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Kirchenfrauen fordern Abschaffung des § 219a

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© Carlo Schrodt/pixelio.de

Die Frauendelegiertenkonferenz der Nordkirche hat die Abschaffung des Paragrafen 219a StGB gefordert. Auf ihrer Tagung am Sonnabend in Kiel verabschiedete sie eine entsprechende Resolution. Notwendig sei ein niedrigschwelliger Zugang zu sachlichen Informationen über medizinische Möglichkeiten und Folgen eines Schwangerschaftsabbruches. Gefordert werden Beratungsstellen für Schwangere in Konfliktsituationen. Notwendig seien auch Maßnahmen, um Belästigung und Stigmatisierung von betroffenen Frauen und Medizinern zu unterbinden.

Ein Schwangerschaftsabbruch sei für die Betroffenen das Ergebnis eines komplexen Entscheidungsprozesses, heißt es in der Resolution. »Eine Unterstellung, dass der freie Zugang zu Informationen über einen Schwangerschaftsabbruch diesen verharmlose, ist frauenfeindlich«, sagte Mary Herbst, Vorstandsmitglied der Konferenz.

Der Paragraf 219a regelt das Werbeverbot für Ärzte und Ärztinnen, die in ihren Praxen Abtreibungen durchführen. Aktueller Fall ist ein Strafbefehl über 6.000 Euro gegen die hessische Gynäkologin Kristina Hänel, den das Landgericht Gießen am 12. Oktober bestätigt hat. Sie hatte auf ihrer Homepage über die Möglichkeiten eines Schwangerschaftsabbruches informiert.

An der Konferenz nehmen Delegierte aus Kirchenkreisen, Gemeinden sowie Diensten und Werken der Nordkirche teil. Sie tagt zwei Mal im Jahr.

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20 Lesermeinungen zu Kirchenfrauen fordern Abschaffung des § 219a
Irritierter schreibt:
22. Oktober 2018, 15:52

Meine Güte, man kann nur mit dem Kopf schütteln. Diese Delegierten haben ja auch wirklich gar nichts verstanden! Unabhängig davon, dass das eine höchst schwierige ethische Frage ist, zu der es vielschichtige Positionen gibt und geben kann, wird alles durcheinander gebracht.

Die Beratungsstellen gibt es allerorten, das dürfte doch bekannt sein. Aber eben diese Stellen sollen die Beratung und Information der Frauen übernehmen, nicht die Ärzteschaft selbst, weil die womöglich in einem Interessenkonflikt steckt. Eine Abtreibung wird schließlich von den Krankenkassen in nicht geringem Maß vergütet.

Abreibung ist kein Normalfall! Das will der Gesetzgeber klarstellen und wieso das nicht im Interesse einer Frauendelegiertenkonferenz sein soll, bleibt mir schleierhaft. Ich kann keine Frauenfeindlichkeit erkennen.

Hat sich die Frauendelegiertenkonferenz eigentlich auch mit dem Leid für die ungeborenen Kinder und deren Recht auf Leben beschäftigt? Das wäre doch gut zu wissen.

Dass die Grünen, Linken und Teile der SPD fordern, den Schwangerschaftsabbruch prinzipiell zu legitimieren, macht mir deutlich, dass für mich persönlich diese Parteien niemals wählbar sein werden. Bereits in der 22. Schwangerschaftswoche empfindet ein Embryo Schmerz, kann Licht und Dunkel unterscheiden, verfügt über einen Tastsinn usw. Wenn es um die Zustände von Ferkeln und Viehtransporten geht, sind diese Parteien (zu Recht!) sensibler.

Man kann über Frauen, die eine Abtreibung vornehmen sicher kein Urteil fällen. Ich zumindest kann das nicht, da will ich nicht falsch verstanden wissen. Bei vielen regiert die blanke Not. Aber solche Delegiertenkonferenzen finde ich dumm, ignorant und überflüssig.

