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Der Weg durch die Tiefen führt zum Leben

Der Menschensohn muss erhöht werden, damit alle, die an ihn glauben, das ewige Leben haben. Johannes 3, Vers 14–15
Philipp Pohle
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Philipp Pohle ist Pfarrer der Kirchgemeinde Clausnitz-Cämmerswalde-Rechenberg. © Foto: privat

Der Gottesdienst ist vorbei. Tulpen werden verteilt. Die Gesichter hellen sich auf. Draußen liegt noch Schnee. »Schnell nach Hause damit, sonst erfrieren sie«, sagt jemand.

Die Blumen, sie sollen möglichst lange bleiben. Gerade jetzt, nachdem der Winter sich noch einmal ausgetobt hat. Farben, Sonne, Erwachen, Leben. Es ist hoffentlich bald überall zu bewundern und zu bestaunen. Der Duft von Frühling, von warmer Erde und unsichtbarem Blütenstaub. Das könnte ewig so bleiben! Ewig, solches Leben.

Es ist ein gewagtes Versprechen, das Jesus da abgibt. Mitten in der Nacht. Draußen ist es kalt. Sein Gesprächspartner ist voller Fragen und Zweifel. Neues, ewiges Leben? Wie soll das gehen?

Nicht nur Bekanntes noch etwas hinauszuzögern. Auch nicht immer wieder auf und ab: Höhen und Tiefen, Aufblühen und Sterben. Nein, ewig leben im besten Sinn: erfrischend wie Frühling und vor allem gern.

Jesus weiß in der Nacht: seine Worte sind nicht einfach so dahin gesagt. Er, der Menschensohn, muss erhöht werden. Es wird Jesu Weg sein, hoch auf den Hügel Golgatha und hoch an das Kreuz.

Es ist auch ein Weg in die Tiefe von Angst, Trauer, Leiden und Tod. Jetzt, in der Karwoche, betrachten und bedenken wir seine Schritte, die er geht. Dabei ist er ganz bei denen von uns, die in ihre Abgründe sehen. Wir folgen seinem Weg. Und er geht uns voraus. Ostern, dann wartet er auf uns, gestorben und auferstanden. Der Weg da hoch an das Kreuz und da hinunter in die Tiefen, es ist auch ein Weg zum Leben. Der Erhöhte weiß, wovon er spricht. In der Nacht, mitten im Leben.

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1 Lesermeinungen zu Der Weg durch die Tiefen führt zum Leben
Matthias Schollmeyer schreibt:
22. März 2018, 12:02

Und Nikodemus kam. Nicht zu erproben,
wie alle anderen der Pharisäer,
naht er zu Jesus sich - um ihn zu loben!

Er klopfte an. Nacht war es und die Späher
bemerkten nichts. Denn es war späte Stunde,
wo alle schlafen, ferne und auch näher.

Längst hörte man von ihm in Jesu Runde
auch, dass sein Name Nikodemus ist.
Und was er hofft: Dass Israel gesunde …

„Ich weiß, dass du Gesandter Gottes bist.
Sonst könntest du nicht solche Wunder tuen,
von denen alle Welt begeistert spricht.“

Und Jesus, aufgeweckt, aus sanftem Ruhen,
gähnt - und bemerkt aus Höflichkeit:
„Nur Neugeborene in Barfußschuhen

begreifen Gottes Reich in Ewigkeit.“
Darauf der Pharisäer mit Erstaunen:
„Wer darf zurück denn in den Mutterleib?“

Die Jünger schlüpfen wieder unter Daunen,
nachts stören solche Fragen wie Posaunen …

„Die Neugeburt aus Wasser und aus Feuer,
die meine ich!“ entgegnet Jesus Christ.
„Dem Fleische ist das wahrlich nicht geheuer,

denn wer nicht aus des Geistes Wirken ist,
kann auch des Geistes Wirken kaum verstehen.
Der Wind bläst wo er will zu jeder Frist,

du hörst das Sausen wohl, und spürst sein Gehen.
Doch nie, woher er kommt, wohin er schweift.
Sein Wehen ist, begreif es, jenes Wehen,

das deiner Welt zur Neugeburt gereicht.
Doch Nikodemus fragt den Meister wieder,
und Jesus ihm: „Mein Freund, es ist ganz leicht:

- wie liegt jedoch die Wissenschaft danieder -
musst du nicht selber lehren wundervoll?
Die Schöpfungsdinge, schau, sie zeigen bieder,

dass euch mein Name treu begleiten soll.
Weil einst die Schlange man aus Erz aufstellte,
gilt, dass erneut zum Hügel ich sie roll.

Vom Kreuz aus oben schaue ich, vergelte
als Lösegeld die Not am Himmelszelte.

Quelle
DER SONNTAG, Nr. 12 | 25.3.2018 Artikel drucken Artikel im ePaper anzeigen

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