Lutz Rathenow fordert den Erhalt des Stasi-Kinosaals in der Leipziger »Runden Ecke«

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© Fotograf: Harald Wenzel-Orf

Dresden/ Leipzig (so) –

Die Stadt Leipzig will der Gedenkstätte Museum in der "Runden Ecke" den original erhaltenen Stasi-Kinosaal entziehen und anderweitig nutzen. Außerdem wird der Abbau der Ausstellung zur Friedlichen Revolution gefordert. Wie das Bürgerkomitee Leipzig e.V. als Träger der Gedenkstätte Museum in der "Runden Ecke" in einer Presseerklärung mitteilte, plane die Stadt die Nutzung durch das benachbarte Schulmuseum.

Der Sächsische Landesbeauftragte für die Stasi-Unterlagen Lutz Rathenow brachte gestern dazu sein Unverständnis zum Ausdruck. Die in der Presse kursierenden Diskussionen über eine mögliche Umwidmung von Räumen des deutschlandweit beachteten Stasi-Museums seien äußerst irritierend. Das Museum befinde sich in den Räumen der ehemaligen Leipziger Stasi-Zentrale, die unverändert authentisch erhalten sind, was die besondere Atmosphäre des Ortes ausmache und sein Alleinstellungsmerkmal sei. Die Pläne, dem Museum den zentralen Veranstaltungsort wegzunehmen, lehne er ab.

"Es ist völlig undenkbar, dass dieser beeindruckende und für Veranstaltungen vom „Museum in der Runden Ecke“ vielfältig genutzte Saal perspektivisch nicht mehr zum Museum gehören soll. Dass das Stasi-Museum in den originalen Räumen die Hinterlassenschaften der Stasi präsentiert, gehört zum Nutzungskonzept. Der Ort ist nicht beliebig. Der Kinosaal kann deshalb nur als Teil des Stasi-Museums betrachtet werden - und zwar als ein besonders authentischer und in dieser Authentizität unbedingt zu erhaltender Teil. Er steht museal für sich und wirkt gerade auch bei Veranstaltungen auf besondere Weise. Daher blieben größere Ausstellungen immer schon die Ausnahme. Insofern sollten alle jetzt diskutierten Ausstellungsprojekte eine Perspektive außer halb dieser Räumlichkeit erhalten. Es macht keinen Sinn, die eine Ausstellung durch eine andere zu vertreiben, die dann erneut den originalen Zustand des Raumes verstellt.", so der Landesbeauftragte. Aus seiner Sicht sei diese Angelegenheit mehr als ein Lokalthema, da Besucher aus aller Welt kämen, um die Ausstellung in den authentischen Räumen zu sehen.

Die "Runde Ecke" befindet sich in freier Trägerschaft der Stiftung Sächsische Gedenkstätten, sie wird gefördert durch Bundes- und Landesmittel, durch die Stadt Leipzig und den Kulturraum. Auch mit dem Sächsischen Landesbeauftragten für die Stasi-Unterlagen findet seit Jahren eine enge und erfolgreiche Zusammenarbeit statt.

Für die weitere Entwicklung dieses zentralen Ortes der Friedlichen Revolution wäre es wichtig, so Rathenow, die Partner der "Runden Ecke" und des Schulmuseums in den Gestaltungsprozess mit einzubeziehen: »Das gilt für die Stiftung Sächsische Gedenkstätten, den Landesbeauftragten für die Stasi-Unterlagen und natürlich auch für die Landeszentrale für Politische Bildung. Diese scheint in die aus der Presse bekannt gewordenen Pläne der Bundeszentrale für Politische Bildung, eine wichtige, aber in Leipzig bereits gezeigte Ausstellung im Kinosaal zeigen zu wollen, in keiner Weise involviert zu sein.«
 
Die Gedenkstätte Museum in der „Runden Ecke“ ist in Leipzig neben weiteren Institutionen ein zentraler authentischer Ort von bundesweiter und internationaler Bedeutung, der gleichermaßen für die über 40jährige SED-Diktatur sowie die Unterdrückung durch die Staatssicherheit steht, wie für die Selbstbefreiung von dieser Diktatur durch die Friedliche Revolution, so Gedenkstättenleiter Tobias Hollitzer.
Jährlich nutzten insgesamt ca. 130 000 Menschen die Angebote der Gedenkstätte, die seit Jahren zu den vier bestbesuchten Museen der Stadt Leipzig (neben dem Völkerschlachtdenkmal, dem Zeitgeschichtlichen Forum und dem Museum der bildenden Künste) zählt. Seit 2012 gehört die Gedenkstätte Museum in der „Runden Ecke“ mit dem Museum im Stasi-Bunker zum Europäischen Kulturerbe „Eiserner Vorhang“. Die Gedenkstätte wurde zusammen mit der Nikolaikirche und dem Leipziger Innenstadtring als eine von zwölf authentischen Stätten des „Eisernen Vorhangs“ in das Kulturerbe aufgenommen. In diesem Netzwerk ist Leipzig, das sich immer auch als „Stadt der Friedlichen Revolution“ versteht, der einzige der ausgewählten Orte, der nicht an der ehemaligen deutsch-deutschen Grenze liegt, um die zentrale Bedeutung der Friedlichen Revolution als Voraussetzung für den Fall des „Eisernen Vorhangs“ zu manifestieren.

 

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VERÖFFENTLICHT AM 19.08.2016 Artikel drucken
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