Johannes schreibt:
22. Oktober 2018, 22:46

Diesen Kommentar kann nur ein Mann geschrieben haben! Abgesehen davon, dass zwischen Werbung für... und Information über... ein Unterscheid besteht, ist auch der Ausdruck "prinzipiell zu legitimieren" undeutlich: Wollen die genannten Parteien jede Abtreibung als legitim durchsetzen oder wollen sie Abtreibung im Prinzip legitimieren, d.h. denkbare Ausnahmen (wie z.B. Abtreibung als normales Mittel der karrieregerechten Familienplanung) infragestellen? Das Problem ist vielschichtiger, als es hier anklingt. Und den Parteien, die eine Konkretisierung des Werbungsverbotes fordern zu unterstellen, dass sie Ferkeln und Viehtransporten gegenüber sensibler seien, ist schon starker Tobak.
J. Lehnert

PS: Den Satz "Abreibung ist kein Normalfall! " stimme ich hunderpro zu...
H.

Irritierter schreibt:
23. Oktober 2018, 10:24

Die angesprochenen Parteien fordern aber keine Konkretisierung des Werbungsverbotes, sondern eine Abschaffung des Werbungsverbotes in § 219 und teilweise auch eine Abschaffung von § 218. Wenn etwas nicht verboten ist, dann ist es legitim. So funktioniert Strafrecht.

Und wo ist der von Ihnen genannte "starke Tobak": es ist doch Parteiprogramm, Tierleid einzudämmen und zu minimieren (dem stimme ich übrigens inhaltlich auch zu). Dass männliche Küken aussortiert und geschreddert werden, ist ja auch ein Skandal. Was mit ungeborenem menschlichem Leben passiert, darauf wird aber nicht so viel Sensibilität verwendet. Informieren Sie sich ruhig mal, wie ein Fötus abgetrieben wird. Allein das Wort "Schwangerschaftsabbruch" ist ein Euphemismus sondergleichen.

Ich bin auch nicht gegen die Beratungsstellen. Im Gegenteil. Allerdings verdient "Pro Familia" wohl kaum den Namen, den diese Organisation trägt. Beratungsstellen der Diakonie oder Caritas sind da wesentlich reflektierter und das hängt mit ihrem Menschenbild zusammen.

Ich bin tatsächlich männlich. Meine Frau sieht das aber genauso wie ich. Sie ist übrigens auch Ärztin. Gemeinsam spenden wir regelmäßig namhafte Beträge an "1000plus", weil uns dieses Thema am Herzen liegt und uns auch die betroffenen Frauen, für die ungeplante Schwangerschaften ja wirklich Lebenskatatstrophen sein können, nicht egal sind. Mit unserem Geld wird dort Frauen geholfen - sowohl denen die nicht abgetrieben haben als auch den anderen, wenn sie psychische Probleme davontragen. 1000plus ist eine wirklich gute, reflektierte und keinesfalls "frauenfeindliche" Organisation mit viel Feingefühl und Weitblick für alle Seiten und Bedürfnisse. Auch den ungeborenen Kindern wird versucht, ein Gesicht zu geben. Es würde mich übrigens interessieren, wie die Diskussion verlaufen würde, wenn wirklich auch die Kinder ein Gesicht bekommen würden. Auf dem Spiegel-Titelbild gab es ja mal den sog. Tabubruch: "Wir haben abgetrieben." Würde der Spiegel auch mal ein Titelbild drucken mit Menschen, die ihre Eltern am liebsten auch abgetrieben hätten (sicher in oft sehr schwierigen Lebenssituationen, das will ich gar nicht kleinreden), die aber auch wegen der Mut ihrer Mütter trotzdem geboren wurden? Wie viele von Gott geliebte Menschen wären das wohl? Wen würden Sie aus Ihrem Bekanntenkreis wiedererkennen? Wie viele Menschen würden unendlich fehlen, wenn sie nicht geboren worden wären. Jedes Jahr sind es in Deutschland mehr, als Zwickau Einwohner hat...

