49

Nach Gewalt und Protesten erneut Kundgebungen in Chemnitz geplant

Friedensgebet in der St. Jakobikirche Chemnitz um 15.30 Uhr
epd/so
  • Artikel empfehlen:
Friedensgebet Chemnitz Kerzen
© Thommy Weiss/pixelio.de

Nach der tödlichen Gewalt am Rande des Chemnitzer Stadtfestes sind in der Stadt auch am Montag mehrere Demonstrationen geplant. Die rechtsgerichtete Bürgerbewegung »Pro Chemnitz« rief auf Facebook zu einer Kundgebung auf. Mehrere linke Gruppierungen aus Sachsen kündigten in den sozialen Netzwerken Gegenveranstaltungen an. Bereits am Sonntag hatte es spontane Demonstrationen nach der Gewalttat vom Wochenende gegeben.

In der Nacht zu Sonntag war es in Chemnitz nach Polizeiangaben zunächst zu einer »Auseinandersetzung zwischen mehreren Personen unterschiedlicher Nationalitäten« gekommen. Dabei wurde ein 35-jähriger Mann getötet. Zwei weitere 33 und 38 Jahre alte Männer wurden zum Teil schwer verletzt. Polizisten nahmen demnach einen 22-Jährigen und einen 23-Jährigen fest. Ob sie an der Auseinandersetzung beteiligt waren, war zunächst unklar. Der Getötete war Medienberichten zufolge deutscher Staatsbürger.

In Reaktion auf die Auseinandersetzung folgten am Sonntagnachmittag laut Polizei zunächst rund 100 Menschen einem Demonstrationsaufruf der AfD. Die Veranstaltung habe sich nach etwa einer Stunde ohne Zwischenfälle wieder aufgelöst.

Später versammelten sich demnach rund 800 Menschen und zogen durch die Innenstadt. »Die Personengruppe reagierte nicht auf Ansprache durch die Polizei und zeigte keine Kooperationsbereitschaft«, teilte die Polizei mit. Es habe Flaschenwürfe auf Polizisten gegeben. Medienberichte, wonach ein Beamter verletzt wurde, bestätigte ein Sprecher am Montag nicht. Auf im Internet kursierenden Videos ist zu sehen, wie Teilnehmer des Zuges »Wir sind das Volk« skandieren.

Die Polizei sei zu diesem Zeitpunkt »nur mit geringen Kräften vor Ort« gewesen, hieß es weiter. Weitere Beamte aus Dresden und Leipzig seien hinzugezogen worden. Nach rund 75 Minuten habe sich der Aufzug nach und nach aufgelöst.

Die Polizei bearbeitet im Zusammenhang mit der Versammlung den Angaben zufolge vier Anzeigen. Berichte, wonach einzelne Teilnehmer der Demonstration Migranten gejagt hätten, bezeichnete ein Polizeisprecher als »vage Vermutungen«, die er nicht bestätigten könne. Die Ermittlungen zu beiden Vorfällen liefen auf Hochtouren.

Das Chemnitzer Stadtfest war am Sonntag vier Stunden früher als geplant beendet worden. Oberbürgermeisterin Barbara Ludwig (SPD) sagte dem MDR, sie sei entsetzt. »Dass es möglich ist, dass sich Leute verabreden, ansammeln und damit ein Stadtfest zum Abbruch bringen, durch die Stadt rennen und Menschen bedrohen – das ist schlimm«, sagte die Politikerin.

Der Kirchenbezirk Chemnitz teilte unterdessen mit: »Aufgrund der angespannten Lage in Chemnitz nach Gewalttat mit Todesfolge, Abbruch des Stadtfestes und chaotischen Demos gestern sowie geplanten Demonstrationen am heutigen Abend, findet ein Ökumenisches Friedensgebet statt«, so Pfarrer Stephan Brenner: am 27. August 2018, um 15.30 Uhr, in der St. Jakobikirche Chemnitz (am Markt).

Diskutieren Sie mit

49 Lesermeinungen zu Nach Gewalt und Protesten erneut Kundgebungen in Chemnitz geplant
Beobachter schreibt:
29. August 2018, 23:09

„Haben keine Hetzjagden beobachtet“
Chefredakteur der Chemnitzer „Freien Presse“ Torsten Kleditzsch gegenüber dem „Deutschlandradio Kultur“ in einem Interview: „Für den Sonntagnachmittag, wo sehr schnell von Hetzjagden die Rede war, das haben wir hier nicht beobachtet. Wir waren mit unseren Leuten draußen. Es gab Angriffe aus der Demonstration, einzelne Angriffe auf Migranten, auf Polizisten und auf Linke auch. Das waren aber sehr vereinzelte Fälle aus dieser Demonstration heraus und das hatte mit einer Hetzjagd im wörtlichen Sinne nichts zu tun„
Lokal-Reporterin: „Rangeleien“

Dies deckt sich mit Beobachtungen von Bekannten in Chemnitz. Auch die sächsische Polizei schreibt in einer Aussendung zu den Ereignissen des Sonntagnachmittags explizit nichts von „Hetzjagden“ gegen Migranten. Eine Reporterin des Regionalsenders MDR berichtete am Sonntag lediglich von „Rangeleien“.

Britta schreibt:
30. August 2018, 11:11

welch Chuzpe: da wird ein Mensch brutal abgeschlachtet (und zwei sehr schwer verletzt) und an fast der selben Stelle soll eine Woche später ein großes Konzert gegen jene stattfinden, die entsetzt, traurig oder wütend über den sinnlosen Tod des jungen Mannes sind (und dies womöglich im Zusammenhang mit einer Reihe ähnlicher Vorfälle in jüngster Zeit sehen). Das ist an Zynismus wirklich nicht mehr zu übertreffen.

