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Amnesty-Experte in Leipzig: Kleiderkauf überdenken

Erinnerung an Fabrikeinsturz in Bangladesch 2013
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Buntes Kleid
© Dieter V/pixelio.de

Bernhard Hertlein von Amnesty International sieht beim Kleiderkauf auch die Verbraucher in der Pflicht. »Ich meine, dass es etwas bringt, beim Verkäufer nachzufragen, woher die Ware kommt und wie sie produziert wurde«, sagte der Sprecher der Amnesty-Ländergruppe Bangladesch am Donnerstagabend in Leipzig. Der Verkäufer werde das in der Regel nicht wissen, betonte Hertlein. »Aber wenn er zum zweiten oder dritten Mal gefragt wird, wird er sicher irgendwann seinen Chef fragen.« Bangladesch ist laut Hertlein nach China der zweitgrößte Textilienproduzent der Welt.

Hertlein riet dazu, nicht zu den billigsten Waren zu greifen. Er halte es für unwahrscheinlicher, dass auch bei teureren Markenherstellern Missbrauch betrieben werde, betonte er. Große Textilunternehmen gäben häufig viel Geld für Werbung aus. »Wenn bekannt wird, dass sie unter katastrophalen Bedingungen produzieren, wäre da ziemlich viel Geld futsch. Und damit auch der Name«, sagte Hertlein.

Zugleich warb der Journalist und ehrenamtliche Menschenrechtsaktivist für höhere Löhne in den Produktionsländern. Ein T-Shirt, das Bangladesch verlasse, sei zu diesem Zeitpunkt zwei bis drei Euro wert, betonte Hertlein. Eine Näherin in Bangladesch erhalte davon einen bis 1,5 Cent. Selbst wenn dieser Betrag auf 10 Cent erhöht würde, mache das in Deutschland niemanden arm, »auch nicht jemanden, der Hartz IV empfängt«, sagte Hertlein. Indes könnte so der Lohn einer Arbeiterin in dem Land mit 165 Millionen Einwohnern um das sieben- bis zehnfache gesteigert werden.

Hertleins Vortrag bildete den Auftakt zur sogenannten Leipziger Fashion Revolution Week. Dabei finden noch bis 29. April diverse Veranstaltungen zum Thema faire und nachhaltige Mode statt. Anlass für die Aktionswoche ist der Einsturz des Fabrikhochhauses Rana Plaza in Bangladesch am 24. April 2013. Dabei waren mehr als 1.100 Textilarbeiter getötet und mehr als 2.000 verletzt worden. Die Produktion war trotz bekannter Baumängel fortgesetzt worden.

Infos: https://www.nachhaltiges-leipzig.de/aktivitaet/833-fashion-revolution-week/

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5 Lesermeinungen zu Amnesty-Experte in Leipzig: Kleiderkauf überdenken
Gert Flessing schreibt:
23. April 2017, 9:23

Qualität hat ihren Preis.
Das ist nicht neu.
Das gilt für Lebensmittel und das gilt für Kleidung und das gilt für andere Produkte.
Wer meint, immer "modisch" sein zu müssen, der wird eher sehen, ob er was im Niedrigpreissegment bekommt.
Männer haben es da ein wenig leichter. Da wechselt die Mode nicht so sehr.
Aber auch da kann man ruhig mal nachfragen, wo die Materialien her kommen und wo das, was man sich auf den Körper ziehen möchte, gefertigt wurde.
Manche Anbieter werben schon heute damit, das es einheimische Produkte sind.
Freilich fällt mir das bisher bei britischen Katalogen eher auf, als bei Deutschen.
Da ist hier wohl noch einiges machbar.
Gert Flessing

Beobachter schreibt:
24. April 2017, 12:46

Interessant, daß immer Leute, denen es gut geht, die Hartz IV lereinschätzen können!B