Das aber eine Konferenz wie in der Nordkirche solch eine unreflektierte Stellungnahme als kirchliches Statement herausgibt, das ist wahrhaftig eine Katastrophe. So eine Kirche hat innerlich fast schon aufgehört, Kirche zu sein.

Mit freundlichen Grüßen,
ich bin immer noch mehr als irritiert

Johannes schreibt:
24. Oktober 2018, 10:39

Verehrter Noch-Immer-Irritierter,

Sie habe sicher gelesen, dass ich das Wort Abtreibung benutze, weil ich das Wort -abbruch für verharmlosend halte. Dass die Frauendelegiertenkonferenz eine Abschaffung des 218 will, habe ich nicht gelesen. Und ist Ihnen aufgefallen, seit wann der 218a infragegestellt wird? M.E. erst seitdem die Information einer Ärztin, dass sie Abbrüche vornimmt, plötzlich als Werbung gilt und bestraft wird. Da hat wohl ein Anzeigender das Kind mit dem Bade ausgeschüttet. Und ein Gericht ist darauf eingegangen. Wenn das nicht passieren würde, gäbe es auch keinen Grund, den 218a abzuschaffen. Das ist meine Meinung.
J. Lehnert

Irritierter schreibt:
24. Oktober 2018, 15:34

Sehr geehrter Herr Lehnert,

nur damit wir uns nicht falsch verstehen: Ich habe Ihnen nicht vorgeworfen, dass Sie Abtreibung verharmlosen. Der gesellschaftlichen Diskussion schon. Das war nicht persönlich gemeint.

§218 steht eigentlich schon Jahrzehnte zur Disposition. Nur meistens mit wenig Aussicht auf Erfolg. Die Frage ist, was die Zukunft bringen wird. Die Linkspartei z.B. will die restlose Abschaffung von §218. Dann könnten Kinder, bis der Geburtsvorgang einsetzt, straffrei und legal abgetrieben werden. Allein bei der Vorstellung bekomme ich Horror.

Besagte Frau Dr. Hänel, die Sie hier ansprechen, stand übrigens 2008 schon einmal vor Gericht wegen desselben Sachverhaltes. Damals wurde das Verfahren eingestellt, weil Sie nicht gewusst hat, dass sie falsch handelt (sog. "Verbotsirrtum"). Das kann sie natürlich danach nicht mehr behaupten. Es ist also kein Kind mit dem Bade ausgeschüttet worden, sondern es war ein bewusst begangener Rechtsbruch, der angezeigt wurde. Deshalb ist sie verurteilt worden. Sie hat früher als Beraterin bei "profamilia" gearbeitet und in der 90er Jahren unter dem Pseudonym Andrea Vogelsang ein Buch verfasst, in dem sie im Schlusswort schreibt: "Ich finde es schön, Schwangerschaftsabbrüche zu machen, und ich bin stolz auf mich." Ob das wirklich ethisch durchdacht ist und nur das Wohl der Frauen im Blick hat?

Noch einmal: Ich würde mich niemals selbst überheben, moralisch über eine Frau zu urteilen, die abgetrieben hat. Das Problem ist sehr vielschichtig, wie Sie schreiben. Damit haben Sie völlig recht. Laut Statistischem Bundesamt wurden aber im Jahr 2017 ca. 100.000 Kinder abgetrieben und knapp 800.000 Kinder lebend geboren. Verhältnis 1:8 !!! Wenn man mit 9000 Menschen in einem Fußballstadion sitzt, dann rechne man sich mal 1000 Menschen weg. Diese Menschen fehlen und das sind Mengenverhältnisse, die nicht nur mit schwierigen Lebenssituationen zu begründen sind. Ich glaube, dass die Gesellschaft als solche (nicht die Frauen allein!!!) sich mit dem Thema nur unzureichend auseinandersetzt und Tabus mehr und mehr fallen. Abtreibung ist mehr und mehr leider doch ein „bedingter“ Normalfall geworden. Deswegen muss §219a bleiben, weil er berechtigt ist. Die 100.000 Frauen, die im vergangenen Jahr abgetrieben haben, sind trotz §219a an besagte Informationen gekommen. So groß scheint die Schwierigkeit also nicht zu sein.

