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Nach Gewalt und Protesten erneut Kundgebungen in Chemnitz geplant

Friedensgebet in der St. Jakobikirche Chemnitz um 15.30 Uhr
epd/so
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Friedensgebet Chemnitz Kerzen
© Thommy Weiss/pixelio.de

Nach der tödlichen Gewalt am Rande des Chemnitzer Stadtfestes sind in der Stadt auch am Montag mehrere Demonstrationen geplant. Die rechtsgerichtete Bürgerbewegung »Pro Chemnitz« rief auf Facebook zu einer Kundgebung auf. Mehrere linke Gruppierungen aus Sachsen kündigten in den sozialen Netzwerken Gegenveranstaltungen an. Bereits am Sonntag hatte es spontane Demonstrationen nach der Gewalttat vom Wochenende gegeben.

In der Nacht zu Sonntag war es in Chemnitz nach Polizeiangaben zunächst zu einer »Auseinandersetzung zwischen mehreren Personen unterschiedlicher Nationalitäten« gekommen. Dabei wurde ein 35-jähriger Mann getötet. Zwei weitere 33 und 38 Jahre alte Männer wurden zum Teil schwer verletzt. Polizisten nahmen demnach einen 22-Jährigen und einen 23-Jährigen fest. Ob sie an der Auseinandersetzung beteiligt waren, war zunächst unklar. Der Getötete war Medienberichten zufolge deutscher Staatsbürger.

In Reaktion auf die Auseinandersetzung folgten am Sonntagnachmittag laut Polizei zunächst rund 100 Menschen einem Demonstrationsaufruf der AfD. Die Veranstaltung habe sich nach etwa einer Stunde ohne Zwischenfälle wieder aufgelöst.

Später versammelten sich demnach rund 800 Menschen und zogen durch die Innenstadt. »Die Personengruppe reagierte nicht auf Ansprache durch die Polizei und zeigte keine Kooperationsbereitschaft«, teilte die Polizei mit. Es habe Flaschenwürfe auf Polizisten gegeben. Medienberichte, wonach ein Beamter verletzt wurde, bestätigte ein Sprecher am Montag nicht. Auf im Internet kursierenden Videos ist zu sehen, wie Teilnehmer des Zuges »Wir sind das Volk« skandieren.

Die Polizei sei zu diesem Zeitpunkt »nur mit geringen Kräften vor Ort« gewesen, hieß es weiter. Weitere Beamte aus Dresden und Leipzig seien hinzugezogen worden. Nach rund 75 Minuten habe sich der Aufzug nach und nach aufgelöst.

Die Polizei bearbeitet im Zusammenhang mit der Versammlung den Angaben zufolge vier Anzeigen. Berichte, wonach einzelne Teilnehmer der Demonstration Migranten gejagt hätten, bezeichnete ein Polizeisprecher als »vage Vermutungen«, die er nicht bestätigten könne. Die Ermittlungen zu beiden Vorfällen liefen auf Hochtouren.

Das Chemnitzer Stadtfest war am Sonntag vier Stunden früher als geplant beendet worden. Oberbürgermeisterin Barbara Ludwig (SPD) sagte dem MDR, sie sei entsetzt. »Dass es möglich ist, dass sich Leute verabreden, ansammeln und damit ein Stadtfest zum Abbruch bringen, durch die Stadt rennen und Menschen bedrohen – das ist schlimm«, sagte die Politikerin.

Der Kirchenbezirk Chemnitz teilte unterdessen mit: »Aufgrund der angespannten Lage in Chemnitz nach Gewalttat mit Todesfolge, Abbruch des Stadtfestes und chaotischen Demos gestern sowie geplanten Demonstrationen am heutigen Abend, findet ein Ökumenisches Friedensgebet statt«, so Pfarrer Stephan Brenner: am 27. August 2018, um 15.30 Uhr, in der St. Jakobikirche Chemnitz (am Markt).

