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Dresdner Opernball soll Konsequenzen ziehen

epd
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© RainerSturm/pixelio.de

Nach heftiger Kritik an der Preisvergabe des Dresdner Semperopernballs soll es Konsequenzen für künftige Veranstaltungen des Ballvereins geben. »Der Semper Opernball-Verein muss darüber diskutieren, worin der Wert des St. Georg-Ordens liegt – zumal ich die Vergabe schon immer als inflationär betrachtet habe«, erklärte Dresdens Oberbürgermeister Dirk Hilbert (FDP) am Donnerstag in Dresden. Mindestens aber müssten die Kriterien für die Preisvergabe transparent und nachvollziehbar sein. Der Ball findet am 7. Februar in der Dresdner Semperoper statt. Hilbert sagte sein Kommen zu.

Der Ballverein war wegen der Verleihung des St. Georgs-Orden an den ägyptischen Präsident Abdel Fattah al-Sisi scharf kritisiert worden. Der Orden war dem früheren General und Armeechef am Sonntag in Kairo von Vereinschef Hans-Joachim Frey übergeben worden.

Moderatorin Judith Rakers hat die Moderation des Balls daraufhin abgesagt. An ihrer Stelle sollte die MDR-Moderatorin Mareile Höppner an der Seite von Sänger Roland Kaiser durch den Abend führen. Als Mitternachtsgast wird der Sänger Peter Maffay erwartet. Update vom 1. Februar: Mittlerweile sagte auch Mareille Höppner ihre Moderationsbereitschaft aufgrund von Anfeindungen und Drohungen wieder ab, wie das Presseteam des Balls mitteilt:

»Mareile Höppner hat den Semper Opernball e.V. darüber informiert, dass sie den 15. SemperOpernball am kommenden Freitag nicht moderieren kann. Als Begründung gab sie an, seit der Bekanntgabe der Übernahme der Moderation einem Ansturm von Hass und Anfeindungen ausgesetzt zu sein. Mareile Höppner hat bereits offiziell Strafanzeige erstattet und sieht sich jedoch außerstande, ihre Moderationszusage unter diesen Umständen zu erfüllen. Dazu erklärt Hans-Joachim Frey, 1. Vorsitzender und künstlerischer Leiter des Semper Opernball e.V.:

»Wir sind schockiert über die Hetze und den Hass, die Mareile Höppner plötzlich in den vergangenen zwei Tagen trafen. Mareile Höppner war mit Lust, Freude und großer Hilfsbereitschaft am vergangenen Donnerstag eingesprungen und wollte »Feuerwehr spielen«, um den SemperOpernball wieder zu einem großen Fest für alle Dresdnerinnen und Dresdner und die Gäste aus der ganzen Welt zu machen. Dass sie dafür jetzt solchen Anfeindungen ausgesetzt ist, lag außerhalb aller Vorstellungskraft und entsetzt uns zutiefst. So etwas darf nicht, und erst recht nicht im Zusammenhang mit einem Ereignis wie einem Opernball, passieren. Wir haben volles Verständnis für die Entscheidung von Mareile Höppner, sind mit den Herzen bei ihr und hoffen, dass alle Ermittlungen erfolgreich sind.«

Al-Sisi war 2013 nach einem Militärputsch an die Macht gekommen und 2014 als Präsident vereidigt worden. Seitdem geht er mit harter Hand gegen Oppositionelle und Kritiker vor, Meinungs- und Versammlungsfreiheit sind nach Einschätzung von Beobachtern stark eingeschränkt. Der Orden wurde ihm vorzeitig übergeben.

Frey hatte die Wahl des Preisträgers damit gerechtfertigt, dass der Ball eine Kultur- und keine politische Veranstaltung sei. Al-Sisi sorge in Ägypten für Stabilität, für den Aufbau der Gesellschaft, für Kultur und Bildung – und er sei als Präsident der afrikanischen Union die Stimme Afrikas, hieß es.

Inzwischen hat sich der Verein Semper Operball e.V. für die Ehrung entschuldigt und davon distanziert. Zudem hat er zugesichert, dass die Ordensvergabe an al-Sisi am 7. Februar keine Rolle mehr spielen werde. Der MDR überträgt den Ball im Fernsehen.

Auch die Semperoper Dresden, die ihr Haus für das Ballereignis zur Verfügung stellt, ist nach eigenen Angaben in Gesprächen mit dem Veranstalter. Bisher sei sie nicht in die künstlerische und programmatische Planungen einbezogen gewesen, hieß es.

»Ein Ball ohne Preis würde der rauschenden Nacht keinen Abbruch tun«, erklärte Hilbert weiter. Für Gespräche über die Zukunft des Semperopernballs stehe er zur Verfügung.

Mareile Höppner hatte bereits 2016 den Semperopernball an der Seite von Guido Maria Kretschmer moderiert. Sie moderiert das vom MDR produzierte Boulevardmagazin »Brisant«. Nach ihrer Zusage sagte sie: »Es gab in diesem Jahr viel Trubel um den Opernball. Daraus haben alle ihre Lehren gezogen, Haltung gezeigt und das war wichtig«. Dennoch sei »dieser Ball ein Abend für die Dresdner«.

Rakers verzichtet auf jegliches Honorar, auch für bereits geleistete Arbeit, wie sie auf ihrer Facebook-Seite schreibt. Im Gegenzug sollte der Ballverein sie aus dem Vertrag entlassen. Der MDR hatte Verständnis für das Vorgehen der Moderatorin gezeigt.

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