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Eine Spur des Todes

Graphic Novel: Tschechien ist Gastland der Leipziger Buchmesse. Pünktlich zur Messe erscheint das Graphic Novel »Tschechenkrieg«, über ein wenig bekanntes Kapitel der tschechischen Geschichte.
Von Silke Horstkotte
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Düstere, lakonische Bilder: Graphic Novel »Tschechenkrieg« . Foto: Verlag Voland & Quist

Seit ihrer Entstehung in den 1980er Jahren erzählen Graphic Novels, die romanhaften jüngeren Schwestern des Comics, historische Ereignisse häufig aus ungewöhnlichen oder bisher unbekannten Perspektiven. Mittlerweile ist die »Graphic Historiography« ein eigenes Comic-Genre mit zahlreichen Comic-Romanen über den Ersten Weltkrieg, die Chinesische Revolution oder den Völkermord in Ruanda.

Mit »Tschechenkrieg« von Jan Novák und Jaromír 99 (Jaromír Švejdík) liegt nun der zweite tschechische Beitrag zur Graphic Historiography vor – mit dem Schriftsteller Jaroslav Rudiš hat der Künstler Jaromír 99 bereits das Graphic Novel »Alois Nebel« veröffentlicht.

Prag 1951: Die Brüder Radek und Pepík Mašín gehören zu einer antikommunistischen Widerstandsgruppe, die Waffen hortet und sich auf den bevorstehenden Dritten Weltkrieg vorbereitet. Vor zehn Jahren war ihr Vater, Josef Mašín, berühmter Widerstandskämpfer gegen die NS-Okkupation, von der Gestapo verhaftet, gefoltert und hingerichtet worden. Die Brüder Mašín sehen sich als Erben und Nachfolger dieser Gruppe. Aber sie fliegen auf. Pepík wird von der tschechischen Staatssicherheit brutal verhört, und Radek wandert für anderthalb Jahre als Strafarbeiter in den Uranbergbau. Nach Stalins Tod kommt er durch eine Generalamnestie wieder frei. Nun beschließt die Gruppe, quer durch die DDR nach West-Berlin zu flüchten und sich der US Army anzuschließen. Bei ihrer spektakulären Flucht hinterlassen sie eine Spur des Todes und lösen die größte Fahndungsaktion in der Geschichte der DDR-Volkspolizei aus, Codename: »Tschechenkrieg«. Zahlreiche Volkspolizisten sterben im Kugelhagel, aber Radek und Pepík gelingt es immer wieder, aus scheinbar aussichtslosen Situationen auszubrechen und schließlich West-Berlin zu erreichen.

Das Graphic Novel erzählt dieses wenig bekannte Kapitel des Kalten Kriegs in düsteren, lakonischen Bildern, die ganz in Grautönen gehalten sind und aus denen nur die terrakotta-roten Gestalten der Verschwörer herausstechen. Die Brutalität der Schießereien wird dabei weder verherrlicht noch verharmlost – allerdings auch nicht kritisch beleuchtet. Im Gegenteil: die ganzseitigen Gefechts-Szenen im letzten Teil bilden den ästhetischen Höhepunkt des Buchs. Zeichnerisch ist »Tschechenkrieg« großartig gelungen, aber eine explizite Distanzierung von Gewalt erfolgt nicht.

Ebenso erfahren wir über die Gedanken und Motive der Figuren wenig. Die detailarmen, flächigen Figurendarstellungen und die knappen Dialoge verraten kaum je etwas über das Innenleben der Brüder Mašín. Waren sie Widerstandskämpfer oder Verbrecher?

Es bleibt den Leserinnen und Lesern überlassen, die ineinander verschachtelten Erzählungen über Vater und Söhne Mašín auf ihre Geschichtsbilder zu befragen und auf die eigene Gegenwart zu beziehen.

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