500 Jahre nach Luther: Debatte über Gewissensfreiheit heute

(epd)
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500 Jahre nach seinem Zwischenstopp in Erfurt ist am Mittwoch im Augustinerkloster der Thüringer Landeshauptstadt an den Auftritt Martin Luthers (1483–1546) auf dem Reichstag in Worms am 18. April 1521 erinnert worden. Der frühere Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) und der Vizepräsident des Kirchenamtes der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Thies Gundlach, würdigten die Weigerung des Reformators zum Widerruf seiner Lehren. Auch wenn die Worte "Hier stehe ich. Ich kann nicht anders" wahrscheinlich so nicht gefallen seien, habe Luther mit Verweis auf sein Gewissen als Einzelner den Autoritäten seiner Zeit getrotzt. Unter dem Motto "Hier stehe ich. Mir ist ganz anders" zogen Lammert, der heute Vorsitzender der CDU-nahen Konrad-Adenauer-Stiftung ist, und der Theologe Gundlach bei ihrem "Augustinergespräch" Parallelen zu Geisteshaltungen und Gewissenentscheidungen in der heutigen Zeit.

Lammert hob hervor, dass letztlich jeder und jede Abgeordnete für sein und ihr Abstimmungsverhalten selbst verantwortlich sei. Es sei Verfassungsnorm und -realität, dass er sich frei entscheiden könne. Allerdings müsse er aber auch - anders als bei Entscheidungen als ein Privatmensch – als gewählter Repräsentant dafür Rechenschaft ablegen. Gundlach warnte vor einer ritualisierten Gewissensfreiheit. Oft würden Konflikte vermieden, um dem Gegenüber ein "gutes Gewissen" zu ermöglichen. Er sehe gerade unter den Bedingungen der Pandemie die Gefahr einer Zersplitterung der Gesellschaft. Zu viele "mittelkleine Luthers" würden – das gelte auch für die Kirche – mit Verweis auf ihr Gewissen – Entwicklungen oder Verständigungen verhindern, sagte der Theologe. Von den Erfurter Protestanten wird der dreitägige Aufenthalt und die Predigt Luthers am 7. April 1521 als die Geburtsstunde ihrer Kirche angesehen.

Eine Projekt- und Veranstaltungsreihe "500 Jahre Evangelisch in Erfurt", für die das "Augustinergespräch" mit Lammert und Gundlach den Auftakt bildete, soll in den kommenden zehn Jahren an die historischen Höhepunkte der Reformation in der heutigen Thüringer Landeshauptstadt erinnern.

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