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Leipziger Pfarrer stellt Strafantrag gegen AfD-Mitarbeiter

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Christian Wolff, langjähriger Pfarrer der Leipziger Thomaskirche © Armin Kühne

Der langjährige Pfarrer der Leipziger Thomaskirche, Christian Wolff, hat Strafantrag gegen den Leipziger AfD-Mitarbeiter Matthias Moosdorf gestellt. Damit wolle er »der unerträglichen Hetze, die von vielen Mitgliedern und Mandatsträgern der AfD ausgeht, entgegentreten und eine rechtliche Ahndung erreichen«, teilte Wolff am Mittwoch in Leipzig schriftlich mit. Moosdorf ist wissenschaftlicher Mitarbeiter des AfD-Bundestagsabgeordneten Martin Hebner.

Wolffs Strafantrag bei der Leipziger Staatsanwaltschaft richtet sich demnach gegen einen Kommentar unter einem Blogeintrag, in dem sich der Pfarrer im Ruhestand mit den Ereignissen in Chemnitz in den vergangenen Tagen auseinandersetzte. Dort schrieb Moosdorf laut Wolff: »Ärzte werden früh in ihrer Sprechstunde für andere Menschen von Migranten ermordet, Mädchen werden vergewaltigt und umgebracht. Jeden Tag. Und Leute wie Sie, die das alles von der unsäglichen Kanzel mit auf den Weg gebracht haben, sorgen sich um das Bild in der Öffentlichkeit.«

Wolff schrieb dazu, die Unterstellung, er habe Mord und Vergewaltigung mit auf den Weg gebracht, sei eine bösartige Verleumdung und erfülle die Straftatbestände der Beleidigung und der üblen Nachrede. »Mag die AfD, wie im Herbst vergangenen Jahres angekündigt und in Chemnitz umgesetzt, Menschen jagen – der Rechtsstaat setzt für die politische Auseinandersetzung in der Demokratie klare Grenzen«, erklärte Wolff.

Wie Wolff dem epd auf Nachfrage sagte, hat er Moosdorfs Kommentar unter seinem Blogeintrag zunächst nicht freigeschaltet. »Es gibt Grenzen«, sagte Wolff, der von 2002 bis 2014 Pfarrer an der Leipziger Thomaskirche war. Erst in seinem Schreiben vom Mittwoch veröffentlichte Wolff die Moosdorf zugeschriebenen Zeilen.

Moosdorf bezeichnete Wolffs Vorwürfe auf Nachfrage als »völligen Unsinn«. Verleumdung brauche Öffentlichkeit. Da sein Kommentar nicht veröffentlicht worden sei, »liegt schon allein deshalb kein Straftatbestand vor«, erklärte er.

Die Staatsanwaltschaft Leipzig konnte den Eingang des Strafantrags am Mittwoch auf Nachfrage zunächst nicht bestätigen. Dies könne jedoch an einer Verzögerung auf dem Weg der Übermittlung liegen, erklärte eine Sprecherin.

Blog-Beitrag unter wolff-christian.de/strafantrag-gegen-matthias-moosdorf-afd

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15 Lesermeinungen zu Leipziger Pfarrer stellt Strafantrag gegen AfD-Mitarbeiter
Britta schreibt:
30. August 2018, 10:38

"Mag die AfD, wie im Herbst vergangenen Jahres angekündigt und in Chemnitz umgesetzt, Menschen jagen..."
Na, Herr Wolff, hier haben Sie wohl einiges verdreht? Beweisen Sie doch mal, daß in Chemnitz von der AfD Menschen gejagt wurden. Das ist nämlich eine glatte Lüge. Und das als Pfarrer? Meinen Sie damit GOTT zu dienen? (Welchem Gott?) Wie war das doch gleich mit dem Balken im Auge, das müßten Sie doch kennen?

