Der Gerechtigkeit und dem Frieden eine Straße ebnen
10. Dezember 2009 von Redaktion DER SONNTAG
Abgelegt unter Wort zur Woche
Comments Off
Bereitet dem Herrn den Weg; denn siehe, der Herr kommt gewaltig.
Jesaja 40, Vers 3.10
Audio clip: Adobe Flash Player (version 9 or above) is required to play this audio clip. Download the latest version here. You also need to have JavaScript enabled in your browser.
Der Spruch der letzten Woche ermutigte uns, aufzustehen und den ersten Schritt zu gehen. Nun sollen wir nicht nur den Weg beschreiten, sondern ihn auch noch bereiten. Das ist harte Arbeit, die von uns erwartet wird. Den Weg zu bereiten ist oft kein Zuckerschlecken. Da müssen Steine beiseite geräumt werden, Löcher aufgefüllt, Brücken gebaut, Hügel geebnet, neue Lebensräume geschaffen werden.
Johannes der Täufer war jener, der dem Messias vorausging und ihm den Weg bahnte. Er war der Rufer in der Wüste, der die Menschen aufrief, ihr Leben neu auszurichten – und das ganz gewaltig.
Die Vorstellung vom gewaltigen Umsturz finden wir nicht nur beim Propheten Jesaja. Der Evangelist Lukas hat sie im Lobgesang der Maria aufgegriffen. Dort werden die Verhältnisse umgekehrt: Der Kleine bekommt Macht, der Arme wird reich.
Die Herrschaft übernehmen die Kleingemachten und Ausgegrenzten. Es ist nicht die leise, stille, sanftmütige oder gar liebliche Art, wie sie uns in vielen Weihnachtsliedern vorgespielt wird. Wo Jesus sich auf den Weg macht, verwandelt sich die Welt – gegen allen Zweifel, gegen die Weigerung, diese Verwandlung zur Kenntnis zu nehmen. Er kommt allen entgegen, die in ihrer eigenen Welt gefangen und verstrickt sind.
Angesteckt von den Visionen der Propheten sollen wir mitwirken an der Erfüllung der großen Verheißungen Gottes. Wir können selbst Zeichen seines Kommens in dieser Welt sein. Wir können Menschen sein, die den anderen vorausgehen, damit die Hoffnung die erreicht, vor denen sich Berge aus Armut, Unsicherheit und Angst auftürmen. Wir können der Gerechtigkeit und dem Frieden eine Straße ebnen.
Alles, was wir jetzt schon an Alternativen leben, ist ein Einüben in das Kommende.
Christine Müller

Christine Müller von der Arbeitsstelle »Eine Welt« der Landeskirche mit Sitz in Leipzig. Foto: Armin Kühne
Christine Müller leitet die Arbeitsstelle “Eine Welt” der sächsischen Landeskirche in Leipzig.
Audio clip: Adobe Flash Player (version 9 or above) is required to play this audio clip. Download the latest version here. You also need to have JavaScript enabled in your browser.
Oft genügt ein Blickwechsel
3. Dezember 2009 von Redaktion DER SONNTAG
Abgelegt unter Wort zur Woche
Comments Off

Foto: Nicolas Raymond, sxc.hu
Seht auf und erhebt eure Häupter, weil sich eure Erlösung naht.
Lukas 21, Vers 28
Audio clip: Adobe Flash Player (version 9 or above) is required to play this audio clip. Download the latest version here. You also need to have JavaScript enabled in your browser.
Nach Erlösung sieht unsere gegenwärtige Welt nicht aus. Innerhalb kürzester Zeit haben wir drei Krisen miterleben müssen, deren Ausgang überhaupt nicht vorherzusehen, geschweige denn sicher ist.
Lesen wir das Kapitel 21 bei Lukas von Anfang an, dann finden wir auch da eine Beschreibung der Verhältnisse wie sie schlimmer nicht sein können: Kein Stein wird auf dem anderen bleiben, von großen Beben und Hungersnöten ist die Rede. Und die, die davon reden, werden ausgelacht oder in die Enge getrieben.
Kopf einziehen, Augen zu – so reagieren die meisten Menschen. »Um klar zu sehen, genügt oft schon ein Wechsel der Blickrichtung« steht auf einer Karte, die ich mir einmal gekauft habe. Darauf ist ein Strauß zu sehen, der seinen Kopf in den Sand steckt.
Wenn all das geschieht, sagt unser Text, dann sollen wir uns erheben. Wir sollen uns nicht mehr wegducken, sondern mutig geradeaus schauen und aufstehen für die andere Welt, die uns verheißen ist. Gott kommt uns entgegen. Wir sollen die Zeichen zur Kenntnis nehmen, es ist noch nicht das Ende. Die wirkliche Vollendung kommt erst noch. Das Wann und Wie ist völlig offen.
Die größte Gefahr im Hier und Jetzt ist, sich einschläfern und einlullen zu lassen. Stattdessen sind adventliche Wachsamkeit und Sehnsucht angesagt. Aus in sich verkrümmten Menschen, die nur noch sich selbst sehen, können solche werden, die den aufrechten Gang üben. Aufstehen ist der erste Schritt mit dem sich alles verwandeln kann und ein klares »Nein« zur rechten Zeit mit Herz und Mut. Und wenn wir die Blickrichtung wechseln, unseren Kopf heben und uns umsehen, dann werden wir feststellen: Wir sind nicht allein.
Gott hat sich schon längst an unsere Seite gestellt.
Christine Müller
Christine Müller ist Mitarbeiterin der Arbeitsstelle »Eine Welt« der sächsischen Landeskirche.
Audio clip: Adobe Flash Player (version 9 or above) is required to play this audio clip. Download the latest version here. You also need to have JavaScript enabled in your browser.
Auch wir sind verführbar und nicht als Asketen geboren
1. Oktober 2009 von Redaktion DER SONNTAG
Abgelegt unter Wort zur Woche
Comments Off
Unser Glaube ist der Sieg, der die Welt überwunden hat.
1. Johannes 5, Vers 4
Audio clip: Adobe Flash Player (version 9 or above) is required to play this audio clip. Download the latest version here. You also need to have JavaScript enabled in your browser.
Na, da ist doch alles in Ordnung. Oder? Eine tiefe Sehnsucht spricht aus dem Satz, dass etwas hinter sich gelassen wurde, etwas geschafft, auf das wir, Christinnen und Christen, stolz sein können. Es klingt nach Kampf und Anstrengung. Davon spricht der 1. Johannesbrief allerdings kaum. Er spricht von der Liebe Gottes und ringt geradezu leidenschaftlich darum, dass wir diese Liebe leben, zuallererst im Miteinander in den Gemeinden. Unterschiedliche Formen, den Glauben zu leben und Glaubensaussagen zu betonen, führten damals und führen heute zu manchmal schmerzlichen Auseinandersetzungen.

