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Erlaubt: Segen für homosexuelle Paare

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© Foto: hochzeitsfotograf/pixelio.de

Die Kirchenleitung der sächsischen Landeskirche hat auf ihrer Sitzung am 17. Oktober in Dresden beschlossen, dass Segnungen von Paaren in Eingetragener Lebenspartnerschaft im Einzelfall auch im Gottesdienst möglich sind, sofern Pfarrer sich hierzu bereit erklären. Das teilte das Landeskirchenamt am Dienstag mit.

Die Verantwortung dafür liege bei den Pfarrerinnen und Pfarrern. Sie hätten im Vorfeld die Beratung im Kirchenvorstand zu suchen. Werde eine Segenshandlung von Pfarrern verantwortet, ist sie ab Anfang nächsten Jahres nach der liturgischen Handreichung zur »Segnung von Paaren in eingetragener Lebenspartnerschaft« zu vollziehen. Diese Segenshandlung verstehe sich nicht als Trauung, so die Kirchenleitung, sondern als Segnung von Paaren in Eingetragener Lebenspartnerschaft, die damit ihren Willen zum Ausdruck bringen, eine Partnerschaft in Verlässlichkeit, in verbindlicher Treue und Verantwortung füreinander zu begründen.

Die Handreichung wurde durch eine sechsköpfige Arbeitsgruppe der Kirchenleitung seit Oktober letzten Jahres erarbeitet. In der Einleitung ihres Berichtes wird festgestellt, dass gegenwärtig ein gesamtkirchlicher Konsens hinsichtlich der Segnung Eingetragener Partnerschaften als öffentliche Kasualhandlung nicht möglich sei. Den unterschiedlichen Auffassungen werde aber gemäß dem Ergebnis des Gesprächsprozesses zum Schriftverständnis durch die Freigabe des Gewissens Raum gegeben und Schutz gewährt.

http://www.evlks.de/doc/Handreichung_Segnung_2016_web.pdf

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44 Lesermeinungen zu Erlaubt: Segen für homosexuelle Paare
Gert Flessing schreibt:
25. Oktober 2016, 10:27

Erbitte ich Gottes Segen? Oder spreche ich diesen Segen jemandem zu?
Das ist ein Unterschied.
Gott ist nicht verfügbar aber er ist nicht unberechenbar. "Es ist nicht dem Wesen Gottes gemäß, nicht syn logou zu sein."
Gott gibt seiner Kirche die Kraft seines Geistes. Wo sie ihm vertraut, kann sie, in seinem Namen, Segen spenden.
Die Kirche aber ist, in erster Linie, die Gemeinde vor Ort. Die Gemeinde ist keine Verwaltungseinheit, sondern eine geistliche Gemeinschaft.
Von daher ist sie, letztlich, auch für die geistliche Gestaltung zuständig. Das kann ihr nicht abgenommen werden.
Die Grundlage dafür ist die Schrift, die Bindung an Jesus, den Christus und das lutherische Bekenntnis.
Dazu kommt das, was Barmen uns zu sagen weiß.
Die Kirchenleitung und die Synode können, in diesem Rahmen, Empfehlungen geben. Sie können auch, im Zweifelsfall, prüfen, ob eine Gemeinde, in ihrem Handeln, in diesem Rahmen ist.
Als Pfarrer habe ich das Recht, zu segnen. Ich habe aber nicht die Pflicht, es zu tun.
Es ist auch noch ein Unterschied, ob ich am Ende eines Gottesdienstes, den Segen auf die gesamte Gemeinde lege, oder ob ich, im Rahmen einer bestimmten Handlung, eine bestimmte Person segne.
Das trifft nun nicht nur auf Sonderfälle zu, sondern gilt generell.
Jede Anfrage, eine Segenshandlung betreffend, ist ein Einzelfall. Jeder Fall bedarf des klärenden Gespräches.
Dabei geht es nicht um den "Gemeindefrieden", sondern um den oder die Menschen, die mir gegenüber sind. (Glauben sie mir, auch sogenannte "Heteroverbindungen" können den Gemeindefrieden stören.)
Vor allem aber sollte niemand glauben, dass ein "befristeter Gewissensschutz" irgend etwas ändern würde. Es wird dennoch so sein, das Gemeinde A so reagiert und Gemeinde B anders.
Gert Flessing

René I. schreibt:
27. Oktober 2016, 18:04

"für uns nicht berechenbar" ist etwas unglücklich formuliert. Ich habe diese Formulierung im Zusammenhang mit dem Umstand angebracht, dass aus menschlicher Perspektive Gottes Handeln oft widersprüchlich erscheint, Gott oft stumm bleibt und unser in ihm hineinprojiziertes Denken nicht erwidert wird.
Auch stimme ich Ihnen zu, dass die Gemeinde vor Ort eine geistliche Gemeinschaft ist. Doch aus dieser lebendigen Gemeinschaft darf und sollte gerade der Freiraum entstehen für einen ungezwungenen Dialog. Leider beobachte ich gegenwärtig eher ein Festhalten an gewohnten Verhaltensweisen und Angst vor neuen geistlich einzuordnenden Herausforderungen. Es gibt Kräfte in der Kirche, die für Ihre Ziele diese Fixierungen aus Angst und Unsicherheit noch verstärken. Und ich kann mir vorstellen, dass man als Gemeindeleiter einen schwierigen Eiertanz vollziehen muss.

manuel schreibt:
26. Oktober 2016, 8:10

Sehr geehrter René,
ein "zeitlich begrenzter Gewissensschutz", da es nicht sein kann, dass in manchen Gemeinden.... (vgl. Ihre Schlussbemerkungen) ? Na - da beneide ich die Pfarrer nicht, deren Gewissen nach 5 Jahren noch immer schlägt und sie mahnt, es nicht zu tun. Die Gemeinden, die die Handlungen ihres Pfarrers ggf. zu akzeptieren haben, beneidet ich ohnehin nicht. Wieviel Zeit braucht es, um sein Gewissen zu verlieren? Gibt es nicht schon genügend gewissenlose Christen?
Vielfalt bedeutet tatsächlich Vielfalt - und nicht nach einer vielfältigen Übergangszeit von ca. 5 (oder wieviel Jahren auch immer) wiederum erzwungene Einheit. Und da kann es sehr wohl sein, dass....
Mir kommt angesichts solcher Ausführungen immer die Frage auf, ob uns Deutschen die Vielfalt überhaupt wirklich so sehr liegt. Wirkliche Vielfalt der Meinungen und Lebensformen muss man in Deutschland tatsächlich immer gegen beide Richtungen erkämpfen. Es gibt nicht nur "braune Einfalt" (wie es manchmal auf Spruchbändern bei Gegendemos erscheint), sondern auch stets "bunte Einfalt". Und auch die "Liberalen" können hierzulande in der Regel wenig mit wirklicher Freiheit anfangen.
Schöne - liberalfundamentalistische - Grüße aus dem Erzgebirge.
Manuel

Beobachter schreibt:
26. Oktober 2016, 17:35

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