Deswegen ärgern mich Resolutionen oder Stellungnahmen wie die vom Artikel benannte maßlos – unter die Überschrift gefasst „Kirchenfrauen fordern Abschaffung...“ Wenn das verbreitet wird, dann wird Abtreibung mehr und mehr zum Normalfall unter dem Motto: „Sogar die Kirche findet, dass das geht...“ Das ist die (kirchliche) Katastrophe daran.

Bevor auch nur ein Kind abgetrieben wird, muss gefragt werden: Wie können auch die Väter zur Verantwortung gezogen werden? Welche Möglichkeiten kann die Gesellschaft den werdenden Müttern aufzeigen? Wo können wir als Gesellschaft unterstützen? usw. Nur wer diese Fragen beantwortet hat, das werdende Leben stets als Priorität im Hinterkopf, der kann solche Resolutionen dann befürworten. Und da sehe ich sehr viel Spielraum nach oben. Sog. „Engelmacherinnen“ in Hinterhöfen und verblutete Frauen will niemand! Aber in einem reichen Land wie Deutschland 2019 sehe ich uns eigentlich auch nicht in der Situation.

Mit freundlichen Grüßen,
so leicht lässt meine Irritation nicht nach

PS: Ich kenne mindestens zwei Personen, von denen ich weiß, dass nahe Angehörige wollten, dass sie abgetrieben werden. Gott sei Dank haben sich die Mütter durchgesetzt, Unterstützung erhalten und die Kinder bekommen. Nicht auszudenken, was wäre, wenn sie fehlen würden. Nicht auszudenken!

Johannes schreibt:
24. Oktober 2018, 16:20

Verehrter Irritierter,

Sie haben recht, dass Frau Hänel weiter darüber informiert hat, dass sie Abtreibungen vornimmt. Und sie war sich bewusst, dass ein Gericht dies als Verstoß gegen das Werbeverbot ansehen kann. Es als bewusst begangenen Rechtsbruch zu beurteilen, ist eine Möglichkeit. Und es ist so gekommen: Ein Mann hat sie angezeigt und das Gericht kam zu demselben Urteil wie sein Vorgänger 2008.
Dass aus der Forderung, das Werbeverbot abzuschaffen, folgt: "Die Abtreibung wird zum Normalfall" halte ich nicht für zwangsläufig; die Mitteileng der Ärztin, dass sie Abreibungen vornimmt, heißt doch nicht: "Wenn Ihnen ein Kind gerade mal nicht passt, kommen Sie ruhig zu mir: Ich helfe ihnen bei Ihrer Familienplanung". Und dass Sie Frau Hänel auf einen zwanzig Jahre alten Satz festlegen wollen, halte ich für unfair.
Damit wir uns richtig verstehen: Ich halte eine Abtreibung als Mittel der Familienplanung für ethisch völlig unvertretbar. Aber ich finde auch, dass Sie dieses den Frauen, die das Werbeverbot kippen wollen, unterstellen, ist auch nicht vertretbar.