Britta schreibt:
25. April 2017, 10:01

Amnesty international?! Das sind doch die, die sich auch für Abtreibung einsetzen. Man sollte untersuchen, auf welche Weise maßgebliche Geldgeber dieser NGO zu ihrem Vermögen kamen: spekulative Wetten gegen Lira und Pfund - niemand erwähnt jene, die dadurch ins Verderben gestürzt wurden!
Es ist richtig, daß Menschen faire, ihrer Lebensumgebung angepasste Löhne erhalten. Aber würde man die Waren schlagartig boykottieren - es wurden tausende Familien, die von den geringen Einkünften der Textilindustrie leben, knallhart verhungern. Die Geschichte kennt solche Beispiele, z.B. als die synthetische Herstellung des Indigo gelang und schlagartig alle indischen Arbeiter der Kolonialmacht England arbeitslos wurden und mit ihren Familien verhungerten.
Dennoch, ich finde Trumps Bestreben, Schlüsselindustrien wieder im eigenen Land anzusiedeln, nicht verkehrt. Gerade in einer Region, die bis zur Wende groß in der Textilindustrie war, hat man gesehen, wie schmerzhaft der Weiterzug von Industrien in andere Gebiete ist. Das nennt man Globalisierung und den Nutzen haben nicht die arbeitenden Menschen! Denen wird aber suggeriert, daß sie die Profiteure davon wären, indem es T-Shirts für 2 Euro gibt. Dabei könnten sie sich locker T-Shirts für 20 Euro leisten, wenn ihre eigene Arbeit angemessen bezahlt und nicht mit horrenden Abgaben belegt würde. Aber solange sie sich selbst als Profiteure der Globalisierung sehen, weil sie die billigen Waren bekommen (und nicht als Opfer, weil ihre eigene Arbeit verramscht wird), kümmern sie sich nicht um die Finanziers der NGOs, die angeblich gegen diese Globalisierungsfolgen kämpfen. In Wirklichkeit halte ich das für Profitmaximierung auf Kosten gutgläubiger, wohlmeinder Menschen. Denn die wahren Profiteure der Globalisierung sind gerade die Finanziers der NGOs wie Amnesty international - wer das für Verschwörungstheorie hält, den lade ich gern zur Recherche ein! Zusätzliche 10 ct pro T-Shirt wären zwar für die Näherin gut, aber werden nie bei ihr ankommen.

Beobachter schreibt:
25. April 2017, 12:52

Amnesty international bekommt schon lange Kein Geld mir (auch keine "Kollekte" im Gottesdienst!) von mir, seit dem ich erfahren habe, was für ein linker (auch im wörtlichen Sinne) Verein das ist.
Wer meint, er müsse mehr Geld für irgendetwas bezahlen, weil er glaubt, was ihm vrogegaukelt wird, soll es gerne tun. Die Hintermänner (Konzerne) wird es freuen. Der einfache Arbeiter bekommt keinen Cent deshalb mehr. Wer "Fair2 gehandelte Ware kaufen möchte, bekommt die, jeder Händler erhöht gerne die Preise. Eine andere Verpackung oder jededes Siegel ist einfach (gegen Geld!) zu bekommen. Das ist so bei Grabsteien aus kinderabeitfreien Steinbrüchen, bei freilaufenden Eiern, beim "fairem" Cafe,...! WEnn wir die in bitterster Armut produzierten Waren boykotieren, fällt auch die letzte Einahmequelle ganz weg. Das mag bitter, ungerecht unfair usw. sein, ist aber (leider) die Wahrheit. Mit diesem, aus unserer (europäischen) Sicht-und Handlungsweise ist neimandem geholfen, auch keinem Hartzler oder noch Bedürftigerem bei uns, höchsten den Konzernen!

Tommy schreibt:
02. Mai 2017, 20:14

Ja, das ist alles gut und schön. Es gibt in Deutschland kaum noch größere Näherreien, die Bundeswehr erhält ihre Uniformen aus China, sie werden geliefert, im Bekleidungsstützpunkt geprüft, bei Schäden - selbst bei einem fehlenden Knopf - wieder eingepackt, mit Mängelschein versehen und zum Hersteller zurückgeschickt! Die Polizei erhält ihre Uniformen aus der Ukraine - gleiches Prozedere!
Ja, wenn der Lohn der Näherin auf 10 Cent erhöht würde..., würde sicherlich fast jeder gerne geben, doch wir sehen bei den Milchbauern und Molkereien wie die Preispolitik gehandhabt wird...
Tommy

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