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Sachsen fördert Provenienzforschung

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Sachsen
© Lupo/pixelio.de

Sachsens Wissenschafts- und Kunstministerin Eva-Maria Stange (SPD) appelliert an einen respektvollen Umgang mit der Geschichte von Kunstobjekten. »Wer verantwortungsvoll mit Kunstwerken und Kulturgütern umgehen will, kann die Herkunft dieser Sammlungsstücke nicht mehr ignorieren«, erklärte Stange am Mittwoch in Dresden. Anlass war der Internationale Tag der Provenienzforschung, der am Mittwoch erstmals begangen wurde. Ein Werk könne nie losgelöst von den Umständen seiner Entstehung und seines Ankaufs verstanden werden.

Sachsen habe sich frühzeitig um geeignete Rechercheinstrumente bemüht und fördere die Recherchedatenbank Daphne seit 2008. Seit dem Projektstart sind Stange zufolge dafür insgesamt rund 40 Millionen Euro aufgewendet worden.

Der Schwerpunkt der Forschung verschiebe sich derzeit von Kunstwerken, die von den Nationalsozialisten geraubt wurden, auf Sammlungsstücke aus ehemaligen Kolonien. »Wenn wir die Geschichte dieser Stücke kennen, können wir nicht nur die Rückgabe einleiten, wenn dies angebracht ist, sondern finden möglicherweise auch einen neuen Zugang zu den Werken«, erklärte die Ministerin.

Am kommenden Montag sollen in der Australischen Botschaft in Berlin unter anderem die sterblichen Überreste von 37 indigenen Australiern aus sächsischen Sammlungen an Vertreter der Yawuru Community übergeben werden. Beim Umgang mit menschlichen Gebeinen aus kolonialen Kontexten bemühten sich die Staatlichen Ethnographischen Sammlungen der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden um große Transparenz, hieß es. So wurden bereits 2017 derartige Objekte an Repräsentanten von Volksgruppen auf Hawaii übergeben.

Am Dienstag waren in München die sterblichen Überreste eines indigenen Mannes aus Australien zurückgegeben worden. Neben Berlin ist eine weitere Rückgabe-Zeremonie in Stuttgart geplant. Nach der Rückkehr nach Australien sollen die sterblichen Überreste der Vorfahren mit traditionellen Riten bestattet werden.

Stange betonte, es sei wichtig, dass die Vernetzung mit den Herkunftsländern und -gesellschaften gestärkt wird. Wegen bisheriger Provenienzrecherchen habe der Freistaat in den vergangenen Jahren nicht nur Kunstwerke und Sammlungsstücke an die rechtmäßigen Besitzer zurückgegeben, sondern auch geraubte Kunstwerke zurückerhalten.

Der Tag der Provenienzforschung soll künftig einmal jährlich, jeweils am zweiten Mittwoch im April begangen werden. Der Aktionstag wird organisiert vom Arbeitskreis Provenienzforschung e.V., um auf die gesellschaftliche und wissenschaftliche Relevanz der Tätigkeit von international vernetzten Provenienzforscherinnen und Provenienzforschern aufmerksam zu machen.

Der Umgang mit menschlichen Überresten in Museumsbeständen und wissenschaftlichen Sammlungen wird seit den 1990er Jahren verstärkt diskutiert. Eine interdisziplinäre Arbeitsgruppe des Deutschen Museumsbundes hatte dafür 2013 Empfehlungen erarbeitet.

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