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»Manchmal ist Leipzig etwas wild«

Landesbischof Dr. Carsten Rentzing über das erste Jahr im Amt und den Kirchvorsteher-Tag in Leipzig
Interview: Ruth Weinhold-Heße
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Carsten Rentzing ist sächsischer Landes­bischof. © Armin Kühne

Herr Landesbischof, Sie treffen heute die Kirchvorsteher in Leipzig. Ist das für Sie ein Auswärtsspiel?
Nein. Ich fühle mich an allen Orten in dieser Landeskirche wohl. Ich führe überall angenehme Gespräche – auch heute wieder. Es gibt natürlich strittige Themen, bei denen wir manchmal sehr unterschiedlicher Auffassung sind. Aber es gibt auch Gemeinsames: Das Thema »Geistlich leiten« brennt allen unter den Nägeln. Es gibt überall den Willen, die Zukunft dieser Kirche mitzugestalten.

Wie nehmen Sie den Kirchenbezirk Leipzig wahr?
Salopp ausgedrückt: manchmal etwas wild. Das meine ich nicht abwertend, sondern ich denke, dass dieses aufrührerische Element, die mahnende Stimme, einer Landeskirche manchmal ganz gut tut. Man wird herausgefordert, Stellung zu beziehen. Leipzig kann seine Gabe relativ lautstark formulieren. Manchmal freut einen das mehr und manchmal ärgert man sich mehr darüber. Aber positiv ist beides.

Was antworten Sie dem Forum für Gemeinschaft und Theologie und denen, die sich in der sächsischen Landeskirche nicht mehr wohlfühlen?
Ich als Landesbischof bedaure jeden, der sich in dieser Kirche nicht zu Hause fühlt. Ich sehe das Forum als Signal, dass es in dieser Kirche vielfältige Formen des geistlichen Lebens gibt und viele Anknüpfungspunkte. Wenn das Forum manchen Menschen Raum geben kann, die sich nicht mehr Zuhause fühlen, wäre es sehr produktiv.

Sie sind jetzt ein Jahr im Amt als Bischof. Wie war es für Sie?
Persönlich war es schwer, weil ich fast ein ganzes Jahr von meiner Familie getrennt war. Mittlerweile ist die Familie wieder beieinander, was ich aufs Äußerste genieße. Ansonsten fühle ich mich gottlob gesundheitlich wieder wohl und tue meinen Dienst mit Freude. Ich bin auch dankbar, dass ich mit sogenannten Tiefschlägen gut umgehen kann. Für eine Bilanz meiner Arbeit ist es natürlich zu früh. Über die Kirchvorsteher-Tage kann ich sagen: Die Idee war richtig. Das ist etwas sehr Wertvolles.

Was steht als Nächstes auf Ihrer Agenda als Bischof?
Die Strukturanpassungsreform unserer Kirche. Scheinbar formale Dinge, aber dahinter stehen geistliche Entscheidungen, die zu treffen sind. Zu der Frage des Umgangs mit unseren homosexuellen Geschwistern wird sich die Kirchenleitung in diesem Herbst zu Wort melden. Uns als Kirche beschäftigt auch der Zusammenhalt der Gesellschaft, die Auseinandersetzungen, die wir derzeit erleben, wofür die Flüchtlingsthematik nur die Spitze des Eisbergs ist.

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(Markus 10,48-49)

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