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Nobelpreisträger de Klerk erwartet Vielfalt in Europa

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  • V.l.: Landesbischof Carsten Rentzing, Frederik de Klerk, Thomas de Maizière, Stanislaw Tillich, Sebastian Feyd

    V.l.: Landesbischof Carsten Rentzing, Frederik de Klerk, Thomas de Maizière, Stanislaw Tillich, Sebastian Feyd

  • Frederik de Klerk, früherer Präsident Südafrikas, sprach in der Frauenkirche

    Frederik de Klerk, früherer Präsident Südafrikas, sprach in der Frauenkirche

Der ehemalige Präsident Südafrikas und Friedensnobelpreisträger Frederik de Klerk hat die Gesellschaften Europas auf eine wachsende Vielfalt eingestimmt. Die Zeit der monoethnischen Nationalstaaten sei vorbei, sagte der 81-Jährige am Montagabend in der traditionellen Nobelpreisträgerrede in der Dresdner Frauenkirche.

De Klerk, der von 1989 bis 1994 Präsident Südafrikas war, erinnerte daran, dass sich ein Großteil der Menschheitsgeschichte aus Wanderungsbewegungen speise. Das vielleicht prägendste Bild unseres Zeitalters sei möglicherweise das Tausender Flüchtlinge, die versuchen auf überfüllten Booten nach Europa zu kommen. Es sei zu erwarten, dass in den kommenden Jahren eine zunehmende Zahl von Flüchtlingen den Schutz und die Sicherheit in Europa suchen werden, sagte de Klerk, der den Friedensnobelpreis 1993 zusammen mit Nelson Mandela erhalten hatte.

Überall würden Bevölkerungen zunehmend heterogener. Die Herausforderung für ehemals homogene Gesellschaft bestehe darin, diese Vielfalt zuzulassen. Das löse Ängste in den Mehrheitsgesellschaften aus. Andererseits fühlten sich auch die Minderheiten vielerorts zurückgesetzt und unter Druck, sich der Mehrheitskultur anpassen zu müssen.

Dieses Gefühl der Ausgrenzung breche sich zum Teil Bahn in Gewalt. Notwendig sei daher die Entwicklung von Normen und Übereinkünften über Rechte von kulturellen Minderheiten, aber auch gemeinsame Werte als Basis des Zusammenlebens.

De Klerk hielt sich bereits seit dem Nachmittag in Dresden auf und war unter anderem mit Schülergruppen zusammengetroffen. Das Thema seines Vortrags lautete »Wege zu einem Miteinander innerhalb multikulturell geprägter Nationen«.

Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) hatte zuvor in seinem Grußwort an die historischen Parallelen zwischen Südafrika und Deutschland in den Jahren 1989/90 erinnert. In beiden Ländern seien damals Mauern gefallen, in Deutschland tatsächlich und in Südafrika metaphorisch. Besonders beeindruckt an der Entwicklung in Südafrika habe ihn die Kraft der Versöhnung der einstigen Kontrahenten de Klerk und Mandela, sagte der Bundesinnenminister.

Auch Sachsens Ministerpräsident Stanislaw Tillich (CDU) würdigte die außergewöhnliche politische Leistung des ehemaligen südafrikanischen Präsidenten. Gemeinsam mit Nelson Mandela habe de Klerks Südafrika in eine neue, eine bessere Zukunft geführt.

De Klerks Vortrag war die vierte Nobelpreisträgerrede in Dresden seit 2010. Die Veranstaltung hatte mit einer Schweigeminute für die Opfer nach den Anschlagsnachrichten aus dem russischen Sankt Petersburg begonnen. Sachsens evangelischer Landesbischof Carsten Rentzing sagte, die Welt brauche Frieden und Versöhnung.

»Zum vierten Mal konnte die Stiftung Frauenkirche Dresden einen Vertreter aus dem Kreis der mit dem Friedensnobelpreis geehrten Personen und Institutionen zu einer öffentlichen Rede begrüßen«, sagte Grit Jandura von der Stiftung Frauenkirche. Zuvor hatten bereits Martti Ahtisaari, Mohamed ElBaradei und Ahmet Üzümcü im Rahmen der Konzeptreihe »Friedensnobelpreisträger in der Frauenkirche Dresden« gesprochen. Zur Rede de Klerks waren 1150 Gästen gekommen, so Jandura.

Auch künftig möchte die Frauenkirche als Ort des Friedens und der Versöhnung auf diesem Weg die gesellschaftliche Auseinandersetzung über globale Friedensfragen befördern und ermutigende Denkanstöße liefern. Frauenkirchenpfarrer Sebastian Feydt betonte diesbezüglich, dass Frederik de Klerks Worte der Ermutigung und der Anregung die Stiftung Frauenkirche Dresden darin bestärkten, das eigene Engagement für eine moderne und wertebasierte Gesellschaft noch weiter zu erhöhen. Daher werde auch die Reihe der Friedensnobelpreisträgerreden fortgesetzt.

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