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49 Lesermeinungen zu Nach Gewalt und Protesten erneut Kundgebungen in Chemnitz geplant
Marcel Schneider schreibt:
28. August 2018, 7:59

Hier widerspreche ich heftig.
Fast täglich gibt es Messerstechereien in Deutschland, so am 16.08. in Leipzig, am 17.08. in Burgwedel oder am 23.08. in Neustadt/Weinstraße. In allen genannten Fällen sind die Täter Deutsche. Diese Fälle schaffen es aber nicht in die Medien. Es empört sich also auch keiner darüber.
Die "gefühlte Wirklichkeit" der Flüchtlingskriminalität verstellt nämlich den Blick auf die Realität.
Dafür, dass die Menschen immer mehr Angst haben und die "gefühlte Sicherheit" beständig schlechter wird, gibt es verschiedene Gründe. Einer davon ist die permanente politische und mediale Irreführung. Das Gefühl, an allen Ecken und Enden würden Straftaten begangen werden (und aktuell auch noch von Flüchtlingen), hat vor allem mit der medialen Aufbereitung und der politischen Diskussion zu tun. Die regelmäßigen politischen Verkündungen, alles gegen "die Kriminalität" zu tun, verunsichern die Menschen. Dabei ist z.B. die Gefahr, Opfer eines Terroranschlages zu werden, um viele hundert Male kleiner, als durch verschluckte Fischgräten oder Kugelschreiberteilchen zu sterben. In Colorado (USA) sterben jedes Jahr mehr Menschen auf den Skipisten als in ganz Amerika durch terroristische Anschläge – und mehr als in 2 ½ Stunden durch Opioid.
Wir erleben seit 2015, dass Menschen aus Afrika nach Europa kommen und Probleme wie Hunger und Krieg medial aufbereitet in unser Wohnzimmer geliefert werden und damit auch hier präsent sind. Schließlich begreifen viele Bürger, dass ihre finanzielle und gesundheitliche Altersversorgung nicht mehr gesichert ist. Menschen, die keinen Sinn mehr in ihrem eigenen Leben sehen und gesellschaftliche Entwicklungen nicht verstehen, sind grundlegend verunsichert.
Angst vor Kriminalität und vor "Fremden" zu haben ist dann ein Ventil, weil sie im Vergleich zu den anderen Ängsten greifbar und personalisierbar ist. Die Menschen verlagern ihre allgemeinen gesellschaftlichen Ängste in einen konkreten, wie man glaubt definierbaren Bereich: "Die" Kriminalität, "die Fremden", "die Flüchtlinge" - obwohl es "die Kriminalität" ebenso wenig gibt wie "die Flüchtlinge" - auch deshalb, weil das Risiko, Opfer einer Straftat zu werden, von Alter, Geschlecht, Wohnort und sozialer Lage abhängig ist und die Gefahr, in den eigenen vier Wänden Opfer eines Gewalt- oder Sexualdeliktes durch Bekannte oder Verwandte zu werden, nicht nur für Kinder und Jugendliche um ein vielfaches höher ist.
Es ist schlimm, dass ein junger Mann sein Leben verloren hat. Die Täter werden ihre Strafe erhalten.
Das Gewaltmonopol aber liegt beim Staat. Was gar nicht geht und genauso verabscheuungswürdig und widerwärtig ist: dass ein rechter Mob durch Chemnitz zieht und ruft: "Ausländer raus! Kanaken raus!" und dass es Hetzjagden auf Flüchtlinge gibt.
Sachsen, hast du aus Hoyerswerda und Heidenau nichts gelernt?