Foto: Sanja Gjenero, sxc.hu
Da bleibt sicher nicht nur mir ein fader Beigeschmack. Denn wir bleiben Teil dieser Welt und sind mit ihr verführbar und nicht als Asketen geboren. Die müssen wir auch nicht werden, wenn wir den Aussagen dieses Briefes folgen.
Es wird kein quälendes Verzichten gefordert. Der Sieg wird uns geschenkt von dem, der uns zuerst geliebt hat. Ein mit Liebe gefülltes Herz kann verschmitzt lächeln und sagen: Das habe ich nicht nötig. Von dieser Leichtigkeit her sind wir eingeladen, unseren Glauben zu leben. Dann hätten wir etwas geschafft. Das wäre doch in Ordnung. Oder?
Bettina Dörfel, ist Landesleiterin der kirchlichen Frauenarbeit.
Audio clip: Adobe Flash Player (version 9 or above) is required to play this audio clip. Download the latest version here. You also need to have JavaScript enabled in your browser.
Ewiges Leben – wo gibt’s das schon?
25. September 2009 von Redaktion DER SONNTAG
Abgelegt unter Wort zur Woche
»Dafür hat er aber das ewige Leben!« Das sagte sie mit einer überzeugenden Geste. Es war in einem Spielwarengeschäft. Ich musste merklich die Augenbrauen angehoben haben, denn der Preis für das kleine Wägelchen schien mir recht stolz. Deshalb setzte die freundliche Verkäuferin auch gleich dazu: »Das ist aber auch was Richtiges, damit werden sie wirklich ihre Freude haben.«Christus Jesus hat dem Tod die Macht genommen und das Leben und ein unvergängliches Wesen ans Licht gebracht durch das Evangelium.
2. Timotheus 1, Vers 10
Ehe ich mich entscheiden konnte, brummelte neben mir eine ältere Dame: »Ewiges Leben, so was gibt’s nicht! Alles geht kaputt. Und«, so setzte sie hinzu, »möchte ich auch gar nicht haben. Schon gut, wenn es mal Schluss ist mit dem ganzen Jammer«. Was für ein Stichwort mitten am Tag. Jetzt müsste ich doch als Pfarrer …
Mir fiel nichts ein. Auch nicht Paulus mit seinem Wochenspruch. Aber Recht hat sie die alte Dame: Ewiges Leben, immer so weiter, ohne Veränderung, das gibt es nicht. Das darf es nicht geben. »Das könnte den feinen Herren so passen«, habe ich dazu einmal gelesen. »Sie werden Freude damit haben, das ist was Richtiges«, hatte die Verkäuferin gesagt.
Könnte man es so sagen: Ewiges Leben ist richtiges, wirkliches Leben? Ein Leben das nicht nur Blendwerk ist und auf Kosten anderer geht. Ein Leben das Bestand hat: vor anderen, vor mir und vor Gott. Das auch am Ende nicht verloren geht. Jesus hat es uns verkündet und einzigartig vorgelebt.
Gott steht dazu. Mit einem solchen Leben ist es nicht aus. Es hat vor ihm und der Zeit Bestand. Und nach so was Richtigem sehne ich mich doch. Ich muss es nicht selbst hinbekommen, nur Jesus folgen. »Was ist denn nun?«, fragend sieht mich die Verkäuferin an. Mein Gott das ewige Leben! »Ja, ich nehme es« – das Wägelchen.
Matthias Weismann
Matthias Weismann ist Superintendent des Kirchenbezirks Leipziger Land.
![RSS ⇒ DER SONNTAG [Sachsen] abonnieren](http://www.sonntag-sachsen.de/wp-content/themes/church_20/images/rss.gif)
![⇒ DER SONNTAG [Sachsen]](http://www.sonntag-sachsen.de/wp-content/themes/church_20/images/logo2.gif)


