Beten und Helfen

24. Februar 2010 von Redaktion DER SONNTAG  
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Anlässe, über den eigenen Tellerrand zu schauen, sollten uns Christen willkommen sein. Mit dem »Weltgebetstag«, der am 5. März in 170 Ländern gefeiert wird, steht ein solcher Anlass bevor. Die Liturgie des Gebetstages wird von Frauen vorbereitet, in diesem Jahr von Frauen aus dem afrikanischen Kamerun. Eingeladen aber sind auch Männer, Kinder, Jugendliche. Die Situation von Frauen steht zwar im Mittelpunkt, aber es geht um die großen Zusammenhänge in der Welt – und die gehen alle an, weil alle in sie verflochten sind.

Foto: Lionel Titu (sxc.hu)

Foto: Lionel Titu (sxc.hu)

In Kamerun zum Beispiel werfen europäische Hersteller massenhaft Hähnchenteile und Milchpulver zu niedrigen Preisen auf den Markt. Einheimische können vom Verkauf ihrer eigenen Produkte kaum noch leben. Das ist eine ökonomische, keine reine Frauenfrage. Wenngleich die Leidtragenden zumeist Frauen sind. Denn sie bilden die Mehrheit jenes Dreiviertels der Bevölkerung, das in der Landwirtschaft beschäftigt ist.

Die Projekte, die mit Spendengeldern des Weltgebetstages unterstützt werden, stärken die Position von Frauen. Und sie leisten Hilfe, die langfristig Wirkung zeigt.

Doch der Weltgebetstag ist mehr als eine reine Hilfsaktion. Die Liturgie der Frauen setzt unserer westlich-europäischen, auf Probleme und Hilfe orientierten Perspektive eine andere entgegen. Erfahren können wir in diesem Jahr zum Beispiel, dass es den schwer arbeitenden Frauen in diesem armen Land wichtig ist, Gott zu loben. Auch wenn uns das schlicht und fromm erscheinen mag – den Frauen in Kamerun hilft das, gerade in schweren Zeiten.

Und der Weltgebetstag erinnert uns daran, dass ebenso wichtig wie Spendengelder die geistige Haltung ist, die hinter all dem steht: Ein informiertes, seinen Horizont erweiterndes Christentum, für das Beten und Handeln zusammengehören.

Tomas Gärtner

Weltgebetstag im Internet