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Gedenken an Wannsee-Konferenz vor 75 Jahren

Lammert: Erinnern ist zentrale staatliche Aufgabe
epd
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Davidstern
© Foto: Esther Stosch/Pixelio

Überschattet von rechtspopulistischen Angriffen auf die deutsche Gedenkultur ist in Berlin an die Wannsee-Konferenz vor 75 Jahren erinnert worden. Sie steht für die systematische Planung des Völkermordes an den europäischen Juden.

Mit einer Gedenkveranstaltung ist am Donnerstag in Berlin an die Wannsee-Konferenz zur sogenannten Endlösung der Judenfrage vor 75 Jahren erinnert worden. Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) erklärte in der heutigen Gedenkstätte am Berliner Wannsee, "Erinnern ist zentrale Aufgabe staatlicher Verantwortung". Deshalb seien Gedenkstätten, die an den Holocaust in der NS-Zeit erinnern, unverzichtbar, betonte Lammert mit Blick auf die umstrittenen Äußerungen des Thüringer AfD-Chefs Björn Höcke. Der Holocaust gehöre zu den unauslöschlichen und ungeschriebenen Gründungsdokumenten des deutschen Staates. Und auch das Grundgesetz gebe es nicht ohne den Holocaust, unterstrich der Parlamentspräsident vor rund 200 Menschen.

Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) sagte, das Treffen hochrangiger Vertreter aus Partei und Beamtenapparat am 20. Januar 1942 "offenbare die auf gnadenlose Effizienz gerichtete Tötungsmaschinerie der Nationalsozialisten" und lasse erahnen, wie vieler Rädchen im Getriebe es bedurfte, um die Maschinerie am Laufen zu halten. Das Protokoll der Wannsee-Konferenz dokumentiere "die moralische und institutionelle Bankrotterklärung des deutschen Staatsapparates", so Grütters weiter.

Am Freitag jährt sich die Wannsee-Konferenz vom 20. Januar 1942 zum 75. Mal. Die Zusammenkunft führender NS-Funktionäre in dem damaligen Gästehaus der SS am Großen Wannsee im Südwesten Berlins gilt als entscheidende Wegmarke für die systematische Vernichtung der Juden in Deutschland und Europa. Einziger Tagesordnungspunkt war die "Endlösung der Judenfrage".

Der Präsident des Zentralrates der Juden, Josef Schuster, sagte, bei der Wannsee-Konferenz ging es "nicht mehr um die Frage, ob die Juden vernichtet werden sollten, sondern alleine wie". Die Wannseekonferenz führe "drastisch vor Augen, was passieren kann, wenn die Menschenwürde nichts mehr zählt", betonte Schuster.

Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) erklärte, angesichts des Verschwindens der letzten Zeitzeugen der Juden-Vernichtung durch die Nationalsozialisten würden authentische Orte wie das Haus der Wannsee-Konferenz immer wichtiger. Besonders die nachwachsenden Generationen müssten über das Geschehen vor 75 Jahren Bescheid wissen.

Der Direktor des Hauses der Wannsee-Konferenz, Hans-Christian Jasch, betonte, die Gedenkstätte offenbare, "dass der Mord an Millionen von Menschen aus ganz Europa verwaltungsmäßig und arbeitsteilig organisiert werden konnte". Deshalb sei die Erinnerung daran eine "Verpflichtung für die Verteidigung von Demokratie und Rechtsstaatlichkeit in der Gegenwart", sagte Jasch.

Im vergangenen Jahr besuchten nach eigenen Angaben rund 125.000 Menschen die Gedenkstätte. Vor 25 Jahren wurde aus dem Gebäude eine Gedenk- und Bildungsstätte. Die Einrichtung erinnert zum Jahrestag mit einem umfangreichen Veranstaltungsprogramm an die damalige Konferenz. Unter anderem war am Donnerstagabend ein jüdisch-christlicher Gedenkgottesdienst in der Berliner Andreaskirche geplant.

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