Keine Ruhe am Sonntag
12. November 2010 von Redaktion DER SONNTAG
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Alle Jahre wieder – die Verwaltungsrichter gehören in Sachsen zum Advent wie der Heilige Nikolaus. Jedes Jahr das gleiche Ritual mit den immer gleichen Wunschzetteln: Die Städte wollen Adventssonntage mit klingenden Geschäftskassen, Kirchen und Gewerkschaften wollen einen heiligen Feiertag für die Menschen – und am Ende entscheiden die Gerichte. Meistens für die Sonntagsruhe, denn das Grundgesetz schützt sie.
Wie beim Heiligen Nikolaus steckt hinter dem alten Ritual eine alte Geschichte. Genau genommen hat sie Gott selbst geschrieben. Der Schabbat soll geheiligt werden als Tag der Ruhe. Der Schöpfer selbst genehmigte sich diese Auszeit am siebenten Tag, als er vom Schöpfen erschöpft war, so erzählt es die Bibel.
Ausgerechnet heute, wo sich das Hamsterrad der Arbeit für viele immer schneller dreht, soll dieser Ruhetag überflüssig sein? Ausgerechnet eine von christlichen Politikern geführte Landesregierung gibt mehr als vier Sonntage im Jahr der kommerziellen Verwertung frei.
Und damit kann es weitergehen: Neue Shopping-Sonntage, neue Klagen, neue Urteile. Bis zum Sankt-Nimmerleins-Tag, es könnte zur Tradition werden in Sachsen. Denn auch das am 3. November beschlossene Ladenöffnungsgesetz der CDU-FDP-Koalition eröffnet nach Meinung von Kirchen und Gewerkschaften genug Spielraum für Kommunen, den Sonntagsschutz zu untergraben.
Irgendwann könnte das Gezerre um den Sonntagseinkauf im Advent werden wie der Tag des Heiligen Nikolaus: Man kennt das Ritual – und erinnert sich nur noch ganz dunkel an den menschenfreundlichen Kern der Geschichte.
Andreas Roth
Steter Tropfen
25. September 2009 von Redaktion DER SONNTAG
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Steter Tropfen höhlt den Stein« möchte man sagen angesichts des Koalitionsvertrages zwischen sächsischer CDU und FDP. Zumindest was die Sonntagsöffnung von Videotheken und Autowaschanlagen betrifft. Das fordert die FDP in Sachsen seit Jahren: Bereits zu Beginn der vorigen Legislaturperiode, im Dezember 2004, hatte sie einen derartigen Antrag ins Landesparlament eingebracht. Damals galt bei der CDU noch das Bekenntnis zum Sonntagsschutz.

Foto: MrK001 (sxc.hu)
Nun gut, könnte man sagen. Wen stören schon offene Autowaschanlagen am Sonntag? Und Videoschauen gehört vielleicht zu manchem Sonntagsvergnügen. Doch was für eine Einstellung steht dahinter? Was ist der Sonntag, den Menschen noch wert? Einkaufen scheint eines der beliebtesten Freizeitvergnügen zu sein. Der Andrang in immer größeren, neueren Einkaufszentren spricht für sich.
Vielleicht sagen dann manche Politiker um der Wählergunst willen eines Tages: Wenn Familien so gern Ausflüge in »Einkaufstempel« machen, warum sollen sie das nicht auch sonntags können? In die eigentlichen Tempel, sprich die Kirchen, geht ja sowieso kaum noch jemand am Sonntag. Und: Die meisten Feiertage sind ja jetzt schon nur noch Anlässe, der Kauflust zu frönen. Wozu brauchen wir sie dann noch? Das sind die Fragen, die eigentlich hinter den Autowaschanlagen und Videotheken stehen. Und wenn sie niemand mehr stellt, heißt es weiter: »Steter Tropfen …«.
Darauf sollten wir Christen immer wieder den Finger legen. Denn zu den Grundlagen unseres Zusammenlebens gehören immer noch die zehn Geboten, deren drittes lautet: Du sollst den Feiertag heiligen.
Christine Reuther
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