Gert Flessing schreibt:
28. August 2018, 9:54

Lieber Herr Schneider,
da haben also Deutsche (oder hatten sie nur einen deutschen Pas?), in Leipzig und anderen Orten "gemessert". Belege?
Für mich ist das nur ein Zeichen, dass die Gewaltbereitschaft und Verrohung in unserer Gesellschaft um sich greift.
Da kommt zu der verbalen Verrohung also auch noch die Gewalt, die körperlich ausgeübt wird.
Ja, Sie haben Recht! Die Medien zeigen das, was sich verkaufen lässt und eine schlechte Nachricht ist nun mal, in dieser Hinsicht, eine gute Nachricht.
Werden die Täter wirklich ihre Strafe erhalten? Wie oft werden, bei der Strafzumessung, auch noch Abstriche gemacht.
Es wäre vielleicht gut, wenn man, politischerseits, überlegen würde, solche Menschen, wenn sie denn Ausländer sind, zur Aburteilung und Bestrafung, in ihre Heimatländer zu schicken.
Gert Flessing

Britta schreibt:
28. August 2018, 11:11

Also, ich verstehe nicht, was die Nutzung des grundgesetzlich verankerten Rechts auf eine friedliche Demo mit der Infragestellung des Gewaltmonopols des Staates zu tun hat, so wie Sie das hier trefflich von den Qualitätsmedien übernommen haben- erklären Sie mir das bitte?
Zudem ist Ihnen wahrscheinlich wirklich nicht aufgefallen, daß seit 2015 mssenhaft zumeist junge muslimische Männer durch ungeschützte Grenzen illegal ins Land gekommen sind und seither Volkfeste mit sandgefüllten Containern, Betonpollern und verstärktem Sicherheitspersonel geschützt werden müssen, sofern sie überhaupt noch stattfinden.
Eine junge Zahnärztin, angestellt in einer Praxis im Zentrum von Chemnitz, will nun ihre Stelle verlassen, da sie schon mehrfach begrapscht und belästigt wurde, nicht von Deutschen, meiner Mitareiterin ist es bereits passiert, in den Abendstunden trauen sich viele Bürger nicht mehr ins Chemnitzer Zentrum aufgrund der vielen Zwischenfälle, die zum Glück nicht immer tödlich enden, z.B. im Stadthallenpark, der deshalb bereits "geschoren" wurde. Kleine Gaststätten müssen schließen, da dadurch die Kundschaft wegbleibt. Oder unterhalten Sie sich doch mal mit Schaustellern auf den Volksfesten über die letzten 2-3 Jahre. Das hat absolut nichts mit Projektion zu tun, sondern mit Wahrnehmung der Realität, die uns sehr unangenehm einholt.
In meiner Studentenzeit konnte man nachts noch unbehelligt als Frau durch Leipzig laufen, das ist heute nicht mehr empfehlenswert.

Marcel Schneider schreibt:
28. August 2018, 12:35

Die Videos, die ich bei YouTube sehe, zeigen keine friedlichen Demos, sondern Flaschenwürfe, Hitlergrüße, Pöbeleien gegenüber Flüchtlinge.

Gert Flessing schreibt:
28. August 2018, 13:14

Wer ein Video aufnimmt und es ins Netz stellt, der zeigt darauf den Ausschnitt, der ihm wichtig war und verkauft ihn als DAS Ereignis.
Gert Flessing

Krippenstapel schreibt:
31. August 2018, 20:19

Wo, bitte, waren diese Demonstrationen, um die es hier geht, friedlich? Dank der Omnipräsenz von Smartphones kann sich anhand der Videos im Netz jeder ein Bild dieser "Friedlichkeit" verschaffen. Gestern mußte ich mein Kind wegen der üblen Erfahrungen mit den "Wutbürgern" von Sonntag und Montag vorzeitig aus der Kita abholen, weil ungewiß war, ob es die Polizei beim dritten Versuch endlich schafft, gegen die Böller- werfenden Nazihorden aus aller Herren Länder hier in Chemnitz Recht und Ordnung durchzusetzen. Sie, Britta, sprechen durchaus Wahrheiten an, daß nämlich der (sächsische) Staat in der Vergangenheit das Gewaltmonopol nicht mehr immer durchsetzen konnte und zwar auch und gerade in der Chemnitzer Innenstadt. Aber Sie versuchen gleichzeitig, einen gewalttätigen Mob und diejenigen, die vielleicht nicht selbst Hand anlegen, aber auch nicht dagegen protestieren, wenn völlig Unbeteiligte angegriffen werden, zu rechtfertigen. Das darf nicht sein, die anständigen Bürger gilt es zu schützen und nicht besoffenen Chaoten, egal welcher Couleur, das Feld zu überlassen!

