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Ausstellung zu Migration – diese ist so alt wie die Menschheitsgeschichte

epd
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Ausstellung »2 Millionen Jahre Migration« im Staatlichen Museum für Archäologie Chemnitz
© smac

Migration ist eng verknüpft mit dem Menschsein – sie ist seit jeher ein wiederkehrendes Phänomen. Die Ausstellung »2 Millionen Jahre Migration« im Staatlichen Museum für Archäologie Chemnitz (smac) geht dem jetzt nach, beschäftigt sich mit der Wanderungsgeschichte vor Tausenden von Jahren. Die Botschaft lautet: Menschen haben sich schon immer von ihren Ursprungsorten fortbewegt, ihren Lebensmittelpunkt räumlich verändert. »Der Mensch ist kein Baum mit Wurzeln, sondern er hat Beine, die für Bewegung stehen«, sagt die Chemnitzer Museumschefin Sabine Wolfram.

Demnach habe jeder Mensch – unabhängig von Hautfarbe, Religion, Sprache, ethnischer Identität und kultureller Prägung – einen Migrationshintergrund. Die Ausstellung wolle einen Beitrag dazu leisten, dass Migration als fester Bestandteil akzeptiert und als Chance begriffen werde, sagt Wolfram. Sie ist von Mittwoch an bis Mitte Juli zu sehen.

Menschen seien in Afrika entstanden. Der Homo erectus habe vor etwa zwei Millionen Jahren in Ostafrika in einer Savannenlandschaft mit reicher Tierwelt gelebt. In sehr kleinen Gruppen habe er sich bewegt und noch sehr, sehr langsam – laut Wolfram pro Menschenleben nur etwa zwei Kilometer. Auch sei er mit fremden Gruppen zunächst nicht in Berührung gekommen.

Später sei es jedoch zu Vermischungen zwischen den Gruppen gekommen – auch etwa zwischen den mobilen Jägern und Sammlern und den eher sesshaften Ackerbauern und Viehzüchtern. Ob sich die verschiedenen Gruppen untereinander bekämpft hätten, dazu könne die Forschung keine Aussagen machen, sagt Wolfram. Es sei aber davon auszugehen, dass es Konflikte gegeben habe.

Die Ausstellung präsentiert Exponate wie Waffen, Werkzeuge und Gefäße sowie Karten in Koffern, Boxen und Schubladen. Das soll den Forscherdrang der Besucher wecken. Zeitlich reicht sie bis in die späte Jungsteinzeit. Ein Kunstprojekt spannt den weiten Bogen zur Gegenwart. Die brasilianische Fotografin Angelica Dass zeigt in einem Langzeitprojekt menschliche Hautfarben. Ihre Porträts fokussieren Personen mit heller und dunkler Haut. Religionen, Nationalitäten oder gar Herkunft oder Wohlstand sind darauf nicht zu erkennen. Jeder ist einzigartig, aber auch gleich. Das Projekt »Humanae« begann 2012.

Schon in der frühesten Menschheit habe es Gründe wie etwa Hungersnöte gegeben, andere Gegenden aufzusuchen, um das Leben zu verbessern. Dabei bewegten sich die Menschen sowohl innerhalb einer Region als auch weiter weg. Sie besiedelten zudem neue Kontinente.

Seit 2009 forscht ein Team aus rund 70 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern an der Universität Köln zur Ausbreitung der modernen Menschen von Afrika aus nach Europa. Genmaterial aus archäologischen Funden zeige, dass die europäischen Wurzeln in Afrika und Westasien liegen, sagt Wolfram. Gerade aus diesen Regionen kämen auch in der Gegenwart wieder Menschen nach Europa, was umfassende und hochemotionale Debatten auslöse.

Die Chemnitzer Ausstellung entstand in Kooperation unter anderem mit dem Neanderthal Museum bei Düsseldorf und der Kölner Universität. Museumschefin Wolfram erhofft sich viele Diskussionen zu aktuellen Migrationsbewegungen. Die Ausstellung sei schon länger geplant, bekomme aber durch die Ausschreitungen in Chemnitz im Spätsommer 2018 neue Aktualität.

Sachsens Wissenschafts- und Kunstministerin, Eva-Maria Stange (SPD), betonte: »Seit zwei Millionen Jahren verlassen die Menschen ihre Heimat immer wieder aus ähnlichen Gründen. Sie suchen Nahrung, Wasser und bessere Lebensbedingungen.« Die Ausstellung wolle dies bewusstmachen und helfen, Ursachen der heutigen weltweiten Migrationsbewegungen besser zu verstehen.

Die Ausstellung »2 Millionen Jahre Migration« ist vom 1. Mai bis 14. Juli im Staatlichen Museum für Archäologie Chemnitz zu sehen. Das Museum ist dienstags bis sonntags von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Begleitet wird die Ausstellung von einer Ringvorlesung der Technischen Universität Chemnitz zum Thema »Migration in Geschichte und Gegenwart«.

Internet:
www.smac.sachsen.de/sonderausstellungen-migration.html

Orte:
Staatliches Museum für Archäologie Chemnitz, Stefan-Heym-Platz 1, 09111 Chemnitz

Quelle
VERÖFFENTLICHT AM 30.04.2019 Artikel drucken

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