Von denen, die Jesus nachfolgen, wird mehr verlangt
23. Juli 2010 von Redaktion DER SONNTAG
Abgelegt unter Wort zur Woche
Lebt als Kinder des Lichts; die Frucht des Lichtes ist lauter Güte und Gerechtigkeit und Wahrheit.
Epheser 5, Verse 8 und 9
Wahrscheinlich ist es für viele ein Bedürfnis, die Welt und die Menschen einzuteilen in gut und böse, in weiß und schwarz oder – wie eben im Epheserbrief – in Licht und Finsternis. Diese Einteilung der Welt und der Mitmenschen ist sehr alt, viel zu einfach und misslich noch dazu, weil sie alles im Gegensätzlichen belässt und die Welt in einen Gegensatz zu Gott bringt. Und den Kindern des Lichtes können eben nur die Kinder der Finsternis gegenüberstehen; hier die Guten, da die Schlechten. Aber so ist die Welt nicht, sind wir Menschen nicht.

Frank Martin ist Pfarrer der Evangelischen Studentengemeinde in Leipzig. Foto: Armin Kühne
Bei Jesus klingt das oft anders: Wenn schon Menschen Gutes tun, die Gott nicht kennen, wie viel mehr müsst ihr tun, die ihr von Gott so reich beschenkt seid. Jeder vernünftige Mensch sollte einschätzen können, was angemessen ist und wie man sich verhalten soll. Von denen jedoch, die Jesus nachfolgen, ist mehr verlangt!
Da wird keine ethische Forderung erhoben. Etwa: Nun strengt euch mal an und reißt euch zusammen! Daran können wir nur scheitern.
Von uns wird verlangt, das weiterzugeben, was uns überreich geschenkt wurde. Wer ein Vermögen bekommt, sollte nicht um Rechenpfennige feilschen. Wem alle Schulden erlassen werden, sollte großzügig auf eigene Forderungen verzichten können. Und wer mit offenen Armen empfangen wurde, sollte niemandem die Tür vor der Nase zuknallen.
Nichts, was über unser Vermögen geht, sollen wir leisten. Sondern nach dem Motto leben: Wie Du mir, Gott, so ich allen anderen.
Das hieße, als Kinder des Lichtes zu leben, wenn wir unseren Mitmenschen so begegneten, wie Gott uns gegenübertritt: vorbehaltlos und bedingungslos. Schwer genug. Aber auch die Früchte des Lichts haben Zeit zum Reifen.
Frank Martin
Frank Martin ist Pfarrer der Evangelischen Studentengemeinde in Leipzig.
Bürgerrecht für alle gibt es nur bei Gott
16. Juli 2010 von Redaktion DER SONNTAG
Abgelegt unter Wort zur Woche
So seid ihr nun nicht mehr Gäste und Fremdlinge, sondern Mitbürger der Heiligen und Gottes Hausgenossen. Epheser 2, Vers 19
Was hat die frühe Kirche so anziehend gemacht? Der Glaube und die Predigt? Darüber haben viele gelacht. Stärker wirkte die Einheit von Glaube und Leben. Dazu gehörte ohne Zweifel die Bereitschaft, für den eigenen Glauben zu sterben. Vor allem aber setzten die Gemeinden die Forderung Jesu um, barmherzig zu allen Menschen zu sein. Es war das diakonische Handeln der Kirche, das die Kirche so anziehend machte. Und sie bot etwas, das Rom nur sparsam verteilte: das Bürgerrecht. Wer getauft war, bekam das Bürgerrecht im Himmel. Egal, ob Mann oder Frau, frei oder versklavt, Jude, Grieche oder Barbar – alle eins in Christus Jesus.

