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Aufarbeitung von sexuellem Kindesmissbrauch in der DDR gefordert

Kommission präsentiert Fallstudie
epd
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© SuBea/pixelio.de

»Wir hatten alles außer Liebe« – mit diesen Worten beschreibt ein Missbrauchsopfer, in welchem sozialen Klima sexuelle Gewalt an Kindern in der DDR gedeihen konnte. Anke B. ist eine von rund 100 Betroffenen, deren erlittenes Unrecht nun erstmals für eine Fallstudie der Unabhängigen Kommission zur Aufarbeitung sexuellen Kindesmissbrauchs ausgewertet wurde, die am Mittwoch in Berlin vorgestellt wurde. Sexueller Kindesmissbrauch in Familien und in Institutionen der DDR galt jahrzehntelang als Tabuthema.

Bei fast allen Betroffenen bestehe noch heute Therapiebedarf, um die Missbrauchserfahrungen zu verarbeiten. Zu diesem Ergebnis kommt die Studie »Sexueller Kindesmissbrauch in Institutionen und Familien in der DDR« der Kommission. Ausgewertet werden darin die Erfahrungsberichte aus 75 Anhörungen sowie 27 Berichte von Opfern, die in der DDR als Kinder oder Jugendliche sexueller Gewalt ausgesetzt waren. Zudem werden die ausgeführten Fälle in den historischen Kontext eingeordnet. »Dabei stand das sozialistisch geprägte Menschen- und Familienbild der DDR ebenso im Mittelpunkt wie die Frage der Lebensführung vor und nach der Wiedervereinigung«, betonten die Studienautoren.

Insgesamt liegen der 2015 vom Bundestag beschlossenen Kommission bislang 110 Anhörungen und 34 schriftliche Berichte von Betroffenen vor. Verlässliche Anhaltspunkte zur Gesamtgröße der Opfergruppe gebe es jedoch nicht, betonte die Mitautorin der Studie und Professorin der Westsächsische Hochschule Zwickau, Beate Mitzscherlich. Es bestehe weiter Forschungsbedarf. Insbesondere sollte die Rolle von DDR-Institutionen unter anderem anhand von Stasi-Unterlagen systemisch aufgearbeitet werden.

»Das Thema sexueller Kindesmissbrauch war in der DDR weit mehr und länger tabuisiert als in den alten Bundesländern«, heißt es in der Studie weiter. So sei weder privat noch öffentlich über sexuelle Gewalt in der Familie oder in DDR-Einrichtungen wie Heimen oder Jugendwerkhöfen gesprochen worden. Ähnlich wie in der alten Bundesrepublik habe es sexuellen Missbrauch an Kindern und Jugendlichen in der DDR in allen Schichten gegeben. Allerdings gebe es Besonderheiten, die mit den politischen Hintergründen des Machtsystems zu tun haben und bei der Aufarbeitung berücksichtigt werden müssen, so die Studienautoren.

Zahlreiche Betroffene seien traumatisiert und würden noch heute an körperlichen, sozialen, psychischen und materiellen Folgen leiden, sagte die Sozialpädagogin an der Technischen Universität Dresden, Cornelia Wustmann. So habe die Mehrheit der Angehörten von Suizidversuchen oder Suizidgedanken berichtet.

Die Unabhängige Kommission zur Aufarbeitung sexuellen Kindesmissbrauchs hat sich deshalb für langfristige Hilfen für Betroffene aus der ehemaligen DDR ausgesprochen. Nötig seien unter anderem Selbsthilfe- und Therapieangebote sowie Beratungsmöglichkeiten, sagte die frühere Bundesfamilienministerin Christine Bergmann (SPD), die Mitglied der Kommission ist.

Auch eine finanzielle Unterstützung der Opfer müsse angedacht werden, da die Wenigsten Leistungen aus dem Opferentschädigungsgesetz erhalten würden. »Das Schweigen wirkte lange nach und hält bis heute an«, sagte Bergmann. Mit der Fallstudie sollten auch andere Betroffene ermutigt werden »das Schweigetabu aufzubrechen«, so Bergmann.

Information:
Das anonyme und kostenfreie Infotelefon Aufarbeitung ist erreichbar unter: 0800 4030040

Internet:
www.aufarbeitungskommission.de

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VERÖFFENTLICHT AM 06.03.2019 Artikel drucken
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