Marcel Schneider schreibt:
30. August 2018, 12:11

Dass es in Chemnitz Menschenjagden gab, werden Sie wohl nicht abstreiten können. Es existieren davon zahlreiche Videos bei YouTube. Man hört dabei Rufe wie "Deutschland den Deutschen, Ausländer raus!", "Wir kriegen euch alle!", "Volksverräter", "Wir schlagen den Zecken die Schädel ein!", "Frei, Sozial und National". Gerade bei dieser Demo gab es 10 Anzeigen seitens der Polizei wegen Zeigen des Hitlergrußes.
Da hat sich das normale Volk gemischt mit strammen Neonazis und ist entfesselt durch die Straßen gezogen. Der Anteil der AfD-Wähler wird gewiss bei dieser Menschengruppe überdurchschnittlich hoch gewesen sein.
Und die friedlichen Demonstranten und Mütter, Väter, Greise, die Sie gesehen haben, waren gewiss bei der Gegendemo.

Gert Flessing schreibt:
30. August 2018, 15:53

Lieber Herr Schneider,
fahren Sie sich runter. Ich habe auch mal nach den Videos geschaut. Es gibt - meist die gleichen Typen, aus verschiedener Perspektive. Ist ihnen nicht deutlich, das, in unserer Zeit, wo jeder ein smartes Phon mit sich rum schleppt, jeder zum "Berichterstatter" und damit zum "Meinungsmacher" werden kann - je nach dem, wie er es sehen will?
Es waren mehr als tausend Demonstranten. Wenn zehn den Hitlergruß zeigten, war das 1%. Auch das ist zu viel, aber mehr sind das nicht. Oft sind die nackten Hintern gezeigt worden von solchen Masttypen. Es waren immer die gleichen, aber wenn man es oft genug zeigt, glaubt so mancher, es hat da eine "Arschparade" gegeben.
Mir kann es ja relativ egal sein. Aber ich schätze Sie eigentlich und es ist nicht wert, das Sie sich selbst lächerlich machen. Doch schon die Mutmaßung, wie viele AfD Wähler da gewesen sind, ist albern.
Lassen Sie uns zur gelassenen Diskussion zurück kehren.
Gert Flessing

Beobachter schreibt:
30. August 2018, 18:47

„Haben keine Hetzjagden beobachtet“
Chefredakteur der Chemnitzer „Freien Presse“ Torsten Kleditzsch gegenüber dem „Deutschlandradio Kultur“ in einem Interview: „Für den Sonntagnachmittag, wo sehr schnell von Hetzjagden die Rede war, das haben wir hier nicht beobachtet. Wir waren mit unseren Leuten draußen. Es gab Angriffe aus der Demonstration, einzelne Angriffe auf Migranten, auf Polizisten und auf Linke auch. Das waren aber sehr vereinzelte Fälle aus dieser Demonstration heraus und das hatte mit einer Hetzjagd im wörtlichen Sinne nichts zu tun„

Dies deckt sich mit Beobachtungen von Bekannten in Chemnitz. Auch die sächsische Polizei schreibt in einer Aussendung zu den Ereignissen des Sonntagnachmittags explizit nichts von „Hetzjagden“ gegen Migranten. Eine Reporterin des Regionalsenders MDR berichtete am Sonntag lediglich von „Rangeleien“.

Marcel Schneider schreibt:
31. August 2018, 17:32

der MDR hat gerade neues Filmmaterial vom Sonntag Abend aus Chemnitz veröffentlicht. Da wurde aus dem "Trauermarsch" heraus laut hörbar gerufen: "Für jeden toten Deutschen einen toten Ausländer!"
Was sagen Sie dazu?

Beobachter schreibt:
31. August 2018, 19:08

Was soll ich dazu sagen? Eigentlich gar nichts, da ich nicht da war und den Wahrheitsgehalt und den Zusammenhang deshalb nicht beurteilen kann. Wenn es so war, ist es so nicht i.O. und man müßte zunächst prüfen, wer und vom wem evuell eingeschleu0t das war. Die oben Zietierten waren aber am Ort und haben realistisch die Sachlage beschrieben!

manfred schreibt:
01. September 2018, 18:15

Sehr geehrter Herr Schneider, sie bringen hier ein Beispiel, was nichts, aber auch wirklich nichts zu einer seriösen Diskussion beiträgt.
Es wurde eine sehr unschöne Aussage vernommen, die mit Sicherheit nicht einer bestimmten Person zugeordnet werden kann.
Vielleicht war es wirklich ein Menschenhasser oder vielleicht auch ein sogenanntes U-Boot, welches eine bestimmte Stimmung erzeugen sollte.
Frau Roth lief auch in der Vergangenheit dem linksradikalen "Schwarzen Block" hinterher, wo sehr schlimme Aussage über Deutschland gemacht wurden.
Und trotzdem ist diese Frau Vizepräsidentin des Bundestages!
Sie wollte nichts gehört haben!!!

