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Streitet wie Luther

Andreas Roth
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Die sollen mal aufhören zu streiten, sagt der Bürger über den Politiker. Wir sollten geschwisterlich miteinander umgehen, sagt der Kirchen-Chef zu seinem Kritiker. Nestbeschmutzer, sagen Fußball- und sonstige Funktionäre, wenn mal wieder einer etwas Unangenehmes öffentlich ausgesprochen hat.

Der Streit nämlich hat einen schlechten Ruf. Ist ja auch kein Wunder, er sorgt doch oft genug für schlechte Laune. Nicht selten stellt er Macht infrage und das finden Mächtige nicht so gut. Und manchmal verletzt er auch wirklich.

Streit scheint heute sogar so unmodern wie selten zuvor: Die Bundeskanzlerin moderiert lieber jeglichen Konflikt genauso gern klein wie heutige Eltern Meinungsverschiedenheiten mit ihren Kindern. Zank ist nicht Zeitgeist. Zeitgeist ist: Konsens, und im Übrigen locker bleiben.

Das Dumme ist: Es funktioniert nicht. Deshalb entstand die AfD. Deshalb ziehen sich Kinder still und leise aus ihren auf Glanz polierten Familien zurück. Deshalb rumpelt es in Kirche und Diakonie am Ende eben doch, auch in Sachsen.

Denn ohne Streit geht es nicht. Zumindest so lange, wie Menschen verschieden und fehlbar sind und viele Dinge ganz verschieden aussehen je nach Perspektive, aus der man auf sie blickt. So lange das so ist, baut der faire Streit Brücken. Weil er Gegensätze deutlich macht und so zur Ehrlichkeit verhilft und zur Klarheit. Weil nur auf diesem Fundament wirklich tragfähig etwas Verbindendes gebaut werden kann.

Martin Luther hat all das gewusst. Er kannte die Menschen und erhoffte die Harmonie der Erlösung nur von Gott. Deshalb stritt er, so lange er lebte.

Heute feiern wir ihn dafür. Er kann ja unseren geschwisterlichen Konsens nicht mehr stören.

Quelle
DER SONNTAG, Nr. 43 | 29.10.2017 Artikel drucken Artikel im ePaper anzeigen

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