Frank Martin ist Studentenpfarrer in Leipzig. Foto: Armin Kühne
Nicht die Nation zählt, die davon lebt, dass sie sich gegen Menschen anderer Nationen abgrenzt. Nicht die Geburt zählt, die bestimmt, wer dazugehört und wer draußen bleibt. Nein: alle eins in Christus Jesus; keine Gäste mehr bei Gott, sondern seine Familie.
Heute sterben an den Grenzen Europas täglich Menschen, die hierher wollen, um zu leben. Egal, ob sie ein Bürgerrecht im Himmel haben oder nicht – sie müssen draußen bleiben. Das Bürgerrecht im Himmel ist auf der Erde nicht viel wert; auch nicht im christlichen Abendland. Was könnte die Kirche heute
anziehend machen?
Frank Martin
Frank Martin ist Studentenpfarrer in Leipzig.
Wenn Gott ruft, wächst Gemeinschaft
9. Juli 2010 von Redaktion DER SONNTAG
Abgelegt unter Wort zur Woche
So spricht der Herr, der dich geschaffen hat: Fürchte dich nicht, denn ich habe dich erlöst; ich habe dich bei deinem Namen gerufen; du bist mein!« Jesaja 43, Vers 1
Vor einigen Jahren waren Amerikaner bei uns zu Besuch, die hier ihre Deutschkenntnisse vertiefen wollten. Als wir uns vorstellten, sagte einer: »Ich bin der Peter.« Einer der Gäste fragte erstaunt zurück. »Der Peter? Nicht: ein Peter? Es gibt doch viele.« Da stellte sich die Frage, wie denn die Namen und die Benannten zusammengehören. Mein Name gehört doch zu mir, ist nicht so ohne weiteres austauschbar. Natürlich weiß ich, dass auch andere meinen Namen tragen. Spätestens seit Google gehört es zur schmerzlichen Selbsterfahrung, dass es auf Namen keine Exklusivitätsrechte gibt.

Frank Martin ist Studentenpfarrer in Leipzig. Foto: Armin Kühne
In dieser Reihenfolge: Ich werde angesprochen und antworte. Auf den Anruf Gottes hin wird die Welt. Auf den Anruf Gottes antwortet der Mensch. Das ist eine Dimension des Wochenspruchs. Gott ruft mich bei meinem Namen – erlösend, auslösend aus dem Dunkel der Nichtigkeit. Und ich antworte ihm. Aber es bleibt nicht bei mir und Gott. Befreit aus der Vereinzelung bildet sich eine Gemeinschaft.
Denn Jesaja spricht in dem Kapitel nicht von mir und dir, sondern vom Volk Gottes. Das ist kein Kollektiv, welches ja auch keinen Eigennamen hat und in dem die Einzelnen untergehen. Gott ruft sein Volk beim Namen und es wächst eine Gemeinschaft, die den Blick hebt, den Blick wieder frei bekommt für Gott, für die Welt und füreinander.
Frank Martin
Frank Martin ist Studentenpfarrer in Leipzig.
Mit den Missgünstigen beginnt die Verdammnis
2. Juli 2010 von Redaktion DER SONNTAG
Abgelegt unter Wort zur Woche
Aus Gnade seid ihr selig geworden durch Glauben, und das nicht aus euch: Gottes Gabe ist es.
Epheser 2, Vers 8
Was ist das Gegenteil von selig geworden? Missgünstig sein? Was heißt das: Ihr seid selig geworden? Im Sinne des Epheserbriefes: Obwohl ihr nicht dazu gehört, dürft ihr dabei sein. Die Grenze zwischen drinnen und draußen ist niedergerissen. An die Tür hat jemand geschrieben: Du musst draußen bleiben! Jetzt hat ein anderer darüber geschrieben: Herzlich Willkommen! Die Gnade Gottes öffnet das Reich Gottes für alle Menschen – auch für die, die nicht durch Geburt zum Volk Gottes gehören. Das heißt: ihr seid selig geworden.
Und was ist das Gegenteil? Missgünstig sein! Das ist so, als ob die, die eben noch vor der geschlossenen Tür standen, jetzt am Eingang stehen und als Türsteher sortieren, wer rein darf und wer nicht. Die glauben nicht richtig, die glauben das Falsche und die glauben gar nicht. Für die ist hier kein Platz: Ihr müsst draußen bleiben.

Foto: Aneta Blaszczyk, sxc.hu
Wer selig geworden ist, für die und mit denen beginnt hier schon der Himmel; leider beginnt mit den Missgünstigen auch hier schon die Verdammnis.
Frank Martin
Frank Martin ist Studentenpfarrer in Leipzig.
Ein schwieriges Unterfangen
18. Juni 2010 von Redaktion DER SONNTAG
Abgelegt unter Wort zur Woche
Der Menschensohn ist gekommen, zu suchen und selig zu machen, was verloren ist.
Lukas 19,10

