13

Sachsen setzt sich für vielfältige Lebensweisen ein

epd
  • Artikel empfehlen:
Gleichstellungsministerin Petra Köpping traf sich vorab mit dem Gemeindepädagogen Jens Ullrich, der mit einem Mann verheiratet ist. © Steffen Giersch
Gleichstellungsministerin Petra Köpping traf sich vorab mit dem Gemeindepädagogen Jens Ullrich, der mit einem Mann verheiratet ist. © Steffen Giersch

Sachsen hat drei Jahre nach einer Vereinbarung im Koalitionsvertrag von CDU und SPD einen Landesaktionsplan für die Akzeptanz von ganz verschiedenen Lebensentwürfen vorgelegt. »Das Thema Vielfalt ist noch lange nicht in den Köpfen der Menschen«, sagte Gleichstellungs- und Integrationsministerin Petra Köpping (SPD) am Donnerstag in Dresden. Der »Landesaktionsplan zur Akzeptanz der Vielfalt von Lebensentwürfen« solle helfen, Diskriminierung und Vorurteile unter anderem gegenüber lesbisch, schwul, bisexuell oder transsexuell lebenden Menschen abzubauen.

Er solle aber auch zur Aufklärung beitragen. Dafür sind verschiedene Beratungsstrukturen auch im ländlichen Raum im Aufbau, wo es Köpping zufolge noch viele Vorbehalte zu unterschiedlichen Lebensweisen gibt. Der fast 50-seitige Plan hält unter anderem »Handlungsfelder« fest, wo Diskriminierung abgebaut werden muss, etwa in der Arbeitswelt, in der Schule oder in der Pflege. Dazu sollen die verschiedenen Fachkräfte geschult werden.

Ferner sieht der Plan vor, Polizei und Justiz für die Themen zu sensibilisieren. Immerhin gebe es eine hohe Dunkelziffer von homo- und transphob motivierter Hasskriminalität, sagte Christian Roßner von der Landesarbeitsgemeinschaft Queeres Netzwerk Sachsen. Erstmals hat der Freistaat mit Frank-Peter Wieth zudem einen eigenen Landesbeauftragten für die Belange von LSBTTIQ (Lesbisch, Schwul, Bisexuell, Transsexuell, Transident, Intersexuell und Queer).

Den Kirchen wurde im Landesaktionsplan kein extra Handlungsfeld zugewiesen. Wieth begründete das mit der Trennung von Kirche und Staat und der damit verbundenen rechtlichen Eigenständigkeit. Aktuell beschäftigt die Evangelisch-Lutherische Landeskirche der Fall des Jugendwarts Jens Ullrich im Erzgebirge, dem von einigen Kirchgemeinden ein Predigtverbot auferlegt wurde. Wie Wieth betonte, seien Vertreter der Kirchen eingeladen, im Beirat des Aktionsplanes mitzuarbeiten, einem Arbeitsgremium aus rund 20 Vertretern von Parteien und weiteren Akteuren der Gesellschaft.

Als »längst überfällig« bezeichnete die gleichstellungspolitische Sprecherin der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen, Katja Meier, den sächsischen Aktionsplan. Er bleibe allerdings »Stückwerk«. Es fehlten »jegliche zeitlichen Festlegungen« anders als etwa in Hessen, wo Aufgaben terminiert wurden. Zudem kritisierte sie, dass Maßnahmen zum Teil nur in einem Prüfmodus angedacht sind, darunter die Sensibilisierung der sächsischen Justizbehörden. Auch die Fraktionen von SPD und Linken kritisierten das Vorgehen.

Vergleichbare Aktionspläne für Vielfalt gibt es Köpping zufolge bereits in etwa zehn Bundesländern, in Berlin beispielsweise seit 2010. Köpping hatte den Aktionsplan für Sachsen maßgeblich vorangebracht. Etwa ein Jahr hatte allein die Abstimmung zwischen den sächsischen Ministerien gedauert. Begleitend zum Aktionsplan fördert Sachsen Projekte der Antidiskriminierungsarbeit. Vereine und Verbände in diesem Bereich sollen weiter gestärkt und vernetzt werden.

