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Komm, Heiliger Geist

Pfingsten: Der Heilige Geist ist schwer vorstellbar – aber durchaus erfahrbar. Als innere Kraft, als Gemeinschaftsgeist oder als Tröster. Wir brauchen ihn – zum Segen für alle Welt.
Von Landesbischof Carsten Rentzing
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© Pio Si

Irgendetwas war schiefgelaufen. Voller Stolz zeigten mir die Erstklässler ihre Bilder, die sie gemalt hatten, nachdem ich ihnen als junger Vikar etwas über Pfingsten erzählt hatte. Einige der Bilder zeigten ein weiß gewandetes Gespenst. Oh nein! Der Heilige Geist ist kein heiliges Gespenst. Die Lehre meiner Unerfahrenheit und Unbeholfenheit saß tief. Was macht es uns so schwer, auf eine Art und Weise über den Heiligen Geist zu sprechen, dass wir als Christen verstanden werden?

Über den himmlischen Vater stehen uns klare Bilder zur Verfügung. Freilich mag man auch hier darüber reden, ob diese immer treffen. Die Konturen des Gottessohnes sind deutlich und stehen uns durch ihre menschlichen Züge besonders nahe. Beim Heiligen Geist aber fällt uns oft nicht viel mehr ein als eine Taube. Diese Taube ist zwar durchaus passend, aber sie benötigt biblisches Hintergrundwissen, um richtig eingeordnet und verstanden zu werden.

Der Heilige Geist macht es uns nicht eben leicht, über ihn zu reden. Wenn man über ihn spricht, dann landet man schnell bei seinen Wirkungen. Und diese wiederum erfährt man am Be­sten in seinem eigenen Leben.

Meine erste Erfahrung mit ihm liegt lange zurück. Eigentlich beginnt die Geschichte in der Kindheit, als mir eine Grundschullehrerin erklärte, ich solle nicht mein wahres Alter verraten, da sie nicht genügend Geld beim Klassenausflug dabei hatte, um Fahrkarten zu kaufen. Sie sprach von einer »Notlüge«. Von da an hatte sich dieses Wort in mein Bewusstsein eingebrannt und verhalf mir zu einem reinen Gewissen bei einigen »Notlügen« der kommenden Jahre. Bis zu jenem Tag, an dem ich zum ersten Mal in meinem Leben die Worte aus dem Johannesevangelium las: »Wenn aber jener kommt, der Geist der Wahrheit, wird er euch in aller Wahrheit leiten« (Johannes 16,13). Den Schrecken, der mir damals in die Glieder fuhr, habe ich noch heute in Erinnerung. Und mir wurde damals deutlich, was Martin Luther meinte, als er sagte, dass der Heilige Geist uns durch die Worte der Heiligen Schrift direkt anspricht und von diesen Worten gar nicht zu trennen sei.

Eine zweite Erfahrung mit dem Heiligen Geist war mir einige Zeit später vergönnt. Gerne verbrachte ich meine Freizeit mit Sport. Die Menschen, mit denen ich dabei zusammen war, hatten keinen Bezug zum christlichen Glauben. Sie machten ihre Witze über Christus und die Kirche. Und ich schwieg und gab mich nicht zu erkennen. Als es mit den Witzeleien eines Tages wieder einmal losging, betete ich innerlich und spürte wie es aus mir mit unbändiger Kraft herausdrängte. Ich gab mich als Gläubiger zu erkennen und hielt dagegen. Ganz unerwartet war die Reaktion darauf. Ein langes Gespräch schloss sich an. Einige Zeit später wurde ich sogar gefragt, ob ich einen bevorstehenden Wettkampf nicht mit einer kleinen Andacht beginnen könnte. »Ihr werdet die Kraft des Heiligen Geistes empfangen … und meine Zeugen sein« (Apostelgeschichte 1,8).

Die dritte Erfahrung, die ich mit dem Heiligen Geist mache, verstärkt sich in den letzten Jahren für mich eindrücklich. Bei meinen Auslandsreisen treffe ich vermehrt Glaubensgeschwi­ster aus ganz fremden Welten und Kulturen. Sehr vieles scheint uns zu trennen. Im gemeinsamen Glauben an Christus aber wird eine Gemeinschaft spürbar, eine tiefe Verbundenheit, die uns trotzdem zu einer großen Familie zusammenschließt durch einen gemeinsamen Geist, den wir teilen. »Ein Leib und ein Geist« (Epheser 4,4).

Das alles ist der Heilige Geist: Ermahnender Gegenwind, stärkender Rückenwind und verbindender Gemeinschaftsgeist. Und in all dem der mütterliche Tröster, der seine Glaubenskinder nicht im Stich lässt. So möchte man in diesen Tagen einstimmen in den alten Ruf: Komm, Heiliger Geist. Zum Segen für uns und für alle Welt.

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