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Bischöfin warnt vor Überforderung von Gemeinden und Mitarbeitern

Herbsttagung der mitteldeutschen Synode in Erfurt
epd
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© Andreas Hermsdorf/pixelio.de

Die mitteldeutsche Bischöfin Ilse Junkermann hat ihre Kirche dazu aufgerufen, sich mehr Zeit für geistliche und inhaltliche Themen zu nehmen. Die Aufgabe, verbunden mit dem Blick auf die Menschen, dürfe angesichts der strukturellen Herausforderungen wie Stellen- und Finanzplanung nicht zu kurz kommen, sagte Junkermann in ihrem Bischofsbericht zum Auftakt der Herbsttagung der Synode der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland (EKM) am Mittwoch in Erfurt. Im Mittelpunkt ihrer Ausführungen standen die Erfahrungen mit der 2013 von der Landessynode beschlossenen Visitationsordnung.

Bei den Visitationen besuchen Vertreter höherer Leitungsebenen Gemeinden oder Kirchenkreise. Das Hören und Wahrnehmen sei dabei wichtiger als das Deuten und Bewerten, fasste Junkermann ihre Eindrücke zusammen. Wichtig sei dabei die Frage, »was hat Gott hier vor Ort mit seiner Kirche unter diesen konkreten Bedingungen jetzt vor und wie können wir diesem Auftrag gerecht werden?« Dabei ginge es auch darum, dass »dieser Dienst noch lebbar und nicht strukturell überfordernd« sei, so die Bischöfin. Entscheidend sei, wie ein solcher Ansatz gegenüber »institutionenbezogenem Denken, das zu sehr auf Strukturen und weniger auf Menschen schaue«, Vorrang gewinnen oder behalten könne.

Das gelte besonders in den Regionen. Dabei müsse der Lebenshorizont der Menschen berücksichtigt werden. Es mache keinen Sinn, Gemeinden aufgrund überwiegend finanzieller Anreize zusammenzuschließen, stellte Junkermann klar. Daher dürfe zeitnah keine weitere Reform erfolgen, »da gerade Entstandenes wieder zerstört wird«, warnte sie.

Außerhalb der Kirche forderte die Bischöfin die Rückkehr zu einem offenen und respektvollen Dialog in der Gesellschaft. In den Kommentaren im Internet werde deutlich, wie viel Wut und Hass in den Menschen stecke und sich Bahn suche. Inzwischen breche dieser Hass auch offen aus und richte sich »mitten auf offener Straße« gegen Menschen. Es sei wichtig, »dass wir hier unsere Stimme klar erheben«, forderte die Bischöfin von den Christen im Land. Das gelte besonders, »wenn unsere jüdischen Mitbürger wieder und wieder bedroht werden.«

Ein respektvoller und offener Umgang bedeute, miteinander auf dem Weg zu bleiben »für eine gerechte Gesellschaft, in der alle die gleiche Würde haben«, sagte Junkermann. Von zu vielen werde »dieses Selbstverständnis und diese Selbstverständlichkeit« inzwischen infrage gestellt, beklagte die Bischöfin. Das träfe nicht nur Menschen aus anderen Ländern oder die Gläubigen anderer Religionen, oft reiche es bereits aus, nur eine andere Meinung zu haben.

Es müsse wieder mehr miteinander als übereinander gesprochen werden, forderte Junkermann. Das gelte auch innerhalb der Kirche. Es sei nötig, alle Menschen vor Ort in Gesprächsräume einzuladen. Sonst staue sich weiter viel Resignation und Wut darüber auf, »nicht gesehen zu werden, nicht gehört zu werden, nicht wichtig zu sein.«

Die Landessynode berät bis zum Samstag. Sie besteht aus 80 gewählten und berufenen sowie aus Mitgliedern, die ihr von Amts wegen angehören. Themen der viertägigen Sitzung des Kirchenparlaments sind unter anderem der Haushalt 2019, die Bilanz der Diakonie Mitteldeutschland und die Wahl eines neuen Regionalbischofs oder einer neuen Regionalbischöfin für den Propstsprengel Gera-Weimar.

Der mitteldeutschen Kirche gehören über 700.000 evangelische Christen an; rund 450.000 davon in Thüringen und etwa 240.000 in Sachsen Anhalt. Die übrigen Mitglieder stellen Gemeinden in den Randgebieten von Brandenburg und Sachsen.

Quelle
VERÖFFENTLICHT AM 22.11.2018 Artikel drucken

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