Foto: Sanja Gjenero, sxc.hu
Es ist für mich selbstverständlich, dass Kinder unter dem Schutz von Erwachsenen stehen. Nur so können sie sich entwickeln und entfalten. Ist diese Haltung heute Allgemeingut?
In einem Bericht aus dem Gerichtssaal lese ich von einem Prozess, bei dem ein zehnjähriges Kind im Mittelpunkt steht. Seine Mutter, Stiefvater und Onkel werden angeklagt, über Jahre die Hilflosigkeit des Kindes missbraucht zu haben. Der Junge musste stundenlang hungrig in der Ecke stehen, er wurde geschlagen, ihm wurden Essen und Zuwendung vorenthalten. Die Erwachsenen sahen in ihm ein geeignetes Opfer für ihre willkürliche Machtausübung. In seiner Not offenbarte sich der Junge seiner Lehrerin. Sie glaubte ihm und schaltete das Jugendamt ein. Heute lebt er in einer Pflegefamilie.
Sicher macht das Kind sich Vorwürfe, die eigene Mutter verraten zu haben, glaubt gar, selbst an der Zerstörung der Familie schuldig zu sein. Ganz viel ist da zerbrochen: das Vertrauen, die Zusammengehörigkeit, die Sicherheit in der Familie, das nötige Selbstbewusstsein für eine gesunde Entwicklung. Meint unser Wochenspruch solche Ereignisse, wenn uns gesagt wird »Der Menschensohn ist gekommen, um zu suchen und zu retten, was verloren ist«?
Ich wünschte mir, den Jungen würde einer an die Hand nehmen und ihm helfen, damit er an eine glückliche Zukunft denken kann. Ehrlicherweise muss ich aber zugestehen, dass ich angesichts dieser und ähnlicher Geschichten über den Missbrauch von Kindern hilflos bin.
Lassen sich die Zusage Jesu und die brutale Realität überhaupt zusammenbringen? Können wir Christen etwas tun, damit diese Botschaft für uns und Nichtchristen lebendig und nachvollziehbar wird?
Annemarie Müller
Annemarie Müller ist Geschäftsführerin des Ökumenischen Informationszentrums in Dresden.
Bei Jesus gibt es keine Unterschiede
11. Juni 2010 von Redaktion DER SONNTAG
Abgelegt unter Wort zur Woche
Christus spricht: Kommet her zu mir alle, die ihr mühselig
und beladen seid; ich will euch erquicken.
Matthäus 11, Vers 28
Es war im Frühling 2000 in der nordserbischen Stadt Novi Sad. Zur Mittagsstunde an einem Mittwoch strömten viele Menschen ins Gemeindehaus der Reformierten Kirche. Wo sich sonst Gemeindekreise trafen, standen große Essenkübel. Freundliche Frauen teilten hier, wie in vielen anderen Kirchgemeinden, täglich an Bedürftige Suppe aus. Jeder erhielt kostenlos eine warme Mahlzeit, egal, ob er getauft oder in der Kirchgemeinde bekannt war. Denn alle litten unter den Folgen des gerade beendeten Balkankriegs. Bei meinen Serbienreisen lernte ich vielerorts solche Essenausgaben der Ökumenischen Hilfsorganisation Novi Sad kennen, die dankbar angenommen wurden.

Annemarie Müller ist Geschäftsführerin des Ökumenischen Informationszentrums in Dresden.
Anderseits war es ermutigend zu erleben, dass in der Not religiöse oder ethnische Zugehörigkeit keine Rolle mehr spielte. Keiner wurde vorher gefragt: Bist du Christ? Nur der Mensch stand im Mittelpunkt. Seine Würde galt es zu achten und zu erhalten. Jeder Bedürftige durfte kommen. Und die ehrenamtlich tätigen Frauen aus der Gemeinde hatten für sie auch noch tröstende und aufmunternde Worte übrig.
Wenn Christus die Mühseligen und Beladenen einlädt, sind die konfessionellen oder religiösen Unterschiede nicht mehr entscheidend.
Annemarie Müller
Es ist nicht leicht, danach zu leben
4. Juni 2010 von Redaktion DER SONNTAG
Abgelegt unter Wort zur Woche
Christus spricht: Wer euch hört,
der hört mich; und wer euch
verachtet, der verachtet mich.
Lukas 10, Vers 16
Es ist schon zur Normalität geworden, dass ich auf dem Weg zu meiner Arbeit Herbert begegne. Herbert verkauft bei Sonnenschein und Kälte im Stadtzentrum die Obdachlosenzeitung. Wie ich inzwischen weiß, ist er selbst nicht obdachlos, sondern bemüht sich mit dem Zeitungsverkauf darum, seinen Lebensunterhalt aufzubessern. Und außerdem kommt er unter Leute, statt allein zu Hause zu sitzen. Sein Standort ist ideal, hier kommen ständig Menschen vorbei, auch solche, die ihm eine Zeitung abkaufen. Herbert spricht nicht viel, sondern ist einfach da. Wer will, kann ihn in seiner hageren Gestalt übersehen. Wer eine empfindliche Nase hat, macht lieber einen großen Bogen um ihn. Im Winter dauert er mich, wie er so in der Kälte ausharren muss. Wenn er mal nicht da ist, mache ich mir Sorgen: ist er krank oder ist Schlimmeres passiert?

