Neuer Anlauf

20. August 2009 von Redaktion DER SONNTAG  
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Foto: Joakim Buchwald, sxc.hu

Foto: Joakim Buchwald, sxc.hu

Es ist still geworden um den Reformprozess des deutschen Protestantismus. Nach dem Paukenschlag zum Auftakt vor drei Jahren mit dem Positionspapier »Kirche der Freiheit – Perspektiven für die evangelische Kirche im 21. Jahrhundert« und der anschließenden Debatte über Anzahl und Größe von Landeskirchen hat sich die Aufregung schnell wieder gelegt.

Heute spricht kaum noch jemand über die Qualitätsstandards von kirchlichen Angeboten oder eine notwendige Strukturanpassung. Das soll jetzt wieder anders werden. Im September ist in Kassel die nächste Zukunftswerkstatt der EKD geplant.

Dass das Unternehmen jetzt Werkstatt heißt und nicht mehr Zukunftskongress wie noch in Wittenberg ist dabei bezeichnend. Offenbar hat die EKD manche Erwartung relativiert. Ein Grundübel des gesamten Prozesses ist es zweifellos gewesen, vor allem die ökonomische Effizienz im Blick zu haben. Mit diesem Ansatz geht das Papier nicht nur an der Wirklichkeit der Gemeinden vorbei, es hat auch viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter verprellt. Denn die Gestaltung von Kirche lässt sich eben nicht allein durch Organisationsmodelle aus der Wirtschaft bewerkstelligen.

Der in dem Papier geforderte Mentalitätswandel sei zwar richtig, konstatierte zuletzt selbst die hannoversche Landesbischöfin Margot Käßmann. Aber auch die Jünger Jesu seien keine »Elitetruppe« gewesen. Einem Sterbenden die Hand zu halten, lasse sich nicht effektiv gestalten. Es gehe vielmehr darum, Sehnsucht nach dem Glauben zu wecken.

Wie das bewerkstelligt werden kann, ist die eigentliche Frage. Erst wenn der Reformprozess das wieder in das Zentrum rückt, kann der neuerliche Anlauf gelingen. Ansonsten bleibt auch die Zukunftswerkstatt in Kassel eine Episode ohne Folgen.

Martin Hanusch