Beobachter schreibt:
30. August 2018, 13:08

Habe gerade ein Interview mit Frank Heinrich in Die Welt https://www.welt.de/videos/video181352600/Frank-Heinrich-Die-Polizei-hat... gehört. Er sagt klar, dass die erste Demo vor allem von ganz normalen Bürgern begangen wurde, nur ungefähr 50 Hooligans eines FC wurden radikal. Die Polizei habe die Arbeit gut gemacht.

Christoph schreibt:
30. August 2018, 15:14

Sehr wohltuend das Statement von Frank Heinrich. Und natürlich sagt er auch, dass beides - der Totschlag und der Hitlergruß (in der Größe, in der er stattgefunden hat) konsequent verfolgt gehören.
Gut auch der Hinweis vor allem an die Politik aber auch die Medien, verbale Schnellschüsse zu vermeiden.
Und gerade bei den Medien kann man jetzt in Chemnitz sehr gut beobachten, in welcher Menge die über die Stadt verfallen - irgendwie wie die Fliegen über einen Hundehaufen. Diese mediale Präsenz trägt nie und nimmer zur Deeskalation bei. Ganz im Gegenteil ...

Beobachter schreibt:
30. August 2018, 16:15

Zum Glück gibt es noch Menschen mit Durchblick:
https://www.welt.de/politik/deutschland/video181359542/Henryk-M-Broder-u...

Johannes schreibt:
31. August 2018, 23:00

Broder

Johannes schreibt:
30. August 2018, 17:15

02.09.2018, 16:00 Uhr, Chemnitz Markt
Kundgebung unter dem Motto: Wir in Chemnitz - aufeinander hören, miteinander handeln.
Die Evangelisch-Lutherische Kirche plant für Sonntag, 2. September, eine Kundgebung in der Chemnitzer Innenstadt FÜR Barmherzigkeit Demokratie, Dialog, Gewaltlosigkeit, Problembewusstsein, Recht und Respekt. Hierzu suchen evangelische Christen den Schulterschluss mit der Stadt Chemnitz, anderen Konfessionen und Religionen, mit Einrichtungen, Vereinen und Verbänden aus Gesellschaft und Kultur, mit allen Chemnitzerinnen und Chemnitzern, die sich ebenfalls für ein respektvolles Miteinander in unserer Stadt einsetzen.

Veranstalter: Ev.-Luth. Kirchenbezirk Chemnitz, Tel: 0371 40056-21, Fax: 0371 40056-24, eMail: suptur.chemnitz@evlks.de

Britta schreibt:
04. September 2018, 8:40

Ist doch komisch: nachdem das Rockkonzert gestern ja so ein großer Erfolg war, da es für viele Interessierte aus ganz Deutschland ja offenbar kostenfreie Fahrgelegenheiten gab, habe ich mir das mal genauer angesehen: unter Google: Tote Hosen Chemnitz Weser Kurier erscheint:

Die Toten Hosen spielen in Chemnitz - Vermischtes ... - Weser Kurier
https://www.weser-kurier.de/.../deutschland-welt-vermischtes_artikel,-di......

24.08.2018 - Und jetzt auch die Hosen: Das geplante Konzert unter dem Motto „Wir sind mehr - Aufstehen gegen rechte Hetze“ in Chemnitz entwickelt sich ...

Das ist doch komisch, passierte der Mord nicht in der Nacht vom Samstag zum Sonntag, also vom 25 auf den 26.8.?
Wenn man den Artikel des Weser-Kurier anklickt, dann erscheint als Datum der 31.08. - wieso war er dann schon am 24.08. bei google eingestellt? Bei weiterer Suche im Netz finden sich screenshots, wo der Artikel zum 24.08. datiert ist. Wurde die Datierung im Nachhinein verändert? Sehr mysteriös, habe mir sicherheitshalber eigene Screenshots gemacht.

Beobachter schreibt:
04. September 2018, 12:37

Ja, so ist das oft bei "operativen Vorgängen"

Seiten

Folgen Sie Sonntag Sachsen:

Aktuelle Veranstaltungen
  • , – Oederan
  • Orgelmusik
  • Kirche Unser Lieben Frauen
  • , – Freiberg
  • Familienführung
  • Dom
  • , – Leipzig
  • Orgelmusik am Mittag
  • Michaeliskirche
Audio-Podcast

Der Twitter-Sonntagticker
Sonntag Sachsen @sonntagticker
Rund 500 Menschen haben am Abend in @StadtLeipzig gegen #Abschiebungen demonstriert. Am Abend zuvor hatte es Krawal… https://t.co/W89VFeja6J
vor 5 Tagen
Sonntag Sachsen @sonntagticker
Es gebe ein "Sachsen-Bashing, das völlig unangebracht ist", sagte der Direktor des Zeitgeschichtlichen Forums in… https://t.co/75y5gQBfio
vor 7 Tagen
Sonntag Sachsen @sonntagticker
Berlinerin Leen Fritz wird neue #Jugendpfarrerin in Dresden. #Jugendkirche @evjusa https://t.co/esEb8q846H
vor 7 Tagen
Sonntag Sachsen @sonntagticker
#Senioren gesucht: Die @EHSDresden will den Alltag in Wohngemeinschaften und Hausgemeinschaften begleiten und beoba… https://t.co/Qcy9eWspmz
vor 13 Tagen