Foto: Dominique Abed, sxc.hu
Eigentlich haben wir beide nichts miteinander zu schaffen. Jeder kann ohne den anderen leben, ich sicher besser als er. Gerührt bin ich aber, wenn er mich zuerst grüßt, wenn er mir die Tür aufhält, wenn er schneller als ich in seiner stillen Art menschlich zu mir ist. In seinem manchmal jämmerlichen Zustand wirkt er wirklich nicht einladend.
Was geht mich eigentlich dieser Mann an? Aber dann erfahre ich von ihm eine freundliche Geste, die mich daran erinnert, auch er ist ein Geschöpf Gottes. Es spielt keine Rolle, welche Position oder Leistung er vollbringt, ob er am Rand oder im Zentrum unserer Gesellschaft steht. Immer bleibt er ein Ebenbild Gottes, das ich weder verachten noch ablehnen darf, wenn ich die Worte von Christus verstanden habe. Aber danach zu leben ist nicht leicht.
Annemarie Müller
An der Grenze des Begreifens
28. Mai 2010 von Redaktion DER SONNTAG
Abgelegt unter Wort zur Woche
Heilig, heilig, heilig ist der HERR Zebaot, alle Lande sind seiner Ehre voll.
Jesaja 6, Vers 3
Der Psychologe Carl Gustav Jung erzählt, dass er sich im Konfirmandenunterricht seines Vaters unendlich langweilte. Beim Blättern im Katechismus aber fiel sein Blick auf den Abschnitt über die Dreieinigkeit. Das interessierte ihn, und er wartete mit Ungeduld auf diese Stunde. Doch sein Vater sagte: »Diesen Abschnitt wollen wir überschlagen, ich begreife selbst nichts davon.«
Die Antwort enttäuschte, doch zumindest war sie ehrlich. Und – ehrlich gesagt – trifft sie ja nicht nur auf die Lehre von der Dreieinigkeit Gottes, sondern auf Gott selbst zu. Immer stoßen wir an die Grenze unseres »Begreifens«. Denn Begreifen können wir nur, wenn es etwas zu Greifen oder zu Schauen gibt.

Foto: Dani Simmonds, sxc.hu
Da hatte es der Prophet Jesaja besser – scheinbar. Er sieht Gott auf »einem hohen und erhabenen Thron«. Doch solches Sehen hätte ihn fast das Leben gekostet! »Weh mir, ich vergehe …« (Jes 6,59).
Unser Wochenspruch mit seinem dreifachen Ausruf der Heiligkeit weist auf die Andersartigkeit, ja Unnahbarkeit Gottes hin. Er markiert die Grenze zwischen Himmel und Erde.
Gott aber bleibt nicht auf seinem hohen und erhabenen Thron. Er selbst durchbricht die Grenze. In seinem Sohn Jesus Christus offenbart er sich uns in seiner ganzen Wahrheit und Liebe, wird sichtbar und »begreifbar«. Doch wer ihn erkennen will, muss sich bücken, so unscheinbar erscheint er. Selbst in seiner Offenbarung »begreifen wird nichts«, wenn nicht sein Geist uns begreifen – und staunen lässt.
So ist Dreieinigkeit das Fest des geoffenbarten Geheimnisses Gottes, das »nicht zu erforschen, sondern anzubeten« ist (Philipp Melanchthon).
Johannes Berthold
Professor Johannes Berthold ist Vorsitzender des Landesverbands Landeskirchlicher Gemeinschaften.
Frische Luft für unsere engen Herzen
21. Mai 2010 von Redaktion DER SONNTAG
Abgelegt unter Wort zur Woche
Es soll nicht durch Heer oder Kraft, sondern durch meinen Geist geschehen, spricht der
Herr Zebaot. Sacharja 4, Vers 6
Dum spiro spero« – »Solange ich atme, hoffe ich«, sagt ein altes römisches Sprichwort. Im Lateinischen ist es eine kleine Wortspielerei – doch bewährt sie sich auch im wirklichen Leben, auch im Ernst des Lebens?
Nicht immer atmen wir Hoffnung. Oft genug hecheln wir atemlos durch Straßen und Gassen, atmen wir schwer unter mancherlei Lasten. Schreckensmeldungen lassen unseren Atem fast stocken. Werden wir für die zahlreichen Probleme unserer Welt den langen Atem haben, der nötig ist? So sehnen wir uns nach frischer Luft für unsere engen Herzen und verbrauchten Gedanken.
Ist es Zufall, dass in den Ursprachen der Bibel das Wort »Geist« eigentlich Wind und Atem bedeutet? Zu Pfingsten »geschah plötzlich ein Brausen vom Himmel wie von einem gewaltigen Wind«, heißt es (Apg 2,2).

