Oft fließt zu viel Energie in die Sorge um morgen
4. Februar 2010 von Redaktion DER SONNTAG
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Foto: Martin Boulanger, sxc.hu
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Heute, wenn ihr seine Stimme hören werdet, so verstockt eure Herzen nicht.
Hebräer 3, Vers 15
Manchmal geht das am Morgen los. Noch nicht ganz aufgestanden, bin ich schon fertig mit dem Tag. Befürchtungen lasten auf mir. Den Tag kann ich bestenfalls überstehen. Das Leben kommt später – vielleicht am Wochenende. Ich höre die Vögel vor dem Fenster und das Schlagen meines Herzens nicht.
Gottes Stimme bleibt ungehört. Sie hat es schwer gegen das Dröhnen der Vergangenheit und das Schrillen der Zukunft. Wie Zement vermauern Befürchtungen Herz und Ohren – Verstockungszement. Ich muss mir ansehen, was mich verschließt, ihm einen Namen geben, es ansprechen, damit es weicht. Und ich muss meine Aufmerksamkeit neu ausrichten.
Ich sitze in kirchlichen Gremien, gebeugt über Finanzprognosen: Sollten wir heute schon Stellen streichen, die wir morgen vielleicht nicht mehr finanzieren können? Im Sandkasten der Kirche von morgen werden Projekte hin und her geschoben. Von dem, was heute an Phantasie, Engagement und Freude lebt, bleibt so viel außer acht. Ungehört bleibt der leise Laut, mit dem sich heute die Blüte öffnet, die morgen Frucht bringen könnte.
Nein, ich bin nicht dagegen, prognostisch zu arbeiten. Wenn wir unserem Auftrag als Kirche nachkommen wollen, müssen wir auch sorgfältig planen und wirtschaften. Aber alles zu seiner Zeit. Ich denke, oft fließt zu viel Energie in die Sorge um morgen und zu wenig in das Horchen auf die Stimme des Lebens heute, die Stimme Gottes. Wenn wir auf die Lebenszeichen Gottes heute achten, manchmal verborgen in den Ritzen und Falten des Alltags, weitet sich unser Horizont. Unsere Entscheidungen verändern sich. Sie sind nicht mehr von Angst bestimmt. Sie rechnen mit dem, der das Leben ist – heute.
Almut Klabunde, die Autorin ist Oberlandeskirchenrätin im Landeskirchenamt.
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