Mit freundlichem Gruß
J. Lehnert

Johannes schreibt:
24. Oktober 2018, 19:41

Verehrter Irritierter,

mich irritiert, dass Sie Andrea Vogelsang nur mit dem Schlusssatz ihres Buches zitieren. Dass sie "erschütternde Geschichten von Frauen, die sich in extremen Notlagen an sie wandten und um eine Abtreibung baten"* erzählt, dass sie über die "perversen Argumentationsketten" von Abtreibungsgegnern schreibt, dass sie eine Frau vor sich hatte, die sich gegen Abtreibung eingesetzt hatte, nun aber aus einer Notlage heraus selber abtreiben wollte..., alles das schreiben Sie nicht. Dass sie heute ihren damaligen Satz so erklärt: Sie wäre stolz darauf, Frauen helfen zu können - alles das schreiben Sie nicht. So wird der eine Satz, den Sie zitieren, bestenfalls zur Halbwahrheit, die niemandem hilft außer denen, die auf solche "Wahrheiten" gewartet haben.

J. Lehnert
*Vermutlich haben Sie denselben Artikel gelesen, aus dem ich hier zitiere...

Beobachter schreibt:
25. Oktober 2018, 8:16

Es gibt sicherlich auch heute noch (Vergewaltigung, die ja jetzt, neben Messeratacken, wieder hoch im Kurs ist) "Notlagen" geben. Aber selbst dann gibt es immer noch genug andere Alternativen (Adoption, Pflegestellen) als ausgerechnet Schreddern!
Grundsätzlich aber noch einmal meine Frage. Gibt es in der heutigen Zeit überhaupt noch Gründe für "ungewollte" Schwangerschaften, außer ausufernder unkontrollierter Triebhaftigkeit?

Irritierter schreibt:
25. Oktober 2018, 10:06

Sehr geehrter Herr Lehnert,

dann haben wir wirklich denselben Artikel gelesen. Ich habe nicht alles zitiert, weil das in einem Thread einer Kommentarfunktion schlecht möglich ist. Das hier ist kein wissenschaftlicher Aufsatz. Die "perversen Argumentationsketten" werden auch nicht näher erwähnt. Es würde dann zur Vollständigkeit und Vermeidung von Halbwahrheiten auch gehören, dass im besagen Artikel auch herauszulesen ist, dass nur die Frauen in Not und nicht die Embryonen als werdendes Leben in die Betrachtungen von Frau Dr. Hänel einfließen. Dass überhaupt abgetrieben wird, hält sie für ein Fatum, auf das wir keinen Einfluss haben: "Wenn ich es nicht mache, ist der nächste Griff der Frau der zum Kleiderbügel." Ihre Nähe zur Organisation "profamilia", die sich für legale Abtreibungen ohne Indikation einsetzt, und das Gesamtbild lässt aber deutlich eine Tendenz erkennen, meine ich. Und diese Tendenz geht Richtung Abtreibung als (bedingter) Normalfall. Deswegen finde ich meine Kritik an Frau Dr. Hänel nicht unfair, verkürzend oder ehrabschneidend.

Ohne zu weit ausholen zu wollen, kann ich Ihnen noch eine kleine Anekdote schreiben: Vor mittlerweile langer Zeit war ich Zivi in einem relativ großen Krankenhaus einer sächsischen Kleinstadt. Ich hatte Nachtschicht und saß mit einer Mitarbeiterin am Tresen. Ein junges Paar betritt das Foyer und wendet sich an uns. Wörtlich: "Wir müssen in die Notaufnahme. Pecht gehabt - Kondom geplatzt." Das ging uns am Tresen gar nichts an, warum sie da waren. Wir hätten den Weg zur Notaufnahme auch ohne Begründung gewiesen. Bevor sich mich darauf hinweisen müssen: Mir ist klar, dass die "Pille danach" noch einmal auf einem anderen Blatt steht als eine Abtreibung. Ich vergleiche das hier nicht. Aber bei dem Paar habe ich nicht viel von Notsituation gespürt (den Eindruck machten sie so gar nicht!), sondern ein gerüttelt Maß an Gedankenlosigkeit und Ungeniertheit. Ob das ein verantwortlicher Umgang mit Sexualität war, darüber ließe sich zumindest streiten.