Beobachter schreibt:
02. September 2018, 15:48

Wolfgang Klein, Sprecher der Generalstaatsanwaltschaft Sachsen. „Nach allem uns vorliegenden Material hat es in Chemnitz keine Hetzjagd gegeben“! Damit widerspricht er direkt den Behauptungen von Kanzlerin Angela Merkel und ihrem Sprecher Steffen Seibert, die beide unter Berufung auf von ihnen nicht näher beschriebene Videos behauptet hatten, in Chemnitz hätten „Hetzjagden“ stattgefunden – also sogar mehrere.

Die sächsische Generalstaatsanwaltschaft verfolgt alle Delikte im Zusammenhang mit dem Versammlungsrecht, zu denen es in Chemnitz am vergangenen Sonntag und Montag gekommen war: Hitlergrüße, Böller- und Flaschenwürfe, mögliche Übergriffe. Wegen des öffentlichen Zeigens von Hitlergrüßen verfolgt die Behörde ein dutzend Anzeigen. Fest steht auch, dass am Sonntag, den 26. August in einer Spontandemonstration nach der Tötung eines jungen Chemnitzers durch zwei Asylbewerber auch etwa 50 gewaltbereite Personen aus der rechtsradikalen und Hooligan-Szene unterwegs waren. Von dieser Gruppe wurden mehrere Passanten angepöbelt und bedroht. Aber eine Hetzjagd in den Straßen von Chemnitz gab es weder nach Erkenntnissen der Behörden, noch existieren bis heute Fotos oder Bewegtbilder, die den Vorwurf stützen.

Damit bestätigt Klein, was vorher schon die Polizei Chemnitz feststellte, außerdem der Chefredakteur der „Freien Presse“ Torsten Kleditzsch, dessen Mitarbeiter am Sonntag das Geschehen beobachtet hatten, während keine überregionalen Teams unterwegs waren.

Wie kam es überhaupt zu der flächendeckenden Berichterstattung, in Chemnitz hätten „Hetzjagden“ stattgefunden? Wer nach der Quelle sucht, stößt auf ein einziges sekundenkurzes Video, gefilmt und ins Netz gestellt von einer Organisation „Antifa Zeckenbiss“. Darauf sind locker zusammenstehende Männer zu sehen; einer rennt drohend auf einen Passanten zu, schreit etwas von „Kanaken“, der Bedrohte flieht. Eine Frau ist mit dem Satz zu hören: „Hase, du bleibst hier.“ Das Mini-Video schaffte es in die ARD, die Morgenpost hob ein Still des Videos auf ihr Titelblatt. Der Schnipsel zeigt zweifellos einen versuchten Übergriff – aber keine Hetzjagd., die Sie Herr Schneider uns immer wieder vorgaukeln wollen!

Gert Flessing schreibt:
30. August 2018, 11:00

Es betrübt mich, das ein Pfarrer, Pensionär, wie ich ja auch, sich dazu herablässt, Gerichte mit dem behelligen zu wollen, was er als persönlichen Angriff empfindet.
Aber auch bei seinen anderen Aktivitäten habe ich das Gefühl, das ihm Mäßigung und Gelassenheit fremd sind.
Es sind persönliche Empfindlichkeiten, denen er Raum gibt. Das mag sein gutes Recht sein. Ob es uns, als Kirche, dazu hilft, die Wunden der Gesellschaft eventuell heilen zu helfen, ist mir fraglich.
Gert Flessing

Beobachter schreibt:
30. August 2018, 12:13

Wer stellt denn nun Strafantrag gegen den Herrn Wolff?
Denndie Unterstellung,»Mag die AfD, wie im Herbst vergangenen Jahres angekündigt und in Chemnitz umgesetzt, Menschen jagen" ist eine bösartige Verleumdung und erfüllt die Straftatbestände der Beleidigung und der üblen Nachrede. der Rechtsstaat setzt für die politische Auseinandersetzung in der Demokratie(noch) klare Grenzen

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