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Bürgerrechtler warnen vor totalitären Gefahren durch digitalen Wandel

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Digitalisierung totalitäre Gefahren
© Cristine Lietz/pixelio.de

Zwei Dutzend frühere DDR-Bürgerrechtler haben ihre Sorge um die Gefahren der Digitalisierung zum Ausdruck gebracht. »Wir entdecken in der digitalen Umwandlung unserer Gesellschaft totalitäre Züge, die uns in unseren bürgerrechtlichen Intentionen zuwider sind«, schreiben die 24 Männer und Frauen in einem am Mittwoch in Leipzig veröffentlichten Manifest.

Initiator des Dokuments ist demnach der Leipziger Lehrer Gottfried Böhme. Zu den Unterzeichnern zählen außerdem der Leipziger Bürgerrechtler Uwe Schwabe und der langjährige Leiter der sächsischen Landeszentrale für politische Bildung und Geschäftsführer der Dresdner Stiftung Frauenkirche, Frank Richter.

Konkret warnen die Verfasser des Manifests vor einem neuen, durch den digitalen Wandel entstandenen Menschenbild und dessen Manipulierbarkeit. Ein von Technikern und Naturwissenschaftlern entworfenes Bild des Menschen als »Bioroboter« verdränge nach und nach »die differenzierte, respektvolle und zurückhaltende plurale Art und Weise, wie wir in den besseren Zeiten unserer Vergangenheit über den Menschen gesprochen haben«, so die Autoren.

Zum wachsenden Einfluss von Datenkonzernen wie Google, Amazon oder Facebook auf die Privatsphäre und auf gesellschaftliche Prozesse heißt es in dem Manifest: »Wenn eine geschichtlich neue Kraft weitgehend unkontrolliert immer mehr Bereiche des Lebens und der Gesellschaft beeinflusst [...], dann ist bereits eine Voraussetzung für die Errichtung einer totalitären Herrschaft gegeben.« Komme noch eine Ideologie hinzu, werde es gefährlich, so die Bürgerrechtler.

Sie seien in Sorge, dass eine Ideologie, die den Menschen zum Bioroboter erkläre, »von einem sehr aktiven Teil unserer Eliten allmählich Besitz ergreift«, schreiben die Verfasser weiter. Sie seien daher nicht gewillt, tatenlos zuzusehen, wie Freiheit und Privatsphäre sowie die Achtung für Demokratie und Umwelt "einem digitalen Abgott geopfert werden".

Die Bürgerrechtler fordern eine breite gesellschaftliche Debatte. »Wir rufen auf, einen neuen Gesellschaftsvertrag zu schließen, der regelt, wie die digitalen Techniken gehandhabt werden dürfen«, schreiben sie. Auch sei jeder Einzelne gefordert. Regten sich immer mehr Menschen über die Geschäftsmodelle der großen Konzerne auf, »beginnen sie erbärmlich zu schrumpfen«, so die Autoren.

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5 Lesermeinungen zu Bürgerrechtler warnen vor totalitären Gefahren durch digitalen Wandel
Johannes schreibt:
11. Mai 2018, 17:54

Von den Hunderten Erstunterzeichnern gegen angeblichen Gesinnungsterror in unserem Lande waren mir keine Handvoll bekannt. Von den 24 Erstunterzeichnern des Manifestes sind mir 18 persönlich als Bürgerrechtler bekannt. Dies unterschreibe ich sofort. Es enthält genau die Fragen, die ich mir auch stelle, was ich von der Petition im Januar nicht behaupten kann.
Johannes Lehert

Manfred schreibt:
14. Mai 2018, 8:33

@Johannes, es ist nicht die Aufgabe der Bürger des Landes, Petitionen zu erarbeiten, welche auf die Einhaltung der Grundrechte verweisen, sondern dafür wurden die Politiker vom Volk gewählt. Allerdings kommen diese „Volksvertreter“ dieser Aufgabe nur ungenügend nach, weil sie ebenfalls von den „Datensammler“ einen Nutzen ziehen. Genau die im Januar verfasste Petition kritisierte diesen nicht korrekten Zustand. Ob die Medienkonzerne Google, Amazon oder Facebook korrekt arbeiten oder aber auch „geheime“ Aufgaben vom Staat mit übernehmen, wissen wir nicht, können es aber vermuten. Den USA geht es in der Hauptsache nur um die Steuer.

