Evangelische Kirche und Diakonie erinnern an Anschlag auf Synagoge

Auch in Leipzig gedenken Bürger in der Gottschedstraße an den Anschlag
epd
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© Martin Jäger / pixelio.de

Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, und Diakonie-Präsident Ulrich Lilie haben an den Anschlag auf die Synagoge in Halle vor einem Jahr erinnert und jede Form von Antisemitismus verurteilt. "Unser historischer Auftrag ist es, alles dafür zu tun, dass Jüdinnen und Juden in Deutschland frei und ohne Angst leben und ihre Religion ausüben können", sagte Lilie am Donnerstag in Berlin. Antisemitismus sei eine Sünde gegen Gott, betonte Bedford-Strohm.

Bedford-Strohm, der auch bayerischer Landesbischof ist, erklärte, der Anschlag von Halle sei eine Mahnung. Antisemitismus sei ein Verbrechen an den Juden und dadurch auch ein Verbrechen gegen die Menschheit. Am 9. Oktober 2019 hatte der Attentäter Stephan B. mit Gewalt versucht, in die Synagoge in Halle einzudringen, in der sich die jüdische Gemeinde zur Feier des höchsten jüdischen Feiertages Jom Kippur versammelt hatte. Er scheiterte an der hölzernen Eingangstür, tötete in der Folge aber eine Passantin auf der Straße vor der Synagoge und später in einem Imbiss noch einen jungen Mann. Er steht derzeit wegen Mordes und versuchten Mordes vor Gericht.

Bedford-Strohm sagte, 75 Jahre nach der Befreiung von Auschwitz breite sich Hass auf Juden wieder aus. Das sei der Nährboden, auf dem Gewalt gedeihe. Dass es vermeintlich um radikalisierte und fanatisierte Einzeltäter handele, dürfe nicht darüber hinwegtäuschen, dass Rassismus, Antisemitismus und Fremdenfeindlichkeit bis hinein in die demokratischen Institutionen wieder drohten, hoffähig zu werden.

Leipziger Bürgerinnen und Bürger erinnern am Freitag an den Anschlag auf die Synagoge in Halle vor einem Jahr. Bei der "Mahn- und Solidaritätsdemonstration" werden auch Rabbiner Zsolt Balla und der Vorsitzende der Israelitischen Religionsgemeinde, Küf Kaufmann, sprechen, wie das Kulturzentrum Ariowitsch-Haus am Donnerstag in Leipzig mitteilte. Mit der Aktion an der Gottschedstraße solle ein "kraftvolles Signal hinein in die Leipziger Bürgerschaft" gesetzt werden. Zivilcourage bedeute aktives Einstehen für gleichberechtigte Teilhabe. Das Gedenken werde von vorwiegend jungen Leuten organisiert, hieß es.

Information: Die Mahn- und Solidaritätsdemonstration in Leipzig beginnt am Freitag, 9. Oktober, 15 Uhr, an der Gedenkstätte Gottschedstraße.

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