Professor Johannes Berthold ist Vorsitzender des Landesverbands Landeskirchlicher Gemeinschaften. Foto: privat
Pfingsten ist das geöffnete Fenster des Himmels. Ein neuer Geist weht in dieser Welt – Gottes Geist, Lebensatem zum Aufatmen! Der Prophet Sacharja (520 v.Chr.) war ein früher Zeuge dafür, dass Gott uns seinen Geist geben will. Mitten in der Nacht empfängt er heilende Bilder und Worte für das aus der Gefangenschaft zurückgekehrte Volk Israel. »Heer und Kraft« besitzen sie nicht mehr, doch Gott will ihnen seinen Geist geben. In seiner Kraft werden sie den zerstörten Tempel wieder aufbauen. Ja, alle Völker sollen herbeiströmen und Anteil haben an Gottes Heil!
Diese Prophetie wurde Wirklichkeit. Im Jahr 515 v.Chr. wurde der Tempel wieder eingeweiht. Auch Pfingsten gehört in die Erfüllungsgeschichte dieser Prophetie – damals, als in Jerusalem Menschen aus verschiedensten Völkern die Botschaft von Jesus Christus hörten. Auch heute erfüllt sie sich – überall wo Menschen sich von Christi Geist inspirieren lassen. Da fährt er in uns wie Energie. Es ist dann keine Wortspielerei: »Solange sein Geist in uns atmet, hoffen wir!«
Johannes Berthold
Professor Johannes Berthold ist Vorsitzender des Landesverbands Landeskirchlicher Gemeinschaften in Sachsen.
Der Ort der Niederlage wurde zum Zeichen des Sieges
14. Mai 2010 von Redaktion DER SONNTAG
Abgelegt unter Wort zur Woche
Christus spricht: Wenn ich erhöht werde von der Erde, so werde ich alle zu mir ziehen.
Johannes 12, Vers 32
Erhöhung – das klingt wie Aufstieg, Beförderung, der Stoff also, aus dem viele unserer Träume gemacht sind. Und wenn wirklich einmal ein Tellerwäscher zum Millionär oder ein Angestellter zum Firmenchef »erhöht« wurde – dann schauen wir solchen »Traumkarrieren« hinterher wie zu Himmelfahrt die Jünger, als Jesus von den Wolken aufgenommen wurde. Denn über den Wolken muss die Freiheit wohl grenzenlos sein!

Foto: Mario Alberto Magallanes Trejo, sxc.hu
Inzwischen ist das Kirchenjahr weitergegangen. Schon liegen Ostern und Himmelfahrt hinter uns. Beide Feste sprechen davon, dass Gott den, der sich so tief herabbeugte, nun über alle erhöht hat. Er hat ihm einen Namen gegeben über alle Namen und eine Macht, die Himmel und Erde erfüllt! (Matthäus 28, Vers 16ff.). Also doch eine Traumkarriere?
Ja! Doch hat er sie nicht gewaltsam oder intrigant angestrebt; auch geht diese Karriere nicht auf Kosten anderer. Im Gegenteil: Er will seine Beförderung nicht allein genießen, sondern »alle zu sich ziehen«. Das ist kein Satz für den »innerkirchlichen Dienstgebrauch«. Das Wort »alle« enthält vielmehr den Auftrag zur Mission, die alles andere als religiöser Hausfriedensbruch ist. Denn hier soll niemand besiegt, aber alle gewonnen werden.
Johannes Berthold
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