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Kein Twitter-Gebell

Tomas Gärtner
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Walter Scheel war einer der ersten Bundespräsidenten, die als Redner Anerkennung fanden. Richard von Weizsäcker sprach neu über den 8. Mai als »Tag der Befreiung«. Roman Herzog forderte einen »Ruck« durch Deutschland. Als »Bürgerpräsidenten«, wie Gustav Heinemann sie bezeichnete, sollten die Inhaber dieses Amtes anerkannte Redner sein, schon ihres begrenzten politischen Einflusses wegen. Nicht erst seit Johannes Rau besitzt das Amt eine pastorale Note. Als ehemaliger Pfarrer schien Joachim Gauck diese Tatsache besonders zu bestätigen.

Natürlich ist das Bellevue keine Kirche. Und dass der SPD-Politiker Frank-Walter Steinmeier, der neue, zwölfte Bundespräsident, evangelisch-reformierter Christ ist, dürfte keine vordergründige Rolle spielen. Als Moralprediger fände er wohl kaum breite Anerkennung. Gleichwohl steht er für Werte menschlichen Umgangs, die in jüdisch-christlichen Auffassungen vom Menschen wurzeln. Diese Werte sind der Stoff, aus dem das einigende Band gewebt ist, das der Bundespräsident um die Nation schlingen muss. Ihm obliegt es, an den demokratischen Grundkonsens zu erinnern – über parteipolitische Differenzen hinweg.

Überzogene Erwartungen an Steinmeier sind fehl am Platz. Eines indes darf man schon erwarten: dass er die Bundesbürger für Prinzipien der Vernunft zu begeistern versteht. Gerade in einer Zeit, wo in der politischen Auseinandersetzung Gefühligkeit in allen Lagern schlüssige Argumente zu ersetzen droht, wutverzerrt-hysterisches Netz-Gekreisch die Debattenkultur verdrängt hat. Und ein bisschen Kultur der Rede darf sich Steinmeier von guten Predigern durchaus ablauschen. Damit das Twitter-­Gebell aus dem Weißen Haus nicht zur herrschenden Tonlage wird.

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