Gert Flessing schreibt:
12. Mai 2018, 17:53

Lieber Herr Lehnert,
in diesem Manifest wird eine diffuse Angst angesprochen, die es mit der Angst vor dem Untergang des Abendlandes durchaus aufnehmen kann.
Nun halte ich die "Digitalisierung" gewiss nicht für einen Segen. Ich halte sie aber sehr wohl für etwas, was die Demokratie nicht aushöhlen wird. Im Gegenteil. Die Digitalisierung gibt den Menschen Mittel an die Hand, sich und ihre Befindlichkeiten öffentlich zu artikulieren.
Das ist schon eine beachtliche Sache.
Was uns dabei erschreckt, uns, die wir, zumindest im öffentlichen Raum, eine gepflegte Konversation üben, ist die Tatsache, das eine Mehrheit sich augenscheinlich nicht gepflegt artikulieren kann.
Der "Stammtisch" ist plötzlich allgegenwärtig.
Aber ist das nicht gerade ein Zeichen für die Freiheit, die wir einst angestrebt haben? Ist es nicht ein Zeichen dafür, das jene, die bisher "unmündig" waren, weil sie sich nicht getraut haben, den Mund aufzumachen, plötzlich ihre Stimme entdeckten?
Ja! Wir mögen manche dieser Stimmen nicht.
Und Ja - es ist möglich, auch in diesen digitalen Medien und nicht nur im Bierkeller, zu manipulieren, zu täuschen, zu putschen.
Doch bevor ich gegen die Digitalisierung schreie und sie reglementieren und einschränken will, überlege ich, wie ich sie nutzen kann, wie wir sie nutzen können, um vielleicht Gelassenheit rein zu bringen oder diese oder jene "Echokammer" aufzubrechen.
Mich erschreckt es viel mehr, als all der Müll in den digitalen Medien, das Menschen, die einst für die Freiheit auf die Straße gingen, nun vor der Freiheit erschrecken.
Gert Flessing

L. Schuster schreibt:
13. Mai 2018, 12:40

Mann ist besorgt um unsere Privatsphäre oder wir sollen gegen die Geschäftsmodelle Facebook, Google, Amazon protestieren damit diese „erbärmlich schrumpfen“,, geht es dabei doch in Wahrheit darum, dass man den Vorwand zur staatlichen Kontrolle freier Meinungsäußerung im Internet hat?

Deutsche Oberlehrer, Weltuntergangstimmungsmacher hier betreff Datenschutzes, was ihr wollt ist doch eher, das Telefon- bzw. Digitalverbindungen im Land und ins Ausland ähnlich wie in China staatlich überwachen werden.
Google, Facebook man staatlich Klonte und jetzt aktuell noch ein computergestütztes Punktsystem über das politische Wohlverhalten der Menschen dann sie so zum "Bioroboter“ von Peking machen möchte und was auch nur so gelingen könnte, wenn es der Staat tut.
Und wer weiß denn schon, ob auch die zwei Dutzend Bürgerrechtler hier nicht noch zusätzlich ein solches System des Verhaltens der Bürger von Berlin aus vorschwebt. Eins, wo z.B. jeder der die "Erklärung 2018" unterschrieb, dann automatisch keine Berufschance beim Staat hat. Vorzustellen ist es.

Beobachter schreibt:
14. Mai 2018, 12:24

Ich habe eher den Eindruck, daß Menschen, die einst für Freiheit auf die Straße gingen, diese jetzt nicht wieder eigeschränkt haben wollen!

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