Schritte zum Glauben
15. Januar 2010 von Redaktion DER SONNTAG
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Immer weniger Jugendliche lassen sich konfirmieren. Ein Zukunftskongress in Dresden sucht nach neuen Wegen in der Konfirmandenarbeit.
Wie kam der Esel in die Weihnachtsgeschichte? »Schlagt mal bei Jesaja das erste Kapitel auf«, sagt Pfarrer Eckehard Möller. Um ihn herum beginnt ein Rascheln: 18 Achtklässler blättern in ihren Bibeln. In dicken Winterjacken stehen sie vor dem spätgotischen Altar der Höckendorfer Kirche mit ihrer Weihnachtsdarstellung. Über ihnen der Triumphbogen ist fast eintausend Jahre alt. Hier trifft die lange Geschichte des Glaubens auf ihre Zukunft. Die ist noch schüchtern und fremdelt ein wenig.
Die Konfirmanden aus dem osterzgebirgischen Höckendorf und fünf Nachbarorten treffen sich schon seit drei Jahren nicht mehr jede Woche, wie es traditionell üblich ist – sondern einmal im Monat drei Stunden an einem Sonnabendvormittag. »In den geburtenschwachen Jahrgängen hatten wir in unserer Gemeinde manchmal nur noch drei Konfirmanden«, sagt Pfarrer Möller. Also legten die beiden Kirchspiele Höckendorf und Pretzschendorf ihre Konfirmandenangebote zusammen.
»Jetzt können wir ganze Themen im Block behandeln«, sagt die Pretzschendorfer Pfarrerin Sabine Münch. »Doch zugleich nimmt die Verbindung der Konfirmanden zu ihrer Kirchgemeinde und zu mir als Pfarrerin rapide ab. Aber ich sage den Jugendlichen: Wenn ihr in Zukunft Kirche wollt, müsst ihr dort hingehen, wo Gemeinde stattfindet. Wie hier.«
So wie die Zahl der Kirchenmitglieder insgesamt, sinkt auch die Zahl der Konfirmanden in der sächsischen Landeskirche, nur schneller: von 8700 vor zehn Jahren auf 4100 im vorletzten Jahr. Licht und Schatten zeigt auch eine 2009 fertiggestellte Studie der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD): Sachsens Konfirmanden wollen viel wissen über Gott und die Bibel, sie wollen über ihren Glauben entscheiden können oder in ihm gestärkt werden – und das erleben sie auch in ihrem Unterricht. Doch zugleich sehen viele von ihnen kaum einen Bezug zu ihren eigenen Glaubensfragen. So bleiben sie nach ihrer Konfirmation oft der Kirche fern.
Die meisten Pfarrer wiederum geben in der Studie an, dass sie selbst nur hin und wieder mit ihrer eigenen Konfirmandenarbeit zufrieden sind.
Um daran etwas zu ändern, startete die sächsische Landeskirche vor anderthalb Jahren eine »Kampagne für den Konfirmandenunterricht« Sie mündet am 15. und 16. Januar in einen Zukunftskongress mit über 200 Pfarrern und Gemeindepädagogen in der Dresdner Dreikönigskirche.
»Der Pfarrer als Einzelkämpfer in Kleinstgruppen hat keine Zukunft«, sagt Gabriele Mendt, die Bildungsreferentin der Landeskirche. »Konfirmandenarbeit muss künftig stärker in regionaler Zusammenarbeit und im Team mit Gemeindepädagogen gemacht werden. Das entlastet die Pfarrer und erhöht die pädagogische Qualität.« Noch immer arbeiteten viele Pfarrer mit veralteten Methoden, stellt Gabriele Mendt fest. Deshalb soll als Ergebnis der Konfi-Kampagne ein Fortbildungspaket geschnürt werden.
Längst haben viele Kirchgemeinden in Sachsen damit begonnen, neue Wege auszuprobieren. Im Kirchspiel Geithain etwa verteilen sich die 50 Konfirmanden auf fünf verschiedene Junge Gemeinden. In der einen können sie Theater spielen, in einer anderen Fußball. »Wir müssen den Jugendlichen entgegenkommen und Anknüpfungspunkte bieten«, sagt Pfarrer Markus Helbig. »Wir integrieren sie in die Junge Gemeinde, damit es nach der Konfirmation nicht einen Bruch gibt.« Ein eigens erfundenes Kartenspiel mit Bibelversen setzt geistliche Themen. »Aber Wunder«, sagt Markus Helbig, »sollte man nicht erwarten.«
Oder vielleicht doch. Denn die EKD-Studie fand Überraschendes heraus: Nicht die Aussicht auf Feier und Geschenke lockt die meisten Jugendlichen in Sachsen zur Konfirmation, sondern der Wunsch nach dem Segen Gottes. Ihn zu erfahren – das ist der hohe Anspruch auch an den Konfirmandenunterricht.
Andreas Roth
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