Akzeptanz könne nicht verordnet aber gefördert werden, sagte Sarah Buddeberg, queerpolitische Sprecherin der Linken-Fraktion. Das erfordere eine »klare Position im gesellschaftlichen Diskurs«.

Diskutieren Sie mit

13 Lesermeinungen zu Sachsen setzt sich für vielfältige Lebensweisen ein
Beobachter schreibt:
03. Oktober 2017, 13:40

Ja Gert, so ist es (noch)! Dann verstehe ich aber nicht, daß Lehnerts und Meiers ständig dagegen hetzen!
Gruß Joachim

Johannes schreibt:
01. Oktober 2017, 13:01

Ja, Herr Beobachter, das gab es schon lange, dass Kirchgemeinden Mitarbeiter nicht in ihre Kreise ließen, weil der Mitarbeiter mit seinem Leben, Zeugnis und Glauben nicht den Vorstellungen entsprach, wie die Gemeindeoberen das wünschten. Da erinnere ich mich daran, dass zu DDR-Zeiten ich oder z.B. mein Diakonenkollege Wolfgang Kerst von Gemeinden gemieden wurden, weil Ihnen unsere Verbindung von Christsein und Friedensarbeit nicht passte. - Also: Die Verurteilung anders Glaubender oder Lebender gehört zum Alltag bestimmter Gemeinden. Das ist absolut nicht neu.
Johanes Lehnert

Beobachter schreibt:
03. Oktober 2017, 13:57

Ach Herr Lehnert, da (versuchen) bringen Sie wieder mal so Einiges durcheinander!
Gert Flessing hat es doch klargemacht, daß Gemeinden(noch, auch wenn Sie das gerne anders hätten) das Recht haben, zu entscheiden, wer bei ihnen Verkündigungsdiest tun darf! Was Sie so zu DDR-Zeiten veranstalteten und darum nicht gerda beliebt waren, kann ich jetzt nicht einschätzen(Wäre aber leicht rauszubekommen!) Wolgang Kerst war jedenfalls überall gerne geshen (habe ihn mehrmals persönlicherlebt. Er hat uns z.B. zusammen mit Ebehard Laue manchenches Schöne evangelistische Lied geschenkt!
Und übrigens, es ging und geht dabei niemals um "Vorstellungen" von Gemeindeoberen und deren Wünschen! Und auch nicht um "die Verurteilung anders Glaubender oder Lebender Die Verurteilung anders Glaubender oder Lebender gehört zum Alltag bestimmter Gemeinden".
Wenn , dann ging und geht es immer um SEINE "Vorstellungen" und um seine freimachenden Botschaften und Angeboten zum Christenleben!

Seiten

Folgen Sie Sonntag Sachsen:

Aktuelle Veranstaltungen
  • , – Wolkenstein
  • Gottesdienst
  • Bartholomäuskirche
  • , – Dresden
  • Gottesdienst
  • Kreuzkirche
  • , – Leipzig
  • Konzert
  • Ev.-Luth. St. Laurentiuskirche Leutzsch
Audio-Podcast

Der Twitter-Sonntagticker
Sonntag Sachsen @sonntagticker
Die gute Nachricht: Mehr als die Hälfte aller Deutschen sind Mitglied einer Kirche. Die schlechte: 2018 gab es weit… https://t.co/5rjbDGailG
vor 2 Tagen
Sonntag Sachsen @sonntagticker
Rund 500 Menschen haben am Abend in @StadtLeipzig gegen #Abschiebungen demonstriert. Am Abend zuvor hatte es Krawal… https://t.co/W89VFeja6J
vor 10 Tagen
Sonntag Sachsen @sonntagticker
Es gebe ein "Sachsen-Bashing, das völlig unangebracht ist", sagte der Direktor des Zeitgeschichtlichen Forums in… https://t.co/75y5gQBfio
vor 12 Tagen
Sonntag Sachsen @sonntagticker
Berlinerin Leen Fritz wird neue #Jugendpfarrerin in Dresden. #Jugendkirche @evjusa https://t.co/esEb8q846H
vor 12 Tagen