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Kirchen sollen Schuld bei Hexenverfolgung anerkennen

epd
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Hexenfeuer
© Verena N./pixelio.de

Der Speyerer Historiker und Hexenprozessexperte Walter Rummel hat Forderungen in der evangelischen Kirche nach einer offiziellen Rehabilitierung der Opfer der frühneuzeitlichen Hexenverfolgung begrüßt. Es könne durchaus »ein sinnvoller Akt« sein, wenn die christlichen Kirchen anerkennen würden, dass Hexenprozesse »Strafprozesse ohne Straftat« gewesen seien, sagte Rummel in einem Gespräch mit dem Evangelischen Pressedienst (epd) in Speyer. Schätzungsweise 25.000 Frauen und Männer wurden durch die Hexenjagd im Heiligen Römischen Reich getötet.

Eine öffentliche Erklärung der Kirchen könne zugleich ein Ausdruck des Bedauerns über die im 16. Jahrhundert beginnenden Hexenverfolgungen sein, sagte Rummel, der auch Leiter des Pfälzischen Landesarchivs in Speyer ist. Diese seien von protestantischen und katholischen Theologen mit dem Vorwurf des Gottesfrevels und der Schadenzauberei gerechtfertigt und teilweise massiv unterstützt worden.

Allerdings habe es in allen Konfessionen auch Kritiker und Gegner der Hexenverfolgungen gegeben. Die reformierte Kurpfalz habe aus humanistischen und religionspädagogischen Gründen grundsätzlich auf solche Prozesse verzichtet, sagte der promovierte Historiker, der mehrfach zum Thema Hexen und Hexenverfolgung publiziert hat. Die gemäßigte Heidelberger Regierung habe anders als der Reformator Martin Luther (1483–1546) und sein württembergischer Kollege Johannes Brenz (1499–1570) Hexenprozesse und die Todesstrafe für vermeintliche Hexen und Zauberer abgelehnt.

Die frühneuzeitlichen Hexenverfolgungen könnten keinesfalls als Ursache heutiger gesellschaftlicher Diskriminierungen und Ausgrenzung gedeutet werden, sagte Rummel. Vielmehr seien der Hass, Neid und Gewalt gegen andere zeitlose gesellschaftliche Phänomene. Dies zeige sich auch in der Geschichte des Antisemitismus und in der heutigen Ausländerfeindlichkeit. Stets würden andere Menschen für angeblich eigene Nachteile verantwortlich gemacht, stigmatisiert und verfolgt.

Zum Reformationsjahr hat ein Arbeitskreis Hexenprozesse um den evangelischen Pfarrer Hartmut Hegeler aus dem nordrhein-westfälischen Unna seine Forderung erneuert, die in fragwürdigen Gerichtsverfahren getöteten Menschen theologisch beziehungsweise moralisch zu rehabilitieren. Dabei sollten »die Hexen ihre Ehre zurückerhalten« und eine Diskussion um die Rolle Luthers und der Kirche bei der Hexenverfolgung angeregt werden. Die Hexenverfolgungen sollten auch »als eine Ursache für Ausgrenzung und Gewaltanwendung bis heute« deutlich werden, heißt es.

Mehr Informationen: Homepage Arbeitskreis Hexenprozesse: www.anton-praetorius.de
Stiftung Luthergedenkstätten in Sachsen-Anhalt, Staatliche Geschäftsstelle »Luther 2017« zum Thema Hexenverfolgung: http://u.epd.de/rh7

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5 Lesermeinungen zu Kirchen sollen Schuld bei Hexenverfolgung anerkennen
Gert Flessing schreibt:
06. April 2017, 11:32

Nein, wir haben wahrhaftig keine anderen Probleme. Nun sind es die Hexen, die anstehen.
Wieder einmal geht es darum, etwas aufzuwärmen, was ewig lange her ist.
Natürlich ist auch Luther wieder dabei. Luther, der Judenhasser, Luther, der Hexenverfolger, Luther, der was auch immer noch böses sich finden lässt.
Vielleicht könnte man auch noch ein wenig Geld in die Hand nehmen und es vielleicht dem neuen "Wicka - Kult" spenden.
Gert Flessing

Beobachter schreibt:
06. April 2017, 20:10

Es ist doch ganz wichtig, daß man dem Luther zum Reformationsgedenken irgendwas anhängen kann!

manuel schreibt:
07. April 2017, 16:00

Ob das der richtige Weg ist - immer neue Schuldbekenntnisse - die Symbolkraft solcher Gesten schwindet natürlich auch mit zunehmendem Gebrauch. Wohin geht das? Wieviel kommt dann noch?
- Die Schuld an der Kolonisierung Amerikas?
- Die Schuld an den Kreuzzügen?
- Die Schuld an den innerchristlichen Kriegen aller Zeiten?
- Die Schuld an....

Reicht es wirklich nicht aus, dass all das tatsächlich heutzutage allgemein und auch innerhalb der Kirchen und der Universitätstheologie an den Fakultäten beider Konfessionen natürlich sehr kritisch gesehen wird? Wer bei einer solchen Diskussionslage Schuldbekenntnisse fordert, unterstellt offenbar, dass eine kritische Bewertung der Geschichte anders nicht möglich ist - mithin also die christlichen Kirchen all das nach wie vor billigen. Das ist Unsinn - und das dürfte auch Speyerer Historikern bekannt sein.

Und dann kommen ja auch die anderen noch dran:
- Die Schuld der Muslime an der Eroberung und Islamisierung der biblischen Länder, Nordafrikas und der heutigen (und ehemals byzantinischen / christlichen) Türkei?
- Die Schuld der Mongolen an der Zerstörung Osteuropas und des Orients im Mittelalter?
- Die Schuld der europäischen Großmächte für das Führen des 30jährigen Krieges vorrangig auf mitteleuropäischem Boden?
- Die Schuld der Franzosen für den Überfall auf Russland und zahlreiche andere europäische Länder unter Napoleon?
- Die Schuld an....

Kommen wir auf diesem Wege wirklich voran? Wäre es nicht wichtiger, die richtigen Lehren aus der Geschichte zu ziehen? Und - sind da die Kirchen Mitteleuropas wirklich so lernunfähig? Ich glaube nicht. Es gibt wohl kaum eine Religionsgemeinschaft auf Erden, die ihre eigene Geschichte so kritisch bewertet wie das Christentum.

Leserin schreibt:
09. April 2017, 17:32

Besser so, als Gewalt gegen Frauen zu relativieren, weil "wir vor 500 Jahren ja auch Hexenverfolgung hatten."

L. Schuster schreibt:
12. April 2017, 13:33

Leider ist es so, die Kirche lässt sich immer wieder und immer wieder politisch instrumentalisieren oder regelrecht missbrauchen. Damals, weil die üblichen gesellschaftlichen (politischen) Aufhetzer die „Hexen“ als das Böse sehen wollten, u.a. ihr Geschäft einer skrupellosen Hexen-Vernichtung am Laufend halten wollten, missbrauchte man hierzu das Kirchenvolk und heute. Heute ist es u. a. wenn sich ohne den geringsten Skrupel sich Pfarrer und Kirchengläubige sich dafür einsetzen das es keine Obergrenze bei unserer deutschen Zuwanderungspolitik gibt. Vielleicht auch damit eine milliardenschwere Asylindustrie wie der Diakonie oder Karitas am Laufen gehalten wir lässt man zu das Millionen muslimische Männer kommen, mit unschönen Auswirkungen die wir ja bereits kennen.

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