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Rebecca Harms: Nationalismus nicht aus Brüssel bekämpfen

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Rebecca Harms
© Jürgen Olczyk

Die Grünen-Politikerin Rebecca Harms hat es als falsch bezeichnet, Nationalismus in Europa von oben zu bekämpfen. Sie glaube nicht daran, »dass wir diese Entwicklung von Brüssel aus in den Griff bekommen«, sagte die Europaabgeordnete am Donnerstagabend auf dem Leipziger »Kirchentag auf dem Weg«. In Polen gebe es derzeit trotz der nationalkonservativen Regierungspartei PiS eine starke demokratische Bürgerbewegung: "Ich bin sehr optimistisch, dass das gut ausgeht.«

In einer Debatte zum Thema »Nationalismus und Europa« warb Harms für mehr Geduld im Umgang mit den EU-Staaten im Osten Europas. »Die Polen sind Umfragen zufolge zurzeit sehr viel proeuropäischer als die Deutschen«, sagte die Politikerin. Es gebe dort eine sehr intensive Auseinandersetzung, wie Demokratie aussehen solle. Das erinnere sie stark an die Debatten, die in den 1980er Jahren in Deutschland geführt worden seien.

Klára Tarr Cselovszky von der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Ungarn sagte, die Jahrzehnte in der Sowjetunion seien für Länder wie Ungarn oder Polen Jahre ohne eigene Identität gewesen. Nach dem Mauerfall 1989 und dem Beitritt zur EU habe man sich dann im Eiltempo Privatisierungen und den Regeln des liberalen Marktes unterworfen. »Ich denke, auch darüber muss man sprechen, wenn wir über Nationalisierung oder Enttäuschung sprechen«, betonte Tarr Cselovszky.

Die Leiterin des Brüsseler Büros der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Katrin Hatzinger, sagte, die Staaten in Osteuropa hätten sehr unterschiedliche Transformationen durchlaufen. »Da sollten wir aus unserer Warte nicht zu hart in den Urteilen sein«, erklärte sie. In der Geschichte der EU habe es immer Menschen gegeben, die sich »durch nationalistische Töne profiliert haben«. Die EU müsse dem mehr Transparenz entgegensetzen und ihre Politik besser erklären, sagte Hatzinger: »Dann könnte man simplem EU-Bashing auch leichter Einhalt gebieten.«

Der Leipziger »Kirchentag auf dem Weg« findet wie fünf weitere regionale Christentreffen in Mitteldeutschland parallel zu dem am Mittwoch eröffneten 36. Deutschen Evangelischen Kirchentag in Berlin und Wittenberg statt. In der Messestadt stehen dabei bis Sonntag rund 500 Veranstaltungen auf dem Programm.

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15 Lesermeinungen zu Rebecca Harms: Nationalismus nicht aus Brüssel bekämpfen
Beobachter schreibt:
28. Mai 2017, 19:02

Hochachtung vor diesen Staaten deren Regierenden, anders als bei uns, sich noch für ihr Volk und ihren Wählern einsetzen! Unfrieden produzieren die Regierenden, die sich ,ohne Volkeswillen, über bestehende Gesetze hinwegsetzen!

Gert Flessing schreibt:
28. Mai 2017, 22:08

Es geht mir gewiss nicht um den "Volkswillen". Der ist wankelmütig und manipulierbar.
Es geht eigentlich um den gesunden Menschenverstand.
Der gebietet, das man jeglichen Zuzug von Menschen, aus welchen Gründen auch immer sie kommen, regelt und kontrolliert.
Der gebietet auch, das Menschen, die nicht einheimisch sind, hier aber straffällig werden, ausgewiesen werden.
Es ist doch bemerkenswert, das es in Polen, in Ungarn und in einigen anderen Ländern, die restriktiv sind, im Blick auf die Zuwanderung, bisher keine Anschläge gegeben hat.
Es lohnt sich, einmal darüber nach zu denken.
Gert Flessing

Beobachter schreibt:
29. Mai 2017, 8:04

Ja, das lohnt sich. Bur wie Du siehst, fällt dsa manchen schwer! Diejenigen, die den konsequenten Staaten unterstellen, sie würden sich aus der (Internationalen )"Solidarität"heraushalten.
Die singen scheinbar immer "Vorwärts und nicht vergessen,..."!

Johannes schreibt:
29. Mai 2017, 23:22

Wir haben uns schon gesorgt, wo der verächtlichmachende Kommentar des Rheinischen bleibt. Jetzt ist er da; wir können wieder ruhig schlafen... Übrigens: Das Nicht-Vergessen würde manchem Scheuklappen-Kommentator richtig gut tun!

Johannes schreibt:
29. Mai 2017, 23:29

nota bene: wer ist eigentlich "Bur", der etwas Bestimmtes sehen soll? Ich dachte immer, Herr Flessing ist Fürstbischof von Mützenau. Erdreistet sich etwa Anonymus Beo, ihn mit Bur (Bauer) anzureden?

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