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Kurt Masur Grabanlage auf dem Leipziger Südfriedhof

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Kurt Masur Grabstätte Südfriedhof
Feierliche Einweihung mit (v.l.n.r.) Markus Gläser (Künstler), Tomoko Masur (Präsidentin und Stifterin Internationales Kurt-Masur-Institut), Jürgen Ernst (Geschäftsführender Vorstand, Direktor Mendelssohn-Haus Leipzig), Burkhard Jung (Oberbürgermeister der Stadt Leipzig). © Internationale Kurt-Masur-Stiftung/Gert Mothes

Am vergangenen Sonnabend wurde die Gestaltung des Grabes von Kurt Masur auf dem Südfriedhof in Leipzig vollendet und in Anwesenheit des Leipziger Oberbürgermeister Burkhard Jung und der Familie Masur eingeweiht. Das teilte Masurs Witwe gestern mit. Sie ist Präsidentin und Stifterin des Internationalen Kurt-Masur-Instituts mit Sitz in Leipzig.

Tomoko Masur hatte nach dem Tod ihres Mannes 2015 bereits im Januar 2016 den Leipziger Bildhauer Markus Gläser mit einem Grabmahl beauftragt. Nach dem Wunsch Tomoko Masurs kreierte Markus Gläser ein inniges und das Wesen Kurt Masurs sehr treffendes Relief. Darüber hinaus war es »eine wunderbare Zusammenarbeit im schöpferischen Prozess der Gestaltung der gesamten Grabstätte«, so die Witwe.

»Gläsers Ideenreichtum und sein professionelles handwerkliches und künstlerisches Können hat die Grabstätte zu etwas ganz Besonderem gemacht.« Tomoko Masurs Idee war es, für Menschen einen Ort des Gedenkens zu schaffen, »für Begegnungen und Meditation, der den Geist Masurs und den Geist der Musik spüren lässt«

Tomoko Masur bedankte sich bei der Stadt Leipzig, die die Grabpflege für das Ehrengrab ihres Mannes übernommen hat.

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1 Lesermeinungen zu Kurt Masur Grabanlage auf dem Leipziger Südfriedhof
Roland Mey schreibt:
04. Mai 2018, 19:23

Mein Empfinden ist: Jetzt hat "Gott" auf dem Leipziger Südfriedhof ein Gesicht bekommen und die Atheisten müssen nun nicht mehr ohne Gott leben!
Es wird noch einige Zeit brauchen, bevor sich die ganze Wahrheit über den vergötterten Maestro verbreitet. So beispielsweise auch sein Einsatz als „Ehrenwächter“ am Leichnam des gefürchteten SED-Bezirksdiktators Paul Fröhlich (*21.03.1913, +19.09.1970), der nach seinem „tatkräftigen“ Schießbefehl zum 17. Juni 1953 (mit 9-facher Todesfolge) vom Diktator Walter Ulbricht besonders gelobt und gefördert wurde. Fröhlich war ein extrem harter kommunistischer Bezirksregent und gefürchteter Einpeitscher, der in einer mehrtägigen Zeremonie wie ein königlicher Feldherr beerdigt und vom SED-treuen Maler Werner Tübke 1973 auf dem monumentalen Wandbild „Arbeiterklasse und Intelligenz“ in der Karl-Marx-Universität verewigt wurde. In der LVZ vom 25.09.1970 war unter der Überschrift „Zehntausende verneigen sich in Liebe und Verehrung“ zu lesen: „Gemessen bewegt sich der Zug, der über vier Stunden währt, zur Oper, die trauerumflorte Seidenbanner schmücken.“ Die erste Ehrenwache am Sarg hielten Horst Schumann, Mitglied des ZK der SED und 2. Sekretär der Bezirksleitung Leipzig, Jochen Hoffmann, Günter Berger, Gerhard Ehrlich und Jochen Pommert, alle vier Sekretäre der SED-Bezirksleitung. Die letzte Ehrenwache hielten am 24.09.1970 die obersten Berliner Betonköpfe Walter Ulbricht, Erich Honecker, Kurt Hager, Günther Mittag, Albert Norden und Horst Schumann. Irgendwann dazwischen stand in strammer SED-Untergebenheit auch Kurt Masur. Im Sächsischen Staatsarchiv in Leipzig existiert eine Liste der damaligen „Ehrenwächter“, Akte Nr. 27 Bestand 21622 Nachlass Paul Fröhlich (siehe S. 10). In der Akte Nr. IV/B/2/3/121 des Bestandes 21123 SED-Bezirksleitung (BL) Leipzig ist im Beschluss-Protokoll 20/70 vom 23.09.70 vermerkt: „Die Ordnung der Ehrenwache des Sekretariats der BL wird bestätigt.“
Den peinlichen Kontext zu dieser Ehrenwache und zu weiteren die SED huldigenden Taten hat der Maestro später selbst mit dem Satz formuliert: "Ich habe immer so gehandelt, dass ich mich nicht schämen musste." (Quelle: MDR-aktuell, 19.12.2015)
Nach langer vergeblicher Mühe bezüglich eines Textes zum ambivalenten gesellschaftspolitischen Leben von Kurt Masur habe ich mich immer wieder gefragt: Warum ist in Deutschland keine Zeitung, kein Journal bereit, die vollständige Wahrheit über den Maestro zu veröffentlichen? Die nur schwer zu findende Antwort ist trivial: Die deutschen Medien, die den Maestro während und nach seiner Tätigkeit als Kapellmeister der New Yorker Philharmoniker “als Gott in den Himmel geschrieben” hatten, die wollten ihn (zumindest zeitnah) nicht wieder mit Fähigkeiten und Fehlern “als Mensch auf die Erde zurückschreiben”. Die Österreichische Musikzeitschrift hatte sich an dieser erdfernen Vergötterung, die in ihren Wurzeln nicht auf die Musik, sondern vielmehr auf die deutsche demokratische Revolution von 1989 zurückführt und dort falsch ist, nicht beteiligt und hat meinen Aufsatz “Kurt Masur: Dirigent und Revolutionär?” in der ÖMZ 3/2016 veröffentlicht. Wer mehr aus dem Bereich der konsequent verschwiegenen Fakten über Kurt Masur erfahren möchte, kann dort nachlesen.

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