Britta schreibt:
02. September 2018, 19:33

Zum ersten, der Chefredakteur der Freien Presse hat letzte Woche dementiert, dass es Hetzjagden gegeben haette. Zum anderen: wenn ich mein Recht, gegen Zustaende, die ich fuer bedenklich halte, auf die Strasse im Rahmen einer angemeldeten Demo zu gehen, wahrnehme, und z.B. aufmerksam machen will, dass es nicht geht, dass vollalimentierte Gaeste hier Menschen niederstechen oder vergewaltigen, gibts da auch was, dem nicht die Nachrede "rechtsextrem" anhaengt?
Zusem weiss ich nicht, ob Poebler oder Hitlergrusszeiger womoeglich eingeschleuste Provokateure sind, die genau die Bilder liefern, die die Medien brauchen, um die ganzen Aktionen in Misskredit zu bringen. Insofern, wen ich bei so eine, Zug mitlaufe, wuerde ich sofort einen solchen Menschen anzeigen, um Schaden von dem Zug abzuwenden und die Taeter namentlich dingfest zu machen. Ich habs nur noch nie in meiner Naehe erlebt.
Auf jeden Fall habe ich keine Angst vor den hier sogenannten Wutbuergern, wohl aber vor den "Anstaendigen", die auch morgen wieder ueber z.T. gesponserte Fahrkarten zum Rockkonzert am der Stelle des Mordes von vor einer Woche anrollen werden. Und vor denen, denen in Gruppen auftretend nichts tabu ist. Und dazu zaehle ich die sogenannten Wutbuerger absolut nicht!
Haben sich die ganzen "Anstaendigen" eigentlich mal ueberlegt, was die mediale Verharmlosung der Morde fuer die wenigen echten Schutzsuchenden in diesem Land bedeuten? Die dann automatisch gemieden werden, weil man ja nicht weiss...

Johannes schreibt:
02. September 2018, 22:23

Was denkst Du denn, liebe Britta, wieviel Geld der böse Staat in die Hand nimmt, und Hunderte Holigans, Pöbler und Hitlergrußzeiger als Provokateure einschleußt, damit die gewünschten Bilder zu erzeugen sind? Wer hat denn die vielen fakes erstellt, die gejagte Migranten und angegriffene Journalisten zeigen? Vielleicht war auch der staatsangestellte Hutbürger ein Provokateur, damit die Sau der behinderten ZDF-Journalisten durchs Dorf gejagt werden konnte? - Hier passt Dein Lieblingsfrage hin: Glaubst Du eigentlich, was Du schreibst?

Beobachter schreibt:
03. September 2018, 12:44

Toyota würdesagen: Nichts ist unmöööglich!" Einem sterbenden System ist kein "operativer Vorgang" zu teuer. Das kennen wir (beide) doch aus der guten alten Zeit, oder?

Marcel Schneider schreibt:
28. August 2018, 11:10

Da gebe ich Ihnen recht, ich habe auch die Nase voll, wie sich der Rassismus in Sachsen, aber hier im Forum unverhohlen Bahn bricht.
Die Besitzer der Gaststätten in Dresden haben es auch satt, dass jeden Montag Abend der pöbelnde und geifernde Mob durch die Innenstadt zieht und deshalb die Touristen fernbleiben.

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