiligen Geist. Sie waren für ihn alle gleich: Sünder, Begnadigte und Verkünder seiner Botschaft. Sind auch die heutigen Jünger Jesu alle gleich? Und dürfen sie gleich mitbestimmen in seiner Kirche?
»Als Vertretung der Kirchgemeinden trägt die Landessynode Verantwortung für alle Angelegenheiten der Landeskirche«, sagt Otto Guse, der Präsident der sächsischen Synode. »Sie kann alles an sich ziehen – doch dann müssten sich die ehrenamtlichen Synodalen für alle Fragen die notwendige Sachkompetenz aneignen. Deshalb brauchen wir das Landeskirchenamt.«
In der Praxis ist dieses Zusammenspiel wie alles Irdische nicht immer ohne Reibung. Und es ist kompliziert. Das zeigte sich, als das Kollegium des Landeskirchenamts im Herbst vergangenen Jahres über große finanzielle Einschnitte bei kirchlichen Einrichtungen entschied. Angesichts eines drohenden Mitglieder- und Finanzrückgangs hatte die Synode Pläne für eine Strukturveränderung in Auftrag gegeben. Das eigentlich führende Organ der Landeskirche aber ist die Kirchenleitung. Ihr Vorsitzender ist der Landesbischof, dessen Stellvertreter der Synodenpräsident. Am Tisch sitzen zudem der Präsident des Landeskirchenamts und sechs Oberlandeskirchenräte sowie neun Synodale. Eine knappe Mehrheit für die Basisvertreter.
Über die Kürzungsliste gab es über drei Sitzungen hinweg Diskussionen in der Kirchenleitung. Die Synodalen fühlten sich nicht ausreichend informiert. »Der Informationsaustausch ist ein Problem, mit dem wir immer ringen, wenn Haupt- und Ehrenamtliche zusammenarbeiten«, sagt Synodenpräsident Guse. Am Ende wurde das Kürzungspaket von der Kirchenleitung »zustimmend zur Kenntnis« genommen. Die Synode aber milderte im April die Stellenkürzung der Landesfrauenpfarrerin noch einmal ab. Im Herbst wird sie über den landeskirchlichen Haushalt abstimmen – und damit auch über die Einsparungen.
Das Landeskirchenamt sitzt in einer starken Position, sagen synodale Mitglieder der Kirchenleitung. Das hat die sächsische Kirchenverfassung so gewollt. Das Amt bereitet nicht nur Kirchengesetze für die Abstimmung in der Synode vor, sondern kann selbst Rechtsvorschriften erlassen und strategische Entscheidungen fällen.
Mitunter stemmt sich die Synode dagegen. Als es um ein Konzept für Einsparungen bei den Verkündigungsmitarbeitern ging, forderte sie im Frühjahr 2010 eine gemeinsame Arbeitsgruppe aus Synodalen und Vertretern des Landeskirchenamts. Denn die Kirchenbezirksreform vor drei Jahren war einigen Basisvertretern zu sehr von der Verwaltung durchgedrückt worden. »Man braucht eine klare kritische Distanz zum Landeskirchenamt und Professionalität«, sagt der Synodale und Radebeuler Pfarrer Christian Mendt. Grundsätzlich aber setzt die Synode auf Kooperation mit der Verwaltung – nicht auf Konfrontation.
Das liegt nicht nur daran, dass die Landessynode laut Kirchenverfassung kein Aufsichts- oder Vetorecht gegenüber dem Landeskirchenamt hat. Es liegt auch nicht nur an der lutherischen Tradition, die unbefangener mit der Obrigkeit umgeht – und auch nicht allein am Heiligen Geist. Gut die Hälfte der Synodalen sind Beamte und Angestellte der Landeskirche. »Da gibt es Loyalitäten und eine Schere im Kopf«, sagt Thomas Lieberwirth, der als Synodaler und Geschäftsführer der Männerarbeit selbst von Kürzungen betroffen ist. »Die zu wahrende Höflichkeit unter Schwestern und Brüdern lässt gewisse Kontroversen nicht zu.«
Das beginnt schon bei der Wahl der Synodalen. Denn dazu sind nur Pfarrer und Kirchvorsteher berechtigt. »Das Wahlsystem ist sehr basisfern, die Landeskirche ist stark auf die Pfarrer orientiert. Das sollte man versuchen aufzubrechen«, sagt Malte Bardt, der als ehemaliger Synodaler die 2007 beschlossene Verfassungsreform der Landeskirche angeschoben hatte. Eine neue Reform hält er derzeit jedoch für unnötig. »Aber die Gemeindeglieder müssen mobilisiert werden und sich entflammen für ihre Aufgaben.«
Andreas Roth
Vor 140 Jahren tagte die erste Landessynode in Sachsen – ein Rückblick des heutigen Synodenpräsidenten Otto Guse auf die Zeit von 1871: Die Laien sollten mitreden (Link)
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