Ausstellung: Fremdenfeindlichkeit in der DDR

so
  • Artikel empfehlen:
© Quelle der Fotos: Andreas-Peter Pausch/Archiv Bürgerbewegung Leipzig e.V.

Eine neue Ausstellung widmet sich dem Thema »Verordnete Solidarität«. Darauf macht Lutz Rathenow, Sächsischer Landesbeauftragter zur Aufarbeitung der SED-Diktatur, aufmerksam. Die Ausstellung, die 15 Plakate umfasst, mache historische Ursachen von Fremdenangst, Fremdenfeindlichkeit, Rassismus und Antisemitismus in Ostdeutschland, die bis heute nachwirken, deutlich.

»Bei dem Thema zeigt sich wie aktuell Geschichtskenntnisse für die Gegenwart sein können. Die heutige Fremdenfeindlichkeit hat viele Ursachen, eine führt in die DDR-Zeit zurück«, so Rathenow. Erst durch Genauigkeit im Detail und kreative Umsetzungsformen werde Geschichte so lebendig, dass sie Lust auf ein Einmischen in die Gegenwart wecke und dem an einer Demokratieverbitterung leidenden Patchworkpopulismus punktuell eine konstruktiv aktive Haltung entgegensetzen könne, so Rathenow.

In den Blick genommen wird die von oben verordnete internationale Solidarität und die verfehlte Asyl- und Ausländerpolitik in der DDR. Die SED erklärte im Umgang mit Ausländern den proletarischen Internationalismus, die Völkerfreundschaft und die antiimperialistische Solidarität zur Leitlinie. Doch entgegen der offiziellen Parolen waren enge Kontakte zwischen Ausländern und DDR-Bürgern nicht erwünscht.

Hinter der Fassade der Weltoffenheit hegten die SED und ihre Sicherheitsorgane Misstrauen gegenüber Fremden. So geriet die viel beschworene internationale Solidarität in die Kluft zwischen ideologischem Anspruch und Realpolitik.

Die Ausstellung ist seit 2. Februar beim Bundesbeauftragten für die Stasi-Unterlagen, in der Außenstelle Leipzig, Dittrichring 24, zu sehen.

Darüber hinaus kann sie beim Archiv Bürgerbewegung Leipzig e. V. gegen eine Schutzgebühr von 30 Euro bestellt werden.

Diskutieren Sie mit

4 Lesermeinungen zu Ausstellung: Fremdenfeindlichkeit in der DDR
Gert Flessing schreibt:
08. Februar 2017, 6:46

Ich versuche mich mal zu erinnern, welche Ausländer man landläufig in der DDR treffen konnte. Da war zunächst und unübersehbar, der "Russe" in all seinen Schattierungen. Den traf man, wenn man in der Nähe von Frankfurt/Oder lebte, und Bahn fuhr, regelmäßig. Er war Besatzer und als solcher nicht geliebt.
Da ich auf einen Dorf groß wurde, das, im Herbst, die Garnison von Küsterin mit Kartoffeln versorgte, die von den Soldaten durch Nachsammeln "erkämpft" werden mussten, konnte man auch die Kehrseite erleben und empfand Mitleid mit den "Muschiks".
Da waren Polen. Die erlebte ich im Dorf als Studenten der Landwirtschaft. Wir waren Jugendliche und da waren echt hübsche Mädchen dabei. Völkerverständigung war da nicht so schwer.
Dann, während des Studiums erlebte ich, in Berlin, Ägypter und damit die ersten Moslems. Das hat mich bewegt, mich näher mit dem Islam zu befassen. Fremdenhass? Ehr nicht. Es gab auch einige Schwarze, die studierten, wo auch immer sie her kamen. Dann die Weltfestspiele mit allem, was da lief.
Chilenen waren in Berlin. Folgen des dortigen Putsches. Unauffällige Leute.
Von den Vietnamesen, im Volksmund "Fidschis" genannt, hörte man, aber sie fielen damals so wenig auf, wie sie es heute tun und waren nicht unbeliebt. Sie waren stille, fleißige Menschen, das wussten wir.
In meiner zweiten Pfarrstelle lernte ich Mongolen kennen, junge Leute, die eine Landwirtschaftslehre machten. Die waren ein wenig agro. Da ging auch mal eine Kneipeneinrichtung zu Bruch.
Die meisten nickten dann und meinten "Djingis Kahn.".
Das sind so meine Erfahrungen mit Fremden in den Jahren, die ich in der DDR lebte. Wenige waren es nicht. Das man damals unbefangen auch, wenn jemand schwarzer Hautfarbe war, Neger sagte, hatte nichts mit Rassenhass zu tun. Es war eine andere Zeit und auch heute finde ich das nicht diskriminierend und wesentlich verständlicher, wie z.B. "andersfarbige Menschen".
Doch die Gesellschaft ist halt empfindlicher (nicht zu verwechseln mit empfindsamer) geworden und es ist nicht das Wort, das schlimm ist, sondern die Intention, in der es jemand verwendet.
Gert Flessing

