Mächtiger Raffael

Dresdner Ausstellung ehrt italienischen Ausnahmekünstler im 500. Todesjahr
(epd)
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Raffael Ausstellung Dresden
© SKD

Die Fischer und ihre Boote sind aus Woll- und Seidenfäden gewebt, Jesus ist in leuchtendes Rot gehüllt. Er spricht mit den Männern. Einer von ihnen ist Petrus. "Der wunderbare Fischzug" heißt das Werk, das eine Szene aus der Bibel aufgreift. Es gehört zu einer Serie von sechs Wandteppichen nach Vorlagen von Raffael (1483–1520) im Besitz der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden. Im 500. Todesjahr des italienischen Renaissancekünstlers sind fünf der wertvollen Teppiche seit Samstag in der Gemäldegalerie Alte Meister zu sehen. Ergänzt werden sie von zwei textilen Leihgaben aus Paris sowie rund 50 Gemälden, Skulpturen, Druckgrafiken und Zeichnungen von Raffael und anderen Künstlern.

Die Ausstellung "Raffael – Macht der Bilder. Die Tapisserien und ihre Wirkung" ist bis zum 30. August zu sehen. Der Italiener habe die Bildsprache revolutioniert, sagt Galeriedirektor und Ausstellungskurator, Stephan Koja. Raffael konzentrierte sich auf die Personen und deren Interaktion, dekorative Elemente rückten in den Hintergrund. Inspiriert von der Antike habe der "begnadete Zeichner" menschliche Körper detailliert studiert, sagt Koja. Der Renaissancekünstler habe dabei sprechende Gesten gemalt, so dass der Betrachter den Figuren quasi beim Reden zusehen könne ohne sie zu hören. "Diese Verdichtung auf den prägnantesten Ausdruck hat Künstler fasziniert, zum Bespiel Dürer, Rembrandt oder Rubens", sagt Koja. Seit dem frühen Mittelalter waren auch Tapisserien (Bildteppiche) Mittel der Repräsentation.

Raffael schuf dafür ab 1515 im Auftrag von Papst Leo X. zehn großformatige Kartons, nach denen in Brüssel Tapisserien für die Sixtinische Kapelle in Rom gewebt wurden. Vier Jahre später, 1519, wurden sieben dieser Wandteppiche erstmals in der Kapelle aufgehängt. Auch Raffael hat sie dort betrachtet.

Im Jubiläumsjahr 2020 waren sie am Originalort nur für wenige Wochen zu sehen. Sieben der zehn Vorlagen sind erhalten und heute im Besitz des Victoria and Albert Museums in London. Sie waren vom späteren König Karl I. von England 1623 erworben worden. Er ließ in der englischen Tapisserie-Manufaktur Mortlake bei London mehrere Serien fertigen.

Das Dresdner Set mit sechs Teppichen entstand ebenfalls dort. Es zeigt Szenen aus dem Leben der Apostel Petrus und Paulus. 1728 gelangte die Serie in die Sammlung von Kurfürst Friedrich August I., August dem Starken. Die Bildteppiche sind einschließlich Schmuckumrandungen zwischen fünf und sieben Meter breit und mehrere Meter hoch. Raffael habe dafür die Kartons in Originalgröße, seitenverkehrt und koloriert angefertigt, sagt Co-Kuratorin Larissa Mohr. Für den Transport nach Brüssel seien sie in Streifen geschnitten worden.

In der Dresdner Ausstellung ist auch die Kopie eines solchen Kartons zu sehen. Raffael habe sich dabei selbst gut vermarktet, sagt Mohr. Noch vor dem Weben seien die Entwürfe und Zeichnungen als Kupferstiche verbreitet worden. So wurden sie auch nördlich der Alpen wahrgenommen, etwa von Albrecht Dürer. Die Grafiken waren Anstoß für Nachahmungen. Raffael habe Künstler bis ins 19. Jahrhundert beeinflusst, sagt Koja. Das zeigt auch die Dresdner Ausstellung. Sie präsentiert Werke unter anderem von Nicolas Poussin, Peter Paul Rubens, Rembrandt und Anthony van Dyck. Die Dresdner Teppichserie war zwischen 1991 und 1999 aufwendig gereinigt und restauriert worden. Die Farben strahlen seitdem im neuen Glanz.

Das vollständige Set soll vom 14. November bis 7. März 2021 im US-amerikanischen Columbus Museum of Art (Ohio) präsentiert werden. Nach dem Gastspiel wandern die Dresdner Wandteppiche erst einmal wieder ins Depot. Doch den Besuchern bleibt die berühmte "Sixtinische Madonna" von Raffael, die dauerhaft in Dresden zu sehen ist.

Info: Die Ausstellung "Raffael – Macht der Bilder" ist bis zum 30. August in der Gemäldegalerie Alte Meister in Dresden zu sehen. Das Museum ist täglich außer montags von 11 bis 17 Uhr geöffnet. Freitags von 11 bis 20 Uhr.

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