Beim Verhältnis von 1:8 (Abteibungen : ausgetragene Schwangerschaften) melde ich zumindest Zweifel an, ob wirklich immer eine Notsituation vorliegt. In §219 heißt es: "Die Beratung dient dem Schutz des ungeborenen Lebens. Sie hat sich von dem Bemühen leiten zu lassen, die Frau zur Fortsetzung der Schwangerschaft zu ermutigen und ihr Perspektiven für ein Leben mit dem Kind zu eröffnen; sie soll ihr helfen, eine verantwortliche und gewissenhafte Entscheidung zu treffen. Dabei muß der Frau bewußt sein, daß das Ungeborene in jedem Stadium der Schwangerschaft auch ihr gegenüber ein eigenes Recht auf Leben hat und daß deshalb nach der Rechtsordnung ein Schwangerschaftsabbruch nur in Ausnahmesituationen in Betracht kommen kann, wenn der Frau durch das Austragen des Kindes eine Belastung erwächst, die so schwer und außergewöhnlich ist, daß sie die zumutbare Opfergrenze übersteigt. Die Beratung soll durch Rat und Hilfe dazu beitragen, die in Zusammenhang mit der Schwangerschaft bestehende Konfliktlage zu bewältigen und einer Notlage abzuhelfen..."

Ist da in jedem Fall die Belastung wirklich bei jeder 9. Schwangerschaft so hoch, dass die "zumutbare Opfergrenze" überschritten ist?

Ich bleibe dabei: § 219a ist richtig, weil er dazu zwingt, sich selbst eingehend mit dem Thema zu befassen, nicht unter Druck zu schnell zu entscheiden oder gar Termine auszumachen, bevor eine Beratung stattgefunden hat. Lesen Sie vielleicht dazu Veröffentlichungen von Prof. Dr. med. Wolfgang Uwe Eckart, Medizinethiker aus Heidelberg, der die Ausbalanciertheit der gegenwärtigen Rechtslage ausführlich schildert. Es ist eine liberale Rechtslage, die nicht weiter liberalisiert werden muss. Es gibt keinerlei Grund dafür.

Mit freundlichen Grüßen

Thomas Roch schreibt:
24. Oktober 2018, 20:56

Woher kommt in unserer allseits aufgeklärten Welt immer noch der Ruf nach Abtreibungstötung? Ist die Aufklärung über die Entstehung eines neuen Lebens bzw dessen Verhütung sooo schlecht und unzureichend? Die Zugänglichkeit zu Verhütungsmitteln sooo schwierig?
Nein, die Aufklärung unserer Kinder beginnt bereits in der Grundschule, Aufklärung über Verhütungsmittelin der Oberschule, Verhütungsmittel sind für alle umfassend zugänglich, in jedem Lebensmittelmarkt liegen Kondome, die "Pille" bekommen Mädchen ohne information der Eltern verschrieben, bis 18 Jahre kostenlos....
Umfassende Informationen zu Abtreibung findet sich auch im Internet, eine "Arzt" ist da wohl nicht wirklich nötig, noch "niederschwelligere" Angebote gibt es wohl nicht - freilich, ein "Arzt" kann gleich eine Klinik empfehlen...
Die Ursache der "ungewollten" Schwangerschaften scheint mir eher ein fehlendes Verantwortungsbewußtsein im Umgang mit der eigenen Sexualität zu sein, es ist ja alles so einfach, wenn was passiert, gehe ich halt zur Abtreibung...
Bereits der verharmlosende Begriff "Abtreibung" für den brutalen Mord an Ungeborenen - das zerstückeln bei lebendigem Leibe - ist falsch. Darüber spricht ein "Arzt" nicht, er spricht von der "Entfernung von fötalem Gewebe", das klingt doch gleich viel harmloser. Das Kind, dessen Rechte, interressiert niemanden, vor allem nicht den "Arzt"
Der Papst nennt es Auftragsmord.
Thomas Roch

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