Leserin schreibt:
09. Februar 2017, 13:04

Es ärgert mich, dass Ossis nachgesagt wird, sie hätten noch nie einen Ausländer gesehen und seien deshalb fremdenfeindlich. Als Student hatte man die Möglichkeit zu vielfältigen Kontakten, s.o. Aber auch hier wurde nie aufgearbeitet, was der sowjetische Kommilitone während seines Wehrdienstes in Afghanistan erlebt hatte oder der armenische im Kaukasuskrieg, während es in der Vorlesung ganz anders lautete. Anders dagegen Arbeiter/Lehrlinge. Die hatten mit von Bevölkerung und Frauen weitestgehend isolierten Männergruppen von Vertragsarbeitern zu tun, die schon mal aggressiv werden konnten und andere "Werbungsrituale" praktizierten. DSF-Freundschaftstreffen konnten auch mal darin bestehen, dass 17jährige Lehrlinge von alkoholisierten Soldaten/Bauarbeitern aggresiv angegraben wurden, wer wegging, bekam das angekreidet. Ganz schlimm das Totschweigen des durch einen sowj. Panzer verursachten Zugunglücks und die mangelnde Hilfe für Opfer und Helfer. Es gab ja in der DDR den Witz: Und Sie behaupten also, von einem sowj. Soldaten überfallen w orden zu sein? Ja, und ich kann ihnen 3 Leute nennen, die es gesehen haben. - Na und, ich kann ihnen 1 Millionen nennen, die es nicht gesehen haben. Und auch heute habe ich manchmal den Eindruck, dass trauern verboten ist.

manfred schreibt:
12. Februar 2017, 17:21

@Lesserin, die besonders aus der Richtung der alten Bundesländer kommende Aussage, dass die Ossis ausländerfeindlich wären, empfinde ICH als Unverschämtheit. Wir (die Ossis) hatten mit anderen Ausländern Kontakt und der war nicht immer nur positiv, weil auch die Regierung der DDR nicht wirklich dies wollte. Heute sollen wir Ausländerfeindlich sein, aber nur zu bestimmten Menschen (Syrer, Afghanen, Afrikanern, etc.).
Jeder Ossi hatte „irgendwie“ mit Russen (in der Stadt Dresden gab es weniger Kontakt, weil die Russen in den Kasernen waren). Die Vietnamesen wollten unter sich bleiben. Dann gab es eine Zeit in Dresden da waren Kubaner und Ungarn da.
Mit den Kubanern kamen nur wenige zurecht, weil sie sehr aggressiv waren.
Am besten kamen und kommen wir mit unseren unmittelbaren Nachbarn zurecht, obwohl es da auch Ausnahmen gibt (wie auch bei den schon länger hier lebenden Menschen, Deutsche soll man wohl nicht mehr sagen). Nein, heute wird alles auf die Goldwaage gelegt. Wer zurzeit etwas gegen einen Ausländer sagt, ist ganz, ganz schnell ein Nazi. Mit einer solchen verwerflichen Ideologie wird wohl die Deutsche Gesellschaft auseinanderfallen. Zuerst wird wohl die EU auseinanderfallen, weil die kleinen Länder nicht ernst genommen werden. Ich habe mir den Murks mit den 3 Busen auf dem Neumarkt angeschaut und vielen Gesprächen von Älteren zugehört. Durchgängig war zu hören, dass man lieber nichts mehr sagt, weil man gleich in die rechte Ecke gestellt wird. Diese Erfahrung mache ich auch. Die DDR lässt grüßen (wer nicht für uns ist, ist gegen uns).
Wir gehen wie immer am 13. Februar in die Kirche. Dort ist der richtige Ort, um in Ruhe an diese Opfer zu gedenken. Ich muss mich nicht in eine staatlich verordnete Menschenkette einreihen!

Tobias Leipold schreibt:
31. Juli 2017, 20:18

Ausländer in der DDR, jedenfalls Syrer von der "befreundeten" Baath-Partei oder Chilenen oder Schwarzafrikaner wurden vom DDR-Bürger oft beneidet. Nicht, weil der doofe Ossi abwegige Empfindungen hatte. Sondern weil diese Menschen tatsächlich zu beneiden waren:

Sie durften raus aus dem Land.

Gerade den so genannten "DDR-Bürgerrechtlern" fällt es schwer, das zu reflektieren. So genannte "DDR-Bürgerrechtler" reflektieren grundsätzlich, warum sie sich 28 Jahre widerspruchslos hinter einem Stacheldraht haben einsperren lassen. Vielmehr verkünden sie gebetsmühlenhaft, dass es ihr Mut und ihre Durchhaltekraft und ihr "Wir bleiben hier" gewesen sei, mit dem sie sich jede Kritik an Mauer, Stacheldraht und Schießbefehl selbst verboten hatten.

Neue Stellenanzeigen

Cover FamilienSonntag 3-2022

Folgen Sie dem Sonntag:

Aktuelle Veranstaltungen
  • , – Marienberg
  • Konzert
  • St. Marienkirche
  • , – Dresden
  • Musik zum Ersten Advent
  • Versöhnungskirche Striesen
  • , – Leipzig
  • Lichterfest vor der Kirche
  • Apostelkirche Großzschocher
Audio-Podcast

Der Twitter-Sonntagticker
Sonntag Sachsen @sonntagticker
Zur Eröffnung des Dresdner #Striezelmarktes wurde am Mittwoch in der #Kreuzkirche ein ökumenischer Gottesdienst gef… https://t.co/nPpggPns34
gestern
Sonntag Sachsen @sonntagticker
Wie sieht #Kirchenmusik d. Zukunft aus? In Dresden trafen sich Kirchenmusiker u. diskutierten, welche Lieder ins Ge… https://t.co/0rnuNdotgE
vor 2 Tagen
Sonntag Sachsen @sonntagticker
© EKD/Jens Schulze
vor 3 Tagen
Sonntag Sachsen @sonntagticker
Am Montag wird @AnnaHeinr mit Sachsens Ministerpräsident #Kretschmer u. Martina Breyer vom @bistum_DDMEI in… https://t.co/EovuxZOB6m
vor 3 Tagen

aktuelle Buchwerbung EVA

aktuelle Produkte der edition chrismon im chrismonshop unter chrismonshop.de

Jubiläum