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so_01-2014

Nr. 1 vom 5. Januar 2014 • 2. Sonntag nach Weihnachten 1,00 Euro / F 699369. Jahrgang Wochenzeitung für die Evangelisch-Lutherische Landeskirche Sachsens Leserservice Tel. (0341) 7114116 Redaktion Tel. (0341) 7114170 Anzeigen Tel. (03643) 246113 www.LKG-Sachsen.de Fon 0351-49242-300 Ihre Bank in Sachsen. AA_Sonntag_40x 60_Titelkopfanzeige.indd 226.03.2012 15:09:56 Glück im neuen Jahr ist keine Frage des Zufalls, sagt die Jahreslosung: »Gott nahe zu sein, ist mein Glück« (Psalm 73, Vers 28). Grafik: Regormark - Fotolia.com »In der Bibel finde ich Unmengen an Glücksangeboten.« Für die Jahreslosung ist Glauben Glück. Doch was ist Glück eigentlich? Ein Krankenhausseel- sorger kann auch im Leid Glück erkennen. Von Stefan Seidel N un kommt auch noch die Jahreslosung 2014 mit ei- nem Glücksratschlag daher: »Gott nahe zu sein, ist mein Glück« (Psalm  73, Vers 28). Es ist ja keines- wegs so, dass es von solchen Glücks- regeln zu wenige in unserer Zeit gäbe. Der Buchmarkt ist überschwemmt mit Titeln wie »Wege zum Glück«, »Glück ist kein Zufall« oder »Die zehn Geheim- nisse des Glücks«. Eigentlich müss- ten wir alle ganz glücklich sein. Per- manent. Denn wir kennen sie, die Re- zepturdesGlücks:Freundschaftenund Hobbies pflegen, auf das rechte Maß von Arbeit und Entspannung achten und: das Genießen. Auch der Glaube gilt als Glücksfak- tor. Studien fanden heraus: der regel- mäßige Kirchgang am Sonntag wirkt sich ebenso positiv auf das Wohlbefin- den aus wie der in einer Gemeinschaft gelebte Glaube. Doch wenn das mit dem Glück nur so einfach wäre. Allen Glücksrezepten zum Trotz ist das Glücklichsein nicht einfach verfügbar. Für viele Menschen endet das Glück, wenn es zu Krankheit und Scheitern, Leiden und Sterben kommt. Dann versagen auch die meis- ten Glücksbücher, die Glück einsei- tig als Wohlbefinden verstehen. Rück- schläge sind da nicht vorgesehen. Sie gelten als das Gegenteil vom Glück, als Unglück. Und machen hilflos. Glück ist nur das gelingende Leben, die optima- le Leistungsfähigkeit. Für den Leipziger Krankenhausseel- sorger Rolf-Michael Turek ist das Kran- kenbett dagegen der Ernstfall des Glücks. »Glück bedeu- tet, auf die eigenen Bedürfnisse zu achten und die eigenen Stärken zum Zuge kommen zu lassen«, sagt er. Eine Krankheit zwinge oft dazu, wieder auf sich zu achten und das zu entdecken, was man braucht, was einem gut tut. »Es ist doch oft eine Frage der Sicht- weise, ob etwas ein Glück oder Un- glück ist«, sagt Turek und wirbt dafür, Probleme zu Herausforderungen um- zudeuten. Und dann erzählt er von einer Pa- tientin, die an Schizophrenie erkrankt ist. Sie war hochbegabt, wollte Mathe- matikerin werden. Doch dann brach die schwere psychische Krankheit aus. Ihre Zukunftsträume zerplatzten. Nun musste diese junge Frau sehen, wie ihre jüngere Schwester, die weniger begabt war, Mathematikerin wurde. Und sie selbst: krank und stark ein- geschränkt in ihren Lebensmöglich- keiten. Doch ihr gelang es, eine neue Aufgabe zu entdecken: »Ich möchte zeigen, dass man auch als an Schizo- phrenie Erkrankte glückliche Zeiten haben kann«, sagte sie ihrem Seelsor- ger. Glück hat viel mit einer inneren Haltung zu tun. Doch was gibt einem die Kraft, ein Unglück in Glück zu verwandeln? Tu- rek empfiehlt den Blick in die Bibel. »In der Bibel finde ich Unmengen an Glücksangeboten«, schwärmt er. Vor allem pocht er auf Psalm 103: »Lobe den Herrn, meine Seele, und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat.« Der Blick sollte öfter auf die Segnungen des Lebens gehen als darauf, was schief lief. Dankbarkeit sei der Wegbereiter für das Glück. Turek hält es für eine Ideologie, zu glauben, dass die Ver- gangenheitdieZukunftbestimme.»Für eine glückliche Kindheit ist es nie zu spät«, sagt er Turek erinnert an die Kraft der Ver- gebung. Gelinge es, erlittenes Übel zu vergeben, werde die Seele entgiftet und der Mensch frei. Nicht zu kurz kommen sollte auch die Vergebung ge- genüber sich selbst. Plötzlich kann das Leben in neuem Licht erscheinen. Dass auch ohne Gott Glück gefun- den werden könne, bestreitet Turek nicht. Sogar lernen könnten die Chris- ten von weltlichen Glückssuchern: dass zum Beispiel die Sexualität und ein Ernstnehmen eigener Bedürfnisse wichtig sind. Der Glaube trage jedoch auch dann, wenn die Schatten kom- men, wenn aus eigener Kraft nicht viel zu machen ist. »AmEndebedeutetGlück,loslassen zu können«, sagt Turek und verweist auf das Märchen »Hans im Glück«. Wer auf Gott vertrauend alles loslassen und alles erwarten kann, der ist glücklich. Glaub’ dich glücklich? Wir sahen seine Herrlichkeit, eine Herrlichkeit als des eingeborenen Sohnes vom Vater, voller Gnade und Wahrheit. Johannes 1, Vers 14b Mit bedächtigen Schritten geht sie die zwei Stu- fen zum Altarraum hoch. Sie schwankt ein bisschen. Eine andere Frau stützt ihr liebevoll den Arm. Im Altarraum liegen große blaue Tücher. Ein kleiner Himmel auf Erden. Darauf die Monatsna- men Januar bis Dezember. Ich lade die Gemeinde zum Jahreswechsel ein, eine Kerze für Vergangenes und Zukünftiges anzuzünden. Dank oder Bitten in der Stille. Mit vorsichtigen Händen nimmt die Frau zwei Kerzen. Sie zündet sie an und stellt sie ab. Eine im Sommer, eine zum Jahresbeginn. Tränen hat sie in den Augen. Im Juli starb ihre Tochter. Im Januar wird sie selbst 86. Manche sagen: »Ach sei froh, dass deine Tochter nicht mehr leiden muss.« Andere sagen: »Ist doch ein Segen, dass du in deinem Alter noch so fit bist.« Sie schweigt und wischt sich eine Träne ab. »Wir sahen seine Herrlichkeit …«, hört sie. Wann sieht ein Mensch die Herrlichkeit Gottes? Sehen Sie hoffnungsvoll in das neue Jahr? Wohin würden Sie ihre Kerze stellen? Das neue Jahr liegt vor uns. Manche Ereignisse sind schon geplant. Vieles ist noch offen. Voll Gnade und Wahrheit will Gott uns begleiten. Vielleicht gibt Ihnen das Sicherheit, manchen Weg zu gehen. Das Licht der Weihnacht möge Ihnen die Wege im neuen Jahr hell erleuchten. So wie die Kerzen der Frau im Gottesdienst zum Jahreswechsel. Mit bedächtigen Schritten geht sie zurück auf ih- ren Sitzplatz. Ihrer Nachbarin flüstert sie zu: »Wenn ich Gott nicht gehabt hätte, dann wüsste ich nicht, wie ich das alles geschafft hätte!« Und die Gemeinde singt dazu: »Gelobt sei deine Treue,/die alle Morgen neue;/LobseidenstarkenHänden,/dieallesHerzleid wenden« (EG 58). Yvette Schwarze Yvette Schwarze ist Pfarrerin von Trebsen im Kirchenbezirk Leisnig-Oschatz. Foto: Bodo Tiedemann Gottes Licht als Zusage auch bei Trauer und Schmerz Wort zur Woche Morde unter Christen Von Andreas Roth Noch ist Weihnachten, noch dringt der Unfrieden draußen nur gedämpft in die Stuben mit denJesus-Krippen.Undwenn,dann sind die Rollen wie in der Idylle von Bethlehem oft klar verteilt: In vielen Predigten bis hin zu der vor dem rö- mischen Petersdom wird die Verfol- gung von Christen beklagt. Christen als Opfer, so wie die heilige Familie einst. Zu recht wird an dieses Un- recht erinnert. Doch es ist nur die halbe Wahrheit, wenn überhaupt. Dort, wo Christen Opfer sind, sind oft auch Christen Täter. Im Schatten unseres Weihnachtsfestes zeigen es die Toten auf den Stra- ßen des Südsudans auf grausige Weise. Vor drei Jahren bejubelte die christliche Welt die Gründung dieses christlichen Staates, zu lange hatten seine Einwohner unter der brutalen Fuchtel der islamischen Regierung des nördlichen Sudan gestanden. Jetzt zerlegen sich die Christen untereinander. Hier wie in vielen anderen Kon- flikten mit christlichen Opfern geht es nicht um Glauben und Konfes- sion. Es geht wahrscheinlich nicht einmal um Hass zwischen verschie- denen Stämmen. Worum es geht, ist so profan wie explosiv: Geld, Macht, Eitelkeiten. Die christlichen Eliten des ölreichen Landes haben sich die Taschen vollgestopft und darüber den Aufbau einer gerechten Gesell- schaft vergessen. Jetzt kommt die Quittung. Von Massenmorden wird berichtet, Beobachter fürchten ein neues Ruanda. Einen Völkermord. Die Welt und mit ihr Deutsch- land sollte nicht noch einmal nur zusehen. Der Weihnachtsfrieden ist das Gegenteil von Friedhofsru- he. Nicht weil es um Christen geht, sondern weil es um Menschen geht. Wegen ihnen ist Gott im Stall von Bethlehem Mensch geworden, we- gen ihnen starb er am Kreuz. Bei- des gehört zu Weihnachten, auch in diesem Jahr. Kommentar

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